Südindien vom 27.01. bis 21.2.2016


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Hinflug Frankfurt – Muskat(Oman) – Chennai

Rückflug Trivandrum – Muskat(Oman) – Frankfurt

Nachdem wir 11/2015 Nordindien von Delhi nach Mumbai auf dem klassischen „Touristentrampelpfad“ durch das „Goldene Dreieck“ mit dem Höhepunkt Taj Mahal in einer kleinen Gruppe mit Phoenix Reisen kennen lernten, schließen wir Südindien, diesmal mit World Insight, an.

Wir fahren 2400 km im Kleinbus von Küste zu Küste, dazu 300 km von Chennai (Madras) nach Bangalore mit der Eisenbahn.
Route

Am 27.1. sprechen uns unser mitreisenden Kieler Dagmar und Klaus bereits auf dem Flughafen in Frankfurt an. Schon bilden wir eine Gruppe. Aber wo bleiben Armin und Heiner? Sie tauchen erst am Flugziel auf.

Mit einer Boeing 787- 800 Dreamliner von Oman Air starten wir abends mit erstaunlich viel Platz nach Muskat(Oman), dem Oman Air Drehkreuz, wo wir nach Chennai umsteigen. Nach dem nasskalten Frankfurt ist es frühmorgens (+3 Std.) in Mucat bereits angenehm warm. In von unseren Mitreisenden entdeckten Ruhesesseln versuchen wir mit Blick auf den Flughafenneubau zum Überbrücken der Wartezeit etwas zu schlafen, was bei dem Gewimmel und fremdländischen Lauten schwer fällt. Flughafenmitarbeiter rufen im Vorbeigehen Abflüge auf. Dazwischen tönt der Muezzin. Tief verschleierte Frauen strömen auf der einen Seite und Männer gegenüber in Gebetsräume.

Wir sind in einer anderen Welt angekommen.

Das merken wir auch beim Weiterflug in einer vollen Boeing 737.

Vor der indischen Migration in Chennai stoßen Armin mit seiner großen „Africatasche“ und Heiner wie aus dem Nichts dazu. Sie waren in den selben Maschinen gut getarnt.

 

Mit unserem klassischen Visum bekommen wir sofort den Einreisestempel. Bei den elektronischen Visa läuft es an anderer Stelle aufwendiger. Vor dem Flughafen erwarten uns spätnachmittags bei über schwülen 30° unser Reiseleiter Harsh, der Kleinbusfahrer und ein Agent um uns ins ca 35 km entfernte Hotel am Bengalischen Strand in Mamalapuram zu verfrachten.
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Von den Hotel-Bungalows zum Hotelrestaurant am Strand ist es ein Katzensprung. Trotz Müdigkeit 20160130_114010werden unsere Lachmuskeln schon beim Kennenlernen wach. Eine lustige Reisegruppe hat sich getroffen.

Vor der Tempelrunde am Freitagmorgen sind wir von dem guten indischen Frühstück im Strandrestaurant, wo 2 Köche wirken, überrascht. Ungeachtet der gespannten Netze schaffen es auch Krähen sich von dem Frühstückstellern zu bedienen.

Mahabalipuram war der wichtigste Seehafen des antiken Pallava Königreichs. Ein Spaziergang führt uns zu den grandiosen Tempeln und Schnitzereien die zum Weltkulturerbe gehören. Die Tempel wurden im 7. Jahrhundert in den Stein gemeißelt. Der Strandtempel 2016_01_02_Südindien (95)erhebt sich mit seinen 2 Türmen wie eine große Faust aus Stein über dem Meer. Seine Reliefs sind von erstklassiger Qualität, obwohl der Zahn der Zeit ganz schön nagt. Die beiden Tempel erheben sich über Shivaschreinen. Am Südrand des Ortes sind die 5 Rathas (Transportmittel der Götter) aus einem einzigen Felsen gehauen. Jeder dieser Tempel ist einer Hindugottheit gewidmet und mit einem Tierrelief verziert.
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2016_01_02_Südindien (37)Besonders ins Auge stößt ein gigantisches Relief -Archunas Buße-, für uns ein Steinmetzwunder. Es ist in einen riesigen Felsen gehauen und quillt von Szenen aus Mythen und Bildern des Lebensalltages über.

Nachmittags wollen wir eigentlich am Sandstrand relaxen, der uns und streunenden Hunden fast alleine gehört, so daß wir es vorziehen zum Schwimmbad auszuweichen, wo sich bereits Männern in Schwimmringen unter strenger Aufsicht eines trillernden Bademeisters tummeln. Als uns das Becken alleine gehört wissen wir warum: Es ist für Nichtschwimmer zu tief.

Das indische Essen mit seiner Gewürzvielfalt ist gewöhnungsbedürftig, wobei die Wahl zwischen Vegetarisch, Huhn oder Fisch nichts zu wünschen lässt.

Kanchiburam ist eine hektische moderne typische indische Stadt und bekannt für Seiden und Sariwebereien. Sie war die Vorgängerin der gestrigen Hauptstadt der Pallavadynastie. Um den lebendigen Chiva Tempel Kailashnatha zu besichtigen heißt es Schuhe aus und lange Hosen an.20160201_093305

Die niedrige Sandsteinanlage zeigt tolle Reliefs mit vielen halb tierischen Gottheiten. Im Mittelpunkt steht ein großer prismenförmiger Turm den wir als Nichthindus nur von Außen bestaunen dürfen. Von den 5 Shivatempeln, die den 5 Elementen zugeordnet sind ist der Ekambareswara Tempel dem Element Erde zugeordnet. Wir betreten die riesige Anlage durch einen 60 m hohen unbemalten Turm mit lebendigen Reliefs. Ein Mangobaum erinnert an eine Götterhuldigung Shivas.

Bei der anschließenden Seidenwebereibesichtigung sehen wir Webern bei der Arbeit an uralten Webstühlen als Vorlauf20160130_121835 für den Besuch des großen Verkaufsraum zu.

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Bevor es zur verkehrsreichen Standrundfahrt und zum Hotel nach Chennai weiter geht genießen wir alleine einen Bummel durch die Gassen mit vielen Seidensariläden, die nur Barfuß betreten werden dürfen. Bei den Marktständen quellen die Farben der Blumenblüten über und ein vielfältiges Obst- und Gemüseangebot lockt.

In Chennai heißt es früh aufstehen, unser Bus bringt uns bereits um 5 Uhr bei schon viel Verkehr und Menschen auf den Straßen zum Zug nach Bangalore. Auf dem Weg vor und durch den Bahnhof zu den Gleisen strömen Reisende. Uns fallen die auf dem Boden Schlafenden genauso ins Auge wie der gegenüber unserem Zug wartende Personenzug mit offenen Waggons ohne Sitze. Wir sitzen in vollbesetzter 1.Klasse mit nummerierten Plätzen. Am Wageneingang klebt ein EDV-Ausdruck, der jedem Fahrgast noch einmal zeigt, wo er richtig ist.

Auf unserer 3 stündigen bequemen Zugreise durch fruchtbare Landschaften und lebendigen Ortschaften gibt es Zeitungen, Frühstück, viel zu Trinken und eine benutzbare Toilette.

In einem neuen Bus für 7 Personen, leider ohne Sicherheitsgurte, verlassen wir Bangalore ohne weiteres auf einer 4spurigen mautpflichtigen Autobahn. 3 Ernten sind angesagt.. Wir sehen Reisfelder in den verschiedensten Wachstumsstadien, Kokospalmen, Zuckerrohr, Bananen von klein bis groß.

Reis dreschen ohne Dreschmaschine sticht natürlich ins Auge. Das Getreide liegt einerseits zum Überrollen einfach auf der Straße andererseits wird es ausgeschlagen und der Wind zum Trennen der Spreu genutzt.

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Wir kommen Sonntags noch bei Helligkeit in Hassan an und nutzen nach einem Rundgang die Gelegenheit das nahe Kaufhaus mit Vollsortiment und Preisauszeichnung kennen zu lernen. Beim Stöbern stoßen wir auf unsere Mitreisenden, die auf gleicher Wellenlänge ticken.

Und wieder rufen Tempel. In Belur und Halebid erwarten uns aktive Tempel mit kunstfertigen und aus schwarzem Stein gemeißelten Reliefen.

Zurück geht es über Hassan zur großen JaintempelJain-Tempelanlage in die Pilgerstadt Sravanabelagola, wo eine 17,5 m hohe Statue einer jainistischen Gottheit auf einem kahlen Berg drohnt, die die höchste aus einem einzigen Steinblock heraus gehauene Statue der Welt sein soll. Wir schließen uns dem barfüßigen Aufstieg über 600 Stufen auf kahlem Fels bei brütender Nachmittagshitze nicht an, denken lieber an unsere Gesundheit und nutzen die Gelegenheit den kleinen Ort mit seinen Affen, der alle 12 Jahre von Millionen Gläubigen heimgesucht wird (wieder 2018) kennen zu lernen.

Unsere Weiterfahrt nach Mysore führt durch fruchtbare Gebiete mit Reis und Zuckerrohranbau vorbei an Stauseen und Bewässerungsgräben. Immer wieder sehen wir wie Reis händisch gedroschen wird .

In der Abenddämmerung kommen uns teils in Viererkolonnen mit Zuckerrohr hochbeladene Ochsenkarren auf der Straße entgegen ohne dass wir eine dampfende Zuckerfabrik erkennen können. Dafür staunen wir beim Vorbeifahren über die eng gepfercht stehenden hochbeladenen Ochsenkarren auf dem umzäunten großen Fabrikvorplatz ohne das ein LKW oder Traktor zu sehen waren.

Vor unserem Hotel in Mysore ist die Straße aufgerissen. Am Hoteleingang wirbt ein großes Plakat „3. Getränk frei“. Außer uns lockt es damit aber keine Restaurantgäste. Als Gisela ein 3. Kingfisher ordert, will den vielen Kellnern ihre 3. Bierbestellung nicht in den Kopf gehen, bis unsere lustige Runde überzeugen kann.

Unser morgendlicher Ausflug nach2016_01_02_Südindien (287) Somnathpur schließt mit dem meisterlichen sternförmigen majestätischen Keshava Tempel nahtlos an Belur und Halebid an. Wir bestaunen einzigartige Steinreliefs und Skulpturen mit Mystischen- und Alltagsszenen, betrachten lange hohe Mauern und das große Wasserbecken.

Zurück in Mysore besichtigen wir den heute teils musealen Maharadschapalast von 1912, der an Stelle seines abgebrannten Vorgängers entstand. Kaum vorstellbar, dass das Ganze damals nur 4,5Mio € gekostet haben soll.

 

20160205_1057242016_01_02_Südindien (307)Auch hier heißt es wir wieder Schuhe aus und Fotoapparate abgeben, im Palastinneren ist fotografieren streng verboten. Als es indische Touris mit ihrem Handy trotzdem wagen fackelte unsere weiß bekleideter Begleiter nicht lange, reißt die Handys an sich und läßt die Fotos löschen.

Bei aller Großartigkeit des Palastes begeistern uns insbesondere die Augen in großen Portraits, die mit dem vorbeiziehenden Betrachter wandern.

2016_01_02_Südindien (327)     Der nahe Blumenmarkt entpuppt sich als riesiger Markt, wo es alles gibt, was das Herz begehrt. Für Armin auch einen „Spar“Gurkenschäler. Beim Hühnerschlachter kommt das junge Huhn aus vollen Käfigen direkt zum Mann am Fenster mit dem großen Messer in der Hand. Aber bevor sein Messer fällt gibt es noch einen Wassertropfen auf den Hühnerkopf. Das weitere Procedere, das nichts für Frauenaugen war, verschließt sich uns. Eine Querstraße weiter wird das verkaufsfertige Huhn angeboten. Die wenigen offenen Metzgerbuden daneben laden uns auch nicht zum Kauf ein. Um die Ziegen- und Schafgerippe bzw. Teile schwirren Fliegen. Lecker und erst der Geruch!

Unser 2. Fahrer verabschiedet sich bevor es in die Bergwelt und durch das Mudumalai Tiger Reservat weiter ins hochgelegene und kühle Ooty, dem heutigen Sommersitz wohlhabender Inder in den blauen Bergen (Nilgires), geht. Leider bleibt uns keine wirkliche Gelegenheit die Hirsche,Wildschweine mit Ferkel, Elefanten und Mungo zu beobachten. Das Reservat ist kein Programmpunkt und dient uns nur zur Durchfahrt von Karnataka in ein neues Bundesland,Tamil Nadu.

In der Hügellandschaft sorgen chaotische Überholmanövern für Angstschweiß und Aufschreie. Insbesondere als wir bemerken dass der Busfahrer zum Bremsen auf die Handbremse zurückgreift. Er sieht das eher locker, liefert uns aber wegen der steilen Parkplatzzufahrt nicht unmittelbar vor unserer Teefabrik mit Museum und dem Hotel ab.

2016_01_02_Südindien (855)An den Hängen wachsen nicht nur Teebüsche. Es sind auch Karottenfelder und Beete in unterschiedlichsten Wachstumsstadien zu erkennen.

Mit uns interessieren sich in einer der Teefabriken an der Hangstraße auch indische Schüler für den Produktionsablauf von den grünen Blättern bis zum verpackten Endprodukt „Tee“. Als 2. Standbein wird Schokolade hergestellt und verkauft.

Unser Busfahrer wird morgens freudig begrüßt, als der Bus mit neuem Bremsschlauch vor dem Hoteleingang hält, wo bereits Affen für Aufmerksamkeit sorgen, die schon am Hotelfenster beim Frühstücken zuschauten.

Die Ganztagsfahrt nach Trichy führt uns erst durch die wunderschöne grüne Bergwelt zuerst zum Bahnhof der Schmalspur-Zahnradbahn, die wie eine Spielzeugeisenbahn aussieht, in Concor. Auch sie ist Weltkulturerbe und verbindet Ooty mit einer Talstation. Spezielle Kammräder in der Lokomotive greifen in eine verzahnte Mittelschiene um die steilen Steigungen zu bewältigen.

An uns ziehen Wälder, Wasserfälle, Teeplantagen in einem langgestreckten Tal vorbei. Affen am Straßenrand lassen sich von chaotischen Überholern nicht schrecken.

Je tiefer wir kommen, desto wärmer wird es wieder. (über 30°) In der Ebene ziehen Reis, -Baumwolle- und Tabakfelder an uns vorbei. Wir fahren auf Nebenstraßen ohne halsbrecherischen Verkehr.

Wieder schwächelt unser Bus als kurz vor dem Ziel Trichy die Klimaanlage ausfällt und wir die Fenster für Zugluft öffnen müssen.

In der großen Hotelanlage außerhalb von Trichy treffen wir beide nach dem Hotelessen beim Beine vertreten auf eine Gruppe Monteure der Fa. Voith, die vor ihrem Hotelbungalow gemütlich beim Grillen deutscher Bratwurst und selbstgebackenem Brot zusammen sitzen. Unüberhörbar deutsche Töne locken uns an. Gerne greifen wir bei den angebotenen leckeren Würstchen und Bier zu, hören, dass sie seit über einem Jahr eine Papierfabrik bauen, die kurz vor der Fertigstellung stehe und der indische Arbeitsalltag sich genauso chaotisch wie der Verkehr gestalte. Die Bungalowanlage des Hotels, dass das bestes Hotel am Platz sei, diene als Quartier. Als Besonderheit bekommen wir die Wassereinfüllstutzen neben dem Bungalow gezeigt, wo 2 Mal täglich kaltes und warmes Wasser für das Hotel angeliefert werde.

 

Wieder erwartet uns ein Tempeltag. Die 420 Stufen zum Rock-Fort-Tempel, der auf einem mächtigen Felsvorsprung ruht, schaffen wir locker. Der Ausblick ist grandios. Unter uns kreisen Adler und man sieht ganz Trichy im morgendlichen Dunst. Bei unserem Treppen-Frühsport kommen wir an Höhlentempeln und vorbei einer Tafel, die Shiva zeigt wie er das Wasser des Ganges mit einer einzelnen Haarsträhne in Schach hält, bevor wir vor dem Turm mit goldener Spitze stehen.

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Weiter geht es in die wohl größte indische Hindu-Tempelanlage SriRanganathaswamy. Sie umfaßt 49 Schreine, die Vishnu gewidmet sind. Wir zählen 21 Tempel von denen der höchste mit 73 m zugleich der höchste Tempelturm Asiens sein soll. Wir spazieren durch mehrere Straße mit Verkehr, vorbei an Restaurants und Verkaufsständen bevor wir das eigentliche Tempelgelände erreichen. Nach dem obligatorischen Schuhe ausziehen bietet der Aussichtspunkt auf einem Dach einen guten Überblick. Überall ist spirituelles zu sehen. Priester mit nackten Oberkörpern zelebrieren mit einzelnen Gläubigen ihre Segen. Am heiligen Fluß Kaveri in dem sich Frauen und Männer getrennt rein waschen segnet ein Elefant gegen Entgelt- er trennt sauber zwischen Geldscheinen die er seinen Führer gibt und gereichtem Futter- den Kopf des Spenders durch Auflegen des Rüssels als Glücksbringer. Auch Heiner läßt sich vom Stupser des Elefantenrüssels Glück bringen.

 

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In Tanjore umrunden wir das mit Tempeltürmen bestückte große wasservolle Sivaganga-Becken, wo schon am Straßenrand mächtige Tempelwagen für das nächste Fest hergerichtet werden.Wir können uns kaum vorstellen, daß von hier aus einmal ein Königreich den Hinduismus über Indiens Grenzen verbreitete.

Im anschließenden Tempel mit geräumigen Kuhstall begrüßen uns rot bemalte Hörner heiliger Kühe, die auf ihr bereitliegendes Spendenfutter warten.

Immer wieder staunen wir über das allgegenwärtige spirituelle Leben um uns herum.

Das nächste Weltkulturerbe wartet bei dem mit einer riesigen Festungsanlage umgebene Brihadishware–Tempel mit der größten Statue von Shivas heiligem Bulle Nandi in der Mitte. Der Tempelturm strahlt in einer Farbenvielfalt. Mit uns sind Schulklassen unterwegs für die wir gegenseitig neben den Götterdarstellungen begehrte Fotoobjekte sind.

 

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Vorbei an Cashewkernverkaufsständen, wo die frischen Kerne geschält und geröstet werden, kommen wir nach Chettinado, wo eine Gemeinschaft von Händlern im 19. Jahrhundert ihre palastartigen Häuser mit dem feinsten ausstatteten, bevor nach dem 2. Weltkrieg ihr Handelsnetz zerbrach und die verlassenen Villen ihrem Schicksal überlassen waren. Inzwischen sind viele Häuser in historische Hotels verwandelt. Uns erwartet Essen und Vorkochen der Chettinad-Küche mit ihrer besonderen Gewürzverwendung. Als Vorgeschmack werden uns einzelne leckere Speisen auf große Bananenblätter serviert. Für uns gab es extra Besteck, ein Inder ißt mit Fingern.

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Dann wird schnell das vollständige Kochequipment aufgebaut, bevor unsere Köchin mit aus 2 DIN A 4 Blättern geheftetem Kochhut in Kochjacke ein köstliches Essen mit Chettinad-Huhn und Nachtisch zubereitet, das wir lecker, lustig verkosten. Mal sehen ob wir mit dem verteilten Chettinad-Hühner-Rezept einschließlich Zutatenliste für die Gewürzmischung klar kommen können.

Auf dem weiteren Weg nach Madurai lernen wir alle denkbaren Typen indischer Fahrstraßen kennen. Vom staubigen tiefspurigen Feldweg, schmaler löchriger Nebenstraße, Baustelle, neuer Landstraße, mautpflichtige Autobahn ist alles dabei.

Unser vor den Toren Madurais liegende stark frequentierte Hotel Poppis besitzt keine Konzession für alkoholische Getränke, was wir am Abend schnell merken. Die Bierflaschen sind zur Tarnung mit Zeitungspapier umwickelt, was aber uns genauso wenig stört wie dass warmes Bier am Tisch erst in Eiswürfelwasser gebadet werden muß.

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Bevor wir Sonntags die Tempelanlage Sri Meenakshi ansteuern müssen wir wegen der strengen Sicherheitskontrolle unsere Taschen (Foto, Batterien, Taschenmesser etc.) wie vor einem Flugcheck, leeren ehe wir uns barfuß in das Tempelgetümmel begeben. Unsere Sachen können wir in einem mehrstöckigen Touriladen deponieren von dessen Dachbalkon sich eine tolle Aussicht über die Stadt und die Tempelanlage mit 12 hoch-aufragenden bunt bemalten Figurentortürmen bietet. Überall begegnen uns andächtige Gläubige, die teils in langer Schlange anstehen, dazwischen sitzen Priester auf dem Boden die Begehrte typische individuelle Riten vollziehen, es geht vorbei an Verkaufsständen für Devotionen, es ist richtig was los, auch in dem musealen Tempel, wo wir in der 1000 Säulenhalle Steinmetzkunst bestaunen.

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Entspannt machen wir in der Mittagshitze einen einstündigen Rundgang durch das geschäftige Zentrum, bevor es zurück ins Hotel geht. Abends sitzen wir erst im 7 Stock auf einer Dachterrasse eines Innenstadtrestaurants bevor es mit dem Tuk Tuk zurück zum nahen Tempel geht. Wir warten vor dem uns verschlossenen

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Allerheiligsten, vor dem sich viel Gläubige drängen, auf die Tempelzeremonie. Angeführt von einem Trompeter, Trommler und Quetschkommodenspieler nähert sich die abendliche Prozession bei der Shivas in einer kleinen Sänfte, die von jeweils 2 kräftigen Priestern getragen wird, von seiner Braut zu der er morgens kommt, zurückgebracht wird. Bei der vor uns abgestellten Sänfte erleben wir unmittelbar im Zuschauerkreis wie die Priester ihrem Gott huldigen. Dabei wird auch ein für uns merkwürdig riechendes Gemisch verbrannt das den Atem verschlagen kann und bei Gisela Atemnot auslöst.

Zurück im Hotel haben wir beim Absacker das Glück, das einzige Bier zu ergatttern.

Nach den vielen Tempeln ist die Natur- und Tierwelt angesagt. Es geht vorbei an großen Reis- und Zuckerrohrfeldern, durch quirlige Ort, auf engen Serpentinen nach Kumuli/Thekkady, wo wir im Elefantencamp für unseren kurzen Elefantenritt schon erwartet werden.

Von einem in den Hang gebautem2016_01_02_Südindien (709)2016_01_02_Südindien (710)IMG-20160209-WA0033 Podest klettern wir zu Dritt auf 2 Elefanten, die uns von Führern geleitet, eine Runde durch eine Pimentplantage unter hohen Bäumen schaukeln. Da heißt es bei dem Fotoevent festhalten, um nicht von hoher Warte zu fallen.


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Beim anschließenden Elefantenbad übernimmt Klaus das Abschrubben eines sich flachlegenden Elefanten. Als Lohn bekommt er vom aufstehenden Elefanten mehrere Frischwasserduschstöße aus dem Rüssel, bevor es weiter zur nahen Gewürzplantage mit ihrem interessanten Gewürzgarten geht. Ein gut deutschsprechender Inder führt uns durch die angebaute Gewürzwelt und zeigt uns, dass Pfeffer in Indien als Schlingpflanze wächst, Piment vier Gewürze bündelt, Vanilleschoten, Muskatnüsse, kratzt von der Baumrinde Zimt, bringt die grüne eingetopfte Steviapflanze und vieles mehr. Bevor es in den bestens sortierten Verkaufsraum geht, kommen wir an dem offenen Kuhstall voller schwarz-weißer Milchkühe vorbei, die den Melkvorgang an einer offenen Melkanlage schon hinter sich haben.

In Kumuly kommen wir von Tamil Nadu in das Bundesland Kerala. Am Ortseingang muß wieder eine Zollschranke passiert und der Bus registriert werden bevor wir diese Touristenhochburg mit dem großen Angebot an Gewürzen kennen lernen können. Unser älteres Hotel liegt zentrumsnahe und bietet eine gute Bummelgelegenheit.

Am nächsten morgen heißt es wieder früh für einen 2 stündigen Spaziergang durch Südindiens bekanntestes Naturschutzgebiet Periyar aufzustehen. Beim Parkeingang wartet schon eine lange Bus, PKW und Tuc Tuc Schlange vor der geschlossenen Schranke. Später warten Menschentrauben am Wasserufer auf die Parkguids. Bevor es los geht müssen wir uns in ein dickes Buch eintragen.

Bei unserem Spaziergang mit einem Parkguide im Morgentau anfangs entlang einem Ufer sehen wir zwar Elefantenlosungen aber auch durch den Urwald zeigt sich uns in der frühen Morgenstunde kein Tier, obwohl der Guide mit Dagmars Fototele eifrig sucht und glaubt damit etwas auszumachen was sich uns verschließt. Erst nach einer Floß-Überfahrt zurück zum Ausgangspunkt wird es wieder lebendig turnen doch Affen zwischen den vielen Touristen.

Von der nachmittägliche Jeepsafarie zu Aussichtspunkten in der umliegenden grünen Hügelwelt mit unterwegs großen christlichen Kirchen zurück streifen wir wieder durch die Geschäftswelt von Kumuly, die uns vorbei an einer großen christlichen Kreuzstatue unter den Rufen des Muezzins durch eine typische Grenzstadt, wenn auch im selben Land führt. Auf der einen Seite quirlige Geschäfte, nach der Schrank Buden und eine lange Busschlange zu der die Fahrgäste eilen.

2 Schiffe 2016_01_02_Südindien (902) 2016_01_02_Südindien (947) warten schon in einer langen eng nebeneinander liegenden Bootreihe auf uns, als wir nach einer schönen Berglandschaft mit langen Tälern und Teeplantagen in Alleppey am Einstiegsufer für Touren auf den Backwaters von Kerala, die ein riesiges Netzwerk an Kanälen mit mehr als 2000 Hausbooten bilden, ankommen.

Nach dem chaotischen Verkehr ist es eine Wohltat einzuschiffen.

Zur Begrüßung gibt es für jeden eine rote Rose und zur Erfrischung eine Kokosnuss. Uns überraschen zwei luxuriöse Kabinen a la Hotel mit extra Nasszelle und Klimaanlage. Dagmar und Klaus weichen als erfahrene Segler auf das 2. Schiff mit offenem Oberdeck aus. Die dienstbaren Geister schlafen auf den Bänken.

Mittags-, Abendessen und Frühstück, wir werden bestens am großen Deckstisch voll verpflegt und genießen auf dem Oberdeck den angenehmen Fahrtwind, bestaunen bei unserer Rundfahrt die vielen anderen Schiffen und das Uferleben bei den Kanaldurchfahrten. Beim abendlichen Anlegen an einem Ufer werden wir mit Strom versorgt. Die Klimaanlage in unserer Kajüte läuft bis nachts Starkregen einsetzt von dem morgens nichts mehr zu merken ist.

Von der leider viel zu kurzen Bootstour geht es nach dem Frühstück zurück zum Ausgangspunkt und weiter nach Kochi direkt ins quirlige Touristenzentrum mit seinen historischen Sehenswürdikeiten.2016_01_02_Südindien (1017)

Vorbei am Getümmel vor Antiquitäten, Souvenirgeschäften und Ständen spazieren wir zu den großen freischwebenden chinesischen Fischernetzen, mit denen vor unseren Augen gefischt wird.2016_01_02_Südindien (1012)

Über die im Umbau befindliche Kirche St. Franziskus, die 1503 von portugischischen Franziskanermönchen errichtet wurde und in der noch eine Grabplatte daran erinnert dass die sterblichen Überreste des Entdeckers Vasco de Gamas einmal hier ruhten bevor sie nach Lissabon kamen, geht es ins jüdische Viertel. Bei der Synagoge stechen die vielen Deckenleuchten, prachtvollen Kandelaber und Buntglaslampen ins Auge.

Weiter auf vollen Touristenpfaden erreichen wir den holländischen Palast mit seinen gut erhaltenen hinduistischen Wandgemälden. Im ersten Stock sehen wir die Porträtgalerie des Maharadschas, eine Sänftensammlung, mit Juwelen besetzte Kleidungsstücke unter schönen geschnitzten Decken.

Viel zu schnell geht es ins innerstädtische Hotel in Kochi, vor dem die Metrohochbahnbaustelle vorbeiführt. Die danebenliegende moderne Mall, sowie die Geschäfte und Banken, einschließlich Mc Donald überzeugen uns nicht.

2016_01_02_Südindien (1050)2016_01_02_Südindien (1055)Dafür erleben wir abends unvergessliches Kathakali, den prachtvollen Tanz Keralas, der seit über 400 Jahren Geschichten durch Pantomime erzählt.

Nach dem Schminken auf der Bühne -das Make-up ist die langsame Verwandlung des Sterblichen in unsterbliche Gottheiten und Dämonen- führt ein Mime in großartigem Kostüm begleitete von einem erläuternden Trommeler in die Kunst von Gestik, Augenrollen und Bewegungsabläufen ein bevor uns das eindrucksvolle 2 Personen Drama, in dem der Prinz verführt werden soll, in seiner ungewöhnlichen Darbietung in den Bann zieht und begeistert.

Anschließend finden wir einen Chinesen quasi zum Abschiedsessen von unserem Reiseleiter.

20160129_101536Der letzte Tag unserer Tour ist vom strammen Autofahren auf der viel befahrenen durchgehend bebauten Küstenstraße geprägt um unser Badeaufenthaltsziel Kovalam rechtzeitig zu erreichen, damit unser Reiseleiter seinen Rückflug nach Delhi nicht verpasst, was nach einem langen Stau durch eine Wahlveranstaltung der KPI, die sich bereits lange durch rote Fahnen mit Hammer und Sichel ankündigte, fraglich erscheint.20160212_113207

Nach schneller und hektischer Verabschiedung von Reiseleiter und Busfahrer genießen wir anfangs gemeinsam herrliche Strandtage an der buchtreichen Küste am arabischen Meer, bevor sich unsere Runde Zug um Zug verabschiedet.

Vor unserem Hotel trennt eine breite Schutzmauer, auf deren Krone Restaurants Tische in Reihe aufgestellt haben bzw. Sonnenschirme über Liegen zum relaxen einladen, den schmalen Meerzugang von der großen sandigen Bucht. Dagmar und Klaus stürzen sich gleich als einzige in die hohe Dünung. Die vielen indischen Badegäste tummeln sich Buchten weiter. Sie stehen am Strand mit einer Strandpromenade einerseits mit Moschee anderseits vielen Restaurants und Geschäften teils mit voller Bekleidung im Wasser und lassen sich von Wellen überraschen.


2016_01_02_Südindien (1071)20160215_114942     Baden war bei dem teilweise hohen Wellengang für uns so nicht angesagt. Wir ziehen den Hotelpool vor, wobei zu unserer Überraschung bei den Pools zwischen Weißen und Indern getrennt wird. Täglich spazieren schweißtriefend über steile Wege und Pfade vorbei an Buchten zum großen Leuchtturm über dem Hauptstrand des Ortes mit seiner geschäftigen langen Promenade, die zum Bummeln einlädt.

Restaurants, die abends den frischen Fisch an der offenen Front präsentieren und anbieten, reihen sich aneinander. Schmale unbefestigte Gässchen führen nach hinten zu Hotels und Läden -auffällig viele Schneider vor Nähmaschinen- die genauso auf Touristen warten wie die allgegenwärtigen Strandliegenvermieter.

Eine große Hochzeitsgesellschaft, die mehrere Hotels belegt, wird bei der Ankunft in unserem Hotel von Trommlern und einem Kathakalidarsteller begrüßt. Auch wir sind neugierig. Als Fotoobjekt     überrascht uns eine abendliche Einladung zu einer großen Vorhochzeitsveranstaltung in einem anderen Hotel, die wir uns vorsichtshalber schriftlich bestätigen lassen. Obwohl wir auffallen lassen wir uns wie die anderen über 1000 Gäste das leckere großartige Buffetmit seinen vielen Stationen schmecken und erleben eine für uns gewöhnungsbedürftige aufwendige Bühnenschau auf einer schon Tage vorher aufgebauten Freiluftbühne. Von dem Brautpaar sehen wir genausowenig wie von den Einladern. Für die eigentliche Hochzeitszeremonie am nächsten Nachmittag wird eine weitere Bühne andernorts aufgebaut, die an einen Palast erinnert. Außer einen auf einem offenen Pickup angekarrten gesattelten Schimmel sehen wir davon nichts.

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Unser Rückflug verlief glatt in vollen Flugzeugen, nur das Dreamliner Nr.2 von Oman Air von Muscat nach Frankfurt enger bestuhlt war.

Sonntagmorgen 4.00 wartet das von uns tags zuvor auf der Straße bestellte Taxi nicht aber das Frühstück, dann wir auf dem Flughafen in Trivandrum, der sich noch im Sonntagsmorgenanlauf befindet. Die bekannten Liegesessel in Muscat sind stark frequentiert und in Frankfurt klappt alles mit dem Abholen.

Südindien, die Reise und das Programm haben uns sehr gut gefallen und viele neue Eindrücke vermittelt. Das Alter unserer immer netten,aufgeschlossenen, harmonischen, interessierten Gruppe passte.