2017_08 New Brunswick, Nova Scotia entlang dem Fundy Bay

Willkommen in Canada.

An der Grenze über den Fluß von Calais/Maine nach St. Stephen/New Brunswick begrüßt uns so eine nette Grenzerin. Nach ihren Routinefragen aus ihrem Häuschen weist sie uns mit einem gelben Zettel zum gegenüberliegenden Gebäude, wo wir ohne weiteres 6 Monate Aufenthaltsgenehmigung erhalten und das US-Dokument abgeben. Das Ganze ist eine Minutensache. An unserem Womo besteht kein Interesse. Wir überschreiten die Zeitzonengrenze zwischen Eastern- und Atlantik Time und stellen die Uhr 1 Stunde (von 6 auf 5 Stunden zu Deutschland) vor.

Wir fahren den „Fundy Costal Drive“ der uns mit seiner guten Beschulderung -weißer Leuchtturm auf blauem Grund- entlang dem Fundy Bay leitet. In St. Andrew erinnert ein von Geschützen umrandeter Festungsturm, der wie ein Abbild eines Limeswachturm wirkt, an die Historie, war doch das Gebiet Zankapfel zwischen der noch nicht lange unabhängigen USA und der Kolonialmacht England. Einige der weißen Schindelhäuser stammen noch aus Maine Aus den amerikanischen Kolonien geflüchteten Kolonialisten hatten ihre Häuser einfach per Schiff mitgenommen. Dazwischen äsen Hirsche mitten im Ort.

Die unvorstellbaren Wassermassen, die 2 x täglich durch das weitläufige Fundy Bay strömen, bestimmen das herrliche Küstenpanorama. Allein auf kleinen Plagegeister wie Mücken und Bremsen heißt es aufzupassen.

 

 

Ein Naturphänomen erleben wir in St. John, der größten Stadt von New Brunswick an der Mündung des Saint John River in die Bay. Bei den „Reversing Fall Rapids“ ändert der Fluß 2 mal täglich seine Fließrichtung von flußabwärts in flußaufwärts. Der Tidenhub von über 8 m ändert die Verhältnisse an den Stromschnellen vor der Flußmündung. Wenn das Wasser in der Bay ansteigt, erreicht es bei der Gezeitengleichheit die Höhe des Flußwasserstandes. Die Strömung ist ausgeglichen und Boote können den Fluß für ca. 20Min. ungehindert in beide Richtungen befahren. Schreitet die Flut fort, ändert sich das Bild weiter. Das Meerwasser ist stärker als der Fluß, so daß der Fluß scheinbar seine Fließrichtung ändert.

Menschenscharen ziehen am „New Brunswick Day“ zu den Höhlen von St. Martin. Es ist ein für uns überraschender Feiertag an dem das öffentliche Leben einschließlich der Geschäftswelt ruht,. Sie bevölkern bei Ebbe den breiten Strand auf ihrem Weg zu den Höhlen. Vereinzelt stürzen sie sich sogar in die Fluten. Mit der Flut werden die Parkplätze wieder frei und wir können überraschend am Ufer stehen.

Das Wetter bleibt wechselhaft, teilweise begleitet uns Dauerregen nach herrlichen Sonnentagen. So auch in Sussex einer früheren großen Garnisonsstadt, wo der Eingang der Information im früheren Bahnhof, der gleichzeitig ein Militärmuseum ist, von einem Schützenpanzer bewacht wird.

Unser eigenwilliges GPS wählt letztlich eine breite Schotterstraße zum und durch den „Fundy Nationalpark“ ein breit erschlossenes Wandergebiet, einschließlich Golfplatz. Die vielen Mücken und der Wetterbericht vertreiben uns schnell.

Die Kanadier verstehen Marketing. Am „Hopewell Cape“ warten große Parkplätze mit Einweisern auf die Besucher der „ Flowerpot Rocks“, von den Fluten aus den Felsen gewaschen Säulen. Bei Ebbe gilt es einen kostenpflichtigen Spaziergang um die Felsen, die wie kleine mit Kiefern bewachsene Inseln aussehen, zu machen. Das geht woanders genauso spektakulär kostenfrei.

Über Moncon, die Land-und Eisenbahnverbindung nach Nova Scotia kommen wir auf dem „Acadien Costal Drive“ an den Atlantic. Die französiche Trikolore mit Stern am oberen hinteren Rand, der für Maria -Schutzpatronin der Acadier- steht, zeigt an, daß wir in eine französichsprachige Region kommen.

Beim „Cape Pele“ erwartet uns eine Sonntagsmorgenüberraschung. Unser Hinterreifen ist platt. Für uns ist Reifenwechsel eigentlich Routine. Aber eine Schraube der Ersatzradhalterung trotz Rostlöser und unseren Anstrengungen. Wir finden einen hilfsbereiter Tankwart in einer nahen Tankstelle der spontan trotz teilweise Hochbetrieb an seinen Tanksäulen hilft. Dabei bricht die Halterung ab, die nach dem Reifenwechsel -für den neuen Chinesen aus Florida in Charleston montiert- durch Draht ersetzt wird. Er will keine Bezahlung und erinnert an vielfache Hilfen bei seinem Deutschlandaufenthalt.

Die Brücke nach „Prince Edward Island“ lädt uns wetterbedingt nicht zum Queren des Atlantiks ein.

Von Armherst, Nova Scotia, geht es wieder an das Bay von Fundy. Diesmal auf der Lighthouse Route.

Über die „Joggins Fossilcliff“ (Unesco) mit seinen erdgeschichtlichen Faltungen erwarten uns die Saurier in „Parrsboro- Geologiemuseum-“ und das „Patrigde Island“ vor dem das „Ottawahouse“ zugleich als Gasthof und Museum an alte Zeiten erinnert. Erbaut von einem Eisenbahnmogul, dann Sommersitz des kanadischen Gouverneurs blühten hier im 19. Jahrhundert Handelsgeschäfte an die nur noch Bildtafeln erinnern. Wir genießen den Strand und die hohe Tide.

 

 

Das Naturschauspiel „Tidal Bore“ in Truro, Nova Scotia, hätten wir beinahe wieder verpaßt, obwohl wir vor Ort nächtigen. Die Innenstadtinformation zeigt sich wie vor einem Jahr informationslos und gibt uns keinen entsprechenden Hinweis auch auf die Parkmöglichkeiten.

Vor unseren Füssen löst die mächtige Tide 2x täglich eine Flutwelle aus wenn das Baywasser auf den Salomonriver trifft. Pünktlich nach dem Tideplan hören wir es schon in der Ferne rauschen wenn die Flutwelle sogar nachts beleuchtet, anstürmt.

Endlich mal wieder schönes Wetter am „Motton Cove Beach“, wo wir unmittelbar am Ufer stehen und die hohe Tide vor unseren Füßen genießen. Bei Ebbe können

 

 

 

wir wunderschön am breiten steinigen Strand und den geschichteten Klippen spazieren.

 

 

In Grande Pre rasten jetzt die Strandpiper auf ihrem Flug von den Brutplätzen in Alaska zum kolumbischen Winterquartier. Mit der Flut kommen die kleinen quirrligen unscheinbaren Vögel in Schwärmen um sich als Nichtschwimmer für ihren 3 tägigen Nonstoppflug über den Atlantik fit zu fressen. Eine nette Naturschützerin klärt uns auf und sorgt mit Schildern für eine möglichst ungestörte Nahrungsaufnahme der vielen Schwärme, die nur ein bestimmtes kurzes Zeitfenster nutzen.


Zurück in Halifax besichtigen wir die Zitadelle, deren Bau der damaligen Zeit nachhingte. Bei ihrer Vollendung gab es keine Indianerangriffe mehr dafür aber eine bessere Geschütztechnik, so daß sie nie kriegerisches erlebte. Historisch uniformierte bewachen die Anlage. Es wird sogar ein historisches Gewehr im Stundentakt mit lautem Knall und Pulverdampf vorgeführt. Auch hier steht der 1. Weltkrieg im Mittelpunkt. Zwischen den Zitadellengräben lädt ein nachgebauter Schützengraben zu einer Zeitreise ein.

Den steilen Berg abwärts ist die Uferpromenade ein Publikumsmagnet. Ein schwankender langer Steg umgeht eine Pierbaustelle, Überall locken lauschige Plätze und Kneipen. Ein einlaufendes großes „Hapag lloyd“ Containerschiff und ein für Ausflügler umgebauter Lastensegler zeigen die Dimensionen zu früher.

Wo die 90 000 Einwohner von Dartmouth wohnen? Sicher nicht im alten Zentrum gegenüber von Halifax, das sich genauso steil am Hang ohne das quirllige Leben von gegenüber überschaubar erstreckt. Mehrspurige Sraßen erschließen das bewaldete und von See durchzogene Hinterland, wo im Nichts eine riesige Mall und demnächst auch Ikea auf Kunden warten. Auch unsere Spedition finden wir in einem Abzweig mit Industriefirmen.

Wir sind überrascht, daß die von Seabridge vorgegebenen Zeitachsen keine Rolle spielen. Von wegen „ausnahmsweise“, nicht am Montag sondern am Dienstag bis 11 Uhr Womoabgabe im Hafen. Bei der weit außerhalb liegendenSpedition geht es im wesentlichen um das Bezahlen der ausgefertigten Ladepapiere mit Hafen bis 12.30 Uhr. Muss dafür dieser lange Weg sein, wo auch noch eine der 2 Brücken wegen Bauarbeiten gesperrt ist?

Wir genießen noch einmal Seeluft bevor wir die unkomplizierte Hafenabfertigung für unser Womo hinter uns bringen. Wichtig war die Unterschrift auf dem Anlieferprotokoll nach Abgleich der WDB Nr. und dem „Gasflaschen leer“.

Anstelle eines Taxis geht es auch gut vom Hafen mit dem Bus ins Zentrum von Halifax, befindet sich doch die nicht so weit entfernte Bushaltestelle oberhalb der mehrspurigen Durchgangsstraße. Allein ein Fußgängerüberweg fehlt.

Bevor wir vor Mitternacht von Halifax unseren Rückflug über München nach Münster antreten können wir noch einmal am Harborwalk gemütlich in der warmen Sonne auf einem der vielen Sitzplatzangebote bei unserem Spaziergang verweilen.

Unser Womo schwimmt inzwischen auf der „Atlantic Sail“, die von einer chinesischen Staatsreederei 2016 ausgeliefert wurde, und kommt planmäßig in Hamburg an, wo wir es wohlbehalten abholen, Allein der Zoll nervt wegen der Womo Zulassung vom Vortag und wittert zollpflichtige „Rückware“ ohne sich, abgesehen vom WDB-Abgleich, für uns zu interessieren.

Wir und das Womo sind wieder gut in Münster angekommen. Hinter uns liegt eine tolle unbeschwerte Zeit mit vielen schönen, auch familiären Erlebnissen.