3.4 Noch dritter Reisebericht aus Banjul Gambia 2006_02

1_3_06 Banjul Gambia 003

Fortsetzung – Le Havre, Bilbao, Casablanca, Dakar bis 28.2.06

Gisela (fühlt sich gar nicht wohl) wundert sich das ich überhaupt auf dem schwankenden Schreibtischsessel sitzen und nach Mitternacht noch Schreiben kann. Ablenkung kann sie auf dem Sofa liegend noch kommentieren. Bett ist noch nicht angesagt, wir warten auf eine Wetterberuhigung. Das immer wieder aufkommende plötzliche Rucken in den andauernden heftigen, stampfenden Schiffsbewegungen, die sich auf Stuhl und Schreibtisch scheinbar unterschiedlich auswirken und auch in den Schränken die Sachen hörbar hin und her schieben, nervt. Obwohl wir uns den ein oder anderen Sturm auf See noch gut erinnern, machen wir eine neue Erfahrung, auf die ich jetzt ein Bier aus unseren heil gebliebenen Gläsern trinke. Prosit! Ich hoffe es bekommt.

Das Bier hat nicht geschadet und für die notwendige Bettschwere gesorgt, die sich bei Gisela nicht einstellen will. Sie besteht auf Licht.

Nach kurzer, unruhiger Nacht zeigt sich bei Helligkeit und weiterem heftigen Wellengang die nächtliche Bescherung. Auf dem Oberdeck sind mehrere Containertürme, d.h. 9, umgekippt. Sie füllen jetzt den bisher freien Innenraum. Anstelle des gesperrten Aufzugs geht es via Treppenhaus zum Womo, das -so der Bootsmann- auf dem sichersten Platz stehe. Nicht weit entfernt liegt ein großer Container im Raum, der wegen gerissener Schweißnähte der LKW-Halterung abgestürzt ist. Die an der Bordwand auf der Seite liegenden 2 neuen Toyota-Landcruiser, die der querliegende einklemmt, wirken wie unwirkliche Pakete und lassen auch hier die Sturmgewalt spüren.

Es sollen viele Container bei anderen mit uns fahrenden Schiffen über Bord gegangen sein, heißt es beim Frühstückstisch. Die Tischumrandungen hat der Steward inzwischen hochgefahren. Noch wird gerätselt ob wir überhaupt Bilbao anlaufen. Mal sehen wer Recht hat. Auf der Brücke heißt es morgens im Laufe

des Vormittags, d.h. mehr als 24 Std. später. Dies lässt sich auf der Karte noch nachvollziehen wogegen der Kapitän, der jetzt 4 Mon. lang das Schiff führen wird, mit Blick auf das Wetter (vorbeugend?) Casablanca ansteuern will.

Windstärke 10 – 11 weit über 10 m hohe Wellen, das Schiff kreuzt im Sturm in der Biskaya. Das Ziel heißt wieder Bilbao. Das schlimmste scheint hinter uns zu liegen, glauben wir. Jetzt ist es schon Samstagnachmittag, der Hafen von Bilbao ist sturmbedingt gesperrt.

Noch haben wir heftige Dünung, aber nicht mehr die ganz hohen Wellen. Am Sonntag, 3 Tage über Plan, soll Anlegen sein. Jetzt fahren wir bei Sturm und immer noch ganz schön hohen Wellen im Kreis, ohne dass man es aber wirklich merkt.

So. 19.2.06

Wir fahren unverändert große Bögen mit 9 weiteren Schiffen vor dem gesperrten Hafen von Bilbao (haben noch keinen Drehwurm) und Sturm und Wellen sind wieder heftig. Anscheinend sind wir jetzt seefest. An das Geschaukle und Geschuckle, das Stampfen und Geruckel, die Geräuschkulisse, dauernd Sachen festhalten, man gewöhnt sich an alles!

Der Kapitän stöhnt zwischenzeitlich, warum wir nicht gleich nach Casablanca weitergefahren sind, die wenige Ladung in Bilbao rechtfertige nichts.

Mal sehen, ob es heute Abend etwas zu essen gibt? Es würde uns bei der „Mästerei“ ohne Gymnastikraum und Ausgangsmöglichkeit nichts ausmachen. Der andauernde Sturm hat auch die Pantry in Mitleidenschaft gezogen. Es regnete gerade von der Decke in einen untergestellten großen Kochtopf, als wir unseren Mittagskaffee holten. Der Smutje meldet Land unter.

Alle sind dennoch relaxt. Auch unsere Tischnachbarn, mit langer See Erfahrung, erleben Neues. So einen Sturm gibt es halt auch nicht alle Tage. Natürlich auch etwas (Kleines) zu essen.

Montagmorgen, 20. 02.06, grüßt endlich der Hafen von Bilbao von Nahem.

10° und ein wenig Frühlingssonne erleichtern den ½ stündigen Spaziergang entlang den Schienen nach Santurtzi. Der Vorort –freies Internet in der Stadtbücherei am Hauptplatz- ist Endstation der S-Bahn. In 30 Minuten geht es für 1,25 € in die City-Endstation. Wir befinden uns mitten drin. Nach bewährtem (euro

päischen) Muster durchstreifen wir stadtplanbewaffnet Altstadt und Sehenswürdigkeiten. Das Guggenheimmuseum wirkt auch am geschlossenen Montag mit seiner Silberhaut bombastisch. Besonders schön glänzt in der 1.Frühlingssonne ein riesiger davor sitzender Hund aus bunten Stiefmütterchen. Derartiges hatten wir noch nie gesehen, wie war der wohl hergestellt? Das Marinemuseum mit seinem Rahensegler (Mercedes) und vielen prächtigen Booten verblasst dagegen. Aber wie ist das Bummeln in unseren Großstädten? Die EU grüßt, H&M, Mango,Zara und auch Münsters Apriori kann man nicht übersehen.

Auffällig dagegen sind die vielen Menschen, wenn man von Antwerpen bzw. LeHavre kommt.

Eine neue Stickerfahrung machten wir im Internet (3 €/Std), wieder geht nur ein Teil der vorbereiteten Mails. Wir benötigen auch Hilfe um unsere Reiseberichte einzustellen. Leider nur den 1.Teil der Nr.3. Alle empfangenen Mails können wir dagegen in Ruhe auf dem Schiff lesen.

Bordrhythmus

Unser Bordrhythmus steht.

Morgens (bis 9.00) kalte Pizza (muss nicht), frische Hefebrötchen, Marmelade aus dem Döschen und wechselnd Käse, Salami, Kochschinken, Mortadella. Wer will nimmt Cornflakes und halbfette Dauermilch, dazu Kaffee oder Tee.

Den Mund noch nicht richtig abgewischt, heißt es schon wieder um 12.00 Mittagessen(Lunch). Auch hier gilt ein Standard- Ablauf. Pasta, Fisch o. Antipasta, Fleisch mit Sauce, frisches Obst (Apfel, Apfelsine, Banane, es gab auch schon Ananasscheiben). Dazu Wasser, Rotwein und zum Abschluss immer Cappuccino.

Abends anfangs 20.00 jetzt (leider) 18.00 -im Hafen 19.00- wiederholt sich das Ganze z.Zt. mit krönendem Kuchen. Anscheinend will der Kapitän, der mit seinen ital. und indischen Decks- und Maschinenoffizieren später speist, nicht weiter auffallen wenn er als ansteckender Kettenraucher unter „No Smoking“ sitzt, Schilder die keinen interessieren.

Warum ich das Womo auf Deck 6 leicht versetzen muss erschließt

sich bisher nicht. Anstelle des angekündigten neuen Womo steht dort jetzt ein nummern loser Smart. Daneben finden sich neue Renault-LKWs anstelle der entladenen letzten brasilianischen Baumaschinen.

Morgen soll der Lift wieder gehen. Die umgefallenen Außencontainer sind heute (20. 02. 06) mit eigenem Geschirr gerichtet bzw. entladen worden, nicht aber die verschobenen Container auf den Innendecks. Mal sehen, ob und wann wir gen Casablanca starten. Die Containerbrücken stehen erst morgen zur Verfügung erzählt uns der deutschsprechende Agent.

Der umgefallene Generator bereitet mit seinen 80 t offensichtlich mehr Probleme. Ein erster Bergeversuch mit Bordmitteln misslingt. Es müssen erst aufwendige Gerüste her, um mächtige Flaschenzüge an die Schiffsdecke zu montieren. Das dauerte auch sehr lange. Dafür müssen erst passende mächtige Haken angeschweißt werden.

Uns interessierte das aber nur am Rande. Uns lockte Bilbao. Zu Fuß geht es immer entlang den Bahngleisen ½ Std zum Hafenausgang (Salida) von Santurtzi, zur unübersehbaren S-Bahnstation nach Bilbao-Abando (jeweils Endstation 1,25€ ). Das silberglänzende Guggenheimmusseum bewachte ein mit Stiefmütterchen bepflanzter riesiger Hund, der schon allein ein Kunstwerk ist.

Flußstädte in einem Talkessel kann man leicht erlaufen, so auch Bilbao. Das Internetcafé befindet sich auf der Altstadtseite in Bahnhofsnähe -Uferstraße- (3€/Std). Kostenlos surft man in der Stadtbücherei in Santutzi, direkt am Hauptplatz, aber nur für 1 Std und ohne Stick. Strömernder Regen bringt uns am nächsten Tag nur noch bis hierher. Spätabends sind die Generator-Bergungsarbeiten vollbracht, die 2. Schiffs-Ein und Ausfahrt wieder frei.

In der Nacht laufen wir 4 Tage außer Plan mit den wieder aufgeladenen zwei 80t Generatoren -Bestimmungshafen Conakry (Guinea)- aus.

Banjul (Gambia) 2006_02

Irgendetwas klappt bei uns nicht beim Einstellen der Reiseberichte. Eigentlich haben wir bis zum 28.2 geschrieben, sitzen jetzt in Gambia bei hochsommerlichen Temperaturen und vermissen viele Textteile, die wir eingestellt glaubten. Die Seiten 2 und 3 eines Berichtes wollen anscheinend nicht. Dafür geht es uns aber gut und wir fühlen uns sauwohl. Bilder schaffen wir auch noch nicht, aber Andreas wird uns aus der Ferne sicherlich helfen.