3.6 Fünfter Reisebericht 2006_03

 

Über den Äquator, von Westafrika nach Südamerika

Wir sind bei fast 40 Grad und strahlend blauem Himmel in Salvador gelandet. Hochsommerliche Kreuzfahrttage sind angesagt. Eine überwältigende Kulisse, dazu ein geballtes Hochhäusermeer, wo kennt man das in Europa? Was ein Unterschied zu Westafrika. Wirkten Casablanca und vielleicht noch Dakar uns mehr oder weniger vertraut, erlebten wir in der Hauptstadt von Gambia, Banjul. eine völlig andere Welt. Unbeschreiblich, das muss man selber gesehen haben. Jetzt können wir verstehen, warum Menschen mit aller Macht zu uns kommen wollen.

Geldtauschen! Igittigitt, solche Drecklappen müssen nicht sein und an Schmutz sind wir (noch!) nicht gewöhnt.

Im Internetladen akzeptiert man US-Dollars (1$/Std). Überall stehen bereitwillige Helfer, die sich mit deutschen Sprachfetzen wie Kletten an uns heften und mit einem Ausweis um den Hals ihre Ehrlichkeit untermauern wollen. Der eine oder andere scheinen sich aber nicht zu mögen. Man balgt sich erfolglos um uns Uninteressierte.

Unsere täglich frisch gesprühte Kabine – wohlriechende „Sauberkeit“ anstelle eines Staubsaugers bzw. Lappens – wirkt geradezu paradiesisch.

Freetown(Sierra Leone) eine Stadt mit Hügeln, führt nach der nächtlichen Flusslandschaft von Conakry(Guinea) wieder in eine andere Welt. Wir dürfen das Ganze stundenlang (lediglich) vom nahen Schiff mit dem Fernglas betrachten.

Die Eintrittspreise nach Freetown für uns Passagiere – zwischen 5 und 10$ pro Nase- will unser Kapitän erwartungsgemäß nicht löhnen. Außerdem sei alles viel zu gefährlich und lediglich eine Steigerung von gehabtem (nachvollziehbar!). Beim abendlichen Auslaufen bedarf es schon viel Phantasie, die dunkle weit gestreckte Großstadt zu erahnen. An vielen lose bebauten Hängen wirken die verstreuten Häuser wie Hundehütten, die weder Straßen noch Erschließung dafür aber Trampelpfade erahnen lassen. Bei den vielen Straßen losen (Wellblech/Lehm) Hüttenlandschaften an der Uferseite sieht man nur noch vereinzelte offene Feuerstellen. Welch Unterschied zum strahlenden Salvador de Bahia.

Der Sprung über den Äquator verläuft völlig undramatisch. Hätten wir 7 Passagiere aus GB, F und D nicht selbst den Wechsel von der Nord- nach der Südhalbkugel mit GPS-Unterstützung und Rotwein inszeniert, hätte allein das kurze krönende Tuten der Schiffssirene -der Kapitän beobachtet auf der Brücke unser Treiben- den sonntagsnachmittäglichen Gipfelsturm ausposaunt.

Womo aufgebrochen

Welch niederschlagende Überraschung auf hoher See, als wir auf Deck 6 (an-ordnungsgemäß in Begleitung eines Besatzungsmitgliedes) im Womo unsere Klamotten auf hochsommerliche Temperaturen umstellen wollen. Die Womotür ist nicht abgeschlossen. Ein „Schlangenmensch“ war vor uns da. Er ist über das Womodach gekommen.

Die kleine Womo-Dachluke (35 x 32 cm) ist rausgerissen. Der Plastikdeckel liegt nur noch lose wie zur Tarnung auf der Luke, was das zerschnittene Fliegengitter erst im 2.Anlauf eröffnet.

Die Sitzkissen liegen quer, alles ist durchwühlt, auch unsere äußeren Staukammern, soweit man sie von Innen erreichen kann.

Die vollständige Schadensliste ersparen wir uns hier, um nicht unseren Ärger auf Dauer festzuhalten. Aber was will einer mit all unseren vielen DVD-Filmen,

CDs, Softwaresicherungen? Ungenutzte Geschenke, die wir vermutlich nie wieder sehen. Die bei Eiseskälte über dem Autoradio speziell gebaute Kompass- und Neigungsmesserauflage bleibt vorerst leider leer.

2 blinde Passagiere aus Westafrika sollen (nach der stillen Schiffspost) in Salvador beim Verlassen des Schiffes gefasst worden sein. Ein Segen für die Mannschaft bzw.“Schlangenmensch“, haben wir doch unser Womo kommentarlos nach jedem Hafen gecheckt und damit der vielstimmigen Erklärung (Freetown) widersprochen.

Der Kapitän löst sofort ergebnislose Schiffsdurchsuchungen -nach was wohl?- aus. Wir sind gespannt, wie es weiter geht. Noch sitzt uns der Schreck tief in den Gliedern. Salvador, wir kommen wieder! Hoffentlich klappt die Schadensregulierung, haben wir doch zu unserer eigenen Überraschung eine Reiserücktrittsversicherung in einem Paket mit einer Diebstahlsversicherung abgeschlossen.

Beim Aufräumen und Putzen im Womo- alles ist „vom Besuch“ so dreckig-, oh Schreck, fast alle Schuhe und 3 von Giselas Hosen, ihre Regenjacke etc sind auch weg. Man glaubt es nicht.

Wir sitzen in Rio de Janeiro an der Copacabana im Internet, 12.3. 06 sonntags, bei fast 30 Grad, zwischendurch Regen. Hier ist inzwischen die Regenzeit angebrochen. Leider bekommen wir wiedermal unsere vorbereiteten Mails nicht los. Schade