3 Über den Atlantik

3.1 Erster Reisebericht_2006_02

Zur Verschiffung auf die „Grande Buenes Aires“

 

Zur Verschiffung auf die „Grande Buenes Aires“

Das gepackte – zwischenzeitlich heißt unser Womo dank unser Töchter „Joegi“ (das stumme westfälische e!) wartet auf die letzten Kleinigkeiten, die Garage und Flur immer noch wie ein „Schlachtfeld“ aussehen lassen. 43 867 km zeigt der Tacho an als wir mit dem letzten Müll zum Wiegetest auf unserer Müllkaute in den nahen Rieselfeldern kurz vor 15 Uhr starteten. Stramme 3980 kg, was hatten wir wohl alles (zu viel?) eingepackt. Sind es etwa die Getränke für die

Schiffsreise die wir bereits in im Herbst vorausschauend, man will ja kein Pfand verschenken, in Griechenland und Österreich bunkerten.

Unser neues 5 Tagekennzeichen MS 04531, herzlichen Dank Peugeot Hornung, benötigt 50 Min Wartezeit bei der Zulassungsstelle, bei der wir gleichzeitig unseren 10 Jahre alten treuen Volvo 850 tdi, der uns 330 000 km ohne großes Murren begleitete, abmelden. Die nette Sachbearbeiterin verweist uns auf die (notwendige) internationale Zulassung, als sie beim Abmelden von „Joegi“ von unseren Reiseplänen hört. Sie wäre, so glauben wir, am liebsten mitgefahren.

Die Autobahn begrüßt uns nach wenigen Metern gleich mit nicht angesagtem langem Stau, wären wir doch in Münster-Ost und nicht in Nord aufgefahren.

Den Weg durch Hamburg leitet uns Franz (unser Garmin/Quest) die uns partout durch das Elbtunnel und nicht über die von uns geplanten Elbbrücken franzen will.

Der herzliche Willkommensgruß von Buck-Gramckos und das üppige warme Abendessen versüßen uns bei leckerem Bier unseren Abschiedsabend. Beim opulenten Frühstück in dem herrlich gelegenen Haus mit riesigem Mammutbaum gekröntem Garten klingeln nochmals unsere Kinder durch. Offensichtlich wollen sie nochmals checken, wie wir drauf sind.

Der rattenkalte graue Hamburger Himmel um 0 Grad lässt uns morgens eher schauern als an Abschiedstränen denken als wir gegen Mittag völlig problemlos an der Schranke vor Schuppen 48 stoppen. Ein Gang ins Wachbüro, Reisepässe, noch geholt, schon steht ein „Fahrtfinder“ mit einem PKW bereit, der vor uns herfährt, und uns durch das Gewirr der zu ladenden PKW`s bringt.

Noch über 300 Fahrzeuge signalisiert der Schauermann, der die plastikverpackten PKW`s scannt bevor sie im Schiffsbauch verschwinden. Der dick vermummte Deckoffizier will gleich unsere Pässe, bevor wir wie auf einer Fähre auf dem Weg zu Deck 6 etwas hilflos mit Joegi rumstehen.

Silbergraue (neu aufgelegte) VW-Bullis aus Brasilien, große Straßenbaumaschinen, 3 LKWs und dann so weit das Auge reicht übereinander gestaffelte PKWs. Wir gucken ganz dumm, als an uns dauernd Sprinter Kastenwagen 313 cdi, – ist Joegi nicht auch so einer- an uns vorbei rauschen. Brasilienimport, sagt ein netter Schauermann, der die Rennfahrertruppe zu beaufsichtigen scheint. Er zeigt uns den Platz, wo immer Womos stehen würden. Das bestätigt der nächste tief vermummte Grimaldi-Mann, der uns noch einmal einweist.

Noch haben wir viel Platz auf dem Deck 6, die alten Nummernschilder finden wieder ihren üblichen Platz, bevor es mit dem Fahrstuhl auf Deck 12 ging, wo uns der Steward in unser neues Reich einweist.

Grande Buenos Aires Start PA 025

Unser Schiff mit dem wir von Hamburg nach Buenos Aires gefahren sind

Die Schiffsbesichtigung fällt kältebedingt kurz aus. Um 16.30 war Landgang Ende, ein Termin der uns nicht interessiert, müssen wir uns doch erst mal pendelnd zwischen Deck 6 und 12 häuslich einrichten, was völlig unkompliziert mit dem nahe liegenden Fahrstuhl funktioniert.

Jetzt warten wir, unterbrochen von Telefonanrufen von unseren Lieben bei Radiomusik und schon 2 Gold Medaillen, die unser Olympiakind – Katja arbeitet bei den Winterspielen in den 2 Autostunden von Turin entferntem Sestriere und wohnt in der Nähe des Deutschen Hauses gleich bestätigt.

Das für 19 Uhr annoncierte Auslaufen klappte planmäßig Die freundlichen Elblotsen erklären das Panorama, das wir von der Brücke, auf die wir immer dürfen, bis Cuxhaven verfolgen.

Beim ersten Kontakt in der Offiziersmesse um 18.00, gibt es Abendessen lernen wir die Mitreisenden kennen. Bei uns am Tisch sitzen erfahrene ältere Frachtschiffreisende, die erneut nach Chile wollen. Ein englisches Ehepaar aus der Nähe von London, die von Tilburry einmal rund fahren und ein Venezianer, der das bereits in Le Havre hinter sich hat. Eine bunte Gesellschaft, die sich noch finden muss. Das gilt auch für die Schiffsoffiziere. Der Kapitän übergibt dem bereits mitfahrenden Nachfolger in Le Havre.

12.02.06 Schneebedeckte Strände in Cadzand haben wir uns schon in der Sonne geaalt- begleiten uns bei teilweise Schneeregen bis vor die Scheldeschleuse, die wie eine schmale Sackgasse höchste Konzentration von Lotse und Brückenmannschaft fordert. Das wirkt alles gekonnt, obwohl höchste Anspannung auf der technisch auf dem neustem Stand – so der Lotse – stehenden Brücke zu spüren ist. Auf einmal qualmen bei kaltnassem Wetter die eigentlich verbotenen Zigaretten. Jetzt grüßt uns weit nach Mitternacht wieder eine Armada von in Reih und Glied abgestellten schneebedeckten PKWs. In 24 Stunden wissen wir, ob wir dieses Feld mit brasilianischen VW-Bullis umwälzen.