4.2 Achter Reisebericht 2006_04

 

Mate, Asado, von der argentinischen Atlantikküste in die Anden zum Aconcagua.

Die Pampa hat uns wieder. Unvorstellbare Weite, in der Karte ausgewiesene Ortschaften, wo sind sie? ein Haus in einer Pappel umsäumten Oase nach 100km. Zwischendurch sieht man Rinder-, Schaf-, Ziegen -und Pferdeherden, manchmal Nandus, das sind die argent. Strauße, Guanakos und natürlich Gauchos hoch zu Ross mit ihren Hunden. Uns begegnen wenig Autos.

An die roten Hütchen auf dem Mittelstreifen und dem Haltegebot – Polizeikontrolle – vor und nach jedem Ort, auch zwischendurch, haben wir uns längst gewöhnt. Wir wissen eigentlich gar nicht was kontrolliert wird, aber mittlerweile ist die freundliche Polizei, Gendarmerie, teilweise kurz hintereinander mit dem arg. Haftpflichtversicherungsnachweis und den Kopien von intern. Führerschein und Zulassung zufrieden, wenn wir nicht einfach durchgewinkt werden.

Bei der Fruchtgrenze schwante uns Böses, als der vor uns fahrende LKW-Anhänger ausgeräuchert wird. Der Blick in unseren Kühlschrank (Bierschrank) kostet 6 Pesos=1,62 €. Die Kassiererin muss uns nachrennen, so schnell wollen wir alles wieder bei der Wärme kühlen.

In El Chocon genießen wir am Rande eines kleinen Wäldchens den Blick auf den Stausee einer neuen Retortenstadt und Dinosaurierspuren. Die vollständigen Knochen eines Riesenviehes fand ein Schweinhirt.

Wir sehen erstmals versteinerte Bäume.

Herrliche Bergpanoramen und Felsformationen begleiten unseren weiteren Weg auf der Ruta 40.

In der Wüstenstadt Zapala (so unsere Führer) erwischen wir vor Ostern die wohl einzigen Regentage des Jahres. Unsere 1.Wäscherei finden wir nach Fragen. Für 2 Trommeln ohne bügeln –wer hat schon im Womo Bügelwäsche? – müssen wir 24 Stunden warten. Zeit genug, um unsere 1.Gasflasche füllen zu lassen. In der Folgenacht gibt auch die 2. Flasche (viel zu früh) ihren Geist auf. Unsere Federwaage besteht dabei ihre Bewährungsprobe. Nach dem 1.Gasflaschenfüllen, (voller Preis, halber Inhalt) haben wir sie mit rotem Nagellack geeicht, um den richtigen Nadelausschlag (16 kg)auch ohne Brille zu sehen. Das hilft! Beim (Nach)füllen am nächsten Tag von der großen in unsere 2 11 kgFlaschen, mit rütteln und lüften im Hinterhof sind unsere Gasvorräte komplett.

Die Ruta 40, erst Asphalt, wird wie in der Karte vorausgesagt in den Bergen Staubpiste und unterscheidet sich damit nicht von größeren Ortschaften. Dort fahren wenigstens laufend Wassertankwagen, um den allgegenwärtigen Staub zu binden. Man merkt sofort, wo Menschen wohnen gibt es Wasser und Bäume.

In San Rafael und Mendoza, stehen in jeder Straße Baum an Baum mit entsprechender Bewässerung. Wir müssen wegen der tief hängenden Äste gut aufpassen, wenn wir unseren Womoschlafplatz regelmäßig in Ortschaften in ruhigen (möglichst ohne Waldis, die ab 4 Uhr bellen) Straßen suchen.

Am Strand, in Geschäften, überall sieht man die Argentinier mit einer Thermoskanne und einem Gefäß –Kalebasse- mit einem silbernen Saugröhrchen -der Bombila-, in das laufend heißes Wasser nachgeschüttet wird. Alle in der Gruppe mit Kind und Kegel trinken gemeinsam aus dem Sud, der wie eine graugrüne Masse aussieht. Zwischendurch wird das Mundstück abgewischt. Man trinkt bei jeder Gelegenheit Mate, scheinbar ein Lebenselixier. Das Ritual erinnert an Karl May`s Beschreibungen, wenn die Friedenspfeife kreist. Gemahlene und getrocknete Mateblätter, dazu darf es ein wenig Zucker sein, um den bitteren Geschmack zu neutralisieren und dann immer wieder heißes Wasser, fertig ist der (Zauber-)trank. Uns schmeckt er!

Unsere 1. Asado – Einladung verdanken wir Margarita, die Kinder und Freundin in die Mountainbikeschule bringt, die für uns unsichtbar an einer aufgelassenen Therme in den Bergen (S 34.35.371, W 068.36.799 einem Tipp von Wolfgang & Anni, weltreisebuch@yahoo.de),übt. Mit ihrem Daimler ist sie das Kinder-Taxi, welche Eltern kennen das nicht? Auf Spanisch, englisch und dann auf einmal fließendem Deutsch spricht sie uns an und schon sind wir bei Brunners auf der Finca (Aleman) – wir finden sie bei Dunkelheit – in San Rafael für mehrere Tage zu Gast .Zu Hause sprechen alles deutsch, sogar die 4 Hunde verstehen uns.

Das Asado ist am Samstag ein Treffen der Deutschen. Die 84 jährige Oma braust mit ihren 2 CV „Entenoma“ an. Als Seele der Deutschsprachigen kümmert sie sich um alles, was mit Deutschtum zusammen hängt. Im großen gemauerten Kamin wird die Glut aus hauseigenem Holz unter den Rost platziert um Würste (Blut- und Bratwurst) und ganze Rinderfilets langsam zu Grillen. Wir sitzen überdacht am langen Tisch bei Salaten, Oliven, Brot und Nachtisch! Grütze, Kuchen, Schlagsahne, Baiser, Wein, Bier, Kaffee. Schade, dass wir nicht auf Vorrat essen können.

Wüste und Weinberge gehen nebeneinander auf ca. 1000m Höhe in dem Weinparadies der Provinz Mendoza einher. Eine Weinkellerei größer als die andere produziert für den Weltmarkt edle weiße und rote Tropfen. Weinliebhaber kommen auf ihre Kosten, Gisela auch, wir testen uns durch.

Bier in 1 Literflaschen gibt es ebenfalls überall, sogar gekühlt. Wie unterschiedlich Weißbrot schmecken kann, wissen wir mittlerweile auch. Das Warenangebot erinnert an Deutsche Geschäfte. Wir sehen, wie die Rinderhälften portioniert werden und entscheiden uns gerne für geschmacksintensive Rinderkoteletts. Der Grillteller im Restaurant und die Salatbar, wir sind von zu Hause verwöhnt, im Womo schmeckt es einfach gut.

Arg.  Mendoza 26_27_4_06 036Die Einkaufsstadt Mendoza im Spätherbst genießen wir bei hochsommerlichen Temperaturen. Im Straßenkaffee lernen wir Deutsch-Argentinier in 2. Generation kennen, die uns ansprechen. Mal sehen, ob die ausgetauschten Adressen wirken. Dass die Stadt vor 20 Jahren von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, sehen wir nicht mehr. Dafür glänzt die Geschichte um General San Martin, der von hier 1817 zur Unabhängigkeit Chiles (von Spanien) beitrug. Seine damalige Fahne wird noch heute in Ehren gehalten, unter Glas aufbewahrt und von einer Ehrenformation in traditioneller Uniform bewacht. Ein schon Ende des 19. Jahrhunderts in der Wüste angelegter riesiger englischer Park, zeugt von Weitsicht und Bewässerungskunst, gibt es doch damals wie heute entlang des 68 Längengrades kaum Regen.

Leere Flussbette mit großen Brücken befinden sich neben Bewässerungssystemen. Das Schmelzwasser der Anden sorgt für Fruchtbarkeit. Rafting begegnet uns auf der Ruta 7 nach Chile, auf dem Rio Mendoza. Der RTW (Rettungswagen) als Begleitfahrzeug wirkt dabei wenig einladend.

Santiago de Chile liegt auf der anderen Seite der Anden, aber kein Katzensprung entfernt, obwohl es auf der Karte so scheint.

Wir wollen den Aconcagua (6959m) wenigsten sehen, den höchsten Berg dieses Kontinents, bevor hier der Winter einbricht. Die Wolken sind gegen uns, obwohl wir das Massiv bei einer Wanderung durch den Nationalpark erahnen können.

Eigentlich warten wir auf einen Zug auf der neben der Straße verlaufende Schmalspurbahn durch die Anden. Pfeife drauf, hätten 25 Jahre früher hierher kommen müssen. Punta del Inca, eine heute unbenutzbare natürliche Brücke über den Rio Mendoza glänzt neben dem Bahnhof mit einer gelben Kruste.

Arg. Ruta 7 z. Aconcagua Punta del Inka Naturwunder 29_4_06 012 (8)

Die Thermalquelle sprudelt unverändert über dieses Naturwunder. Das dazugehörige Hotel hat die sonst wunderschöne Natur schon längst wieder durch einen Bergrutsch zerstört.

Das Thermometer macht auf den fast 3000 Höhenmetern Wechselsprünge. Eben noch 18 Grad, sind es kurze Zeit später unter 10 Grad. Was hat wohl die Menschen hierhin in diese unwirkliche Landschaft getrieben. Sicher nicht die wunderschöne Landschaft mit ihren dauernd wechselnden Farben, die uns auf unserem weiteren Weg nach Norden in die Wärme auf der Ruta 40 begleiten werden