4.3 Neunter Reisebericht 2006_05

 

San Juan – Defunda Correra – Talampaya – Fiambala – Londares – Cafayate – Salta – ca 2500 km

 

 

San Juan – Defunda Correra – Talampaya – Fiambala – Londares – Cafayate – Salta – ca 2500 km

San Juan, wegen der Erdbebengefahr dürfen nur bestimmte Baumaterialien eingesetzt und nicht in die Höhe gebaut werden, erreichen wir nach einer langen Staubpiste, Flusslandschaft und unerwarteter neuer Passstraße über 2200m. Morgens kommt die Sonne kurz vor acht. Das öffentliche Leben ist da längst erwacht, bevor es gegen 13 Uhr in den absoluten Mittagsschlaf fällt. Die Innenstadt und das zentrale Straßencafé gehören uns bis 17 Uhr alleine.

Um 21 Uhr warten die Kellner und Köche auf Gäste. Wir kommen fast als erste und wenn wir gehen, kommen vermutlich nicht die letzten.

In unserem Womo fühlen wir uns am wohlsten. Wir sind vermutlich unsere besten Parkwächter, kennt man hier doch weder Parkuhren noch Parkscheine, dafür stehen autorisierte (oder auch nicht) Parkwächter an jeder interessanten Straße. Daneben gibt es Parkflächen in Hauslücken, Playas, in die wir wegen der Sonnensegel nicht reinpassen. Bisher verlassen wir uns auf die freundlichen Polizisten, die an jeder Ecke im Zentralbereich stehen, daneben patrollieren Motorrad- und Autostreifen, so dass wir uns eigentlich, trotz der konstanten Hinweise „Ihr müsst vorsichtig sein, hier ist es überall gefährlich“ noch nie unwohl fühlen. Unverändert stellen wir uns auch frei hin. Zu mindestens akzeptieren uns die Hunde, wenn sie unser Womo rundum angepinkelt haben. Wasser gibt es in den Oasen, für jeden Baum, Strauch, halt alles was wachsen und gedeihen soll, auch für uns.

Arg Cafayete, R 68 n.Salta 20_5_06 073 Arg. R 12 und  R118 Sümpfe Ibera (36)Wir erleben Bilderbuchlandschaften, die Reiseführer untertreiben nicht. Jedes Sonnenlicht bringt neue Farbenpracht.

Den skurillsten Wallfahrtsort dieser Welt -Difunda Correra- kann man kaum beschreiben. In einzelnen Kapellen stehen wohl sortiert geopferte Pokale , Hochzeitskleider, Autos, Hausmodelle und Nummernschilder zu Ehren der vor über 150 Jahren verdursteten Correra mit dem gefundenen überlebenden Säugling, die ihren im Bürgerkrieg gefangenen Mann suchte.

Arg. Dif.Correra_5_06 012 (5)

Jahreszeit bedingt erleben wir nur wenige, die sich mit Inbrunst zur obersten Kapelle bewegen, neben der ein großes Kerzenbecken – das Wachs wird in einem eigenem tiefer liegendem Wachssee abgeleitet – steht.. Jetzt wissen wir wenigstens., woher die vielen oft mit roten Fahnen gekennzeichneten kleinen Altäre mit Wasserflaschen, die uns überall begegnen ihren Ursprung haben und können uns vorstellen, wenn an den einschlägigen Tagen tausende dorthin pilgern, um diesem Idealbild zu huldigen.

Überall stehen wie immer Grills, die auch bei unserem Besuch qualmen, obwohl es 2 Tropfen regnet und kühlist. Auch die Aschaffenburger, Melanie und Mathias, verewigen sich mit einem Autobild. Unsere Wege kreuzen sich jetzt mehrmals.

Die Naturwunder haben wir natürlich nicht ausgelassen, obwohl der eine oder andere vor zu hohen Touristenpreisen warnt, die heftig von denen der Einheimischen abweichen.

Arg.NationalparkTalampaya 8_5_06 189

Arg. Valle de Luna 7_5_06 120Arg. Valle de Luna 7_5_06 093

Vale de Luna und die Talampayaschlucht verdienen einen Besuch. Wir sind noch ganz begeistert, obwohl es bei der 42 km Rundfahrt durch das Vale de Luna im eigenen Womo noch trüb und kühl ist. Die 75 km weiter entfernte Talampayaschlucht, die für uns wie eine Fortsetzung des roten Gesteinsbandes wirkt, durchqueren wir einen ganzen Tag mit einem „Papamobil“, d.h. einem bequemen Toyota-Allrad. Wir besuchen ein Highlight nach dem anderen, von Felszeichnungen bis zum Echo üben ist alles drin. Jetzt können wir uns die Entstehungsgeschichte der Erde mit ihren Faltungen, die Dinos und ihre damalige Lebewelt nicht nur vorstellen, sondern glauben auch, dass man hier noch auf weitere Überraschungen – die ältesten Knochenfunde dieser Erde fand man hier – stößt. Die Erosionen begreift man, wenn man die riesigen Steintürme und Abbrüche sieht. Hinterher sind wir vom Autostaub total rötlich gepudert. Es ist Wüste auf über 1000m Höhe. Die Feuchtigkeit kommt allein aus den Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Nachts ist es „schattig“ und in der grellen Sonne bei strahlend blauem Himmel gleich warm. (27 Grad). Sogar ein Kondor mit sicher über 2 m Spannweite kreist über uns.

Die Straßenverhältnisse lassen sich aus der Karte leider nur beschränkt ablesen. Streckenweise gerade frisch asphaltiert, kommen wie aus dem nichts wieder Staub- und Wellblechpiste. Nicht anders in der 1900m hohen Therme Fiambala ,wo wir uns nur in den oberen Naturbecken (bei 45 bis 43 Grad) aalen. Unter uns Wüste, wo das Wasser nie ankommt.

Nach 3 Tagen meinen wir genug mit dem Faulenzen und es geht weiter Richtung Norden(R 40). Wir landen bei den Inkas, genauer gesagt in Londres – Namensgeber war die Stadt London, anlässlich einer spanisch-englischen Königsheirat – die die Inkas öfters platt machten, bevor sie die Spanier endgültig verjagten. Spanische Geschichte verdeutlicht sich, ging doch alles von deren Hauptsitz i Lima(Peru) aus. Die Missionare taten das übrige, was die vielen sehenswerten Kirchen, deren Gestühl teilweise aus dem Holz der Meterhohen Kandelaverkakteen ist, zeigen.

Arg. Ruta 40 Chos Malal , Barracas 14_4_06 033 (3) Arg. Ruta 40 Los Lenas, (R222)via San Rafael 17_4_06 016

Schwer vorstellbar ist, dass einerseits nichts wächst und dann auf einmal wieder nach ca. 100 km eine Oase kommt. Die Menschen dort benötigen Pferd und Esel, sonst können sie sich in dieser tief zerfurchten Landschaft nicht fortbewegen. Auch ein Pickup schafft keine ausgewaschenen Gräben, die die seltenen Regenfälle, wir sind nämlich westlich des 68. Längengrades, dort regnet es sehr wenig, über die Jahrzehnte schafften. Wir fahren laufend durch Trockenflüsse, wenn die aber Wasser führen!!. Das Überlebenswasser kommt aus den hohen Bergen mit der Schneeschmelze.

Die ersten Höhenrekorde entlang der leider nicht mehr fahrenden Eisenbahn „Zug in die Wolken“ von Salta nach Chile liegen hinter uns, ein Viadukt auf 4200m – am A… der Welt, eine atemberaubende Strecke.

Arg Wolkenzugstrecke  Salta 25_5_06 058 (17) Arg Wolkenzugstrecke  Salta 25_5_06 058 (2)

Im Straßencafe in Cafayate sitzen deutsche Touristen (Südamerika in 3 Wochen!!) die sich über unser Womo wundern.

Der Camping in Salta ist fest in deutscher Hand. Alle scheint es hierher zu ziehen, um mal wieder Neuigkeiten auszutauschen und lecker zu essen.

Die schwere Wirtschaftskrise in Argentinien scheint Vergangenheit. Es wird wieder gebaut und viele neue Autos und Motorräder fallen auf. Zum Einkaufen des tägl. Bedarfs gilt nicht nur die 7 Tagewoche, sondern auch der 24 Std Tag. Internet findet man mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit an jeder Ecke, von vielen Kindern belagert und regelmäßig von lautstarker Musik beschallt.

An die vielen Polizeikontrollen, die vor jedem Ort manchmal auch zwischendurch stattfinden, haben wir uns gewöhnt. Was alles notiert wird? Die Zettelspalten werden jedenfalls gefüllt.

Mundial“ –die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland- ist in aller Mund.

Wir sehen große steinbewährte frühere Siedlungen der Urbevölkerung in den Bergen, die alle noch nicht ganz so lange entdeckt sind und viel Fantasie erfordern Uns begegnen riesige Weingüter, Gauchos in echt und Menschen mit anderer Hautfarbe und Siedlungen.

Arg.  Los Lenas, (7) Arg. San Juan 2_5_06 051 Arg R 51 v.Salta 24_5_06 092

Typisches Baumaterial sind Standardbausteine aus Lehm, die vor Ort geformt und getrocknet werden.

Arg. Ruta 40 Los Lenas, (R222)via San Rafael 17_4_06 016