42.2 Fünfundsiebzigster Reisebericht_2012_04

 

Vom mexikanischen Pazifikstrand an den texanischen Golf von Mexico

Wir verbringen wieder wunderschöne Strandtage in Pie de la Cuesta/Acapulco und treffen vor Ostern alte Bekannte aus Mexikocity, die ihr Zelt einige Tage vor uns aufbauen. Morgens gegen 8 Uhr weckt uns die nette Tochter der Brötchenfrau mit leckeren warmen Brötchen.Sie entlastet in den Ferien ihre Mutter, die uns sonst immer die Brötchen bringt. Auch der Pazifik zeigt sich wieder von seiner besten Seite.

Von Ostern merken wir abgesehen vom vollen gut bewachten Strand nicht viel. Spätestens am Ostersonntag ist Rückreiseverkehr, da Ostermontag hier kein Feiertag ist.

Die häufigen Erdbeben erschrecken im Gegensatz zu unserer Umgebung nur uns. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn unser Womo urplötzlich unter den Schwingungen der Erde wackelt.

Auf unserem weiteren Weg nach Mexicocity besuchen wir den samstäglichen großen Silbermarkt in Taxco. In der Metropole Mexicocity ist auch sonntags richtig viel Verkehr, insbesondere wenn aus 2 Fahrspuren 3 werden, wird es richtig eng. Wir fahren extra am Sonntag durch die Stadt um die vielen Fahrverbote zu umgehen. Ausländische Fahrzeuge dürfen während der Woche nie vor 11 Uhr und je nach Nummernschild einen Tag in der Woche nicht fahren.

Jetzt sind wir wieder auf über 2000m Höhe, die sich auch temperaturmäßig bemerkbar machen. Nach Sonnenuntergang fällt das Thermometer rapide und vertreibt uns ins Wohnmobil.

Die Morgensonne zieht uns wieder nach draußen und das Thermometer pendelt sich bei fast 30° ein.

Zu unserer Überraschung ziehen auf dem Camping in Teotihuacan spätnachmittags länger anhaltende Gewitter auf. Wir sind nicht alleine. Es gibt viel Gesprächsstoff mit unseren einzigen Nachbarn- Simone und Olaf, die mit einem Magirus mit externer Kabine und 2 Hunden Richtung Süden unterwegs sind.

Es zieht uns genauso wieder zu den Pyramiden wie nach Mexicocity. Die 248 Stufen zur Sonnenpyramide und die steilen Stufen zu der Mondpyramide bieten wie die Straße der Toten wieder ein erhabenes Erlebnis.

Wir kennen uns inzwischen auch in Mexicocity ein wenig aus. Das Metrofahren in den teilweise völlig überfüllten Zügen bereitet uns keine Schwierigkeiten.

Unsere altbekannte Campingplatzbesitzerin Mina in Teotihuacan empfängt uns mit offenen Armen und sieht kein Problem, uns zu einer neuen Windschutzscheibe zu verhelfen. Sie begleitet uns zu einem ihr bekannten Scheibenhändler in einem unscheinbaren wenig einladenden kleinen Laden, der seine Werkstatt auf der Straße hat.

Beim Scheibenausmessen bekommen wir Stehhaare, als über die Scheibenwischer gemessen wird. Aber wir trösten uns mit der einschlägigen Scheibennummer und wissen inzwischen, dass es für den Sprinter 3 verschiedene Scheibengrößen gibt. Nach einigen Telefonaten soll der Einbau der neuen Scheibe auf dem Campingplatz erfolgen. Aber was ist schon Zeit. Mina verdoppelt die angekündigte Lieferzeit vorsichtshalber, was wir sehr wohl verstehen. Bei uns macht sich Pessimismus breit, als am frühen Nachmittag keine Scheibe geliefert, sondern nochmals kommentarlos nachgemessen wird. Aber kurz vor dem aufziehenden abendlichen Gewitter tauchen die 3 bekannten Gesichter wieder mit einer Scheibe auf ihrem Pickup auf, die wir vorsichtshalber selber ausmessen und für richtig befinden. Bevor die ersten Regentropfen fallen ist die neue Scheibe aus Kanada eingebaut. Endlich haben wir wieder freie Sicht und brauchen bei den vielen Topes keine Angst mehr zu haben, dass unsere Scheibe endgültig bricht.

Ist es die Höhe oder die Großstadt, uns erwischt Montezumas Rache. Vorsichtshalber entsorgen wir alle in den letzten Tagen gekauften frischen Lebensmittel. Anstelle von Zwieback müssen die alten Kräcker aus Guatemala ran, bis wir es in den nächsten Supermarkt und die Apotheke schaffen. Wir erholen uns aber schnell.

Durch die herrliche Bergwelt der Sierra Madre Oriental fahren wir wieder mehrere Tage zurück in den Norden, bevor es kurz vor Tampico an den Golf von Mexico geht. Am Golfstrand gönnen wir uns erst einmal einen Strandtag. Nach den gewaltigen Wellen am Pazifik sind am der Golf kleinere Wellen am flachen Strand, der sich unmittelbar an der riesigen Hafenanlage anschließt.

Auf der weiteren Fahrt begleitet uns heftiger Wind. Soweit das Auge reicht wird Sorghum (Hirse) angebaut, das sich in den unterschiedlichsten Wachstumsstadien zeigt. Bekannte Samenzüchter zeigen mit großen Schildern an, welche Nummern angebaut und kultiviert werden.

Als wir uns der Grenze nähern staut sich der Verkehr auf den gut ausgebauten 4 spurigen Strecken. Die gleich präsenten Straßenverkäufer verweisen auf eine große Militärkontrolle, bei der wir länger anstehen müssen.

Auf der Gegenfahrbahn kommen uns immer wieder kleine Fahrzeugkolonnen entgegen, die nicht nur ein voll beladenes Fahrzeug schleppen sondern diese auch auf den Ladeflächen stapeln.

Die US-Grenzabfertigung am Grenzübergang in Matamoros nach Brownsville/Texas spottete jeder Beschreibung. Sie dauert ca. 5 Stunden. So etwas haben wir bisher bei unseren vielen Grenzübergängen noch nicht erlebt. Die Mexikaner interessieren sich nicht für unsere Ausreise.

Erst müssen wir lange im mexikanischen Brückestau über den Rio Bravo anstehen, der sich aber nach der Mautstelle lockert und im Schneckentempo auf die US-Grenzschalter bewegt. Wir werden gleich aus der Reihe geholt und von einem Officer in kurzer Hose in eine andere Linie gelotst, der uns relativ schnell an den nächsten Officer übergibt, der unser Wohnmobil in eine Sonderspur zwecks Revision führt. Gleich sollen wir die Kühlerhaube öffnen und uns dann vom Wohnmobil entfernen.

Inzwischen tauchen 2 weitere behandschuhte Officer auf, die mit einer uniformierten unförmigen Beamtin begleitet werden. Sie warten untätig vor dem Womo bis ein Hundeführer mit zierlichem Schäferhund kommt. Wir werden gerufen um die Womotür zu öffnen, aber gleich wieder weggeschickt. Wir sehen noch wie der Hundeführer mit dem Hund im Womo verschwindet. Die kräftige Beamtin lugt nur mit dem Kopf durch die Womotür. Durch kommt sie nicht. Was wohl die 2 anderen bei ihrer kurzen Besichtigung im Womo machen?

Der Check ist o.k. Jetzt müssen wir selber nur noch einreisen, was einige Diskussion auslöst, weil in unserem Pass noch ein gültiger Einreisestempel in die USA zu lesen ist, obwohl wir formal nach Mexico ausgereist sind. Unser Officer führt uns schließlich vorbei an Warteschlangen und lässt uns in der großen vollen Wartehalle Platz nehmen. Er steckt unsere Pässe mit einem roten Laufzettel in eine flache Kiste, nach der sich die Bearbeitungsfolge richtet. An den 6 Schaltern bewegt sich nichts. Ein Teil der Wartenden liegt schon auf dem Boden und schläft. Wir können uns nur wundern, wie „effizient“ gearbeitet wird. Immer wieder erscheint ein Officer und fertigt Wartende ab, dann ruht wieder alles. Aus der langen Fußgängerschlange, die draußen ansteht, werden von Zeit zu Zeit Personen in den Einreisekomplex geführt. Nach Stunden werden wir das erste Mal aufgerufen. Der Officer schickt uns aber nach einer längeren Fragerunde wieder auf die Wartesitze zurück und verschwindet kommentarlos aus dem Raum. Es dauert wieder lange bis der nächste Officer uns erneut aufruft, nachdem er sich vorher fast 15 Min. intensiv mit unseren Pässen beschäftigt. Dann beginnt eine inquisitorische Fragerei, die alle w`s –wie, wo, was…- in einer Oberflächlichkeit und wiederholend durchmacht.

Wir werden immer nach Nachweisen gefragt. Letztendlich verweisen wir auf unsere Homepage, die der Officer aber nicht aufrufen kann. Wie aus heiterem Himmel müssen wir dann das Eintrittsgeld entrichten und sind mit Stempel auf dem Laufzettel, 6 monatigen Einreiseausdruck in den Reisepass getackert, wieder in den USA.

Welcome back USA!

Nach Corpus Christi schaffen wir es an diesem Tag nicht mehr.