42 USA und Mexiko

 

42.1 Vierundsiebzigster Reisebericht_2012_03

Zurück nach Acapulco/Mexiko

Bevor wir in Douglas/Arizona die Grenze nach Mexico/ Aqua Prieta überschreiten, laden uns noch einmal Walmart zum Übernachten und WIFI bei McDonald mit Blick auf den riesigen Grenzzaun zum Verweilen ein.

Den kleinen Grenzübergang passieren wir ohne Anstellen. Ein US-Polizist wirft noch einen abschließenden Blick in unser Womo, die Ampeln stehen auf Grün und schon empfängt uns eine andere uns bekannte Welt. Auf der nunmehr löchrigen ungepflegten Straße begrüßen uns freundliche Menschen und Hunde, nachdem uns die Mexikaner durch ihre beschrankte Grenze einfach durchwinken.

Zwischen kreuz und quer hinter der Grenze parkenden PKWs finden wir schnell eine Lücke für unser Womo, um wieder den Weg zum mexikanischen Einreiseschalter (Migration) zurück zu laufen. Als einzige Grenzgänger bekommen wir zügig nach Einzahlen einer Einreisegebühr (p.P 296 Peso ca. 17,50€) bei der ebenfalls im Foyer eingerichteten Zahlstelle, die 180 Tage als Touristen in den Reisepässe eingestempelt, nachdem unsere Pässe gründlich geprüft und gescannt sind.

Mit der 10 Jahreserlaubnis, die wir für unser Womo bei unserer ersten Einreise nach Mexiko erstanden, benötigen wir für das Womo an der Grenze nichts. Die übliche Kontrolle der Dokumente erwartet uns erst ca. 30km später auf der Ruta de la Sierra.

Wir müssen uns in dieser schönen Gebirgslandschaft wieder an die unerwarteten Topes- Querstreifen- gewöhnen, die von uns beiden volle Konzentration auf die gute Straße erfordert.

In dem ersten größeren Städtchen führt uns die Supermarktbeschilderung „Soriana“ von der Durchgangsstraße in eine hüglige Bergarbeiterstadt. Holprige, steile nur teils asphaltierte Straßen führen uns nach der Beschilderung- öfters aber auch unserem Gespür- wieder in eine neue uns bekannte Welt. Alles ist wieder deutlich kleiner, auch die Preise.

Tanken bereitet wieder richtig Freude, obwohl wir in der kurzen Zeit schon 2 Preiserhöhungen erleben. In Deutschland kann man von Dieselpreisen zwischen 0,60€ und 0,70€ der Liter je nach Wechselkurs sicher nur träumen.

Zu unserer Überraschung halten sich Militär und Polizeikontrollen sehr zurück.

52Wir wollen schnell an die Küste, wo Bekannte mit dem Lockruf „hier gibt es eine neue Frontscheibe“ unser Besuchsprogramm umwerfen.

Schade, Brigitte und Harald verpassen wir in Punta Perula, wo beide überwintern.

Danke Rudi für Dein Engagement um unsere neue Frontscheibe, die es ungeachtet vollmundiger Versprechungen letztendlich doch nicht gibt.

Anstelle einer neuen Scheibe muss es weiterhin die inzwischen noch stärker in Mitleidenschaft gezogene „Alte“ tun. Dabei hatten es Rudi und sein Campingnachbar Alaska-Dave, die in Lo de Marcos überwintern, nach den Erfahrungen von Dave, der in Las Vargas seinen Jeep runderneuert, so gut gemeint.

Der von Rudi schon vorher mit unseren Kfz-Daten aktivierte Victor kassiert bei unserer gemeinsamen Fahrt zu ihm nach Las Vargas nach erneutem Abgleich der Daten und Ausmessen der Scheibe nach längeren Telefonaten den halben Preis als Anzahlung. Mit dem ebenfalls im Ort in einem Seitenweg neben der Durchgangsstraße ansässigen Lackierer David stimmen wir die notwendigen mehrtägigen Entrostungs-und Lackierarbeiten terminlich ab.

Am Montagmorgen soll es losgehen, wenn Victor unsere Frontscheibe bei David ausgebaut hat.

Voller Erwarten fahren wir schon am Sonntagabend zurück von der Küste ins nicht mehr touristisch erschlossene Hinterland und warten im Angesicht der Lackiererwerkstatt bedenkenschwanger skeptisch auf den Montag. Es wird nachmittags, als wir endlich zu Victor kommen sollen, wo uns stolz eine neue Frontscheibe präsentiert wird. Wir können es kaum glauben, endlich eine neue Scheibe. Aber das Erschrecken folgt auf den Fuß, als sich die ausgesägte alte Scheibe beim nebeneinander Stellen als wenige Zentimeter höhenkleiner zeigt. „No Problem“, die richtige, so nach Telefonaten, komme am Mittwoch und bis dahin seien die Ausbesserungsarbeiten am Scheibenrahmen sowieso noch nicht abgeschlossen. 70

Wir stehen auf der staubigen Straße vor Werkstatt und Familienwohnung, wo sich David gut und zügig unserer Schwachstellen annimmt. Er ist alleine und ein geschickter „Allesmacher“. Laufkundschaft wird zwischendurch „rasiert“. Die durchgerosteten Rahmenteile ersetzt er mit handwerklichem Geschick. Zwischendurch montiert er neue Bremsbeläge, die es endlich im 3. Anlauf, wenn auch ohne Sensoren beim nahe Teilehändler am Maßstab der ausgebauten Alten gibt. Die vielen unterschiedlichen fast gleich aussehenden Bremsbeläge dokumentiert uns im Laden ein dicker Katalog, der aber nicht richtig hilft.

Unsere Bremsbelägerückfragen in Deutschland verlaufen im Sand. Robel verweist zuständigkeitshalber an Mercedes. Wie oft haben wir bei unseren Deutschlandbesuchen bei Robel vorgesprochen und versucht zu verdeutlichen, dass unsere Rückfragen konkrete Antworten erfordern.

Mercedes haben wir selber gewusst und uns an Beresa in Münster gewandt, die schnell antworten und uns später mit Scheibendaten dankbarerweise helfen.

Wie soll man in einem kleinen vollen Laden mit vielen hilfsbereiten Mitarbeitern, mit denen man sich kaum verständigen kann den einzigen Laden PC in einer Ecke erobern und „anbeten“, um via Google Zieladressen zu finden und dann noch im Halbdunklen die Fahrgestellnummer richtig übertragen?

David baut die alten Sensoren zu unserem Erstaunen passend um.

Am Mittwochnachmittag verkündet ein lächelnder Victor in größerer Begleitung, dass er keine passende Scheibe bekommt. Er will auch noch Geld für den Ausbau der alten Scheibe, nachdem sein Ansinnen den Scheibenrahmen zu erweitern auf allgemeines Unverständnis stößt. Bei uns ist er da an die Falschen geraten. Auch ohne Sprachschwierigkeiten besteht schnell Einigkeit, dass wir ohne Scheibe nicht weiter können und er mindestens die alte Scheibe kostenfrei Rückbauen muss.

Nach einer guten Woche im Staub und Dreck verlassen wir die immer wieder wasserbesprengte Straße vor der Werkstadt mit neu lackiertem Sprinter und alter Scheibe.

Zwischendurch kommen Edi und Jochen, die z.Zt. in Lo de Marcos stehen vorbei und trösten uns. Bei unserer Rückkehr erwarten sie uns mit leckeren Hähnchen und Kartoffelsalat. Dabei verabschieden wir die Hannoveraner Ilsemarie und Günter, die seit Jahren zwischen Deutschland und Nordamerika pendeln.

Unsere Scheibenhoffnung hat die 10 Jahren in Dortmund lebende und perfekt deutschsprechende Frau Grimaldi mit ihrer modernen Reifenwerkstatt in Nvo Puerto Vallarta wieder geweckt, wo Jochen –Danke- für uns nach seinem Reifenauftrag neue Michelinreifen ordert, nachdem David auch den 2. letztjährigen US-reifen als abgängig einstuft.

Die schön Küstenstraße Mex 200 ist unverändert voller Überraschungen. Neue Streckenabschnitte enden abrupt, ohne jegliche Beschilderung als asphaltlose Baustellen. Wehe dem, der nicht aufpasst.

In Acapulco hat sich auf dem Camping außer den Preisen wenig geändert. Der Zahn der Zeit nagt unübersehbar auf dem fast leeren Campingplatz, der sich für den großen Osteransturm rüstet.

Zu unserer Überraschung ist es längst nicht wie gewohnt warm. Dafür begeistert das Wellenschauspiel des Pazifiks mit riesigen Wasserfontänen.

Von dem Erdbeben 150 km südlich von Acapulco in den unbewohnten Bergen hören wir nur vom Erzählen. Passiert ist erkennbar nichts, obwohl es bei uns auch große Aufregung gibt. Wir telefonieren gerade mit Deutschland, als die Tagesschau von dem schweren Erdbeben in Mexiko berichtet und Verwandte und Bekannte alarmiert, die sich besorgt nach unserer Lage erkundigen.

Jetzt hoffen wir auf besseres Wetter in Acapulco.