43.3 Achtundsiebzigster Reisebericht 2012_07

 

Von den Outer Banks vorbei an New York nach Boston

Nach den schönen Strandtagen bei herrlichem Badewetter verlassen wir die Outer Banks über eine über eine unendlich erscheinende 5 km lange Brücke. Die Fahrt über das Wasser fasziniert uns so, dass wir das Ganze wiederholen.

Weiter geht es über viele kleine Brücken mit der Fähre nach Virginia. Auf unserer Nebenstraße passieren wir Schilf- und Ackerbaulandschaft, dazwischen stehen prächtige Häuser, aber auch einfachste Motorhomesiedlungen bevor wir Virginia Beach auf der Princes Anne Straße erreichen.

Breite Straßen, große Malls, Backofenhitze, wir fragen uns anfangs wo eigentlich die größte Stadt von Virginia wirklich ist. Die finden wir dann an der fast 5km langen Strandpromenade mit einem riesigen Angebot an Restaurants und Vergnügungsparks mit einer großen Neptunstatue und allgegenwärtigen Schildern, die Besucher an anständiges Verhalten erinnern und Parken verbieten.

Nichts für uns.

Aber dann kommt schon ein nächster Höhepunkt.

Chesapeake Bay Bridge und Tunnel.

Nach Norfork, dem größten Flottenstützpunkt der Welt, geht es auf einer mit einer Möwe gekennzeichneten landschaftlich besonders schönen Strecke über ein 27 km langes Betonband auf die vor der Küste Virginias liegende Eastern Shore. Die Konstruktion besteht aus drei parallelen Brückenteilen mit jeweils 2 Fahrspuren sowie zwei jeweils 1,7 km langen Tunneln mit gemeinsamer Röhre. Der Übergang von den Brücken in die Tunnel quasi auf halber Strecke erfolgt durch aufgeschüttete, künstliche Inseln. Eine irre Fahrt über und unter das Meer.

Wieder an Land fischen Pelikane und Reiher in den Wattwiesen. Die Straße verläuft küstenfern mitten durch die Halbinsel. Bei der großen Hitze, die uns begleitet suchen wir immer wieder schattige Plätze und erleben wie ein neben uns aus seinem PKW steigender Mann mit seinen Schuhen im weichen Asphalt stecken bleibt. Der Teer klebt fest an seinen entsorgungsreifen Schuhen.

Wir nähern uns dem nächsten Urlauberparadies Ocean Beach in Maryland, das sich hinter „Berlin“ an der Küste anschließt und den Ruf „Billigurlaub an Amerikas Küsten“ hat.Mittelpunkt des Geschehens ist der Board Walk, eine 4 km lange Strandpromenade aus Holzplanken, die dem Ruf Rechnung trägt.

Ein Stück weiter zieht es uns dann für einige Tage an dem wunderschönen Strand hinter dem teils verschilften Binnenwasser.

Die Ankunft im zweitkleinsten Bundesstaat der USA Delaware ist augenfällig. Das Küstenstraßenpanorama ändert sich schlagartig, es gibt keine Hochhausbebauung mehr. Die vornehmeren Häuser zum Strand sind jetzt mit Zugangswärterhäuschen bzw. Schranken abgesichert.

Die Hauptstadt von Delaware, Dover, schließt sich unmittelbar an den größten Luftwaffenstützpunkt der USA an. Mit ihren klassigen Backsteinhäusern und schattigen baumbestandenen Prachtstraßen fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Im Old State House von 1792 besichtigen wir den Repräsentanten- und Senatssaal, die abgesehen von den Bildern und den Wappen an den Stühlen genauso aussehen wie die bisher von uns besichtigten Parlamente.

Unsere Fahrt führt durch eine liebliche Landschaft und gemütliche Kleinstädte an den Delawareriver und weiter nach Philadelphia, wo die berühmte Glocke für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten schlug. Nach den sorgfältig angelegten Gärten und Parks im historischen Distrikt und die Independence Hall kommen wir durch heruntergekommene Bezirke, die nichts mit den eleganten Vorstädten zu tun haben.

In Lambertville überqueren wir den Delawareriver und kommen zu dem geschichtsträchtigen Punkt „Washington Crossing“, wo an einem Uferstück nachhaltig daran erinnert wird, wo George Washington mit seinen Mannen in der eisigen Weihnachtsnacht von 1776 in Flachbooten übersetzte um die Engländer zu attackieren.

Je mehr wir uns New York nähern, desto voller werden die Straßen und älter die Brücken. Ein stundenlanges kräftiges Gewitter mit herrlichen Blitzen rund um unseren Parkplatz beendet die Backofenhitze. Die Straßen stehen unter Wasser und die Tunneldurchfahrten sind ein Erlebnis für sich, verwechselt doch der ein oder andere sein Gefährt mit einem Boot und dann geht nichts mehr.

Auf einer Brücke vor einer Tunneleinfahrt nach Manhattan kommt dann noch eine Baustelle dazu und wenn es von 3 Spuren auf einmal eng wird, kennen auch amerikanische Autofahrer keine Disziplin, was uns aber vor der Silhouette von Manhattan nicht aus der Ruhe bringen kann, wollen wir doch an New York vorbei fahren. 79 - Kopie

Entlang dem Hudson River wird es wieder unbebaut und grün. Wir sehen auf unserem Uferspaziergang auf der gegenüberliegenden Uferseite New Yorks Stadtteile Manhattan und daneben Bronx.

Der Hudson war einmal historische Grenze zwischen den unabhängigen Gebieten und der Kolonialmacht Großbritanniens. Daran erinnern große Schilder.

Bei unserer Fahrt zurück an die Küste kommen wir durch eine hüglige Waldlandschaft und sehen den ersten ALDI. Voller Erwartung gehen wir in den Laden, der von Innen und Außen heimatliche Gefühle weckt. Nur das Sortiment ist nicht der deutsche ALDI und sicher für Amerikaner ungewöhnlich, muss er doch für den Einkaufswagen einen Quarter einstecken und für die Einkaufstüte bezahlen.

Wir kommen nach Connecticut und in das puritanische Neuengland. Gab es schon vorher im Supermarkt keine Alkoholika mehr zu kaufen, sondern nur in speziellen Liquorläden mit auffällig großen Wein- und Schnapsflaschen (1,75l) im Sortiment, ändern sich jetzt auch noch die Bierverpackungsgrößen in kleiner. Es gibt jetzt Flaschen- und Dosenpfand, das aber nicht allgemein einlösbar ist. Auch mit dem rund um die Uhr offenen Supermärkten ist es vorbei.

Entlang der vielgestaltigen Küste hinter New York ziehen sich deren Schlafstädte entlang.

In New Haven sehen wir die prestigeträchtige Yale-Universität mit ihren neugotischen Gebäuden.

Die maritime Geschichte erleben wir in Mystic Seaport, in dem kostümierte Darsteller in einem nachgebauten Fischerdorf mit Hafen aus dem 19. Jahrhundert den Alltag von damals näher bringen. In den Werkstätten wird geschmiedet, gedruckt, Seile und Segel hergestellt. Höhepunkt sind verschiedene historische Segelschiffe, darunter die „Charles W. Morgan“, die 1841 erbaut, das letzte noch existierende Walfangschiff aus Holz ist. Wir besichtigen auch das beengte Innere des Schiffes, das z.Zt. zur Runderneuerung in der Werft liegt und 2013 fertig sein soll. Hier hätten wir nicht mitfahren wollen.

Weitere Walfahrtgeschichte erleben wir in New Bedford, das einmal der Welthafen für Walfänger war.

Ganz anders Newport, im kleinsten Bundesstaat der USA, Rhode Island, seit dem 19. Jahrhundert die Sommerresidenz reicher New Yorker, die opulente Villen am Meer bauten. Jedes neu hinzukommende Gebäude wollte seinen Nachbarn in den Schatten stellen. Viele der großartigen Herrenhäuser werden von einer Stiftung verwaltet und stehen wie der „Breakers“ extravagante Megapalast mit 70 Zimmern im Stil der italienischen Renaissance von Cornelius Vanderbilt II, reichste Familie Amerikas, für eine Besichtigung offen.

Wir genießen den kilometerlangen Cliff Walk, der sich hinter den Herrenhäusern an der Küste entlang schlängelt und uns die herrliche Aussicht auf den Ozean bietet und die alten Häuser erschließt.

Es ist kein Strandwetter und so fahren wir an der sandigen Halbinsel Cape Cod , das mit einem Küstenkanal vom Festland getrennt ist, vorbei direkt nach Plymouth, wo die Mayflower 1620 an Land ging. Der Plymouth Rock, ein (kleiner) Granitfelsen unter einem Baldachin erinnert an die Anlandung der damaligen Auswanderer, die als Pilgerväter in die Geschichte eingingen. Natürlich darf auch ein Indianerdenkmal nicht fehlen. Sie halfen damals ihnen durch den ersten harten Winter, den schon die Hälfte der Ankömmlinge nicht überlebte.

Die „Mayflower II“, die vom 20.4. – 16.6.1957 von Plymouth/ England hierher gebracht wurde und ein 100 %tiger Nachbau ist erscheint uns auch werftreif.

In Boston steuern wir als erstes das „Kennedy Museum und Bücherei“ an einem Küstenabschnitt gegenüber Altbosten an, in dem sich alles um JFK dreht.

Durch die Altstadt flanieren wir wie viele andere über die Boylsten, durch das Prudentialcenter mit seinen vielen Boutiquen, lauschen vor der Stadtbibliothek einem Open Air Konzert, bevor wir am „Boston Common“, dem ältesten öffentlichen Park der USA auf dem Freedomtrail zum State House mit seinem goldenen Kuppeldach kommen.

Es wird immer historischer als wir bei der Boston Teaparty, 16.12.1763, den Beginn des revolutionären Aufstandes gegen die britische Krone ankommen. Vorbei an der Harvard Universität, die am gegenüberliegenden Ufer des Charles Rivers in Cambridge liegt, kommen wir zum ältesten US Kriegsschiff, der „USS Constitution“ von 1812.

Weiter geht es nach Lexington und Concord. Entlang dem Battle Road Trail, wo 1775 die erste Schlacht des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges stattfand, als an der „North Bridge“ bei Concord Siedler- Minute Men – britische Truppen in die Flucht schlugen.

Jetzt verlassen wir den Speckgürtel von Boston, wo doch vieles an England erinnert.