45 USA parallel zur Ostküste im Landesinneren

 

45.1 Achtzigster Reisebericht 2012_09

Von den großen See zurück an den Golf von Mexiko

Fast ausschließlich auf Nebenstraßen orientieren wir uns an den Flüssen Ohio, Tennessee und Alabama gen Süden.

Anfangs geht es noch entlang dem 4. größten der 5 großen Seen Nordamerikas, dem Eriesee, der über die Niagarafälle in den Ontariosee mündet und weiter über den St. Lorenzstrom im Atlantik ankommt.

Am Seeufer entlang durchqueren wir die Bundesstaaten New York, Pennsylvania und Ohio mit großen Weinanbaulandschaften. New York und Pennsylvania, die sich wie lange Handtücher erstrecken, kennen wir schon von unserer Ostküstenroute. Diesmal ist der Übergang zwischen beiden Staaten holprig, der glatte Asphalt endet abrupt und die Häuser verschwinden teils wieder im Wald, obwohl sich am Seeufer entlang durchgehend Bebauung zieht.

In Buffalo zeigen uns große Schilder was in den Fabrikhallen produziert wird. Auch hier baut Ford Autos. Danach kommen wir nicht nur an vielen Industriebrachen sondern auch an aufgelassenen großen Tankstellen, armseligwirkenden Häuser und Mobilhomesiedlungen vorbei.

83 - KopieNach dem Abbiegen ins Landesinnere von Ohio überraschen uns Kutschenschilder am Straßenrand und schon hören wir das Klappern der Hufe eines schnell trabenden Pferdes, das eine schwarze Kutsche zieht. Schnell merken wir, dass wir ein Amish-Siedlungsgebiet – Mesoptanien- queren, in dem sich zwei Welten nebeneinander wohnend vertragen.

Die täuferisch-protestantischen Amish lehnen viele Seiten des

Fortschrittes, z.B. Autos und Knöpfe, ab. Neuerungen akzeptieren sie nur nach sorgfältiger Überlegung. Als sich die schwarzen Einspänner immer im schnellen Trab auf der Straße mehren, gelingt es uns sogar die Fotoscheuen auf die Platte zu bannen. Ein surreales Bild, wenn auf der einen Seite die Kutschen und auf der anderen die Pickups auf den Einzelhöfen abgestellt sind.

Wieder stoßen wir auch auf ALDI mit vertrauten Schildern wie ALDI Süd, wo wir sogar – aber nur einmal – das lang vermisste Schwarzbrot finden.

Aber welche Überraschung am Labor Day, dem Feiertag am ersten Montag im September, an dem die Reisesaison in den USA endet. Als einziges Geschäft überrascht ein geschlossener Aldi mit einem kleinen Schild „ celebrate Labor Day“. Wir sind nicht die einzigen die auf dem leeren Parkplatzstück in der sonst gut besuchten Mall abdrehen.

In der hügligen Mittelgebirgslandschaft wechseln sich Maisfelder, Grünland und Wald auf unserer Fahrt in den Süden ab. Auf unserer landschaftlich schönen und abwechslungsreichen Nebenstrecke ist wenig Verkehr. Immer wieder begegnet uns einer der kleinen schwarzen Einspännerkutschen in der zersiedelten Gegend.

Der schiffbare Ohio, der bei den Indianern „schöner Fluss „ hieß, ist der größte linke Nebenfluss des Mississippi und bringt bei seiner Mündung 3 mal mehr Wasser als der Mississippi mit. Den Namen verdient er, auch wenn an den Ufern, insbesondere auf der Pennsylvanischen und West Virginia Seite immer wieder hässliche Industriegiganten das Landschaftsbild verschandeln. Aber auch Ohio steht z.B. mit einer Aluminiumhütte nicht nach, wenn der nicht besonders breite sich teils tief eingegrabene Fluss Platz zwischen Eisenbahn und Straße für eine Industrieansiedlung lässt.

Es ist wieder wärmer. An einem großen aufgelassenen Platz am Ohioufer ziehen wenige Schubeinheiten an uns vorbei, als sich am strahlend blauen Himmel eine überschaubare Wolke zeigt und sich genau über uns ausschüttet. So schnell wie wir einpacken, können wir auch wieder weiter unseren Kaffee genießen.

Mit dem Bundesstaat Kentucky sind wir wieder in den Südstaaten angekommen. Große Pferdekoppeln und Schilder erinnern an weltberühmte Galopper, die hier gezüchtet werden. Dazwischen wächst Tabak. Die laut Reiseführer weißen Koppelumrandungen sind überwiegend braun-grau und verstecken sich teils hinter langen gepflegten halbhohen Steinmauern. Wir registrieren mehr Kühe als Pferde auf den Weiden und machen beim Einkaufen eine völlig neue Erfahrung.

Manche Städte sind „trocken“. Es herrscht ein absolutes Verkaufsverbot für alkoholische Getränke auch wenn im Ort eine der weltberühmten Bourbon Whiskydestillen für den Besucher offen steht. Da darf man halt nur riechen, nicht kosten. Schon beim Bier sieht man schnell was Sache ist. Entweder es gibt keins oder die Verpackungsgrößen bzw. die Verkaufszeiten sind eingeschränkt.

Ein Urerlebnis hat uns dann doch überrascht. Ein neben uns vor der Ampel stehender Pickup, signalisierte uns mit einem Spiralzeichen am Ohr irgendetwas. Wir wollten ihn beim nächsten Ampelstop fragen was er meinte und schauten entsetzt auf eine auf uns gerichtete Pistole, die der Fahrer an der Lenkradhand hielt, um dann beim Ampelgrün aus dem fließenden Verkehr zu verschwinden. Wir haben das Bild immer noch vor Augen, auch wenn wir inzwischen das Zeichen als „Scheibenwischer“ zu deuten wissen.

Bei den Cumberlandfalls, die auch die Niagarafälle des Südens genannt werden bekommen wir von der Hauptattraktion, dem Mondregenbogen mangels Vollmond und nur wenig Gischt nichts mit. Bei unserem Spaziergang durch diesen nach Daniel Boone benannten Nationalpark, erleben wir mal wieder typisch USA. Die Ferienzeit ist zu Ende und wir meinen anfangs alleine zu sein, bis uns auf einmal ein schwarzer Anzugsträger mit Bibel unter dem Arm einholt. Auf einem Aussichtsbalkon am Fluss wartet schon eine kleine Hochzeitsgesellschaft. Sie im langen weißen Brautkleid aber er ist unter den Jeansträgern nicht sofort zu identifizieren.

Dieser Nationalpark besteht seit den 30iger Jahren dank Mäzentums. Ein Senator aus Delaware, DuPont, der hier seine Ferien verbrachte, schenkte das Gelände dem Staat.

In Corbin schauen wir beim 1. „Kentucky Fred Chicken“ vorbei, der von hier seine Weltreise mit den „Hühnerläden“ startete. Der damalige Gründer betrieb auf der Straße nach Florida eine Tankstelle, die er in den schlechten Zeiten der 30iger Jahre um seine Kochkünste erweiterte, die ihn berühmt machten.

Vom Ohio biegen wir auf seinen über 1000 km langen Zufluss, den Tennessee-River ab, der sich uns wie ein langgezogener See in einer Seeplatte mit vielen flachen Verästelungen darstellt.

Wir kreuzen kurz die Appalachen und dem Bundessstaat Georgia bevor wir über einen Höhenweg in Alabama an den Rio Coosa kommen, der später Alabama River heißt. Schilder am Flussufer erklären Historisches aus der Besiedlung Mitte des 19. Jahrhundert.

Bauwollfelder, Obstplantagen und Wald wechseln sich zwischendurch ab. Uns unbekannte Erntemaschinen entpuppen sich als Erdnussvollernter.

Eine Regenfront lässt uns vom Strand in Florida träumen. Gulf Shores liegt zwar noch in Alabama aber grenzt unmittelbar an Florida und ist nicht mehr weit. Hier waren wir schon zu Beginn der Hauptreisezeit, die hier noch anhält. Die Strände sind noch gut besucht, aber nicht voll.

Umso überraschter sind wir bei unserer Weiterfahrt, als wir in Bioloxi, das der Hurrikan „Katrin“ 2005 schon arg beutelte, wieder auf aktuelle Hurrikan Spuren stoßen. Von den blendend weißen Stränden ist nicht mehr viel zu sehen. Alles ist verdreckt. Dreckberge, vom Sturm abgedeckte Dächer und gesperrte Strände bieten ein eher trauriges Bild

Jetzt sind wir vor New Orleans wo wir unseren Deutschlandbesuch abholen.