46 USA und Mexiko

46.1 Einundachtzigster Reisebericht 2012_10

Vom Golf von Mexiko an den mexikanischen Pazifik

Mitten in der Sierra Madre de Oriente auf über 2800m in La Cuidad/Mexiko wird es bei Vollmond Zeit für den Oktober Reisebericht. Von über 20° Richtung fallen die abendlichen Temperaturen zusehends Richtung 0°.

Wie schnell verfliegen die Wochen mit unserem Besuch am Golfstrand von New Orleans bis Florida. Nach einem Regenwochenende in New Orleans begleitet uns herrliches Strandwetter vorbei an den Spuren vom Hurrikan Isaac, die noch unübersehbar unseren Weg begleiten.

Beim Abholen am Flughafen müssen wir eine Schrecksekunde überstehen. Das entscheidende Schild für die Höhenbegrenzung kommt erst unmittelbar vor der Ankunftshalle. Auf der mehrspurigen Einbahnstraße stehen wir entsetzt vor der für uns viel zu niedrigen Ankunftseinfahrt und müssen zurück. Das alarmiert sofort die Polizei, die für uns mit mehreren Streifenwagen die Zuwegung für die Ankunftshalle sperrt und unseren Rückwärtsgang zum Abflugsteg begleitet. Unsere Besucher hören zwar die Polizeisirenen, erwarten uns natürlich nicht beim Abflug, wo wir aber gut parken können.

91Natürlich lassen wir in New Orleans das lebendige French Quartier und die Bourbon Street mit Live Musik unterschiedlichster Stilrichtung nicht aus, die das Gegenteil vom puritanischen Amerika darstellen. Da können auch mit großem Kreuz und Bibel Bewaffnete wenig ausrichten, wenn sie mitten in der ausgelassenen Menge an das Seelenheil erinnern. Das Gegenteil bietet sich unmittelbar daneben an, wenn Adonisse mit knappem String die kreischende Frauenschar mit Tabledance einheizen bzw. aktiv für Striptease geworben werden.

Unsere 6 Monate in den USA laufen aus.

Wir folgen den Spuren deutscher Auswanderer, die Mitte des 18. Jahrhunderts nach Texas kamen, das sich gerade von Mexiko losgesagt hat.

Von der Insel Galveston vor Houston startete ihr beschwerlicher Weg in ein deutsches Siedlungsgebiet mitten im Comantschenland. Wir überqueren einen Colorado, aber nicht den, den wir aus Nevada kennen.

Die deutschen Spuren sind längst verwischt. In New Braunsfeld, Luckenbach und Fredricksburg erinnern noch touristische Highlights an die frühen deutschen Pionierzeiten im Texas Hill Country. Insbesondere sind es die so genannten Sonntagshäuser, die sich die deutschen Aussiedler im Ort bauten und als Wochenendunterkünfte dienten, wenn sie sonntags zum Gottesdienst gingen und ihre Einkäufe machten, gepflegt erhalten. Die 1847 erbaute Vereinskirche in Fredericksburg, diente als Kirche, Schule und zuweilen auch als Fort bei Indianerangriffen.

Auf unserem Weg durch die Steppe nach Eagle Pass, der Grenze zu Mexiko, überraschen uns ein Nachbau von Stonehage und Skulpturen aus der pazifischen Inselwelt.

Über den Rio Bravo kommen wir schnell ohne jegliche Kontrolle über die Grenze. Natürlich wissen wir um die Grenzformalitäten und müssen uns erst durchfragen, um aus den USA formell auszureisen und die mexikanische Migration zu finden, wo aber alles wie am Schnürchen läuft.

Mexiko heißt uns wieder herzlich willkommen.

Im musikdurchfluteten Supermarkt macht es richtig Spaß sich in den übervollen Obstregalen preiswert zu bedienen. Die Straßen sind lebendig, Wegweiser selten und Geschwindigkeitsbegrenzer- Topes- an der Tagesordnung. Aber dafür gibt es immer nette, hilfsbereite Mexikaner, die wissen, wo es lang geht, wenn wir mal wieder erfolglos kurven um auf unseren Weg zu kommen.

Das nordöstliche Mexiko bietet atemberaubende Wüstennatur. Wir erleben Regen mitten in der Wüste, der sich schnell von Pfützen zu kleinen Seen ausweitet.

Die angekündigten Schildkröten in den Wüstenwasserlöchern von Cuatrocienegas sehen wir nur auf dem Schild.

52Über Torreon kommen wir wieder nach Durango, das wir inzwischen schon ganz gut kennen, aber von dem chaotischen Verkehr völlig überrumpelt werden.

Jetzt genießen wir die herrliche Bergwelt mit tief eingeschnittenen Canyons der Sierra Madre Oriental. Unsere kurvige Straße führt auf fast 3000m durch eine der schönsten Gebirgslandschaften Mexikos.

Das Rückgrat des Teufels „ El Espancio del Diabolo“, das eine tiefe Schlucht in steiler Felslandschaft überbrückt, wird demnächst abseits liegen. Die neue im Bau befindliche Autobahn von Durango nach Mazatlan hat eine direkte Trasse und zieht sich unübersehbar mit Tunneln und Brücken wie eine hässliche Narbe ohne Wenn und Aber durch die Landschaft.

Im Internet lesen wir von den zerstörerischen Spuren, die der über der Ostküste auf unserer Sommerroute tobende Hurrikan Sandy hinterlässt. Die gesunkene Bounty II haben wir noch Anfang August im Hafen von Belfast besichtigt.