5 Von Argentinien über Bolivien –Paraguay nach Brasilien

 

5.1 Zehnter Reisebericht 2006_06

 

Durch den Chaco

Unsere 1. südamerikanische Grenze – sehr gewöhnungsbedürftig –steht doch nach den üblichen Polizeikontrollen auf einmal in der argentinischen Grenzstadt Prof. Salvador eine nette Frau und kassiert Straßenbenutzungsgebühr (15 Peso = 4,05 €) für das kurze Stück zur Grenzstation, die unübersehbar in einer Seitenstraße durch eine große Halle und Schranke ins Auge fällt.

Erst benötigen wir Stempel. Im rechten Gebäudekomplex, bei den Argentiniern, erfassen des Womos am PC und im großen Buch. Wir stehen an der Spitze der sich dann bildenden Schlange, denn die Bolivianer stellen die Uhr um eine Stunde vor. (=6 Std.). Mit einem Papierschnitzel, das jeweils Stempel und Paraffe bekommt, 3 Schalter an der Außenfront weiter, gibt es wieder einen Stempel und dann geht es zurück zu dem nur Gang getrennten Zivilen Nachbarn. Da findet sich der Bolivianer, der wiederum die Autodaten im PC erfasst. Die internationale Zulassung ist lediglich eine nette Beigabe. Die Daten lassen sich leichter vom durchgestrichenen arg. Womodokument abschreiben.

Der freundliche argent. Zöllner führt dann zum gegenüberliegenden Gebäude, damit Argentinien sich im Reisepass ausstempeln und den gelben Einreisezettel einziehen kann. Das geht ruck zuck.

Für Gisela, die das Womo bewacht und den Grenzverkehr beobachtet. interessiert sich kein Grenzer. Auf Karren werden Säcke und Kartons von Argentinien nach Bolivien geschafft. Wir sind das erste Fahrzeug, das die für uns geöffnete Schranke passiert.

Noch fehlt der Einreisestempel Boliviens im Reisepass. Da steht schon der 1. Zivilist und verkauft uns ein „Verkehrsblatt“ für 5 Bolivos oder 2 Pesos = 0,50 €. Nach Ausfüllen eines grünen Formulars folgt der Einreisestempel mit 90 Tagen

und jeweils einem grünen Formularabschnitt, der wieder bei der Ausreise abzugeben wist. Da wartet schon der nächste und will 10 Bolivos. Noch wissen wir nicht für was. Die Wechselstuben liegen links und rechts daneben an der Straße. Wir tauschen US $ gegen Bolivos, ein Europreis fehlt.

Ein Junge mit einem Tank auf dem Rücken bespritzt unsere Räder – das waren die 10 Bolivos. 5 Meter weiter kassiert der nächste Zivilist. 5 Bolivos Straßenbenutzung für Yacuiba, der bolivianischen Grenzstadt, mit Straßen voller winterlicher Klamottenstände.

Eine vernünftige Straßenkarte finden wir nicht. Ein Exemplar von 2003 sieht zwar wie ein Straßenatlas aus, das Format des schwarz-weißen Druckes und unsere Führer unterschieden sich aber nicht.

Die Polizeikontrolle außerhalb der Stadt will das Autoeinreisedokument sehen, das einen weiteren Stempel bekommt, und wenige Meter weiter die Mautstation ähnlich wie in Europa, aber 12 Bolivos bis Villa Monte, was einiger Diskussionen bedarf, steht doch auf dem Verkehrsblatt unser ursprüngliches viel weiter entferntes Zwischenziel, Santa Cruz.

So viele Schweine, Esel, Pferde und Ziegen neben und auf dem breiten Asphaltband nach Villa Monte, kennen wir noch nicht.

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Am Ortseingang von Villa Monte führt alleine eine lange Eisenbahnbrücke über den Fluß in den Ort. Die müssen auch wir benutzen. Unsere armen Reifen, sind doch links die Eisenbahnschienen mit kleinen Dreieckenden verbunden und rechts eine schöne hohe Bordsteinkante. Ich wage nicht den Schienenstrang zwischen die Räder zu nehmen, sind doch die Fahrspuren lediglich mit Brettern, die die Sicht nach unten ermöglichen, ausgelegt. Runter von der Bahndammrampe grüßt ein Band über die Straße. Es folgen drei Stationen. 1. Polizei, 2. entwerten der bisherigen Wertmarken durch 2 x lochen, 3. kauf einer neuen Straßenbenutzungswertmarke für 10 Bolivos und dann geht es erst auf Teer weiter Richtung Ibibobo.

An der Straße wird gebaut. Nach einem erschlossenen Gasfeld folgt Schotterstraße mit Umleitungen und dann nach 25 km nur noch Piste durch den Chaco. Schöne Sandwellen lösen sich ab und stauben heftig. Außer 2 Autos kommt uns aber in den nächsten mit Richtungs GPS geführten Kilometern durch Teis dürre

Bolivien,Paraguay Chaco Grenzladen 7_6_06 032 (1)

Buschlandschaft niemand auf dem schmalen Weg entgegen, den wir gut aber nicht so schnell schaffen. Unsichtbare Höfe lassen sich an freilaufendem Viehzeug erahnen.

Bolivien, Chaco Ibibobo 7_6_06 003 (1)Die nächste Schranke erwartet uns vor Ibibobo: Militärkontrolle. Der extra gerufene Leutnant erfasst in der Schar der Seinen die Daten der Passkopie einschließlich Autonummer, die ein Soldat rennend aufschreibt. Nach freundlichem Gruß öffnet sich die Schranke und 50 m weiter sitzt wieder jemand draußen vor einer Hütte überdacht an einem Tisch vor einem großen Buch. Er ist aber nicht die Amtsperson, die aus dem Schlaf gerufen wird und im dunklen Kämmerchen den grünen Einreisezettel einzieht und den Ausreisestempel setzt. Wir übernachteten gleich an Ort und Stelle im stockdunklen Dorf, in dem Strom noch nicht angekommen ist.

Eine Nebelwand begrüßt uns, als wir gegen 7 Uhr in der Morgendämmerung den Riemen auf die Orgel werfen. Auf einer Schotterpiste erreichen wir den letzten bolivianischen Militärposten, den eine Schranke und ein burgähnliches Gebäude mit 4 Türmen ankündigen. Das Datenerfassen auf einem Schmierzettel erledigt der „Boss“ barfuß in Turnhose und Militärjacke, nachdem ihm ein Soldat den verzweifelt gesuchten Kugelschreiber bringt. Draußen spielt der Rest der Truppe mit einer Eule.

Grenze Bolivien,Paraguay Chaco 7_6_06 040

Nach ca. 10 km holpriger Schotterpiste erreichen wir die eigentliche Grenze Bolivien-Paraguay, die einen Grenzpfahl, 2 neue Hütten und eine Kette markieren. Wir werden gleich von 3 Männern begrüßt, die sich als bolivianischer bzw. paraguayischer Zöllner vorstellen. Der bolivianische Grenzer kennt im Gegensatz zu uns viele deutsche Fußballer und die deutsche Mannschaftsaufstellung im Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft gegen Costa Rica. Er kassiertdas Autodokument während der Paraguayer uns lediglich in ein Buch schreibt. Weiter geht es auf einer ausgefahrenen Sandpiste.

Zwei entgegenkommende LKWs mit Hänger stimmen uns weiter optimistisch. Der folgende paraguayische Militärposten sitzen Gott verlassen in einem einsamen großen Haus nach weiteren 10 km. Er will Orginalpapiere, Internationale Zulassung und das bolivianische Womodokument, als ob er nicht wüsste, dass wir das gerade abgegeben haben.

Ein deutsch sprechender Toyota Fahrer macht uns zwischenzeitlich Mut und zeigt uns auf der Karte, dass die Sandpiste nur 90 km lang sei und nicht die 164 km laut unserem Führer.

Sandpiste Paraguay Chaco Festgefahren 7_6_06 069 (11) ,Paraguay Chaco Sandpiste 7_6_06 043 (4)

Teilweise neben, über und auf einer zukünftigen!! Straßentrasse, an der auch zwischendurch tatsächlich gearbeitet wird geht unsere teilweise sehr ausgefahrene und weiche Sandpiste. Einmal hat es uns dann doch erwischt. Ein tiefes langes aufgeweichtes Loch will nicht an der breiten Seite umfahren werden und schon sitzen wir fest. Schippe raus, Seilwinde ausgepackt, Mückenspray verspritzt. Bei über 30 Grad läuft uns das Wasser nur so runter. Da naht ein rettender LKW, der weiß schon was zu tun ist. Unser Abschleppseil hatte Premiere, ein kurzer Ruck und schon sind wir wieder rausgezogen und schaffen es mit Atem anhalten im 2. Anlauf.

Die Pistenspur und die GPS-Daten stimmen nicht mehr, wir sollen eigentlich weiter rechts, doch da war kein Weg, oder hatten wir etwas übersehen? Endlich landen wir auf dem angekündigten Asphalt mit einem wild aussehenden paraguayischen Soldaten, der uns nicht nur zeigt wo wir sind, sondern auch großes Interesse an uns und unserem Womo entwickelt. Das können wir aber entspannt abtun, haben wir doch das wildeste Chacostück geschafft.

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Mit Genuß geht es auf Asphalt kerzengerade in die schnell hereinbrechende Nacht (18 Uhr dunkel). Die erste Möglichkeit links, eine Bauarbeiterkomplex soll unsere erste Nacht in Paraguay werden. Hatten schon vorher die wenigen Motorradfahrer, die uns entgegen kamen, Gewehre geschultert, begrüßt uns jetzt wieder ein Gewehr, aber nett. Nicht auf dem offenen Gelände in der für uns freigemachten Fahrzeughalle verbringen wir eine heiße Nacht unter dem Moskitonetz. Draußen sei es viel zu gefährlich.

Im ersten paraguayischen Ort Mariscal schrecken wir Rauschgiftkontrolleure auf, die uns zu ihrem Amtsgebäude „bitten“, vor dem wir geduldig warten, bis wir unsere Papiere nach vielen Telefonaten wieder haben und in der nur einen Katzensprung entfernten Immigration den Einreisestempel bekommen. Der davor liegende neugierige Zoll läßt uns nach Diskussionen ziehen, brauchen wir doch in Paraguay keine Dokumente für das Womo.

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Es folgten entspannende Tage in Filadelfia bei den Mennoniten,

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einer deutschen Sprachinsel, deren Wohlstand die Paraguayer und die Indianer unübersehbar auch entdeckt haben. Wir dürfen bei Liselotte &Jakob Siemens , der seine Qualitäten als Fremdenführer beweist, auf deren Grundstück stehen. Die Afrikafahrer Rita und Freddy schließen sich uns an und starten gleich ein neues (Erdnuss)Filmprojekt. ParaguayFiladelfia Erdnussverarbeitung 10_11_6_06 010

Erntedank, Ziegengrillen bei Ute und Achim Steffen, die sehr warmen (Winter) Tage verlaufen in Filadelfia wie im Flug.

Die zwei Niederlagen von Paraguay bei der Fußball-WM lassen uns über Conception nach Brasilien fahren, wo alle genauso fußballverrückt sind. Jetzt wehen nicht mehr rot-weiß-blaue Paraguayfahnen, alles ist in grün-gelb, sogar die Fingernägel. Jedes Brasilienspiel erinnert an Sylvester.

Bis wir in der Freihandelszone wieder die notwendigen Stempel an ganz unterschiedlichen Stellen bekommen, vergeht fast ein Tag, trennt doch nur ein grüner viel befahrener Streifen beide Staaten.

Fehlende Schilder machen eine Orientierung in Brasilien schwer. Natürlich dürfen wir Bonito nicht auslassen von dem alle wegen der umliegenden Natur schwärmen. Jetzt wissen wir auch was Schweizer Käsestraßen sind. Brasilien n. b.Jesus do lapa 14_8_2006 042 (5)Zwischendurch tiefe Löcher auf dem endloslangen Asphaltband über Campo Grande nach Cuiabá und weiter nach Chapada dos Guimaraes (Mittelpunkt von Südamerika), wo uns schon Rosi und Klaus auf dem kleinen Campingplatz für viele

schöne gemeinsame Stunden erwarten. Die Toreinfahrt passt gerade noch für uns.

Seit Wochen regnete es erstmals wieder richtig. Das Ausscheiden Brasiliens bei der Fußball WM in Deutschland löst nicht nur Tränen aus, auch der Wettergott trauert und schickte zum Trost den lang erwarteten Regen.