39 Mittlerer Westen der USA

 

39.1 Einundsiebzigster Reisebericht 2011_10

Nationalparks im mittleren Westen der USA, von A -Arches NP- bis Z – Zion NP.

Auf unserer Route gen Süden liegt als erstes der Yellowstone NP, der bereits 1872 als 1. Nationalpark überhaupt eingerichtet wurde. Er steht wegen seiner Bären- vor uns haben sie sich alle versteckt- immer wieder in den Schlagzeilen. Dabei geht es um seine geologische Ausnahmestellung mit vielen Geysiren.

Überall dampft und sprudelt es. Nur eine dünne Schicht trennt uns vom glühenden Erdinneren. Wir wandern auf gut ausgebauten Wegen mit herrlichen Farbbildern bei teils stinkender schwefelhaltiger Luft. Teilweise „schlafen“. bestens erschlossene Geysire und kochende Quellen. Natürlich lassen wir uns den Ausbruch des „Old Faithful“ nicht entgehen, der seit Jahrzehnten wie nach Fahrplan stündlich eine riesige Fontaine ausspuckt. Wir erleben mehrmals aus dem großen Besucherring, wie aus dem Nichts erst kleine Dampfwölkchen, dann kurze Spritzer in eine minutenlange in die Höhe schießende Fontaine übergehen.

Die damals fast ausgerotteten Bisons- Buffalo Bill rühmte sich 4500 in 3 Monaten abgeknallt zu haben- konnten wieder erfolgreich angesiedelt werden und begegnen uns immer wieder in Herdenstärke. Ein herrliches Naturschauspiel bietet uns die Hirschbrumpft, wie der Pascha vor unseren Augen seine Damen zusammenhält, Nebenbuhler angeht und verjagt. Dabei begleitet uns herrliches Herbstwetter mit bunten Bäumen, nachts kühlt es aber bereits ab.

Unmittelbar an den Yellowstone NP schließt sich der Grand Teton NP an, eine Gebirgskette mit mehreren Dreitausendern, die sich abrupt aus der Ebene erhebt. Was die Namensgeber an Brüste erinnert fragen sich sicher auch die unzähligen Fotografen, die mit Stativen und riesigen Objektiven bewaffnet die besten Motive schießen wollen. Auch bei einem Elchrudel mit einem kapitalen Bullen sind sie dabei. Das Ganze erinnert an einen Western, als sich die Fotografen in der Dämmerung von allen Seiten anpirschen.

Städtenamen wie Montepellier, Paris erinnern an den historischen Weg nach Kalifornien als wir Idaho und Wyoming streifen. Wie muss es vor über 100 Jahren den Pionieren mit ihren Planwagen auf diesem Trail ergangen sein, als wir den Oregon-Kalifornientrail in Idaho kreuzen.

Das steinreiche Utah wirbt auf den Autonummernschildern mit einem Steinbogen (Arche) bzw. „greatest snow on earth“. Davon bekommen wir gleich einen Vorgeschmack. Am Loganpass schneit es auf 2700m.

Weiße spitze kleine Kirchtürme signalisieren wir sind bei den Mormonen. Salt Lake City ist nach Calgary und Vancouver die 3. Winterolympiadestadt unserer Reise und das mitten in der Wüste, aber für uns bei frostigen Temperaturen, liegt und von hohen Schneebergen umgeben ist.

59Die Mormonen siedelten sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts in diesem offiziell zu Mexiko gehörendem Gebiet, das aber als Niemandsland galt, an als man sie aus den USA verjagte und schafften es den versalzenen Wüstenboden erfolgreich zu bewirtschaften. Sie bauten gleich eine eigene Tempelstadt, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Überall warten engagierte Führer zum Erklären und Führen. Von der Dachterrasse des 26. Stockwerkes des Kirchenverwaltungsgebäudes bietet sich uns bei eisiger Kälte ein toller Rundblick zu den schneebedeckten Bergen.

In dem gegenüber auf einem Hang liegendem Capitol bekommen wir einen weiteren Einblick in die Geschichte des erst 1890 von der Zentralregierung als eigner Staat entlassenen Utah.

48Ein Wanderhöhepunkt bilden Arches und Canyonlands NP, die wir von unserem Ausgangspunkt Moab am Coloradoriver angehen. Eine Straße führt zu den großartigsten Steinformationen. Über dem Wüstenboden erheben sich bizarre Formationen aus rotem Sandstein. Türme, Steinblöcke, steile Wände mit Korridoren, auf Sockeln balancierende Steinblöcke, Bögen die von Regen und Frost ausgehöhlt sind, dieses alles hat die Natur in Millionen von Jahren geschaffen. Es sind wahre Kunstwerke, die uns immer wieder in Staunen versetzen.

Von den Bögen, die teilweise frei überspannend stehen sind wir genauso überwältigt, wie von Canyonlands NP, wo Greenriver und Coloradoriver tiefe Canyons in ein weites Plateau geschnitten haben.

Auf unserem weiteren Weg treffen wir immer wieder auf bizarre Felsformen auf der ca. 1500m Hochebene.

Ein Abstecher führt uns im Bundesstaat Colorado ins prähistorische Amerika, das wir in Mesa Verde NP auf einem über 2500m hohem Hochplateau mit Klippenwohnstädten und Grubenhäusern erleben. Warum die Indianer bereits im 13. Jahrhundert ihr in den tiefen Canyons der Hochebene unter schützenden weit überhängenden Felsen gebauten mehrstöckige Häuser verließen, weiß keiner.

Beim 4 Ländernationalmonument (Colorado. Arizona, Utah, New Mexiko) erheben sich im Monumentvalley die in der Sonne rotglühenden Berge wie lange braune Flaschen in der Halbwüste mit tiefen wasserlosen Bachläufen.

Bohrtürme und „Schwäne“ zeugen immer wieder von Öl.

In Bluff erwartet uns überraschend ein Freilichtmuseum, als wir einen Übernachtungsplatz unterhalb einer Felslandschaft in einem breiten Flußtal, dass von roten Felswänden eingerahmt ist, suchen. Fort Bluff zeigt uns wie sich die 1880 angekommenen Mormonen mit ihren Planwagen mühsam im Indianerland durch die Felslandschaft quälen mussten, um hier Fuß zu fassen.

Besonders beeindruckt uns der San Juan River mit seinen „Goosenecks“. Der mäandernde Fluss hat sich über 300m tief im Laufe der Millionen Jahre in die über 1500m hohe Wüstenebene eingegraben. Auf einer Flusslänge von 8 km windet er sich auf ca. 1,5 km vor und zurück, die wir teilweise mit Blick in die Tiefe ablaufen.

Ungeachtet der Warnungen auf den Schildern und in der Straßenkarte fahren wir den teilweise nicht asphaltierten aber vergleichsweise sehr guten Mucky Duck Way, der uns in Serpentinen durch die fast senkrechte über 400m hohe Felswand in die nächste Ebene des Coloradoplateaus führt.

Nächster Höhepunkt sind die Natural Bridges, die auf einem 14,5 km langen Rundweg auf 2000m erschlossen werden. Wir wandern über eine fast senkrechte Felswand mit Leitern in die Schlucht zur einer der längsten Naturbrücken der Welt, der Sipapubridge. Auch in diesen Felswänden haben früher Menschenhaben ihre Häuser eingebettet.

Mangels Ortschaften auf den nächsten 100km übernachten wir in dieser Steinwüste neben einer Schlucht. Beim Erkunden der näheren Umgebung stoßen wir auf einmal auf ein Doppelgrab aus 1881, das von den Indianerkriegen zeugt.

Die Brücke über den Coloradoriver markiert das Ende des Powellstausees, der sich tief in die Bundsandsteinschluchten eingegraben hat. Wir sind erstaunt, dass es überhaupt eine asphaltierte Straße in dieser menschenleeren Bilderbuchlandschaft mit Aussichtspunkten, Piknikplätzen, Toilettenhäuschen und Müllcontainern gibt.

Der Capitol Reef NP ist nur wenig breit, aber windet sich wie ein Schlauch 120km lang durch steile parallele Felskämme. Alles erinnert an Western-Filme. Wie hier die Gesetzlosen leben und sich ernähren konnten, bleibt uns rätselhaft. Erst die Mormonen siedelten in dieser schwer zugänglichen Gegend. Der von ihnen angelegten Obstplantage gibt es noch heute.

Weiter geht es durch eine Mondlandschaft mit roten Schluchten, romantischen Canyons und steilen schmalen Kämmen, die links und rechts senkrecht in die Tiefe stürzen.

Märchenhafte wie kariöse Zähne aussehende Sandsteinfelsen sind für den Bryce Canyon NP, der wie ein bizarres Amphitheater in dieser grandiosen Felslandschaft eine herrliche Fernsicht eröffnet, charakteristisch. Auf über 2500 m empfängt er uns als ob wir in eine Tiefkühltruhe einfahren. Das Thermometer sinkt zusehends unter 0 Grad. Wir sehen wie die tief hängenden Wolken sich ihrer nassen Last entledigen und befinden uns auf der Weiterfahrt auf einmal mitten im Winter bei Schnee und -12°, was bei 3000m nicht wundern kann.

Jetzt muss wieder die Heizung im Womo für Wärme sorgen.

Wir machen einen Abstecher nach Cedar City, wo es nachts noch weit unter 0° ist. Beim Einkaufen stechen die sommerlich gekleideten Menschen, die sich aus ihren Fahrzeugen mit Flipflops, Shorts und T-Shirts bewegen ins Auge, während wir dick vermummelt sind.

Zion NP hat 2 Gesichter. Als die Mormonen die Schlucht aus glattgeschliffenem Fels entdeckten, die der Virgin River in den Sandstein gefressen hat, glaubten

sie sich im Paradies, nannten den Ort nach der Himmelsstadt Zion und gaben den Bergspitzen biblische Namen. Auf der einen Seite führt eine Panoramastraße durch einen 1,6 km langen mautpflichtigen Tunnel nach Kanab, das sich als Klein Hollywood einen Namen gemacht hat, andererseits erschließen Shuttelbusse den Canyon des Virgin Rivers.

Mit den Maßen unseres Womos kommt der Ranger am Parkeingang nicht zurecht. Er will von uns unbedingt 15 $ für die Erlaubnis zur Tunneldurchfahrt, obwohl wir nach unseren Maßen kostenfrei sind. Er beruft sich ohne das Kassenhäuschen zu verlassen auf seine 30 jährige Erfahrung. Er könne die tatsächlichen Maße unseres Wohnmobils besser abschätzen, als sie im KFZ-Schein ausgewiesen sind. Letztendlich lässt er uns wutentbrannt ziehen.

Der im deutschsprachigen Parkprospekt angekündigte Pilot, den wir von den Straßenbaustellen kennen, gibt es dann nicht. Vielmehr regeln Rancher einen Einbahnverkehr für den wir die Spiegel einklappen müssen. Verstehe, wer das will, wir dürfen gar nicht an die engen Tunnel denken, die wir bei unserer Reise passierten.

Unsere Bedenken, dass wir am Monatsende nicht mehr in den Grand Canyon NP kommen bewahrheiten sich nicht. Vom Schnee der letzten Tage hat die warme Sonne nicht mehr viel übrig gelassen. Es gibt keinen Massenandrang am Nordparkende, das wir nach längerer Anfahrt von Kanab aus erreichen. Wir wandern mit atemberaubenden Blicken an der nördlichen Kante des Canyons mit seinen vielen Nebentälern entlang. Teilweise sind die gut ausgebauten Wege nichts für Höhenängstliche, wenn es auf schmalem Grat links und rechts senkrecht in die Tiefe geht. Die berühmte North Rim Lodge ist schon geschlossen. Wir genießen den Grand Canyon als Höhepunkt unserer fantastischen Tour durch die Nationalparks.

40 USA, Deutschland

 

40.1 Zweiundsiebzigster Reisebericht 2011_11

Von Las Vegas zu Weihnachten nach Deutschland

Ab 1. November wird nicht nur bei Walmart das große Halloweenangebot verramscht. Es macht Platz für das bunte Weihnachtsklimbim. Wie sich doch die Welt gleicht!

Plastikweihnachtsbäume in allen Größen und Preislagen. Keine TÜVwarnung schreckt die Lichterangebote ab. Die preisreduzierten Halloweenreste finden kistenweise reißenden Absatz. Das nächste Halloween und Weihnachten kommt bestimmt.

Wir landen mal wieder in Washington, diesmal einem Städtchen in Utah. In der Halbwüste begrüßen uns Yukkapalmen und wir genießen herrliches Spätsommerwetter.

Auf der Interstate 15 streifen wir kurz Arizona bevor uns Spielkasinopaläste an den Autobahnabfahrten anzeigen, dass wir wieder in Nevada sind. Als einzige Verkehrsader, die auch den Radfahrern offen steht, windet sich die Autobahn neben dem Virgin River durch enge hohe Schluchten, abschnittsweise ohne Randstreifen. Da kann es einem nur Angst und Bange werden, wenn die vielen schnellen LKWs an uns mit weit über 100km/h vorbei rauschen. An den Steigungen signalisieren sie dann mit Warnblinkanlage ihr Schleichtempo.

In Nevada dürfen wir wieder eine Stunde länger schlafen, die Uhr wird zurückgestellt. Die Lebensmittel sind steuerfrei, Pfand gibt es hier auch nicht. Auf alles andere kommen 8,1 % an der Kasse dazu.

Noch fehlt für unser Womo der passende Stellplatz für die Zeit unseres Heimaturlaubes. Im Internet gibt es zwar eine Fülle von Angeboten in und um Las Vegas, von wo wir am 10.11. nach Frankfurt starten. Leider kann uns keiner helfen, wie wir von einem der angebotenen Stellplätze zum Flughafen kommen.

Durch Zufall sehen wir in Overton, ca. 100km nördlich von Las Vegas, ein großes Werbetransparent für RV-Stellplätze. Unsere Neugierde lohnt sich. Wir stoßen im Managerbüro auf eine hilfreiche Damenrunde mit deutschen Wurzeln, die auch noch ein bisschen deutsch spricht. Wir werden schnell handelseinig nachdem die Managerin mit einem Telefonat bei einer Freundin die Flughafentransportfrage löst.

Aber bevor es losgeht, lockt erst einmal wieder Las Vegas, diesmal auch mit seinen großen Outlets und natürlich der Strip im abendlichen Lichterglanz.

Zurück in Overton sind nach dem Abstellen des Womos unsere Rucksäcke und Taschen gleich im großen Buick von Betty verstaut und ab geht es ausschließlich auf der linken Spur der Interstate zum Flughafen, wo sie sich in der Kurzparkzone am Terminal unser Taschen wie selbstverständlich schnappt und vorbei an der langen Schlange unmittelbar gegenüber dem Eincheckschalter platziert.

Schuhe ausziehen, Ganzkörperscannen und das Geschrei der Officer, wenn sich einer verkehrt verhält, kann uns nicht beeindrucken.

Der mitfliegenden deutsche Weltpokerkönig, der gerade in Las Vegas 8 Millionen Dollar (6,2 Mio Euro) abgeräumt hat, sitzt in Blickweite und grüßt uns auch aus den aktuellen deutschen Zeitungen.

9 Stunden Zeitverschiebung machen uns bei unserer ersten Etappe in Frankfurt doch ganz schön zu schaffen. Wenn alle ins Bett gehen, werden wir erst richtig munter. Das gibt sich aber schnell, als wir von Frankfurt aus die ersten Besuche in Rosenheim, München und Familientreffen machen, bevor wir endlich im heimatlichen Münster ankommen.

Weihnachten wirft seine Schatten voraus und auch bei uns im Haus riecht es inzwischen nach Weihnachtsbäckerei

41 Deutschland und USA

 

41.1 Dreiundsiebzigster Reisebericht 2012_02

Aus Deutschland zurück, wieder in der USA

Am 23. 2.2012 fliegen wir mit Condor von Frankfurt zurück nach Las Vegas, wo uns bereits eine (unbekannte) Abholerin in Empfang nimmt, um uns nach Overton, NV zu unserem abgestellten Wohnmobil mit zu nehmen. Für die perfekte Unterstützung beim Bringen zum Flughafen und Abholen bedanken wir uns bei Betty, Karen, Karin und Vicky ganz herzlich

Die Tage in Deutschland verfliegen wie im Flug. Wir leben uns schnell wieder ein, genießen unser umgeräumtes Haus und schaffen es auch uns in die wöchentlichen Sportabende einzuklinken, als wäre die Zeit seit unserem Reisestart vor 6 Jahren stehen geblieben. Besuche und Besucher, es muss wieder ein Terminkalender her.

Am 11. Februar legen wir eine Gedenksekunde ein. Kaum zu glauben, da starteten wir 2006 um unseren Panamericanatraum von Feuerland nach Alaska Wirklichkeit werden zu lassen. Aber das lässt sich in unseren Reiseberichten, die wir wieder monatlich schreiben wollen, nachlesen.

Eins ist uns bei unserer Fahrt durch deutsche Lande besonders aufgefallen. Neben den Autobahnen stehen Reihen von Sonnenkollektoren, die auch auf Häuser und Scheunendächer montiert sind. Warum sehen wir so etwas nicht auf unserer Reise, wo die Sonne über 300 Tage im Jahr scheint?

Neun Stunden Zeitunterschied sind auch zurück bei frühlingshaftem Wetter gewöhnungsbedürftig. Unsere Weiterfahrt führt wieder durch Las Vegas, wo wir erst einmal richtig einkaufen aber den Strip auslassen.

Vorbei am Hoover Staudamm gibt es in Kingman beim Kreuzen der Route 66 eine böse Überraschung, als uns ein netter Passant beim Wasserholen darauf hinweist, dass sich gerade der (neue) Hinterreifen verabschiedet. Wir hören das Zischen der ausströmenden Luft aus einem Riss im Reifen: Totalschaden.

Bei warmen Wetter und wolkenlosem Himmel lässt sich der Reifen leicht wechseln. Allein die bekannten lösbaren Probleme den Ersatzreifen auszubauen und die Felge des kaputten Reifens von der Achse zu lösen, kostet Kraft und Zeit.

Jetzt gilt es durch zu atmen. Einen neuen Ersatzreifen gibt es erst in Mexiko, unserem nächsten Ziel, wo uns schon Bekannte an der Pazifikküste erwarten.

Die Millionenstadt Phoenix/ Arizona passieren wir im Vorbeifahren. Die Hochhaussilhouette erinnert uns ein wenig an Frankfurt, nur nicht die breiten Straßen. Auf der mittleren Spur der 6 bzw. 7 spurigen Interstate fahren wir stau los.

Arizona bietet auf unserer Wegstrecke nach Tucson eine vielfältige Wüstenlandschaft, die von hohen Bergen durchschnitten wird.

Für uns stellt sich immer wieder die Frage, von was die vielen großen Malls am Wegesrand mit ihrem riesigen Angebot leben.

Unterwegs begegnen uns bekannte Kulissen, wie Kakteenfelder, Yoshuatrees und wir erleben riesige Staubwolken bei stürmischem Wind.

Die Stadt Oro Valley besteht erst seit 1974. Sierra Vesta lebt erkennbar vom Militär. Die Gebirgsstadt Bisbee liegt neben einem Kupfertagebau. Wir bestaunen ein riesiges tiefes Loch mit Kratersee.

Jetzt wartet in Douglas der Grenzübergang nach Mexiko auf uns.

42 USA und Mexiko

 

42.1 Vierundsiebzigster Reisebericht_2012_03

Zurück nach Acapulco/Mexiko

Bevor wir in Douglas/Arizona die Grenze nach Mexico/ Aqua Prieta überschreiten, laden uns noch einmal Walmart zum Übernachten und WIFI bei McDonald mit Blick auf den riesigen Grenzzaun zum Verweilen ein.

Den kleinen Grenzübergang passieren wir ohne Anstellen. Ein US-Polizist wirft noch einen abschließenden Blick in unser Womo, die Ampeln stehen auf Grün und schon empfängt uns eine andere uns bekannte Welt. Auf der nunmehr löchrigen ungepflegten Straße begrüßen uns freundliche Menschen und Hunde, nachdem uns die Mexikaner durch ihre beschrankte Grenze einfach durchwinken.

Zwischen kreuz und quer hinter der Grenze parkenden PKWs finden wir schnell eine Lücke für unser Womo, um wieder den Weg zum mexikanischen Einreiseschalter (Migration) zurück zu laufen. Als einzige Grenzgänger bekommen wir zügig nach Einzahlen einer Einreisegebühr (p.P 296 Peso ca. 17,50€) bei der ebenfalls im Foyer eingerichteten Zahlstelle, die 180 Tage als Touristen in den Reisepässe eingestempelt, nachdem unsere Pässe gründlich geprüft und gescannt sind.

Mit der 10 Jahreserlaubnis, die wir für unser Womo bei unserer ersten Einreise nach Mexiko erstanden, benötigen wir für das Womo an der Grenze nichts. Die übliche Kontrolle der Dokumente erwartet uns erst ca. 30km später auf der Ruta de la Sierra.

Wir müssen uns in dieser schönen Gebirgslandschaft wieder an die unerwarteten Topes- Querstreifen- gewöhnen, die von uns beiden volle Konzentration auf die gute Straße erfordert.

In dem ersten größeren Städtchen führt uns die Supermarktbeschilderung „Soriana“ von der Durchgangsstraße in eine hüglige Bergarbeiterstadt. Holprige, steile nur teils asphaltierte Straßen führen uns nach der Beschilderung- öfters aber auch unserem Gespür- wieder in eine neue uns bekannte Welt. Alles ist wieder deutlich kleiner, auch die Preise.

Tanken bereitet wieder richtig Freude, obwohl wir in der kurzen Zeit schon 2 Preiserhöhungen erleben. In Deutschland kann man von Dieselpreisen zwischen 0,60€ und 0,70€ der Liter je nach Wechselkurs sicher nur träumen.

Zu unserer Überraschung halten sich Militär und Polizeikontrollen sehr zurück.

52Wir wollen schnell an die Küste, wo Bekannte mit dem Lockruf „hier gibt es eine neue Frontscheibe“ unser Besuchsprogramm umwerfen.

Schade, Brigitte und Harald verpassen wir in Punta Perula, wo beide überwintern.

Danke Rudi für Dein Engagement um unsere neue Frontscheibe, die es ungeachtet vollmundiger Versprechungen letztendlich doch nicht gibt.

Anstelle einer neuen Scheibe muss es weiterhin die inzwischen noch stärker in Mitleidenschaft gezogene „Alte“ tun. Dabei hatten es Rudi und sein Campingnachbar Alaska-Dave, die in Lo de Marcos überwintern, nach den Erfahrungen von Dave, der in Las Vargas seinen Jeep runderneuert, so gut gemeint.

Der von Rudi schon vorher mit unseren Kfz-Daten aktivierte Victor kassiert bei unserer gemeinsamen Fahrt zu ihm nach Las Vargas nach erneutem Abgleich der Daten und Ausmessen der Scheibe nach längeren Telefonaten den halben Preis als Anzahlung. Mit dem ebenfalls im Ort in einem Seitenweg neben der Durchgangsstraße ansässigen Lackierer David stimmen wir die notwendigen mehrtägigen Entrostungs-und Lackierarbeiten terminlich ab.

Am Montagmorgen soll es losgehen, wenn Victor unsere Frontscheibe bei David ausgebaut hat.

Voller Erwarten fahren wir schon am Sonntagabend zurück von der Küste ins nicht mehr touristisch erschlossene Hinterland und warten im Angesicht der Lackiererwerkstatt bedenkenschwanger skeptisch auf den Montag. Es wird nachmittags, als wir endlich zu Victor kommen sollen, wo uns stolz eine neue Frontscheibe präsentiert wird. Wir können es kaum glauben, endlich eine neue Scheibe. Aber das Erschrecken folgt auf den Fuß, als sich die ausgesägte alte Scheibe beim nebeneinander Stellen als wenige Zentimeter höhenkleiner zeigt. „No Problem“, die richtige, so nach Telefonaten, komme am Mittwoch und bis dahin seien die Ausbesserungsarbeiten am Scheibenrahmen sowieso noch nicht abgeschlossen. 70

Wir stehen auf der staubigen Straße vor Werkstatt und Familienwohnung, wo sich David gut und zügig unserer Schwachstellen annimmt. Er ist alleine und ein geschickter „Allesmacher“. Laufkundschaft wird zwischendurch „rasiert“. Die durchgerosteten Rahmenteile ersetzt er mit handwerklichem Geschick. Zwischendurch montiert er neue Bremsbeläge, die es endlich im 3. Anlauf, wenn auch ohne Sensoren beim nahe Teilehändler am Maßstab der ausgebauten Alten gibt. Die vielen unterschiedlichen fast gleich aussehenden Bremsbeläge dokumentiert uns im Laden ein dicker Katalog, der aber nicht richtig hilft.

Unsere Bremsbelägerückfragen in Deutschland verlaufen im Sand. Robel verweist zuständigkeitshalber an Mercedes. Wie oft haben wir bei unseren Deutschlandbesuchen bei Robel vorgesprochen und versucht zu verdeutlichen, dass unsere Rückfragen konkrete Antworten erfordern.

Mercedes haben wir selber gewusst und uns an Beresa in Münster gewandt, die schnell antworten und uns später mit Scheibendaten dankbarerweise helfen.

Wie soll man in einem kleinen vollen Laden mit vielen hilfsbereiten Mitarbeitern, mit denen man sich kaum verständigen kann den einzigen Laden PC in einer Ecke erobern und „anbeten“, um via Google Zieladressen zu finden und dann noch im Halbdunklen die Fahrgestellnummer richtig übertragen?

David baut die alten Sensoren zu unserem Erstaunen passend um.

Am Mittwochnachmittag verkündet ein lächelnder Victor in größerer Begleitung, dass er keine passende Scheibe bekommt. Er will auch noch Geld für den Ausbau der alten Scheibe, nachdem sein Ansinnen den Scheibenrahmen zu erweitern auf allgemeines Unverständnis stößt. Bei uns ist er da an die Falschen geraten. Auch ohne Sprachschwierigkeiten besteht schnell Einigkeit, dass wir ohne Scheibe nicht weiter können und er mindestens die alte Scheibe kostenfrei Rückbauen muss.

Nach einer guten Woche im Staub und Dreck verlassen wir die immer wieder wasserbesprengte Straße vor der Werkstadt mit neu lackiertem Sprinter und alter Scheibe.

Zwischendurch kommen Edi und Jochen, die z.Zt. in Lo de Marcos stehen vorbei und trösten uns. Bei unserer Rückkehr erwarten sie uns mit leckeren Hähnchen und Kartoffelsalat. Dabei verabschieden wir die Hannoveraner Ilsemarie und Günter, die seit Jahren zwischen Deutschland und Nordamerika pendeln.

Unsere Scheibenhoffnung hat die 10 Jahren in Dortmund lebende und perfekt deutschsprechende Frau Grimaldi mit ihrer modernen Reifenwerkstatt in Nvo Puerto Vallarta wieder geweckt, wo Jochen –Danke- für uns nach seinem Reifenauftrag neue Michelinreifen ordert, nachdem David auch den 2. letztjährigen US-reifen als abgängig einstuft.

Die schön Küstenstraße Mex 200 ist unverändert voller Überraschungen. Neue Streckenabschnitte enden abrupt, ohne jegliche Beschilderung als asphaltlose Baustellen. Wehe dem, der nicht aufpasst.

In Acapulco hat sich auf dem Camping außer den Preisen wenig geändert. Der Zahn der Zeit nagt unübersehbar auf dem fast leeren Campingplatz, der sich für den großen Osteransturm rüstet.

Zu unserer Überraschung ist es längst nicht wie gewohnt warm. Dafür begeistert das Wellenschauspiel des Pazifiks mit riesigen Wasserfontänen.

Von dem Erdbeben 150 km südlich von Acapulco in den unbewohnten Bergen hören wir nur vom Erzählen. Passiert ist erkennbar nichts, obwohl es bei uns auch große Aufregung gibt. Wir telefonieren gerade mit Deutschland, als die Tagesschau von dem schweren Erdbeben in Mexiko berichtet und Verwandte und Bekannte alarmiert, die sich besorgt nach unserer Lage erkundigen.

Jetzt hoffen wir auf besseres Wetter in Acapulco.

42.2 Fünfundsiebzigster Reisebericht_2012_04

 

Vom mexikanischen Pazifikstrand an den texanischen Golf von Mexico

Wir verbringen wieder wunderschöne Strandtage in Pie de la Cuesta/Acapulco und treffen vor Ostern alte Bekannte aus Mexikocity, die ihr Zelt einige Tage vor uns aufbauen. Morgens gegen 8 Uhr weckt uns die nette Tochter der Brötchenfrau mit leckeren warmen Brötchen.Sie entlastet in den Ferien ihre Mutter, die uns sonst immer die Brötchen bringt. Auch der Pazifik zeigt sich wieder von seiner besten Seite.

Von Ostern merken wir abgesehen vom vollen gut bewachten Strand nicht viel. Spätestens am Ostersonntag ist Rückreiseverkehr, da Ostermontag hier kein Feiertag ist.

Die häufigen Erdbeben erschrecken im Gegensatz zu unserer Umgebung nur uns. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn unser Womo urplötzlich unter den Schwingungen der Erde wackelt.

Auf unserem weiteren Weg nach Mexicocity besuchen wir den samstäglichen großen Silbermarkt in Taxco. In der Metropole Mexicocity ist auch sonntags richtig viel Verkehr, insbesondere wenn aus 2 Fahrspuren 3 werden, wird es richtig eng. Wir fahren extra am Sonntag durch die Stadt um die vielen Fahrverbote zu umgehen. Ausländische Fahrzeuge dürfen während der Woche nie vor 11 Uhr und je nach Nummernschild einen Tag in der Woche nicht fahren.

Jetzt sind wir wieder auf über 2000m Höhe, die sich auch temperaturmäßig bemerkbar machen. Nach Sonnenuntergang fällt das Thermometer rapide und vertreibt uns ins Wohnmobil.

Die Morgensonne zieht uns wieder nach draußen und das Thermometer pendelt sich bei fast 30° ein.

Zu unserer Überraschung ziehen auf dem Camping in Teotihuacan spätnachmittags länger anhaltende Gewitter auf. Wir sind nicht alleine. Es gibt viel Gesprächsstoff mit unseren einzigen Nachbarn- Simone und Olaf, die mit einem Magirus mit externer Kabine und 2 Hunden Richtung Süden unterwegs sind.

Es zieht uns genauso wieder zu den Pyramiden wie nach Mexicocity. Die 248 Stufen zur Sonnenpyramide und die steilen Stufen zu der Mondpyramide bieten wie die Straße der Toten wieder ein erhabenes Erlebnis.

Wir kennen uns inzwischen auch in Mexicocity ein wenig aus. Das Metrofahren in den teilweise völlig überfüllten Zügen bereitet uns keine Schwierigkeiten.

Unsere altbekannte Campingplatzbesitzerin Mina in Teotihuacan empfängt uns mit offenen Armen und sieht kein Problem, uns zu einer neuen Windschutzscheibe zu verhelfen. Sie begleitet uns zu einem ihr bekannten Scheibenhändler in einem unscheinbaren wenig einladenden kleinen Laden, der seine Werkstatt auf der Straße hat.

Beim Scheibenausmessen bekommen wir Stehhaare, als über die Scheibenwischer gemessen wird. Aber wir trösten uns mit der einschlägigen Scheibennummer und wissen inzwischen, dass es für den Sprinter 3 verschiedene Scheibengrößen gibt. Nach einigen Telefonaten soll der Einbau der neuen Scheibe auf dem Campingplatz erfolgen. Aber was ist schon Zeit. Mina verdoppelt die angekündigte Lieferzeit vorsichtshalber, was wir sehr wohl verstehen. Bei uns macht sich Pessimismus breit, als am frühen Nachmittag keine Scheibe geliefert, sondern nochmals kommentarlos nachgemessen wird. Aber kurz vor dem aufziehenden abendlichen Gewitter tauchen die 3 bekannten Gesichter wieder mit einer Scheibe auf ihrem Pickup auf, die wir vorsichtshalber selber ausmessen und für richtig befinden. Bevor die ersten Regentropfen fallen ist die neue Scheibe aus Kanada eingebaut. Endlich haben wir wieder freie Sicht und brauchen bei den vielen Topes keine Angst mehr zu haben, dass unsere Scheibe endgültig bricht.

Ist es die Höhe oder die Großstadt, uns erwischt Montezumas Rache. Vorsichtshalber entsorgen wir alle in den letzten Tagen gekauften frischen Lebensmittel. Anstelle von Zwieback müssen die alten Kräcker aus Guatemala ran, bis wir es in den nächsten Supermarkt und die Apotheke schaffen. Wir erholen uns aber schnell.

Durch die herrliche Bergwelt der Sierra Madre Oriental fahren wir wieder mehrere Tage zurück in den Norden, bevor es kurz vor Tampico an den Golf von Mexico geht. Am Golfstrand gönnen wir uns erst einmal einen Strandtag. Nach den gewaltigen Wellen am Pazifik sind am der Golf kleinere Wellen am flachen Strand, der sich unmittelbar an der riesigen Hafenanlage anschließt.

Auf der weiteren Fahrt begleitet uns heftiger Wind. Soweit das Auge reicht wird Sorghum (Hirse) angebaut, das sich in den unterschiedlichsten Wachstumsstadien zeigt. Bekannte Samenzüchter zeigen mit großen Schildern an, welche Nummern angebaut und kultiviert werden.

Als wir uns der Grenze nähern staut sich der Verkehr auf den gut ausgebauten 4 spurigen Strecken. Die gleich präsenten Straßenverkäufer verweisen auf eine große Militärkontrolle, bei der wir länger anstehen müssen.

Auf der Gegenfahrbahn kommen uns immer wieder kleine Fahrzeugkolonnen entgegen, die nicht nur ein voll beladenes Fahrzeug schleppen sondern diese auch auf den Ladeflächen stapeln.

Die US-Grenzabfertigung am Grenzübergang in Matamoros nach Brownsville/Texas spottete jeder Beschreibung. Sie dauert ca. 5 Stunden. So etwas haben wir bisher bei unseren vielen Grenzübergängen noch nicht erlebt. Die Mexikaner interessieren sich nicht für unsere Ausreise.

Erst müssen wir lange im mexikanischen Brückestau über den Rio Bravo anstehen, der sich aber nach der Mautstelle lockert und im Schneckentempo auf die US-Grenzschalter bewegt. Wir werden gleich aus der Reihe geholt und von einem Officer in kurzer Hose in eine andere Linie gelotst, der uns relativ schnell an den nächsten Officer übergibt, der unser Wohnmobil in eine Sonderspur zwecks Revision führt. Gleich sollen wir die Kühlerhaube öffnen und uns dann vom Wohnmobil entfernen.

Inzwischen tauchen 2 weitere behandschuhte Officer auf, die mit einer uniformierten unförmigen Beamtin begleitet werden. Sie warten untätig vor dem Womo bis ein Hundeführer mit zierlichem Schäferhund kommt. Wir werden gerufen um die Womotür zu öffnen, aber gleich wieder weggeschickt. Wir sehen noch wie der Hundeführer mit dem Hund im Womo verschwindet. Die kräftige Beamtin lugt nur mit dem Kopf durch die Womotür. Durch kommt sie nicht. Was wohl die 2 anderen bei ihrer kurzen Besichtigung im Womo machen?

Der Check ist o.k. Jetzt müssen wir selber nur noch einreisen, was einige Diskussion auslöst, weil in unserem Pass noch ein gültiger Einreisestempel in die USA zu lesen ist, obwohl wir formal nach Mexico ausgereist sind. Unser Officer führt uns schließlich vorbei an Warteschlangen und lässt uns in der großen vollen Wartehalle Platz nehmen. Er steckt unsere Pässe mit einem roten Laufzettel in eine flache Kiste, nach der sich die Bearbeitungsfolge richtet. An den 6 Schaltern bewegt sich nichts. Ein Teil der Wartenden liegt schon auf dem Boden und schläft. Wir können uns nur wundern, wie „effizient“ gearbeitet wird. Immer wieder erscheint ein Officer und fertigt Wartende ab, dann ruht wieder alles. Aus der langen Fußgängerschlange, die draußen ansteht, werden von Zeit zu Zeit Personen in den Einreisekomplex geführt. Nach Stunden werden wir das erste Mal aufgerufen. Der Officer schickt uns aber nach einer längeren Fragerunde wieder auf die Wartesitze zurück und verschwindet kommentarlos aus dem Raum. Es dauert wieder lange bis der nächste Officer uns erneut aufruft, nachdem er sich vorher fast 15 Min. intensiv mit unseren Pässen beschäftigt. Dann beginnt eine inquisitorische Fragerei, die alle w`s –wie, wo, was…- in einer Oberflächlichkeit und wiederholend durchmacht.

Wir werden immer nach Nachweisen gefragt. Letztendlich verweisen wir auf unsere Homepage, die der Officer aber nicht aufrufen kann. Wie aus heiterem Himmel müssen wir dann das Eintrittsgeld entrichten und sind mit Stempel auf dem Laufzettel, 6 monatigen Einreiseausdruck in den Reisepass getackert, wieder in den USA.

Welcome back USA!

Nach Corpus Christi schaffen wir es an diesem Tag nicht mehr.

43 Ostküste USA

 

43.1Sechsundsiebzigster Reisebericht 2012_05

Golf von Mexiko, entlang dem Mississippi

Was ein Unterschied zu Mexico, alles ist wieder gepflegt, die Straßen breit, menschenleer, zersiedelt und die Einkaufszonen grenzen an Beliebigkeit. Vieles ist frappierend ähnlich, große Parkplätze und keine Individualität. An jeder Ecke Kirchen mit teils riesigen Parkplätzen. Manchmal fragen wir uns, wie das wohl alles geht, wo doch zu Hause Kirchen nicht angenommen und säkularisiert werden.

Wir kommen nach Texas, das mit Superlativen wie größte Ranch, höchste Wolkenkratzer etc. groß denkt. Unsere Route führt vorbei an petrochemischen Molochen, die sich immer wieder unter anderem Namen wiederholen, zu unberührten Stränden entlang der Golfküste mit kleinen Häfen und vielen Krabbenfischerbooten, die noch auf die Saison warten. Das Landesinnere ist mit seinen struppigen Mesquitebäumen und Kakteen wenig anziehend.

In Corpus Christi lädt der ausgediente Flugzeugträger „Lexington“ zur Besichtigung ein. Die von Villen gesäumten Straßen gehen schnell in die Strände mit puderzuckerfeinem Sand über, die auch für uns leicht zu erreichen sind. Auf dem festen Sand können wir nahe am Wasser parken. Allein die Polizei, die die mit Einbahnstraßenschildern gepflasterte überbreite kilometerlange Strandsandstraße kontrolliert, löst bei uns ein Schmunzeln aus. Sie sorgt bei dem geringen Verkehr für Ordnung, an die sie sich selbst nicht hält, und ordnet das „wilde“ Parken der wenigen Fahrzeuge. Es darf nur an der Dünenseite geparkt werden.

Natürlich lassen wir das von Walt Disney gestaltete Space Center in Houston nicht aus und erleben auf dem Gelände des NASA Johnson 71Space Center das Thema Raumfahrt in einem spannenden Vergnügungspark. In den Raumschiffgalerien gibt es Kapseln, Kommandozentralen, Helme und Handschuhe zur Anprobe, um nach den Sternen zu greifen. Die riesige Saturnrakete und die geschichtliche Raumfahrtdarstellung erinnern uns daran, dass wir vieles als Zeitzeugen miterlebten. „Houston, wir haben ein Problem“ fällt uns sofort ein, als wir das Kontrollzentrum besichtigen.

15.000 Menschen arbeiten heute auf diesem Gelände der NASA. Auch Deutschland ist beteiligt, was wir an den Flaggen sehen.

Zurück an den Strand nach Galverston werden wir schnell an die stürmische Vergangenheit der Golfküste erinnert. Galverston ist ein typisches Beispiel dafür, dass immer wieder Hurrikans für große Zerstörungen sorgen. Heute schützt ein riesiger Damm als mehrspurige Inselhauptstraße.

Bevor es mit der Fähre weiter geht, sitzen wir gemütlich am Strand und lassen die vielen Schiffe aus und nach Houston an uns vorbeiziehen.

Louisiana ist unser nächster Bundesstaat, den wir auf küstennaher Straße erreichen. Überall stoßen wir auf Nostalgisches aus längst vergangenen Zeiten und Erinnerungen an ausgestandenen Entbehrungen, als wir den Mississippi entlang fahren. Prächtige Plantagenherrenhäuser am Ufer erinnern an die großen Reichtümer und „vom Winde verweht“ kommt vor unsere Augen.

Die einst verschlafene Hauptstadt Louisianas, Baton Rouge, wuchs erst in jüngster Zeit nach einem Hurrikan kräftig, nachdem sich aus New Orleans obdachlos gewordene Menschen hierhin zurückzogen.

Wir erleben im facettenreichen Museum 200 Jahre Geschichte Louisianas, das 1812 Unionsstaat wurde. Schade, dass es mehr Wachpersonal als Besucher gibt.

Von der Aussichtsterrasse im 27. Stock des alles überrangenden Louisiana State Capitols genießen wir den wunderbaren Blick auf die Stadt und den Mississippi und spazieren auf der Uferpromenade, bevor es weiter in das Cajun Country geht, wo die größte französisch sprechende Minderheit in der USA zu Hause ist. Aber so viel mit dem Französisch scheint es nicht mehr zu sein, als wir wegen unserer Sprache angesprochen werden, glaubt man bei uns Französisch zu hören.

75JPG - KopieVon der im Führer beschriebenen kosmopolitischen Enklave am und in Mississippi Natchez merken wir nichts. Die Mississippi-Raddampfer sind heute Casinos. Die auf einem Felsvorsprung gelegene älteste Stadt am Fluss lockt mit Architektur aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges. Wir stehen überrascht vor einem neuen Denkmal mit den geschichtlichen Zahlen, das genau das aktuelle Datum nennt, als ob der Steinmetz von unserem Interesse gewusst hätte

Die Hauptattraktion von Vicksburg ist das riesige Bürgerkriegsschlachtfeld. Eine 26km lange Fahrt führt an Schildern und Obelisken vorbei, die an Ereignisse während der Schlacht erinnern. In einem eigenen Museum ist das gepanzerte 76 - KopieKanonenbrot „USS Cairo“ zu sehen, das von einer Mine versenkt, in den 60iger Jahren gehoben, einen Eindruck vermittelt, wie um den strategisch wichtigen Fluss gerungen wurde. Vicksburg selbst ist zwar bestens mit beschilderten Rundfahrten erschlossen, aber der Zahn der Zeit nagt. Viele Geschäfte im Zentrum leben nicht mehr und die Hochwassermarken der am steilen Hang aufsteigenden Stadt lassen Vergangenes erahnen.

Wir fahren in die Hauptstadt von Mississippi, Jackson , besichtigen das Kapitol und bewundern das oberste Gericht, das eher an ein Theater erinnert.

Da sieht es in New Orleans wieder völlig anders aus. Unvorstellbar, dass diese Stadt durch den Hurrikan Katrina 2005, der uns auf unseren weiteren Weg immer wieder begleitet, völlig abgesoffen war und keine Zuwegungen mehr hatte. Davon merken wir nichts mehr. Wir finden direkt im touristischen Zentrum von New Orleans im French Quarter einen Stellplatz und können in aller Ruhe die historische Architektur mit ihren schmiedeeisernen Balkonen, üppigen Blumenschmuck und vielen Menschen auf der Straße genießen. Hier wimmelt es von Partygängern, Touris, Kartenlegern, Portraitzeichner und Malern. Auf der für den Verkehr abends gesperrten Bourbonstreet ist auch noch zur nächtlichen Stunde richtiges Gedrängel. Livemusik, Stripteaseschuppen, Männer die auf Tischen ihren Körper wackelnd zur Schau stellen, in den puritanischen USA erleben wir nach Las Vegas den Ausnahmezustand.

Die Strände, an denen wir unmittelbar vorbeifahren können, werden immer feiner.77 - Kopie Weißer Sand wie Mehl. Aber die Spuren von Katrina sind noch deutlich sichtbar. Die vielen weggeschwemmt Häuser, die die Bodenplatten unverändert markieren, lassen erahnen was sich hier Ende August 2005 abspielte. Hurrikan Katrina schlug verheerend mit Sturmspitzen bis zu 350 km/h und 10m hohen Wellen zu und nahm viele Opfer und alles Hab und Gut mit.

Der Kasinoort Biloxi ist immer noch nicht wieder hergestellt.

Auch Alabama liegt an der subtropischen Golfküste.

Auf Dauphin Island kommen wir zwar noch über die riesige Brücke aber nicht mehr weiter. Die lange Warteschlange vor der Fähre am anderen Ende der Insel lässt nichts Gutes erahnen. Die Wartezeitanzeige schwankt zwischen 2 und 3 Stunden und als uns der Einweiser sieht wird nach einigem hin und her schnell klar, dass wir auf die letzte tidenabhängige Fähre nicht mehr kommen und über Mobile, der einzigen wirklichen Küstenstadt Alabamas, fahren müssen.

Hauptattraktion in Mobile ist das Schlachtschiff „USS Alabama“, ein 210 m langer Koloss, der im 2. Weltkrieg 9 große Seeschlachten unbeschadet überstand. Daneben warten ein U-Boot und teils bunter Militärflugzeuge.

Die Ferienzeit in Amerika beginnt am letzten Montag im Mai mit dem Memorialday.

Wir schwitzen bei tagsüber über 30° und nachts kühlt es auch wenig ab. Unser Ventilator muss wieder arbeiten. Als Ausgleich locken tolle Strände an die wir mit dem Womo leicht kommen.

Aber vor dem Strand wollen wir noch den Reisebericht im Internet einstellen, was diesmal mit Hindernissen verbunden ist. Im Begrüßungszentrum von Alabama will das Netz nicht so wie wir, als wir weiter fahren wollen passiert es: Beim Starten gibt es einen lauten Knall, aus der Motorhaube raucht es, irgendetwas unter der Motorhaube explodierte. Gisela greift sofort zum Feuerlöscher, während Jörg Erich vorsichtig die Motorhaube öffnet. Die Batterie hat es gefetzt, Einzelteile liegen im Motorraum. Auch unser Parkplatznachbar stutzt und schaut sich die Bescherung an, die er als nicht außergewöhnlich einstuft. Er nimmt uns mit zum nächsten Walmart mit einer großen Batterieauswahl, wo wir nur noch Zentimeter und Inch auf einem Nenner bringen müssen.

Jetzt fährt unser Womo wieder mit einer neuen Batterie.

43.2 Siebenundsiebzig Reisebericht_2012_06

 

Vom Golf von Mexiko an die Atlantikküste der US-Südstaaten

Am Memorial Day, dem 1. Montag im Juni, fängt in der USA die 3 monatige Feriensaison an, die am Labor Day, 1. Montag im September endet. So lange dauern die Schulferien. Ferienzeit ist auch in der USA Urlaubszeit. Da sind nicht nur wir bei hohen Tagestemperaturen um 30°, die nachts kaum abkühlen, unterwegs. Klimaanlagen rattern Gebäuden, aber auch in parkenden Autos.

Nach den wunderschönen Strandtagen in Gulf Shores, Alabama, heißt es am Rand der malerischen Straße „Welcome to Florida, the sunshine state“.

Der „Griff der Pfanne“, Panhandle, berührt die weniger bekannten Facetten Floridas. Wir fahren durch reizvolle Wasserlandschaften die von dichten Wäldern gesäumt sind, malerische Städtchen und über73 - Kopie eine ca. 6 km lange Brücke zu einer der vielen Inseln vor der Küste. Zwischendurch erleben wir sintflutartige Regenfälle, die wie aus heiterem Himmel kommen.

Warum die Häuser, wie überall am Golf, hoch auf Stelzen stehen leuchtet ein. Die Beschilderung „Evacuation Route“ weist darauf hin, wo es lang geht, wenn die Naturgewalten drohen.

Die Straße führt am Golf meistens an einem nicht sehr breiten Strand aus blendend weißem und pudrigem Quarzsand entlang, der tagsüber wie frisch gefallener Schnee aussieht.

Dazwischen liegen Touristenhochburgen wie Panama City Beach, ein Freizeitdorado mit Funparks, „Kitsch as kitsch can“.

Tallahessee verdankt seine Hauptstadtehre Floridas seit 1824 einer simplen Rechenaufgabe. Man suchte genau die Mitte zwischen Pensacola und St. Augustine, weil man sich für keine von beiden entscheiden konnte. Bei unserem Stadtrundgang über teils steile Hügel mit moosbewachsenen Eichen und Besuch des historischen Capitols erfahren wir alles über die Menschen und Ereignisse, die Florida geprägt haben. Dahinter liegt der neue 22 stöckige Betonklotz des State Capitals, in dem sich an 60 Tagen im Jahr das Parlament trifft.

Schnurgerade durchschneidet das Asphaltband den Kieferwald der seit Jahrzehnten kultiviert wird. Auf ihn warten Sägewerke und Papierindustrie.

Georgia, den größten Staat östlich des Mississippi, durchqueren wir direkt nach Savannah, einer großartigen historischen Hafenstadt. Wir treffen auf eine Südstaatenschönheit am Ufer des Savannahrivers, ca. 30 km hinter der Küste inmitten von Sümpfen und riesigen mit Moos bedeckten Eichen flankierten Straßen. Der Gestank der monströsen Papiermühle gehört dazu.

Mit Stolz und Anmut sehen wir im historischen Zentrum prachtvolle Herrenhäuser, Baumwolllager, wunderschöne Plätze und kolonial öffentliche Gebäude. Die umgebauten Baumwolllagerhäuser am Fluß bilden ein touristisches Geschäftsviertel mit Bars, Restaurants und Läden. Jeder der 21 Plätze Savannahs lädt zum Relaxen ein, wo wir uns bei unserem langen Stadtspaziergang tatsächlich auf Einwohner, die sich hier zu einem Schwätzchen unter Schatten spendenden Bäumen und einem Denkmal für eine bedeutende Persönlichkeit, die unter dem Platz begraben liegt, treffen. Wie fast überall sind die tollen Balkons der historischen Wohnhäuser, die mit erklärenden Schildern ihre Vergangenheit erläutern, menschenleer. Dafür rauschen die Klimaanlagen um die Wette.

Beaufort war einmal nach Charleston der wichtigste Hafen im Süden und Hochburg der Indigo und Reisproduktion. Den Bürgerkrieg hat es deswegen gut überstanden, weil die Unionstruppen die Stadt gleich zu Kriegsbeginn besetzten und bis zum bitteren Ende blieben. Eine bessere Wachmannschaft für seine hochherrschaftlichen Antebellum-Häuser hätte man sich gar nicht wünschen können.

Beinahe wären wir über eine steinerne Kutschenausstiegstreppe gestolpert, die wie selbstverständlich vor einem Eingangstor auf dem Bürgersteig liegt.

Heute ist Beaufort ein großer Militärstützpunkt der Marineflieger, die den Flugzeuglärm mit einem „the noise ist the sound of freedom“ erklären.

Charleston ist eines der beliebtesten Touristenziele im Südosten der USA. Das Geräusch der Pferde, die Tag für Tag in unzähligen Kutschen über das Kopfsteinpflaster ziehen, klingt noch in unseren Ohren. Wir wandeln auf Alleen im Schatten von Magnolien und fühlen uns teilweise auf einer Zeitreise. „ Porgy

and Bess“ von George Gershwin ist hier zu Hause. Wegen der Rassentrennung ist dieser Klassiker in Charleston erst 1970 aufgeführt worden.

Auch der die Tanzbeine in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts zum Schwingen bringende „Charleston“ kommt ursprünglich von hier.

Wir genießen unseren 40. (!) Hochzeitstag in dieser Vorzeigestadt, besuchen den samstäglichen Markt in aneinander gereihten Hallen mit viel Kitsch und schwarzen Korbflechterinnen, die aus Süßgräsern Körbe flechten, aber nicht fotografiert werden wollen.

Bei einem Blick zum Fort Sumter können wir uns vorstellen, wo der Bürgerkrieg begann, als dieses von Unionstruppen besetzte Fort am Hafenzugang am 12.4. 1861 morgens von Konföderierten beschossen wurde. Heute liegt daneben ein ausrangierter Flugzeugträger als weitere Touristenattraktion.

Auf den modernen Plantagen wächst kaum noch etwas, kein Reis, kein Indigo, keine Baumwolle. Dafür ist Neues nachgerückt, Feriengäste, Golfplätze, Freizeitkolonien.

In Murrells Inlet wird an den gefürchteten „Blackbeard“ erinnert, der wie andere finstere Piraten hier unterschlüpfte und die Gegend zur Quelle mysteriöser Legenden machte.

Wir überqueren wieder einmal den Intracoastal Waterway , der schon lange unser Begleiter ist.

Nach schönen Marschen und langen Waldstrecken riecht in Georgetown die riesige Papiermühle schon von weitem. Wir können uns gut vorstellen, dass hier einmal die Reisschüssel der USA war.

Sommerurlaub auf amerikanische Art machen wir schon lange. Myrtle Beach wird als turbulentestes Seebad von South Carolina beschrieben. Davon merken wir aber wenig. Bei den tollen Stränden können wir gut mit dem Womo parken, bis uns eine Schlechtwetterfront vertreibt.

78 - KopieWeiter geht es zum südlichsten Teil der Outer Banks nach Wilmington, dass sich im historischen Zentrum mit schmucken Stadtvillen und einem attraktiv aufgepäpelten Flußufer mit vollen Restaurants zum Draußen sitzen präsentiert. Wenn nur die Mücken nicht wären!! die inzwischen unsere ständigen Begleiter sind.

Die Outer Banks sind eine fragile Kette aus Düneninseln die sich über 160 km an der Küste entlang ziehen, vom Festland durch verschiedene Meerengen und Wasserstraßen abgetrennt und von einer durchgehenden Straße, Fähren und Brücken erschlossen werden.

Der Tipp im Visitorcenter von North Carolina die 2 ½ stündige erste Fähre morgens zu wählen und am Fähranlieger zu übernachten paßt. Bei strahlend blauem Himmel und ruhigem Meer sitzen wir von Cedar Island nach Ocracoke, einem pitoresken Fischerdörfchen, auf dem Deck in der warmen Sonne. Die vorsichtshalber mitgenommene Jacke dient als Sitzkissen. Hier stoßen wir wieder auf Piratengeschichten und Blackbeard, den die Engländer hier hinrichteten.

Zur nächsten Insel Hatteras geht es wieder mit einer jetzt kostenfreien 40 Min Fährüberfahrt. Die Fährroute verläuft immer wieder im Zick Zack, um die Sandbänke im Binnenwasser zu um kurven. Uns begleitet eine schmale Buschlandschaft als wir zwischen Atlantik und Binnenwasser fahren. Alles ist abgesehen von den Ortschaften geschützter Naturpark mit ausgewiesenen Strandzugängen.

Wenn die Sanddünen unmittelbar an die Straße ragen, stehen Schaufelbagger bereit um Sandverwehungen zu beheben. Die Parkplätze zum Strand sind außerhalb der Ortschaften gut beschildert und auch für uns erreichbar. Wir machen zwischendurch Strandurlaub. Je weiter wir nach Norden kommen, desto bebauter wird die Insel.

In Kitty Hawk wird mit einem Felsbrocken an eine Großtat erinnert, die auf den Autoschildern in North Carolina zu lesen ist. „ First In Flight“. Am 17.12.1903 hatte sich Orville Wright in einem motorisierten Gleiter in die Lüfte erhoben und 41 m zurückgelegt, für die er genau 12 sec. brauchte. Sein Bruder Wilbur verlängerte gleich darauf auf 284 m in 59 sec.

Da denken wir schon andächtig zurück, wie schnell doch die Zeit vergeht und wie sich die Welt entwickelt.

43.3 Achtundsiebzigster Reisebericht 2012_07

 

Von den Outer Banks vorbei an New York nach Boston

Nach den schönen Strandtagen bei herrlichem Badewetter verlassen wir die Outer Banks über eine über eine unendlich erscheinende 5 km lange Brücke. Die Fahrt über das Wasser fasziniert uns so, dass wir das Ganze wiederholen.

Weiter geht es über viele kleine Brücken mit der Fähre nach Virginia. Auf unserer Nebenstraße passieren wir Schilf- und Ackerbaulandschaft, dazwischen stehen prächtige Häuser, aber auch einfachste Motorhomesiedlungen bevor wir Virginia Beach auf der Princes Anne Straße erreichen.

Breite Straßen, große Malls, Backofenhitze, wir fragen uns anfangs wo eigentlich die größte Stadt von Virginia wirklich ist. Die finden wir dann an der fast 5km langen Strandpromenade mit einem riesigen Angebot an Restaurants und Vergnügungsparks mit einer großen Neptunstatue und allgegenwärtigen Schildern, die Besucher an anständiges Verhalten erinnern und Parken verbieten.

Nichts für uns.

Aber dann kommt schon ein nächster Höhepunkt.

Chesapeake Bay Bridge und Tunnel.

Nach Norfork, dem größten Flottenstützpunkt der Welt, geht es auf einer mit einer Möwe gekennzeichneten landschaftlich besonders schönen Strecke über ein 27 km langes Betonband auf die vor der Küste Virginias liegende Eastern Shore. Die Konstruktion besteht aus drei parallelen Brückenteilen mit jeweils 2 Fahrspuren sowie zwei jeweils 1,7 km langen Tunneln mit gemeinsamer Röhre. Der Übergang von den Brücken in die Tunnel quasi auf halber Strecke erfolgt durch aufgeschüttete, künstliche Inseln. Eine irre Fahrt über und unter das Meer.

Wieder an Land fischen Pelikane und Reiher in den Wattwiesen. Die Straße verläuft küstenfern mitten durch die Halbinsel. Bei der großen Hitze, die uns begleitet suchen wir immer wieder schattige Plätze und erleben wie ein neben uns aus seinem PKW steigender Mann mit seinen Schuhen im weichen Asphalt stecken bleibt. Der Teer klebt fest an seinen entsorgungsreifen Schuhen.

Wir nähern uns dem nächsten Urlauberparadies Ocean Beach in Maryland, das sich hinter „Berlin“ an der Küste anschließt und den Ruf „Billigurlaub an Amerikas Küsten“ hat.Mittelpunkt des Geschehens ist der Board Walk, eine 4 km lange Strandpromenade aus Holzplanken, die dem Ruf Rechnung trägt.

Ein Stück weiter zieht es uns dann für einige Tage an dem wunderschönen Strand hinter dem teils verschilften Binnenwasser.

Die Ankunft im zweitkleinsten Bundesstaat der USA Delaware ist augenfällig. Das Küstenstraßenpanorama ändert sich schlagartig, es gibt keine Hochhausbebauung mehr. Die vornehmeren Häuser zum Strand sind jetzt mit Zugangswärterhäuschen bzw. Schranken abgesichert.

Die Hauptstadt von Delaware, Dover, schließt sich unmittelbar an den größten Luftwaffenstützpunkt der USA an. Mit ihren klassigen Backsteinhäusern und schattigen baumbestandenen Prachtstraßen fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Im Old State House von 1792 besichtigen wir den Repräsentanten- und Senatssaal, die abgesehen von den Bildern und den Wappen an den Stühlen genauso aussehen wie die bisher von uns besichtigten Parlamente.

Unsere Fahrt führt durch eine liebliche Landschaft und gemütliche Kleinstädte an den Delawareriver und weiter nach Philadelphia, wo die berühmte Glocke für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten schlug. Nach den sorgfältig angelegten Gärten und Parks im historischen Distrikt und die Independence Hall kommen wir durch heruntergekommene Bezirke, die nichts mit den eleganten Vorstädten zu tun haben.

In Lambertville überqueren wir den Delawareriver und kommen zu dem geschichtsträchtigen Punkt „Washington Crossing“, wo an einem Uferstück nachhaltig daran erinnert wird, wo George Washington mit seinen Mannen in der eisigen Weihnachtsnacht von 1776 in Flachbooten übersetzte um die Engländer zu attackieren.

Je mehr wir uns New York nähern, desto voller werden die Straßen und älter die Brücken. Ein stundenlanges kräftiges Gewitter mit herrlichen Blitzen rund um unseren Parkplatz beendet die Backofenhitze. Die Straßen stehen unter Wasser und die Tunneldurchfahrten sind ein Erlebnis für sich, verwechselt doch der ein oder andere sein Gefährt mit einem Boot und dann geht nichts mehr.

Auf einer Brücke vor einer Tunneleinfahrt nach Manhattan kommt dann noch eine Baustelle dazu und wenn es von 3 Spuren auf einmal eng wird, kennen auch amerikanische Autofahrer keine Disziplin, was uns aber vor der Silhouette von Manhattan nicht aus der Ruhe bringen kann, wollen wir doch an New York vorbei fahren. 79 - Kopie

Entlang dem Hudson River wird es wieder unbebaut und grün. Wir sehen auf unserem Uferspaziergang auf der gegenüberliegenden Uferseite New Yorks Stadtteile Manhattan und daneben Bronx.

Der Hudson war einmal historische Grenze zwischen den unabhängigen Gebieten und der Kolonialmacht Großbritanniens. Daran erinnern große Schilder.

Bei unserer Fahrt zurück an die Küste kommen wir durch eine hüglige Waldlandschaft und sehen den ersten ALDI. Voller Erwartung gehen wir in den Laden, der von Innen und Außen heimatliche Gefühle weckt. Nur das Sortiment ist nicht der deutsche ALDI und sicher für Amerikaner ungewöhnlich, muss er doch für den Einkaufswagen einen Quarter einstecken und für die Einkaufstüte bezahlen.

Wir kommen nach Connecticut und in das puritanische Neuengland. Gab es schon vorher im Supermarkt keine Alkoholika mehr zu kaufen, sondern nur in speziellen Liquorläden mit auffällig großen Wein- und Schnapsflaschen (1,75l) im Sortiment, ändern sich jetzt auch noch die Bierverpackungsgrößen in kleiner. Es gibt jetzt Flaschen- und Dosenpfand, das aber nicht allgemein einlösbar ist. Auch mit dem rund um die Uhr offenen Supermärkten ist es vorbei.

Entlang der vielgestaltigen Küste hinter New York ziehen sich deren Schlafstädte entlang.

In New Haven sehen wir die prestigeträchtige Yale-Universität mit ihren neugotischen Gebäuden.

Die maritime Geschichte erleben wir in Mystic Seaport, in dem kostümierte Darsteller in einem nachgebauten Fischerdorf mit Hafen aus dem 19. Jahrhundert den Alltag von damals näher bringen. In den Werkstätten wird geschmiedet, gedruckt, Seile und Segel hergestellt. Höhepunkt sind verschiedene historische Segelschiffe, darunter die „Charles W. Morgan“, die 1841 erbaut, das letzte noch existierende Walfangschiff aus Holz ist. Wir besichtigen auch das beengte Innere des Schiffes, das z.Zt. zur Runderneuerung in der Werft liegt und 2013 fertig sein soll. Hier hätten wir nicht mitfahren wollen.

Weitere Walfahrtgeschichte erleben wir in New Bedford, das einmal der Welthafen für Walfänger war.

Ganz anders Newport, im kleinsten Bundesstaat der USA, Rhode Island, seit dem 19. Jahrhundert die Sommerresidenz reicher New Yorker, die opulente Villen am Meer bauten. Jedes neu hinzukommende Gebäude wollte seinen Nachbarn in den Schatten stellen. Viele der großartigen Herrenhäuser werden von einer Stiftung verwaltet und stehen wie der „Breakers“ extravagante Megapalast mit 70 Zimmern im Stil der italienischen Renaissance von Cornelius Vanderbilt II, reichste Familie Amerikas, für eine Besichtigung offen.

Wir genießen den kilometerlangen Cliff Walk, der sich hinter den Herrenhäusern an der Küste entlang schlängelt und uns die herrliche Aussicht auf den Ozean bietet und die alten Häuser erschließt.

Es ist kein Strandwetter und so fahren wir an der sandigen Halbinsel Cape Cod , das mit einem Küstenkanal vom Festland getrennt ist, vorbei direkt nach Plymouth, wo die Mayflower 1620 an Land ging. Der Plymouth Rock, ein (kleiner) Granitfelsen unter einem Baldachin erinnert an die Anlandung der damaligen Auswanderer, die als Pilgerväter in die Geschichte eingingen. Natürlich darf auch ein Indianerdenkmal nicht fehlen. Sie halfen damals ihnen durch den ersten harten Winter, den schon die Hälfte der Ankömmlinge nicht überlebte.

Die „Mayflower II“, die vom 20.4. – 16.6.1957 von Plymouth/ England hierher gebracht wurde und ein 100 %tiger Nachbau ist erscheint uns auch werftreif.

In Boston steuern wir als erstes das „Kennedy Museum und Bücherei“ an einem Küstenabschnitt gegenüber Altbosten an, in dem sich alles um JFK dreht.

Durch die Altstadt flanieren wir wie viele andere über die Boylsten, durch das Prudentialcenter mit seinen vielen Boutiquen, lauschen vor der Stadtbibliothek einem Open Air Konzert, bevor wir am „Boston Common“, dem ältesten öffentlichen Park der USA auf dem Freedomtrail zum State House mit seinem goldenen Kuppeldach kommen.

Es wird immer historischer als wir bei der Boston Teaparty, 16.12.1763, den Beginn des revolutionären Aufstandes gegen die britische Krone ankommen. Vorbei an der Harvard Universität, die am gegenüberliegenden Ufer des Charles Rivers in Cambridge liegt, kommen wir zum ältesten US Kriegsschiff, der „USS Constitution“ von 1812.

Weiter geht es nach Lexington und Concord. Entlang dem Battle Road Trail, wo 1775 die erste Schlacht des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges stattfand, als an der „North Bridge“ bei Concord Siedler- Minute Men – britische Truppen in die Flucht schlugen.

Jetzt verlassen wir den Speckgürtel von Boston, wo doch vieles an England erinnert.

44 Ostküste USA und Kanada

 

44.1 Neunundsiebzigster Reisebericht 2012_08

Von Neuenglands Atlantikküste an den St. Lorenzstrom/Kanada und die Niagarafälle

Um die schöne Küstenlandschaft und die viel gepriesenen Neuenglangstädte am Meer kennen zu lernen fahren wir gemütlich neben der Interstate möglichst küstennah weiter.

Der kleine Küstenanteil des Staates New Hampshire ist schnell durchquert und mit Maine erreichen wir Neuenglands größten, aber mit nur etwas mehr als 1 Mio Einwohner am dünnsten besiedelten Staat mit seiner faszinierenden zerklüfteten Küste.

Wir folgen dem Küstensaum mit seinen Buchten und Fjorden und lassen uns immer wieder zu Abzweigungen auf die mit Brücken verbundenen Inseln verleiten.

Viele ehemalige Fischerdörfer und Seeräubernester bevölkern amerikanische Sommergäste. Waren es die große Einsamkeit oder die noch allgegenwärtige puritanische Lebensweise? Maine war der erste „trockene“ US. Bundesstaat. Von hier aus startete 1851 die Abstinenzwelle, die sich schließlich in den gesamten USA durchsetzte und erst 1934 wieder landesweit abgeschafft wurde. Wir merken es noch heute. In manchen Supermärkten gibt es nicht einmal Bier bzw. nur in kleinen Verpackungsgrößen zu kaufen. Aber welche Gegensätzlichkeit? In den Regalen stechen Reihen von große 1,75 l Wein- und Schnapsflaschen in Auge.

An die amerikanischen Ureinwohner erinnern Ortnahmen wie Ogunquit, das in der Indianersprache „schöner Ort am Meer“ bedeutet. Der große Vergnügungspark mit Riesenrad und Achterbahn am 4 km schmalen Strand zieht uns nicht an, uns vertreibt ein abendliches Gewitter, als wir bei einem Strandkonzert pausieren.

Von der sturmumtosenden Einsamkeit merken wir nichts, denn wir bewegen uns auf der touristischen Rennstrecke von Maine und Einsamkeit ist so ziemlich in Kittery das einzige, was sich hier nicht finden lässt. Das ehemalige Schiffsbauzentrum bietet entlang der Route 1 weit über 100 Outletstores, bei denen großer Andrang herrscht und kaum ein Parkplatz zu finden ist. Für uns stellt sich schnell die Frage, wie kann es bei so bekannten tollen Markennamen nur so viel nicht einmal preisgünstigen Ramsch geben.

Reizvolle traditionsreiche Kleinstädte am Meer quillen zu unserer Überraschung mit Menschen über. Es ist Hochsaison und die Menschenströme spazieren zum Schauen und Einkaufen vorbei an vielen kleinen Läden und Galerien, aufgeputzten historischen Lagerhäusern, imposanten Herrenhäusern und Villen aus dem 19. Jahrhundert vorbei. Die sonst üblichen USA- Shoppingmalls fallen nicht auf.

Auf unserer Route nach Norden passieren wir Portland, Cape Elisabeth mit dem ältesten und viel besungenen Leuchtturm von Maine.

Wir als bisherige Hummerignoranten haben einen schweren Stand, denn von irgendwoher fixiert uns immer ein Krustentier aus stummen Stielaugen vorwurfsvoll an, bis auch wir endlich zu den passenden Werkzeugen greifen, um sich dieser kulinarischen Kostbarkeit anzunehmen. Es ist eine genüssliche „Schweinerei“. Erst dürfen wir uns das an den Scheren gefesselte Tier aus dem großen Leidensgenossentrog aussuchen. In einem Netz geht es dann nach draußen in kochend heißes Seewasser, bevor wir die Delikatesse auf einem großen Tablett mit Hummerknacker und Hummerspieß bekommen. Jetzt kommen unsere Finger beim Lobsteressen zum Einsatz. Auf das Lätzchen verzichten wir. Aber dann geht alles ganz einfach und es schmeckt uns ausgezeichnet.

Beim Inselhoppen überraschen uns immer wieder Andenken an den Bürgerkrieg und die Weltkriege. An den großen Flussmündungen erinnern Forts und Kriegerdenkmäler.

80Historisch wird es für uns in Belfast, wo zu unserer Überraschung die (neue) „Bounty“ im Hafen ankert und Publikumsmagnet ist.

Den einzigen Nationalpark Neuenglands Achadia schützt eine unberührte Inselwildnis voller Berge, steiler Meeresklippen, von starker Brandung umtoster Strände und ruhiger Teiche, den der Industrielle Rockefeller als Mäzen 1919 stiftete.

Cadillac Mountain ist mit 466 m der höchste Berg der Atlantikküste nördlich von Brasilien und typisch amerikanisch mit bester Bergstraße erschlossen. Auf dem Gipfel wartet ein großer Parkplatz auf uns. Aber das Wetter spielt nicht so mit. Alles ist in dichtem Nebel tief verhangen und es regnet in Strömen. Dafür erleben wir am nächsten Tag auf der 27 Meilen langen Aussichtstraße herrliche Wetterkapriolen. Dichter Nebel und strahlend blauer Himmel wechseln sich ab. Bei unserer Wanderung in die zerklüftete Bergwelt begleitet uns wieder Sonnenschein mit einer herrlichen Aussicht über die Inselwelt.

Der Wetterbericht lässt auch weiterhin nichts Gutes erwarten und Nebel und Regen an der Küste locken uns nicht weiter.

An den St. Lorenzstrom und Quebec wollen wir sowieso, also fahren wir über Bangor auf geradem Weg nach Kanada.

Was für ein Unterschied. Nach der Grenze sind wir im frankophonen Quebec. Jetzt sind wieder Kilometer, kg, und 24 Std. angesagt. Statt „Stop“ heißt es „Arret“. Alle Schilder sind Französisch, wir kaufen Baguette, leckere Pastete und fühlen uns in Kanada, wie in Frankreich.

Vorbei an Farmen, kleine Dörfer und lebendigen Städtchen erreichen wir den St. Lorenzstrom, der je nach Betrachtungsweise zu einem der längsten Flüsse der Erde zählt. Über ihn werden die großen Seen und deren Zuflüsse in den Atlantik entwässert. Der Schifffahrtsweg verbindet die großen Industriegebiete.

Quebec ist Weltkulturerbe und die einzige nordamerikanische Stadt mit einer intakten Stadtmauer. Wir spazieren an der Außenseite der Zitadelle auf der Gouverneurspromenade hoch oberhalb des St. Lorenzstroms, dem 670m langen Schaustück Quebecs. Unter uns ziehen wenige Frachtschiffe vorbei, während die Fähren emsig zum gegenüberliegendem Levis pendeln.

Hier am St. Lorenzstrom hat sich Geschichte ereignet, das den französischen Sonderstatus dieser großen Provinz mit fast 1/3 der Einwohner Kanadas nachvollziehen lässt.

Entlang dem St. Lorenzstrom erreichen wir Montreal, die zweitgrößte Stadt Kanadas, die sich auf einer Insel mit architektonischen Gegensätzen erstreckt.

Das verwirrende Straßensystem mit neuen Autobahnen und vielen Baustellen und Umleitungen nervt. Wir sind froh, die Stadt nach vielen und langen Staus hinter uns zu lassen.

Anders in Ottawa, Bundesstaat Ontario, Hauptstadt Kanadas. Während auf der einen Seite des Flusses noch in Gatineau/Quebec das Französische dominiert, spricht man jetzt vorwiegend englisch. Wir finden tatsächlich schnell einen Parkplatz auf dem Parlamenthill um die morgendliche Wachübergabe vor dem Parlamentsgebäude anzusehen.81 Auf dem großen gepflegten Rasenfeld verfolgen wir den Aufmarsch und das Zeremonielle „Changing oft he Guard“ zweier kanadischer Regimente, die rotberockt mit Pelzmützen jeweils von einem Musikzug, einer in Schottentracht, begleitet werden.

Uns zieht es an den Rideau Kanal, der neben dem Parlamentsgebäude in 8 Schleusen in den Ottawafluß mündet und 25 m Höhenunterschied bewältigt. Wo im Sommer Boot Schiffern entsteht im Winter die längste Eislaufbahn der Welt.

Weiter geht es für uns am Rideau Kanal, St. Lorenzstrom und Ontariosee nach Toronto einem richtigen Großstadtpflaster mit den höchsten Wolkenkratzern Kanadas. Die facettenreiche Metropole zählt zu den wichtigsten Zentren der nordamerikanischen Geschäftswelt mit einer der größten Börsen des Kontinents, deren Altbau mit einem riesigen Hochhaus ummantelt ist. In den fast 6 Mio. Einwohnern großen Stadt konkurrieren am Uferstreifen des Ontariosee die Hochhäuser von Banken, Versicherungen und sonstigen Baulöwen in Höhe und Ausgestaltung miteinander.

Toronto ist Weltstadt und nur eine kurze Fährfahrt weit entfernt erstreckt sich auf den Inseln vor der belebten Stadt eine grüne Oase. Landeinwärts, nur eine Fahrstunde entfernt beginnt das fast menschenleere, unberührte Kanada.

Als nächstes erwartet uns „donnerndes Wasser“ die Niagarafälle in 82der zweigeteilten Stadt Niagara Falls. Unser Spaziergang führt uns zu den meistbesuchten Naturwundern Nordamerikas, die nicht die höchsten aber mit Abstand die mächtigsten Wasserfälle Nordamerikas sind.

Der Niagarariver, der vom Lake Erie zum Lake Ontario fließt, teilt sich hier in 3 Wasserfälle auf. Auf der kanadischen Seite tosen die 52 m hohen und 675 m breiten hufeisenförmigen Horseshoefalls die Abbruchkante hinunter. Von den American Falls auf amerikanischer Seite sind sie durch eine direkt oberhalb der Fälle im Strom liegende Insel getrennt, die 56 m hoch und nur 328 m breit sind. Die Gischt zieht die Menschenmassen an. Dafür gibt es auf der kanadischen Seite blaue, auf der amerikanischen Seite gelb Regenumhänge. Aber auch so werden wir nass, als es bei strahlend blauem Himmel am Table Rock House plötzlich richtig „regnet“.

Jeder Grenzübertritt ist eine Überraschung wert, insbesondere eine Wiedereinreise in die USA. Bei den letzten Malen wurde uns mit unserem Visum ohne weiteres wieder weitere 6 Monate bei noch gültiger Aufenthaltserlaubnis eingeräumt. Dieses Mal ist alles anders. Da hilft kein Zedern, schon allein die Feststellung des Grenzers, was er sage sei ohne Wiederspruch zu akzeptieren spricht für sich. Auch der Vorgesetzte ist unerweichlich. Schon merkwürdig wie unterschiedlich amerikanische Grenzer bei vermeintlich klarer Rechtslage agieren.

Jetzt bestimmt das Zeitfenster für USA, Ende 27. Oktober, unsere weitere Reiseplanung auf dem Weg entlang der großen Seen in den Süden.

45 USA parallel zur Ostküste im Landesinneren

 

45.1 Achtzigster Reisebericht 2012_09

Von den großen See zurück an den Golf von Mexiko

Fast ausschließlich auf Nebenstraßen orientieren wir uns an den Flüssen Ohio, Tennessee und Alabama gen Süden.

Anfangs geht es noch entlang dem 4. größten der 5 großen Seen Nordamerikas, dem Eriesee, der über die Niagarafälle in den Ontariosee mündet und weiter über den St. Lorenzstrom im Atlantik ankommt.

Am Seeufer entlang durchqueren wir die Bundesstaaten New York, Pennsylvania und Ohio mit großen Weinanbaulandschaften. New York und Pennsylvania, die sich wie lange Handtücher erstrecken, kennen wir schon von unserer Ostküstenroute. Diesmal ist der Übergang zwischen beiden Staaten holprig, der glatte Asphalt endet abrupt und die Häuser verschwinden teils wieder im Wald, obwohl sich am Seeufer entlang durchgehend Bebauung zieht.

In Buffalo zeigen uns große Schilder was in den Fabrikhallen produziert wird. Auch hier baut Ford Autos. Danach kommen wir nicht nur an vielen Industriebrachen sondern auch an aufgelassenen großen Tankstellen, armseligwirkenden Häuser und Mobilhomesiedlungen vorbei.

83 - KopieNach dem Abbiegen ins Landesinnere von Ohio überraschen uns Kutschenschilder am Straßenrand und schon hören wir das Klappern der Hufe eines schnell trabenden Pferdes, das eine schwarze Kutsche zieht. Schnell merken wir, dass wir ein Amish-Siedlungsgebiet – Mesoptanien- queren, in dem sich zwei Welten nebeneinander wohnend vertragen.

Die täuferisch-protestantischen Amish lehnen viele Seiten des

Fortschrittes, z.B. Autos und Knöpfe, ab. Neuerungen akzeptieren sie nur nach sorgfältiger Überlegung. Als sich die schwarzen Einspänner immer im schnellen Trab auf der Straße mehren, gelingt es uns sogar die Fotoscheuen auf die Platte zu bannen. Ein surreales Bild, wenn auf der einen Seite die Kutschen und auf der anderen die Pickups auf den Einzelhöfen abgestellt sind.

Wieder stoßen wir auch auf ALDI mit vertrauten Schildern wie ALDI Süd, wo wir sogar – aber nur einmal – das lang vermisste Schwarzbrot finden.

Aber welche Überraschung am Labor Day, dem Feiertag am ersten Montag im September, an dem die Reisesaison in den USA endet. Als einziges Geschäft überrascht ein geschlossener Aldi mit einem kleinen Schild „ celebrate Labor Day“. Wir sind nicht die einzigen die auf dem leeren Parkplatzstück in der sonst gut besuchten Mall abdrehen.

In der hügligen Mittelgebirgslandschaft wechseln sich Maisfelder, Grünland und Wald auf unserer Fahrt in den Süden ab. Auf unserer landschaftlich schönen und abwechslungsreichen Nebenstrecke ist wenig Verkehr. Immer wieder begegnet uns einer der kleinen schwarzen Einspännerkutschen in der zersiedelten Gegend.

Der schiffbare Ohio, der bei den Indianern „schöner Fluss „ hieß, ist der größte linke Nebenfluss des Mississippi und bringt bei seiner Mündung 3 mal mehr Wasser als der Mississippi mit. Den Namen verdient er, auch wenn an den Ufern, insbesondere auf der Pennsylvanischen und West Virginia Seite immer wieder hässliche Industriegiganten das Landschaftsbild verschandeln. Aber auch Ohio steht z.B. mit einer Aluminiumhütte nicht nach, wenn der nicht besonders breite sich teils tief eingegrabene Fluss Platz zwischen Eisenbahn und Straße für eine Industrieansiedlung lässt.

Es ist wieder wärmer. An einem großen aufgelassenen Platz am Ohioufer ziehen wenige Schubeinheiten an uns vorbei, als sich am strahlend blauen Himmel eine überschaubare Wolke zeigt und sich genau über uns ausschüttet. So schnell wie wir einpacken, können wir auch wieder weiter unseren Kaffee genießen.

Mit dem Bundesstaat Kentucky sind wir wieder in den Südstaaten angekommen. Große Pferdekoppeln und Schilder erinnern an weltberühmte Galopper, die hier gezüchtet werden. Dazwischen wächst Tabak. Die laut Reiseführer weißen Koppelumrandungen sind überwiegend braun-grau und verstecken sich teils hinter langen gepflegten halbhohen Steinmauern. Wir registrieren mehr Kühe als Pferde auf den Weiden und machen beim Einkaufen eine völlig neue Erfahrung.

Manche Städte sind „trocken“. Es herrscht ein absolutes Verkaufsverbot für alkoholische Getränke auch wenn im Ort eine der weltberühmten Bourbon Whiskydestillen für den Besucher offen steht. Da darf man halt nur riechen, nicht kosten. Schon beim Bier sieht man schnell was Sache ist. Entweder es gibt keins oder die Verpackungsgrößen bzw. die Verkaufszeiten sind eingeschränkt.

Ein Urerlebnis hat uns dann doch überrascht. Ein neben uns vor der Ampel stehender Pickup, signalisierte uns mit einem Spiralzeichen am Ohr irgendetwas. Wir wollten ihn beim nächsten Ampelstop fragen was er meinte und schauten entsetzt auf eine auf uns gerichtete Pistole, die der Fahrer an der Lenkradhand hielt, um dann beim Ampelgrün aus dem fließenden Verkehr zu verschwinden. Wir haben das Bild immer noch vor Augen, auch wenn wir inzwischen das Zeichen als „Scheibenwischer“ zu deuten wissen.

Bei den Cumberlandfalls, die auch die Niagarafälle des Südens genannt werden bekommen wir von der Hauptattraktion, dem Mondregenbogen mangels Vollmond und nur wenig Gischt nichts mit. Bei unserem Spaziergang durch diesen nach Daniel Boone benannten Nationalpark, erleben wir mal wieder typisch USA. Die Ferienzeit ist zu Ende und wir meinen anfangs alleine zu sein, bis uns auf einmal ein schwarzer Anzugsträger mit Bibel unter dem Arm einholt. Auf einem Aussichtsbalkon am Fluss wartet schon eine kleine Hochzeitsgesellschaft. Sie im langen weißen Brautkleid aber er ist unter den Jeansträgern nicht sofort zu identifizieren.

Dieser Nationalpark besteht seit den 30iger Jahren dank Mäzentums. Ein Senator aus Delaware, DuPont, der hier seine Ferien verbrachte, schenkte das Gelände dem Staat.

In Corbin schauen wir beim 1. „Kentucky Fred Chicken“ vorbei, der von hier seine Weltreise mit den „Hühnerläden“ startete. Der damalige Gründer betrieb auf der Straße nach Florida eine Tankstelle, die er in den schlechten Zeiten der 30iger Jahre um seine Kochkünste erweiterte, die ihn berühmt machten.

Vom Ohio biegen wir auf seinen über 1000 km langen Zufluss, den Tennessee-River ab, der sich uns wie ein langgezogener See in einer Seeplatte mit vielen flachen Verästelungen darstellt.

Wir kreuzen kurz die Appalachen und dem Bundessstaat Georgia bevor wir über einen Höhenweg in Alabama an den Rio Coosa kommen, der später Alabama River heißt. Schilder am Flussufer erklären Historisches aus der Besiedlung Mitte des 19. Jahrhundert.

Bauwollfelder, Obstplantagen und Wald wechseln sich zwischendurch ab. Uns unbekannte Erntemaschinen entpuppen sich als Erdnussvollernter.

Eine Regenfront lässt uns vom Strand in Florida träumen. Gulf Shores liegt zwar noch in Alabama aber grenzt unmittelbar an Florida und ist nicht mehr weit. Hier waren wir schon zu Beginn der Hauptreisezeit, die hier noch anhält. Die Strände sind noch gut besucht, aber nicht voll.

Umso überraschter sind wir bei unserer Weiterfahrt, als wir in Bioloxi, das der Hurrikan „Katrin“ 2005 schon arg beutelte, wieder auf aktuelle Hurrikan Spuren stoßen. Von den blendend weißen Stränden ist nicht mehr viel zu sehen. Alles ist verdreckt. Dreckberge, vom Sturm abgedeckte Dächer und gesperrte Strände bieten ein eher trauriges Bild

Jetzt sind wir vor New Orleans wo wir unseren Deutschlandbesuch abholen.