3.2 Zweiter Reisebericht 2006_02

 

Antwerpen, Anlegeplatz AET Kai 1333

Wieder grüßen uns Heerscharen von Autos, diesmal aber nicht nur neue PKWs ein großes Feld Schrotautos wartet auf seine Abnehmer im Senegal. Wir scheinen im letzten Hafenbecken am Ende der Welt zu liegen. Der nächste Bushalt – Verrebroek- liegt ca. 3 km entfernt, wird uns am Terminal gesagt.

Wir haben Glück, nach wenigen 100m Fußmarsch, hält ein freundlicher Peugeotfahrer, dem wir schon im Terminal aufgefallen waren, an und bringt uns direkt ins Zentrum von Antwerpen, wo Montagmorgen noch alles schläft. Im „Hilton“ ergattern wir einen Stadtplan. Mit den notwendigen Sightseeinginformationen ausgestattet, geht es dann bei knapp über 0 Grad, natürlich auch ins Diamantenviertel. Geschäftliches Treiben, koschere Läden, eine andere Welt. Schon Kinder fallen durch ihren Habitus auf. Am berühmten Hauptbahnhof, der im Baulärm zu ersticken scheint, reihen sich die Schmuckläden aneinander. Teilweise 60 % Rabatt, heißt es, aber von was. Es hat uns nicht weiter interessiert. Viel spannender ist das Internetcafe gegenüber dem Hauptbahnhof. Der Stundenpreis (1€) erlaubt einen großzügigen Einstieg ohne große Sprachprobleme. In Flandern versteht man noch deutsch.

Zurück zum Schiff wollen wir mit dem öffentl. Nahverkehr. Metro und Bus heißt es, einfach Linkeroever, mit der Metro Endstation, weiter mit dem Bus 84 alles kein Problem. Denkste. Bei der Endstation findet sich ein großer Carrefour und Aldi, locken unsere Mitfahrer. Aber nichts was nach unserer Richtung aussieht. Der Hafenplan, den uns der freundliche Peugeotfahrer zum Abschied noch aus seinem Auto gab, zeigt es. Wir sind in die falsche Richtung, nach Merksem und nicht nach Zwijndrecht gefahren. Also kehrt Marsch in die nächste Metro voller Schüler in die entgegen gesetzte Richtung, wo man uns den richtigen Busbahnsteig zeigt. Der Busfahrer will oder kann mit unserem Hafenplan nichts anfangen. Wir landen mitten in Verrebroek an der Kirche. Eine Haltestelle zu weit wie wir schnell merken. Taxis gibt es nicht, eine Stunde Fußmarsch zum Schiff bei Nieselregen und aufkommender Dunkelheit. Zum warmen Abendessen kom

men wir aber pünktlich. Pasta, leckeres Fleischstück und zum Nachtisch Banane schmecken uns sehr gut.

Vom Auslaufen merken wir nichts mehr. Wir waren schon mitten auf der Schelde als wir quasi last -minute kurz vor 9 Uhr zum Frühstücken kommen.

Ein normaler Seetag, den wir im Wesentlichen auf der Brücke verbringen und Mails verfassen, die wir in Le Havre losschicken wollen.

3.3 Dritter Reisebericht 2006_02

Von Le Havre, auf überlangem stürmischen Weg nach Bilbao 15. bis 20. 2. 06

Bei heftigem Seegang erleben wir hautnah die Unbilden des Meeres im Ärmelkanal. Windstärke 10 und heftige Wellen, man kommt sich wie auf einer Achterbahn mit Unwuchten vor. Verstärkt wird alles durch die Geräuschkulisse. Als ob wir auf dem letzten Loch pfeifen und jemand andauernd Wurfgeschosse unterschiedlicher Größe und Menge auf uns schmettert. Gisela streckt alle viere von sich und ist besorgt. Bei mir dagegen wirkt die medikamentöse Vorbeugung. Ich darf an den Laptop.

Zusammen mit dem englischen Ehepaar geht es in Le Havre, dem 4.größten europäischen Hafen mit dem Taxi in die Stadt. Unser Schiff, das mit seinen 3500 Autostellplätzen auf seine 214m Länge im Autohafen wieder Nachschub von Fiat und Peugeots lädt und u.a. brasilianische Baumaschinen, die anstelle der Gummibereifung auf Holzlatten ummantelten Felgen fuhren, ausspuckt, soll gegen Mitternacht -zwischenzeitlich in den Containerhafen verlegt- auslaufen.

Das mitternächtliche Schauspiel unserer engen Hafenschleusenpassage wollen wir uns nicht entgehen lassen, nachdem wir die mehr im Zuckerbäckerstil wieder aufgebaute im Krieg völlig zerstörte Hafenstadt, in der zwischen 8/1944 und 8/1946 3.750.000 US-Soldaten angelandet wurden, in Augenschein genommen haben. Sonst typische Nachkriegshafenstadt mit Englandfähre, Jachthafen, aber alles noch im Winterschlaf. In den Geschäften „tote Hose“.

Der annoncierte Auslaufzeitpunkt verzögert sich um fast 2 Stunden, obwohl Lotse und Schlepper mehr als pünktlich auftauchen.

2 Container beschäftigten die Schauerleute mehr als intensiv. Es ist ein hin und herfahren, Kran vorwärts und rückwärts, hoch und wieder runter, bis die Dinger endlich unter den Augen des neuen kettenrauchenden Kapitäns verstaut sind. Die Vermutung kommt auf: So macht man eine 2. Schicht.

Fast den ganzen Tag verbringen wir heute auf der Brücke, beobachten die wechselnden Regenschauer und die unterschiedlichen Frachter, die wie wir bei Windstärke 6/7 durch die Gicht schaukeln.

Beim Nachtisch des Abendessens gegen 21.30 Uhr nimmt das Ganze einen unerwarteten Lauf, nachdem vorher schon vorsichtshalber die unbenutzten Suppenteller wieder abgedeckt sind und der Kapitän für später Windstärke 10 ankündigt. Ein ansatzloser plötzlicher kräftiger Ruck, flimmerndes Licht -Polterabend- nichts liegt mehr so wie vorher, alles ist auf dem Boden zerstreut.

Mein englischer Tischnachbar fliegt auf seinem Stuhl in die fast 3m entfernte Türöffnung an der er sich gerade noch festhalten kann. Man versucht zu halten, was noch steht. Ich greife instinktiv das vor mit stehende Rotweinglas und eine Glasschüssel mit Bananen, während die große Yuccapalme, Teller, Tassen, Essig, Öl, Zucker Parmesankäse, Flaschen egal ob voll oder leer wie auch die noch gefüllten Rotweinkaraffen auf den Boden landen und einen rutschigen Müllsee bilden. Der Kapitän rennt mit seinen Offizieren, die gerade einen Kognak aus dem Pappbecher angeboten bekamen, los und weg. Gisela kann sich in einer Speiseölpfütze grade noch festhalten, sonst wäre sie auf dem mit Scherben, Essensresten, halt allem was fliegen kann, gelandet. Auch unsere Kabine ist völlig „aufgeräumt“, alles liegt verstreut auf dem Boden aber ohne erkennbaren Schaden. Der Koch streut Salz zur Abstumpfung. Uns schickt er zurück in die Kabine, in der wir bleiben sollen. Hoffentlich ist unserem Womo nichts passiert. Morgen früh kann ich das sicher prüfen.

Den unversehrt gebliebenen Laptop, der mit allem vom Schreibtisch geflogen ist, halte ich zwischenzeitlich fest, so stark schaukelt und ruckt das ächzende Schiff. Die peitschende lautstarke und krächzende Geräuschskulisse gefällt gar nicht. Gisela (fühlt sich gar nicht wohl) wundert sich das ich überhaupt auf dem schwankenden Schreibtischsessel sitzen und nach Mitternacht noch Schreiben kann. Ablenkung kann sie auf dem Sofa liegend noch kommentieren. Bett ist noch nicht angesagt, wir warten auf eine Wetterberuhigung. Das immer wieder aufkommende plötzliche Rucken in den andauernden heftigen, stampfenden Schiffsbewegungen, die sich auf Stuhl und Schreibtisch scheinbar unterschiedlich auswirken und auch in den Schränken die Sachen hörbar hin und her schieben, nervt. Obwohl wir uns an den einen oder anderen Sturm auf See noch gut erinnern, machen wir eine neue Erfahrung, auf die ich jetzt ein Bier aus unseren heil gebliebenen Gläsern trinke. Prosit! Ich hoffe es bekommt.

Das Bier hat nicht geschadet und für die notwendige Bettschwere gesorgt, die sich bei Gisela nicht einstellen will. Sie besteht auf Licht.

Nach kurzer, unruhiger Nacht zeigt sich bei Helligkeit und weiterem heftigen Wellengang die nächtliche Bescherung auf dem jetzt langsam fahrenden Schiff (5 Knoten statt der üblichen 17), das den Kurs ändert um dem für weitere 2 Tage angekündigten Sturm auszuweichen.

4. auf dem stürmischen Weg nach Bilbao 007

Auf dem Oberdeck sind mehrere Containertürme, d.h. 9, umgekippt. Sie füllen jetzt den bisher freien Innenraum. Anstelle des gesperrten Aufzugs geht es via Treppenhaus zum Womo, das -so der Bootsmann- auf dem sichersten Platz stehe. Nicht weit entfernt liegt ein großer Container im Raum, der wegen gerissener Schweißnähte der LKW-Halterung abgestürzt war. Die an der Bordwand auf der Seite liegenden 2 neuen Toyota-Landcruiser, die der querliegende Container einklemmte, wirkten wie unwirkliche Pakete und lassen auch hier die Sturmgewalt spüren.

4. auf dem stürmischen Weg nach Bilbao 017

 

3.4 Noch dritter Reisebericht aus Banjul Gambia 2006_02

1_3_06 Banjul Gambia 003

Fortsetzung – Le Havre, Bilbao, Casablanca, Dakar bis 28.2.06

Gisela (fühlt sich gar nicht wohl) wundert sich das ich überhaupt auf dem schwankenden Schreibtischsessel sitzen und nach Mitternacht noch Schreiben kann. Ablenkung kann sie auf dem Sofa liegend noch kommentieren. Bett ist noch nicht angesagt, wir warten auf eine Wetterberuhigung. Das immer wieder aufkommende plötzliche Rucken in den andauernden heftigen, stampfenden Schiffsbewegungen, die sich auf Stuhl und Schreibtisch scheinbar unterschiedlich auswirken und auch in den Schränken die Sachen hörbar hin und her schieben, nervt. Obwohl wir uns den ein oder anderen Sturm auf See noch gut erinnern, machen wir eine neue Erfahrung, auf die ich jetzt ein Bier aus unseren heil gebliebenen Gläsern trinke. Prosit! Ich hoffe es bekommt.

Das Bier hat nicht geschadet und für die notwendige Bettschwere gesorgt, die sich bei Gisela nicht einstellen will. Sie besteht auf Licht.

Nach kurzer, unruhiger Nacht zeigt sich bei Helligkeit und weiterem heftigen Wellengang die nächtliche Bescherung. Auf dem Oberdeck sind mehrere Containertürme, d.h. 9, umgekippt. Sie füllen jetzt den bisher freien Innenraum. Anstelle des gesperrten Aufzugs geht es via Treppenhaus zum Womo, das -so der Bootsmann- auf dem sichersten Platz stehe. Nicht weit entfernt liegt ein großer Container im Raum, der wegen gerissener Schweißnähte der LKW-Halterung abgestürzt ist. Die an der Bordwand auf der Seite liegenden 2 neuen Toyota-Landcruiser, die der querliegende einklemmt, wirken wie unwirkliche Pakete und lassen auch hier die Sturmgewalt spüren.

Es sollen viele Container bei anderen mit uns fahrenden Schiffen über Bord gegangen sein, heißt es beim Frühstückstisch. Die Tischumrandungen hat der Steward inzwischen hochgefahren. Noch wird gerätselt ob wir überhaupt Bilbao anlaufen. Mal sehen wer Recht hat. Auf der Brücke heißt es morgens im Laufe

des Vormittags, d.h. mehr als 24 Std. später. Dies lässt sich auf der Karte noch nachvollziehen wogegen der Kapitän, der jetzt 4 Mon. lang das Schiff führen wird, mit Blick auf das Wetter (vorbeugend?) Casablanca ansteuern will.

Windstärke 10 – 11 weit über 10 m hohe Wellen, das Schiff kreuzt im Sturm in der Biskaya. Das Ziel heißt wieder Bilbao. Das schlimmste scheint hinter uns zu liegen, glauben wir. Jetzt ist es schon Samstagnachmittag, der Hafen von Bilbao ist sturmbedingt gesperrt.

Noch haben wir heftige Dünung, aber nicht mehr die ganz hohen Wellen. Am Sonntag, 3 Tage über Plan, soll Anlegen sein. Jetzt fahren wir bei Sturm und immer noch ganz schön hohen Wellen im Kreis, ohne dass man es aber wirklich merkt.

So. 19.2.06

Wir fahren unverändert große Bögen mit 9 weiteren Schiffen vor dem gesperrten Hafen von Bilbao (haben noch keinen Drehwurm) und Sturm und Wellen sind wieder heftig. Anscheinend sind wir jetzt seefest. An das Geschaukle und Geschuckle, das Stampfen und Geruckel, die Geräuschkulisse, dauernd Sachen festhalten, man gewöhnt sich an alles!

Der Kapitän stöhnt zwischenzeitlich, warum wir nicht gleich nach Casablanca weitergefahren sind, die wenige Ladung in Bilbao rechtfertige nichts.

Mal sehen, ob es heute Abend etwas zu essen gibt? Es würde uns bei der „Mästerei“ ohne Gymnastikraum und Ausgangsmöglichkeit nichts ausmachen. Der andauernde Sturm hat auch die Pantry in Mitleidenschaft gezogen. Es regnete gerade von der Decke in einen untergestellten großen Kochtopf, als wir unseren Mittagskaffee holten. Der Smutje meldet Land unter.

Alle sind dennoch relaxt. Auch unsere Tischnachbarn, mit langer See Erfahrung, erleben Neues. So einen Sturm gibt es halt auch nicht alle Tage. Natürlich auch etwas (Kleines) zu essen.

Montagmorgen, 20. 02.06, grüßt endlich der Hafen von Bilbao von Nahem.

10° und ein wenig Frühlingssonne erleichtern den ½ stündigen Spaziergang entlang den Schienen nach Santurtzi. Der Vorort –freies Internet in der Stadtbücherei am Hauptplatz- ist Endstation der S-Bahn. In 30 Minuten geht es für 1,25 € in die City-Endstation. Wir befinden uns mitten drin. Nach bewährtem (euro

päischen) Muster durchstreifen wir stadtplanbewaffnet Altstadt und Sehenswürdigkeiten. Das Guggenheimmuseum wirkt auch am geschlossenen Montag mit seiner Silberhaut bombastisch. Besonders schön glänzt in der 1.Frühlingssonne ein riesiger davor sitzender Hund aus bunten Stiefmütterchen. Derartiges hatten wir noch nie gesehen, wie war der wohl hergestellt? Das Marinemuseum mit seinem Rahensegler (Mercedes) und vielen prächtigen Booten verblasst dagegen. Aber wie ist das Bummeln in unseren Großstädten? Die EU grüßt, H&M, Mango,Zara und auch Münsters Apriori kann man nicht übersehen.

Auffällig dagegen sind die vielen Menschen, wenn man von Antwerpen bzw. LeHavre kommt.

Eine neue Stickerfahrung machten wir im Internet (3 €/Std), wieder geht nur ein Teil der vorbereiteten Mails. Wir benötigen auch Hilfe um unsere Reiseberichte einzustellen. Leider nur den 1.Teil der Nr.3. Alle empfangenen Mails können wir dagegen in Ruhe auf dem Schiff lesen.

Bordrhythmus

Unser Bordrhythmus steht.

Morgens (bis 9.00) kalte Pizza (muss nicht), frische Hefebrötchen, Marmelade aus dem Döschen und wechselnd Käse, Salami, Kochschinken, Mortadella. Wer will nimmt Cornflakes und halbfette Dauermilch, dazu Kaffee oder Tee.

Den Mund noch nicht richtig abgewischt, heißt es schon wieder um 12.00 Mittagessen(Lunch). Auch hier gilt ein Standard- Ablauf. Pasta, Fisch o. Antipasta, Fleisch mit Sauce, frisches Obst (Apfel, Apfelsine, Banane, es gab auch schon Ananasscheiben). Dazu Wasser, Rotwein und zum Abschluss immer Cappuccino.

Abends anfangs 20.00 jetzt (leider) 18.00 -im Hafen 19.00- wiederholt sich das Ganze z.Zt. mit krönendem Kuchen. Anscheinend will der Kapitän, der mit seinen ital. und indischen Decks- und Maschinenoffizieren später speist, nicht weiter auffallen wenn er als ansteckender Kettenraucher unter „No Smoking“ sitzt, Schilder die keinen interessieren.

Warum ich das Womo auf Deck 6 leicht versetzen muss erschließt

sich bisher nicht. Anstelle des angekündigten neuen Womo steht dort jetzt ein nummern loser Smart. Daneben finden sich neue Renault-LKWs anstelle der entladenen letzten brasilianischen Baumaschinen.

Morgen soll der Lift wieder gehen. Die umgefallenen Außencontainer sind heute (20. 02. 06) mit eigenem Geschirr gerichtet bzw. entladen worden, nicht aber die verschobenen Container auf den Innendecks. Mal sehen, ob und wann wir gen Casablanca starten. Die Containerbrücken stehen erst morgen zur Verfügung erzählt uns der deutschsprechende Agent.

Der umgefallene Generator bereitet mit seinen 80 t offensichtlich mehr Probleme. Ein erster Bergeversuch mit Bordmitteln misslingt. Es müssen erst aufwendige Gerüste her, um mächtige Flaschenzüge an die Schiffsdecke zu montieren. Das dauerte auch sehr lange. Dafür müssen erst passende mächtige Haken angeschweißt werden.

Uns interessierte das aber nur am Rande. Uns lockte Bilbao. Zu Fuß geht es immer entlang den Bahngleisen ½ Std zum Hafenausgang (Salida) von Santurtzi, zur unübersehbaren S-Bahnstation nach Bilbao-Abando (jeweils Endstation 1,25€ ). Das silberglänzende Guggenheimmusseum bewachte ein mit Stiefmütterchen bepflanzter riesiger Hund, der schon allein ein Kunstwerk ist.

Flußstädte in einem Talkessel kann man leicht erlaufen, so auch Bilbao. Das Internetcafé befindet sich auf der Altstadtseite in Bahnhofsnähe -Uferstraße- (3€/Std). Kostenlos surft man in der Stadtbücherei in Santutzi, direkt am Hauptplatz, aber nur für 1 Std und ohne Stick. Strömernder Regen bringt uns am nächsten Tag nur noch bis hierher. Spätabends sind die Generator-Bergungsarbeiten vollbracht, die 2. Schiffs-Ein und Ausfahrt wieder frei.

In der Nacht laufen wir 4 Tage außer Plan mit den wieder aufgeladenen zwei 80t Generatoren -Bestimmungshafen Conakry (Guinea)- aus.

Banjul (Gambia) 2006_02

Irgendetwas klappt bei uns nicht beim Einstellen der Reiseberichte. Eigentlich haben wir bis zum 28.2 geschrieben, sitzen jetzt in Gambia bei hochsommerlichen Temperaturen und vermissen viele Textteile, die wir eingestellt glaubten. Die Seiten 2 und 3 eines Berichtes wollen anscheinend nicht. Dafür geht es uns aber gut und wir fühlen uns sauwohl. Bilder schaffen wir auch noch nicht, aber Andreas wird uns aus der Ferne sicherlich helfen.

3.5 Vierter Reisebericht aus Banjul/Gambia 2006_02

 

Soll noch ein weiterer Hafen in Westafrika angelaufen werden? Wir wissen es noch nicht. Dafür warnt uns der Kapitän wegen der allgemeinen „Großwetterlage“ (nach veröffentlichten Mohammedbildern) vor dem Landgang in Casablanca/Marokko (24.2.06)

1_3_06 Banjul Gambia 003 1_3_06 Banjul Gambia 005   Strassenszene in Banjul

Das freitägliche Casablanca – das ist „Sonntag“ – unsere erste Stadt in Afrika, begrüßt uns mit Frühlingswetter und vielen Menschen auf der Straße, die um 13Uhr auch als Gebetsstätte dient. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Erdbeeren – die ganz großen – will man uns nicht verkaufen, das Internet akzeptierte € und $. Die größte Moschee mit ihrem 240 m hohen Turm grüßt auch noch beim Auslaufen.

Der Kapitän erahnt frühzeitig „marokkanische“ Zeit. Statt 18 Uhr rollen die Container bis nach Mitternacht und wir danach um am deutschen Karnevalssonntag 2006 erstmals einen puren Sonnentag mit sommerlichen Temperaturen wie auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Liegestuhl zu erleben. Abends gibt es gleich

Barbecue und wir können erstmals wie bei uns im Hochsommer bis Mitternacht draußen sitzen. (26.2.06). übermorgen steht Dakar/Senegal (28.2.06) – ihr kennt doch die Rallye Paris-Dakar- auf dem Programm. Für uns gibt es leider nur ein einstündiges Kurzprogramm.

Wenig Ladung entpuppt sich beim Zusehen als doch mehr. Müssen wir bereits wieder um 10.00 d.h. kurz nach dem Frühstück an Bord sein, dauern die zügigen Containerbeladungen bis fast 14.00. Bis sich dann der Lotse bequemt und die Leinen los sind kommt noch eine Stunde dazu.

Wie gerne hätten wir die Zeit in dieser afrikanischen Westküstenstadt besser genutzt. Wir gesellen uns mit unseren Mitreisenden quasi zu den vielen Gaffern –auch an Bord-, die den wenigen wirklichen Arbeitern zuschauen, wenn sie nicht gleich auf den Containern anscheinend lärmresistent ihr Nickerchen machen.

Nicht mehr Berber in ihren Kaftanen, jetzt bevölkern groß gewachsene schlanke rabenschwarze Menschen in abenteuerlichen Klamotten, die genauso exotisch aussehenden schmalen Strassen, auf denen sich das Leben abspielt. Unter Zelten vor den Häusern wird in Bolleröfen gegrillt und an Art Bierbänken gefrühstückt. Die morgendliche Markthalle quillt mit Tomaten, Auberginen, Gurken, rote Rüben und weißen Rettichen über. Die Erdbeeren lachen weniger wie auch das bei uns mittlerweile typische Obst. Dafür strahlt ein Blumenmeer (Gisela schwärmt von Bauernblumen).

1_3_06 Banjul Gambia 011

Seit 2 Tagen können wir Winter ade, Hochsommer juchhe singen.

 

Überraschung! Afrika wir bleiben dir erhalten!

 

Weiter geht es nach Banjul/Gambia, noch nie gehört(!), aber im Laptop bei Encarta gibt es Aufklärung. Für was doch Enzyklopädien alles gut sind! Im Gegensatz zu unserem Kapitän (dreckigste Stadt) positiv zu beschreiben sollen noch Conakry/Guinea und Freetown/Sierra Leone folgen, bevor wir den großen Teich überqueren.

1_3_06 Banjul Gambia 025

 

3.6 Fünfter Reisebericht 2006_03

 

Über den Äquator, von Westafrika nach Südamerika

Wir sind bei fast 40 Grad und strahlend blauem Himmel in Salvador gelandet. Hochsommerliche Kreuzfahrttage sind angesagt. Eine überwältigende Kulisse, dazu ein geballtes Hochhäusermeer, wo kennt man das in Europa? Was ein Unterschied zu Westafrika. Wirkten Casablanca und vielleicht noch Dakar uns mehr oder weniger vertraut, erlebten wir in der Hauptstadt von Gambia, Banjul. eine völlig andere Welt. Unbeschreiblich, das muss man selber gesehen haben. Jetzt können wir verstehen, warum Menschen mit aller Macht zu uns kommen wollen.

Geldtauschen! Igittigitt, solche Drecklappen müssen nicht sein und an Schmutz sind wir (noch!) nicht gewöhnt.

Im Internetladen akzeptiert man US-Dollars (1$/Std). Überall stehen bereitwillige Helfer, die sich mit deutschen Sprachfetzen wie Kletten an uns heften und mit einem Ausweis um den Hals ihre Ehrlichkeit untermauern wollen. Der eine oder andere scheinen sich aber nicht zu mögen. Man balgt sich erfolglos um uns Uninteressierte.

Unsere täglich frisch gesprühte Kabine – wohlriechende „Sauberkeit“ anstelle eines Staubsaugers bzw. Lappens – wirkt geradezu paradiesisch.

Freetown(Sierra Leone) eine Stadt mit Hügeln, führt nach der nächtlichen Flusslandschaft von Conakry(Guinea) wieder in eine andere Welt. Wir dürfen das Ganze stundenlang (lediglich) vom nahen Schiff mit dem Fernglas betrachten.

Die Eintrittspreise nach Freetown für uns Passagiere – zwischen 5 und 10$ pro Nase- will unser Kapitän erwartungsgemäß nicht löhnen. Außerdem sei alles viel zu gefährlich und lediglich eine Steigerung von gehabtem (nachvollziehbar!). Beim abendlichen Auslaufen bedarf es schon viel Phantasie, die dunkle weit gestreckte Großstadt zu erahnen. An vielen lose bebauten Hängen wirken die verstreuten Häuser wie Hundehütten, die weder Straßen noch Erschließung dafür aber Trampelpfade erahnen lassen. Bei den vielen Straßen losen (Wellblech/Lehm) Hüttenlandschaften an der Uferseite sieht man nur noch vereinzelte offene Feuerstellen. Welch Unterschied zum strahlenden Salvador de Bahia.

Der Sprung über den Äquator verläuft völlig undramatisch. Hätten wir 7 Passagiere aus GB, F und D nicht selbst den Wechsel von der Nord- nach der Südhalbkugel mit GPS-Unterstützung und Rotwein inszeniert, hätte allein das kurze krönende Tuten der Schiffssirene -der Kapitän beobachtet auf der Brücke unser Treiben- den sonntagsnachmittäglichen Gipfelsturm ausposaunt.

Womo aufgebrochen

Welch niederschlagende Überraschung auf hoher See, als wir auf Deck 6 (an-ordnungsgemäß in Begleitung eines Besatzungsmitgliedes) im Womo unsere Klamotten auf hochsommerliche Temperaturen umstellen wollen. Die Womotür ist nicht abgeschlossen. Ein „Schlangenmensch“ war vor uns da. Er ist über das Womodach gekommen.

Die kleine Womo-Dachluke (35 x 32 cm) ist rausgerissen. Der Plastikdeckel liegt nur noch lose wie zur Tarnung auf der Luke, was das zerschnittene Fliegengitter erst im 2.Anlauf eröffnet.

Die Sitzkissen liegen quer, alles ist durchwühlt, auch unsere äußeren Staukammern, soweit man sie von Innen erreichen kann.

Die vollständige Schadensliste ersparen wir uns hier, um nicht unseren Ärger auf Dauer festzuhalten. Aber was will einer mit all unseren vielen DVD-Filmen,

CDs, Softwaresicherungen? Ungenutzte Geschenke, die wir vermutlich nie wieder sehen. Die bei Eiseskälte über dem Autoradio speziell gebaute Kompass- und Neigungsmesserauflage bleibt vorerst leider leer.

2 blinde Passagiere aus Westafrika sollen (nach der stillen Schiffspost) in Salvador beim Verlassen des Schiffes gefasst worden sein. Ein Segen für die Mannschaft bzw.“Schlangenmensch“, haben wir doch unser Womo kommentarlos nach jedem Hafen gecheckt und damit der vielstimmigen Erklärung (Freetown) widersprochen.

Der Kapitän löst sofort ergebnislose Schiffsdurchsuchungen -nach was wohl?- aus. Wir sind gespannt, wie es weiter geht. Noch sitzt uns der Schreck tief in den Gliedern. Salvador, wir kommen wieder! Hoffentlich klappt die Schadensregulierung, haben wir doch zu unserer eigenen Überraschung eine Reiserücktrittsversicherung in einem Paket mit einer Diebstahlsversicherung abgeschlossen.

Beim Aufräumen und Putzen im Womo- alles ist „vom Besuch“ so dreckig-, oh Schreck, fast alle Schuhe und 3 von Giselas Hosen, ihre Regenjacke etc sind auch weg. Man glaubt es nicht.

Wir sitzen in Rio de Janeiro an der Copacabana im Internet, 12.3. 06 sonntags, bei fast 30 Grad, zwischendurch Regen. Hier ist inzwischen die Regenzeit angebrochen. Leider bekommen wir wiedermal unsere vorbereiteten Mails nicht los. Schade

3.7 Spezialbericht – Seereise – Hamburg –Buenos Aires

 

Häfen

 

Europa: Hamburg 11.2., Antwerpen13.2., Le Havre 15.2., Bilbao, 20/21.2.;

 

Westafrika: Casablanca /Marokko 24.2., Dakar/Senegal 28.2.; Banjul/Gambia, 1.3. Conakry, Guinea, 3.3: Freetown, Sierra Leone, 3.3.

 

Äquator 5.3. gegen 16 Uhr sind selber mit GPS gesprungen, Taufe?? (Fehlanzeige)

Südamerika: Brasilien: Salvador, 8.3. Vitoria 9/10.3. Rio 12.3. Santos 13.3.

 

Argentinien: Zarate (Industriehafen v. BA,) 16/17. 3.

 

Buenos Aires 18.3. 2006,10 Uhr problemlos ausgeschifft

 

Agentur: HH-Süd bjoern.grabowski@hamburgsued-reiseagentur.de gibt auch Hinweise zu Autohaftpflichtversicherungen – bei uns leider zu spät, wenige Tage vor der Abfahrt.

 

Schiff: Grande Buenos Aires, Grimaldi Line, www.grimaldi.it

 

Was transportiert so ein 214 m langes, 32 m breites, 50 m vom Kiel – 42 m über Wasser hohes Ro Ro Schiff?

 

Container(40 und 20 Fuß) und Alles was über die Heckklappe rollen kann. 3000 PKW sind möglich, in jedem Hafen wird umgeschichtet. Container rein und raus, außen und innen. LKWs und PKWs /Schrott PKWs von Europa nach Afrika, sonst alle bekannten Marken, sowohl hin wie her, auch Sprinter(z.B. 313 cdi aus Brasilien) Baumaschinen, Stahl, Reifen, man reibt sich nur die Augen, was alles in den 11 Etagen des riesigen Schiffsbauches verschwindet.

 

Der klassische Womoplatz ist Deck 6 neben der Rampe, vor dem Treppen/Liftschacht.

 

Auf dem 12. Deck sind Kabinen, Küche, Aufenthalts,- Gymnastik, – Speiseraum auf ca. 30 m Höhe, darüber die Brücke, Krankenstation und Behandlungszimmer.

 

Das begehbare Deck ist mit 109 m länger als ein Fußballfeld. Davor reiht sich auf 95 m ein Containerdeck.

 

30 Stundenkilometer (19 Knoten) brauchen 3 t täglich Schwerölkraftstoff,

 

Insgesamt 29 Besatzungsmitglieder (Minimum 6 Italiener), 9 in der Maschine, 20 für die Brücke und sonstiges (Küche, Stewards). Sie kommen aus Rumänien(6), Italien, Indien, werden von Agenturen gestellt und außer den Italienern(€) in US $ bezahlt.

 

Der Kapitän steht mit 4 Offiziere, 3 Kadetten und 3 Steuermänner auf der Brücke. Am Ende einer Reise erhält er eine Erfolgsprovision, wenn alles glatt -bei uns nicht-verläuft.

Genauso bunt wie die Mannschaft zeigen sich die Passagiere (Rentnerband): 2 deutsche Ehepaare, 1 engl. Ehepaar (Rundfahrer), 1 Franzose, der in Bilbao zustieg. Er ersetzte einen Italiener (Rundfahrer) der wie der 1.(freundliche) Kapitän in Le Havre ausstieg.

 

Bordsprache: Italienisch/englisch. An unserem (deutschen) 4er Tisch erleben wir frachtschifferfahrene Norddeutsche (5 Jahre Schule in Chile) auf ihrer Jahrestour.

 

Kabinen: Die 3 Kabinentypen mit Kühlschrank, Toilette, Dusche, Bad können unterschiedlicher nicht sein. Wer das Tageslicht scheut, muss nach innen auf die Stockbetten, die Außenkabinen haben 1 Fenster und getrennte Betten, die Eignerkabine (2 Zimmerappartement) ein Ehebett, Schreibtisch, Sofa, Sessel Kommode und Schrank. Waschmaschine und Waschpulver sind vorhanden, aufgehängt wird in der Kabine (Wäscheleine, Klammern!?) Getränke kann man kaufen, (zugängliches Womo =Vorratskammer!).

 

Tägliche (Schnell)reinigung, mit Duftspray. Bettzeug und Handtücher werden gewechselt. Selbstreinigung ist angesagt (Lappen organisieren, wenn man nicht in seinem eigenen Dreck schwimmen will)

 

Möglichst alles aus dem Womo in die Kabine (Schuhe und Klamotten nicht vergessen!!). Alles was von Innen zugänglich war, wurde nicht nur (schmutz)befingert, vieles fehlt jetzt. Informationen an Bord? Nur wenn man fragt bzw. auf der Brücke schaut. Von alleine kommt 0,0. und im Übrigen gilt raten und vertrösten auf morgen.

 

Für die Technik muss man an den Mehrfachstecker denken, dann klappt’s mit Laptop und anderem.

 

Für heißes Wasser sorgt eine allzeit bereite Espressomaschine, neben dem Speisesaal (Teebeutel, Nescafe stehen daneben).

 

Schiffsunterstützung nach dem Womobruch?

 

Der Kapitän (oberster Polizist) verweist auf Grimaldi/Neapel, nimmt die Schadensaufstellung entgegen und erlaubt kurze mails (aber bitte nur ganz kurz).

 

Die Angst man könnte schadenersatzpflichtig werden, minimiert die Reparaturhilfe auf Unterstützung (lobenswert ein indisches Crewmitglied). In der Sache absolutes Redeverbot bei der Besatzung. Es könnte ja auch einer von ihnen ge

wesen sein, wenn es nicht die (2) blinden afrikanischen Passagiere, die nach dem Hörensagen in Salvador /Brasilien beim Verlassen des Schiffes (ohne unsere Sachen) geschnappt worden seien, waren.

 

Telefonnummer in Argentinien 18.3.

 

unsere Handynummer in Argentinien ab 18.3.06 -mal sehen ob wir die 90 Tage ausschöpfen.

 

+5491155601391 SMS können wir empfangen

 

4 Argentinien

 

4.1 Siebter Reisebericht von Buenos Aires 2006_03

 

Buenos Aires nach Mar del Plata (Ruta 11) 13.3. – 31.3 06

 

Alles verläuft wirklich problemlos. Der zivile Zöllner, der vorher die Papiere im Beisein des Schiffsagenten ohne mit der Wimper zu zucken in seine Formulare überträgt – ob der Autohaftpflichtversicherungsnachweis wirklich so wichtig war (?) – fährt in seinem PKW voraus. Mitten in der Stadt, in der Nähe des Bahnhofs Retiro, landen wir in Buenos Aires.

 

Um nicht ganz blank von Bord zu gehen, tauschte unser freundlicher Tischnachbar einige US$ gegen argent. Pesos. Die 1 Pesomünze sieht unserem 1 € zum Verwechseln ähnlich. Man benötigt Kleingeld um Bus zu fahren. Die Busautomaten wollen keine Scheine(!!) und wir haben nur den 1 Peso. Man muss sich um Kleingeld kümmern, um mit den pfeilschnellen, rappelnden, stinkenden, teilweise noch mit Handschaltung ausgestatteten Bussen unterwegs zu sein.

 

Die Linie 130, (ins Zentrum 2 x 0,80 Peso, zurück von Retiro 2 x 0,75) – der Tipp von Sonja und Klaus – bringt uns vom Planetarium (genauer Tennisclub Argentino mit bewachter Zufahrtsstraße, auf der wir stehen durften) mitten in einer Parklandschaft im Stadtteil Palermo überall hin. Oh wie ist man hier sportlich, man könnte fast neidisch werden. Neben großen Clubs überall Vorturner, teilweise mit Mikrofon, denen sich Massen am Wochenende anschließen. Und dazwischen die Hundeausführer, wahre Könner. Sie schaffen es, ihre großen Rudel mit unterschiedlichen Rassen, vom Kampfhund bis zum Pudel, viele Boxer, bei Laune zu halten. Der überschaubare Großstadtkern liegt vor unseren Füßen. . Auf der Einkaufsmeile „Florida“ findet sich alles was Frau kennt (Zara, Comma, Lacoast), viele Ledergeschäfte, Tangokünstler, halt das übliche Szenario mit Musikanten lebendigen Denkmälern und dauernd wird man angesprochen irgendwas günstiges zu kaufen. Unser Citibankgeldautomat neben C&A (man staune) verkehrt sogar mit uns in Deutsch. Die neugestalteten alten Hafenlagerhäuser zeigen die Zukunft. Eine Cowparade analog der Berliner Bären /Hamburger HH zeigte aktuelle Kunst am Rind. Wir haben wieder Handy. Die Prepaidkarte von Personal (50 Pesos incl 20 Guthaben) erweckt unser Handy und damit den direkten Kontakt, kostet doch ein Telefonat von Deutschland mit 0,09 €/Min so gut wie nix. Und da können die zu Hausgebliebenen normal mit uns telefonieren, wie schön (minus 5 Std)!! Natürlich geht das auch mit Internet (an jeder Ecke), das wir mit dem Stick bedienen.

BuenosAires_18_19_3_06_082 (7)

Was sollen wir von BA besonders hervorheben? Die Reiseführer haben mehr als Recht, es ist eine wunderschöne Stadt, die im Kern sehr europäisch wirkt. In unserer Ecke finden sich viele Italiener und Pizzaservice, die langsam fahrenden Taxis hoffen auf Fahrgäste. Die Polizei mit roten Warnwesten begegnet uns all gegenwärtig. Gewöhnungsbedürftig ist das Anstehen in Reih und Glied, sowohl auf dem Bahnsteig auf der Fahrt nach Tigres ins Delta, wie an der Bushaltestelle. Der passende Bus muss mit Handaufzeigen angehalten werden. BuenosAires_18_19_3_06_082 (11)

An der Atlantikküste sind die Strandtücher schon zusammengelegt, Herbst! (wir sind im Süden der Halbkugel). Ideale Verhältnisse für Womofahrer. In den Badeorten finden sich ruhige Plätzchen, ohne dass wir stören. Die armen Fische haben nichts zu Lachen. Am Wochenende stehen die Angler nebeneinander, die Möwen jagen im grandiosen Schauspiel in den Wellen.

Seeurlaub vom feinsten am Sandstrand. Die Sonne ist noch sehr warm. Baden scheint gefährlich. Überall sieht man rote Fahnen, und wenn man bis zu den Knien ins Wasser geht merkt man den Wasserdruck und ist sowieso spätestens von der 3. Welle durchnässt.

Arg.  Mendoza 26_27_4_06 032

Nun biegen wir planmäßig gen Nordwesten ab. Bahia Blanca , Ruta 22, nach Mendoza (Weingegend) auf der 40 zurück in den Norden. Patagonien, d.h. den 42. Breitengrad sollen wir – das haben uns Wolfgang und Irmi, die seit mehreren Jahren in SA unterwegs sind- um diese Jahreszeit keinesfalls überschreiten (zu kalt.)

 

4.2 Achter Reisebericht 2006_04

 

Mate, Asado, von der argentinischen Atlantikküste in die Anden zum Aconcagua.

Die Pampa hat uns wieder. Unvorstellbare Weite, in der Karte ausgewiesene Ortschaften, wo sind sie? ein Haus in einer Pappel umsäumten Oase nach 100km. Zwischendurch sieht man Rinder-, Schaf-, Ziegen -und Pferdeherden, manchmal Nandus, das sind die argent. Strauße, Guanakos und natürlich Gauchos hoch zu Ross mit ihren Hunden. Uns begegnen wenig Autos.

An die roten Hütchen auf dem Mittelstreifen und dem Haltegebot – Polizeikontrolle – vor und nach jedem Ort, auch zwischendurch, haben wir uns längst gewöhnt. Wir wissen eigentlich gar nicht was kontrolliert wird, aber mittlerweile ist die freundliche Polizei, Gendarmerie, teilweise kurz hintereinander mit dem arg. Haftpflichtversicherungsnachweis und den Kopien von intern. Führerschein und Zulassung zufrieden, wenn wir nicht einfach durchgewinkt werden.

Bei der Fruchtgrenze schwante uns Böses, als der vor uns fahrende LKW-Anhänger ausgeräuchert wird. Der Blick in unseren Kühlschrank (Bierschrank) kostet 6 Pesos=1,62 €. Die Kassiererin muss uns nachrennen, so schnell wollen wir alles wieder bei der Wärme kühlen.

In El Chocon genießen wir am Rande eines kleinen Wäldchens den Blick auf den Stausee einer neuen Retortenstadt und Dinosaurierspuren. Die vollständigen Knochen eines Riesenviehes fand ein Schweinhirt.

Wir sehen erstmals versteinerte Bäume.

Herrliche Bergpanoramen und Felsformationen begleiten unseren weiteren Weg auf der Ruta 40.

In der Wüstenstadt Zapala (so unsere Führer) erwischen wir vor Ostern die wohl einzigen Regentage des Jahres. Unsere 1.Wäscherei finden wir nach Fragen. Für 2 Trommeln ohne bügeln –wer hat schon im Womo Bügelwäsche? – müssen wir 24 Stunden warten. Zeit genug, um unsere 1.Gasflasche füllen zu lassen. In der Folgenacht gibt auch die 2. Flasche (viel zu früh) ihren Geist auf. Unsere Federwaage besteht dabei ihre Bewährungsprobe. Nach dem 1.Gasflaschenfüllen, (voller Preis, halber Inhalt) haben wir sie mit rotem Nagellack geeicht, um den richtigen Nadelausschlag (16 kg)auch ohne Brille zu sehen. Das hilft! Beim (Nach)füllen am nächsten Tag von der großen in unsere 2 11 kgFlaschen, mit rütteln und lüften im Hinterhof sind unsere Gasvorräte komplett.

Die Ruta 40, erst Asphalt, wird wie in der Karte vorausgesagt in den Bergen Staubpiste und unterscheidet sich damit nicht von größeren Ortschaften. Dort fahren wenigstens laufend Wassertankwagen, um den allgegenwärtigen Staub zu binden. Man merkt sofort, wo Menschen wohnen gibt es Wasser und Bäume.

In San Rafael und Mendoza, stehen in jeder Straße Baum an Baum mit entsprechender Bewässerung. Wir müssen wegen der tief hängenden Äste gut aufpassen, wenn wir unseren Womoschlafplatz regelmäßig in Ortschaften in ruhigen (möglichst ohne Waldis, die ab 4 Uhr bellen) Straßen suchen.

Am Strand, in Geschäften, überall sieht man die Argentinier mit einer Thermoskanne und einem Gefäß –Kalebasse- mit einem silbernen Saugröhrchen -der Bombila-, in das laufend heißes Wasser nachgeschüttet wird. Alle in der Gruppe mit Kind und Kegel trinken gemeinsam aus dem Sud, der wie eine graugrüne Masse aussieht. Zwischendurch wird das Mundstück abgewischt. Man trinkt bei jeder Gelegenheit Mate, scheinbar ein Lebenselixier. Das Ritual erinnert an Karl May`s Beschreibungen, wenn die Friedenspfeife kreist. Gemahlene und getrocknete Mateblätter, dazu darf es ein wenig Zucker sein, um den bitteren Geschmack zu neutralisieren und dann immer wieder heißes Wasser, fertig ist der (Zauber-)trank. Uns schmeckt er!

Unsere 1. Asado – Einladung verdanken wir Margarita, die Kinder und Freundin in die Mountainbikeschule bringt, die für uns unsichtbar an einer aufgelassenen Therme in den Bergen (S 34.35.371, W 068.36.799 einem Tipp von Wolfgang & Anni, weltreisebuch@yahoo.de),übt. Mit ihrem Daimler ist sie das Kinder-Taxi, welche Eltern kennen das nicht? Auf Spanisch, englisch und dann auf einmal fließendem Deutsch spricht sie uns an und schon sind wir bei Brunners auf der Finca (Aleman) – wir finden sie bei Dunkelheit – in San Rafael für mehrere Tage zu Gast .Zu Hause sprechen alles deutsch, sogar die 4 Hunde verstehen uns.

Das Asado ist am Samstag ein Treffen der Deutschen. Die 84 jährige Oma braust mit ihren 2 CV „Entenoma“ an. Als Seele der Deutschsprachigen kümmert sie sich um alles, was mit Deutschtum zusammen hängt. Im großen gemauerten Kamin wird die Glut aus hauseigenem Holz unter den Rost platziert um Würste (Blut- und Bratwurst) und ganze Rinderfilets langsam zu Grillen. Wir sitzen überdacht am langen Tisch bei Salaten, Oliven, Brot und Nachtisch! Grütze, Kuchen, Schlagsahne, Baiser, Wein, Bier, Kaffee. Schade, dass wir nicht auf Vorrat essen können.

Wüste und Weinberge gehen nebeneinander auf ca. 1000m Höhe in dem Weinparadies der Provinz Mendoza einher. Eine Weinkellerei größer als die andere produziert für den Weltmarkt edle weiße und rote Tropfen. Weinliebhaber kommen auf ihre Kosten, Gisela auch, wir testen uns durch.

Bier in 1 Literflaschen gibt es ebenfalls überall, sogar gekühlt. Wie unterschiedlich Weißbrot schmecken kann, wissen wir mittlerweile auch. Das Warenangebot erinnert an Deutsche Geschäfte. Wir sehen, wie die Rinderhälften portioniert werden und entscheiden uns gerne für geschmacksintensive Rinderkoteletts. Der Grillteller im Restaurant und die Salatbar, wir sind von zu Hause verwöhnt, im Womo schmeckt es einfach gut.

Arg.  Mendoza 26_27_4_06 036Die Einkaufsstadt Mendoza im Spätherbst genießen wir bei hochsommerlichen Temperaturen. Im Straßenkaffee lernen wir Deutsch-Argentinier in 2. Generation kennen, die uns ansprechen. Mal sehen, ob die ausgetauschten Adressen wirken. Dass die Stadt vor 20 Jahren von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, sehen wir nicht mehr. Dafür glänzt die Geschichte um General San Martin, der von hier 1817 zur Unabhängigkeit Chiles (von Spanien) beitrug. Seine damalige Fahne wird noch heute in Ehren gehalten, unter Glas aufbewahrt und von einer Ehrenformation in traditioneller Uniform bewacht. Ein schon Ende des 19. Jahrhunderts in der Wüste angelegter riesiger englischer Park, zeugt von Weitsicht und Bewässerungskunst, gibt es doch damals wie heute entlang des 68 Längengrades kaum Regen.

Leere Flussbette mit großen Brücken befinden sich neben Bewässerungssystemen. Das Schmelzwasser der Anden sorgt für Fruchtbarkeit. Rafting begegnet uns auf der Ruta 7 nach Chile, auf dem Rio Mendoza. Der RTW (Rettungswagen) als Begleitfahrzeug wirkt dabei wenig einladend.

Santiago de Chile liegt auf der anderen Seite der Anden, aber kein Katzensprung entfernt, obwohl es auf der Karte so scheint.

Wir wollen den Aconcagua (6959m) wenigsten sehen, den höchsten Berg dieses Kontinents, bevor hier der Winter einbricht. Die Wolken sind gegen uns, obwohl wir das Massiv bei einer Wanderung durch den Nationalpark erahnen können.

Eigentlich warten wir auf einen Zug auf der neben der Straße verlaufende Schmalspurbahn durch die Anden. Pfeife drauf, hätten 25 Jahre früher hierher kommen müssen. Punta del Inca, eine heute unbenutzbare natürliche Brücke über den Rio Mendoza glänzt neben dem Bahnhof mit einer gelben Kruste.

Arg. Ruta 7 z. Aconcagua Punta del Inka Naturwunder 29_4_06 012 (8)

Die Thermalquelle sprudelt unverändert über dieses Naturwunder. Das dazugehörige Hotel hat die sonst wunderschöne Natur schon längst wieder durch einen Bergrutsch zerstört.

Das Thermometer macht auf den fast 3000 Höhenmetern Wechselsprünge. Eben noch 18 Grad, sind es kurze Zeit später unter 10 Grad. Was hat wohl die Menschen hierhin in diese unwirkliche Landschaft getrieben. Sicher nicht die wunderschöne Landschaft mit ihren dauernd wechselnden Farben, die uns auf unserem weiteren Weg nach Norden in die Wärme auf der Ruta 40 begleiten werden

4.3 Neunter Reisebericht 2006_05

 

San Juan – Defunda Correra – Talampaya – Fiambala – Londares – Cafayate – Salta – ca 2500 km

 

 

San Juan – Defunda Correra – Talampaya – Fiambala – Londares – Cafayate – Salta – ca 2500 km

San Juan, wegen der Erdbebengefahr dürfen nur bestimmte Baumaterialien eingesetzt und nicht in die Höhe gebaut werden, erreichen wir nach einer langen Staubpiste, Flusslandschaft und unerwarteter neuer Passstraße über 2200m. Morgens kommt die Sonne kurz vor acht. Das öffentliche Leben ist da längst erwacht, bevor es gegen 13 Uhr in den absoluten Mittagsschlaf fällt. Die Innenstadt und das zentrale Straßencafé gehören uns bis 17 Uhr alleine.

Um 21 Uhr warten die Kellner und Köche auf Gäste. Wir kommen fast als erste und wenn wir gehen, kommen vermutlich nicht die letzten.

In unserem Womo fühlen wir uns am wohlsten. Wir sind vermutlich unsere besten Parkwächter, kennt man hier doch weder Parkuhren noch Parkscheine, dafür stehen autorisierte (oder auch nicht) Parkwächter an jeder interessanten Straße. Daneben gibt es Parkflächen in Hauslücken, Playas, in die wir wegen der Sonnensegel nicht reinpassen. Bisher verlassen wir uns auf die freundlichen Polizisten, die an jeder Ecke im Zentralbereich stehen, daneben patrollieren Motorrad- und Autostreifen, so dass wir uns eigentlich, trotz der konstanten Hinweise „Ihr müsst vorsichtig sein, hier ist es überall gefährlich“ noch nie unwohl fühlen. Unverändert stellen wir uns auch frei hin. Zu mindestens akzeptieren uns die Hunde, wenn sie unser Womo rundum angepinkelt haben. Wasser gibt es in den Oasen, für jeden Baum, Strauch, halt alles was wachsen und gedeihen soll, auch für uns.

Arg Cafayete, R 68 n.Salta 20_5_06 073 Arg. R 12 und  R118 Sümpfe Ibera (36)Wir erleben Bilderbuchlandschaften, die Reiseführer untertreiben nicht. Jedes Sonnenlicht bringt neue Farbenpracht.

Den skurillsten Wallfahrtsort dieser Welt -Difunda Correra- kann man kaum beschreiben. In einzelnen Kapellen stehen wohl sortiert geopferte Pokale , Hochzeitskleider, Autos, Hausmodelle und Nummernschilder zu Ehren der vor über 150 Jahren verdursteten Correra mit dem gefundenen überlebenden Säugling, die ihren im Bürgerkrieg gefangenen Mann suchte.

Arg. Dif.Correra_5_06 012 (5)

Jahreszeit bedingt erleben wir nur wenige, die sich mit Inbrunst zur obersten Kapelle bewegen, neben der ein großes Kerzenbecken – das Wachs wird in einem eigenem tiefer liegendem Wachssee abgeleitet – steht.. Jetzt wissen wir wenigstens., woher die vielen oft mit roten Fahnen gekennzeichneten kleinen Altäre mit Wasserflaschen, die uns überall begegnen ihren Ursprung haben und können uns vorstellen, wenn an den einschlägigen Tagen tausende dorthin pilgern, um diesem Idealbild zu huldigen.

Überall stehen wie immer Grills, die auch bei unserem Besuch qualmen, obwohl es 2 Tropfen regnet und kühlist. Auch die Aschaffenburger, Melanie und Mathias, verewigen sich mit einem Autobild. Unsere Wege kreuzen sich jetzt mehrmals.

Die Naturwunder haben wir natürlich nicht ausgelassen, obwohl der eine oder andere vor zu hohen Touristenpreisen warnt, die heftig von denen der Einheimischen abweichen.

Arg.NationalparkTalampaya 8_5_06 189

Arg. Valle de Luna 7_5_06 120Arg. Valle de Luna 7_5_06 093

Vale de Luna und die Talampayaschlucht verdienen einen Besuch. Wir sind noch ganz begeistert, obwohl es bei der 42 km Rundfahrt durch das Vale de Luna im eigenen Womo noch trüb und kühl ist. Die 75 km weiter entfernte Talampayaschlucht, die für uns wie eine Fortsetzung des roten Gesteinsbandes wirkt, durchqueren wir einen ganzen Tag mit einem „Papamobil“, d.h. einem bequemen Toyota-Allrad. Wir besuchen ein Highlight nach dem anderen, von Felszeichnungen bis zum Echo üben ist alles drin. Jetzt können wir uns die Entstehungsgeschichte der Erde mit ihren Faltungen, die Dinos und ihre damalige Lebewelt nicht nur vorstellen, sondern glauben auch, dass man hier noch auf weitere Überraschungen – die ältesten Knochenfunde dieser Erde fand man hier – stößt. Die Erosionen begreift man, wenn man die riesigen Steintürme und Abbrüche sieht. Hinterher sind wir vom Autostaub total rötlich gepudert. Es ist Wüste auf über 1000m Höhe. Die Feuchtigkeit kommt allein aus den Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Nachts ist es „schattig“ und in der grellen Sonne bei strahlend blauem Himmel gleich warm. (27 Grad). Sogar ein Kondor mit sicher über 2 m Spannweite kreist über uns.

Die Straßenverhältnisse lassen sich aus der Karte leider nur beschränkt ablesen. Streckenweise gerade frisch asphaltiert, kommen wie aus dem nichts wieder Staub- und Wellblechpiste. Nicht anders in der 1900m hohen Therme Fiambala ,wo wir uns nur in den oberen Naturbecken (bei 45 bis 43 Grad) aalen. Unter uns Wüste, wo das Wasser nie ankommt.

Nach 3 Tagen meinen wir genug mit dem Faulenzen und es geht weiter Richtung Norden(R 40). Wir landen bei den Inkas, genauer gesagt in Londres – Namensgeber war die Stadt London, anlässlich einer spanisch-englischen Königsheirat – die die Inkas öfters platt machten, bevor sie die Spanier endgültig verjagten. Spanische Geschichte verdeutlicht sich, ging doch alles von deren Hauptsitz i Lima(Peru) aus. Die Missionare taten das übrige, was die vielen sehenswerten Kirchen, deren Gestühl teilweise aus dem Holz der Meterhohen Kandelaverkakteen ist, zeigen.

Arg. Ruta 40 Chos Malal , Barracas 14_4_06 033 (3) Arg. Ruta 40 Los Lenas, (R222)via San Rafael 17_4_06 016

Schwer vorstellbar ist, dass einerseits nichts wächst und dann auf einmal wieder nach ca. 100 km eine Oase kommt. Die Menschen dort benötigen Pferd und Esel, sonst können sie sich in dieser tief zerfurchten Landschaft nicht fortbewegen. Auch ein Pickup schafft keine ausgewaschenen Gräben, die die seltenen Regenfälle, wir sind nämlich westlich des 68. Längengrades, dort regnet es sehr wenig, über die Jahrzehnte schafften. Wir fahren laufend durch Trockenflüsse, wenn die aber Wasser führen!!. Das Überlebenswasser kommt aus den hohen Bergen mit der Schneeschmelze.

Die ersten Höhenrekorde entlang der leider nicht mehr fahrenden Eisenbahn „Zug in die Wolken“ von Salta nach Chile liegen hinter uns, ein Viadukt auf 4200m – am A… der Welt, eine atemberaubende Strecke.

Arg Wolkenzugstrecke  Salta 25_5_06 058 (17) Arg Wolkenzugstrecke  Salta 25_5_06 058 (2)

Im Straßencafe in Cafayate sitzen deutsche Touristen (Südamerika in 3 Wochen!!) die sich über unser Womo wundern.

Der Camping in Salta ist fest in deutscher Hand. Alle scheint es hierher zu ziehen, um mal wieder Neuigkeiten auszutauschen und lecker zu essen.

Die schwere Wirtschaftskrise in Argentinien scheint Vergangenheit. Es wird wieder gebaut und viele neue Autos und Motorräder fallen auf. Zum Einkaufen des tägl. Bedarfs gilt nicht nur die 7 Tagewoche, sondern auch der 24 Std Tag. Internet findet man mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit an jeder Ecke, von vielen Kindern belagert und regelmäßig von lautstarker Musik beschallt.

An die vielen Polizeikontrollen, die vor jedem Ort manchmal auch zwischendurch stattfinden, haben wir uns gewöhnt. Was alles notiert wird? Die Zettelspalten werden jedenfalls gefüllt.

Mundial“ –die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland- ist in aller Mund.

Wir sehen große steinbewährte frühere Siedlungen der Urbevölkerung in den Bergen, die alle noch nicht ganz so lange entdeckt sind und viel Fantasie erfordern Uns begegnen riesige Weingüter, Gauchos in echt und Menschen mit anderer Hautfarbe und Siedlungen.

Arg.  Los Lenas, (7) Arg. San Juan 2_5_06 051 Arg R 51 v.Salta 24_5_06 092

Typisches Baumaterial sind Standardbausteine aus Lehm, die vor Ort geformt und getrocknet werden.

Arg. Ruta 40 Los Lenas, (R222)via San Rafael 17_4_06 016

 

5 Von Argentinien über Bolivien –Paraguay nach Brasilien

 

5.1 Zehnter Reisebericht 2006_06

 

Durch den Chaco

Unsere 1. südamerikanische Grenze – sehr gewöhnungsbedürftig –steht doch nach den üblichen Polizeikontrollen auf einmal in der argentinischen Grenzstadt Prof. Salvador eine nette Frau und kassiert Straßenbenutzungsgebühr (15 Peso = 4,05 €) für das kurze Stück zur Grenzstation, die unübersehbar in einer Seitenstraße durch eine große Halle und Schranke ins Auge fällt.

Erst benötigen wir Stempel. Im rechten Gebäudekomplex, bei den Argentiniern, erfassen des Womos am PC und im großen Buch. Wir stehen an der Spitze der sich dann bildenden Schlange, denn die Bolivianer stellen die Uhr um eine Stunde vor. (=6 Std.). Mit einem Papierschnitzel, das jeweils Stempel und Paraffe bekommt, 3 Schalter an der Außenfront weiter, gibt es wieder einen Stempel und dann geht es zurück zu dem nur Gang getrennten Zivilen Nachbarn. Da findet sich der Bolivianer, der wiederum die Autodaten im PC erfasst. Die internationale Zulassung ist lediglich eine nette Beigabe. Die Daten lassen sich leichter vom durchgestrichenen arg. Womodokument abschreiben.

Der freundliche argent. Zöllner führt dann zum gegenüberliegenden Gebäude, damit Argentinien sich im Reisepass ausstempeln und den gelben Einreisezettel einziehen kann. Das geht ruck zuck.

Für Gisela, die das Womo bewacht und den Grenzverkehr beobachtet. interessiert sich kein Grenzer. Auf Karren werden Säcke und Kartons von Argentinien nach Bolivien geschafft. Wir sind das erste Fahrzeug, das die für uns geöffnete Schranke passiert.

Noch fehlt der Einreisestempel Boliviens im Reisepass. Da steht schon der 1. Zivilist und verkauft uns ein „Verkehrsblatt“ für 5 Bolivos oder 2 Pesos = 0,50 €. Nach Ausfüllen eines grünen Formulars folgt der Einreisestempel mit 90 Tagen

und jeweils einem grünen Formularabschnitt, der wieder bei der Ausreise abzugeben wist. Da wartet schon der nächste und will 10 Bolivos. Noch wissen wir nicht für was. Die Wechselstuben liegen links und rechts daneben an der Straße. Wir tauschen US $ gegen Bolivos, ein Europreis fehlt.

Ein Junge mit einem Tank auf dem Rücken bespritzt unsere Räder – das waren die 10 Bolivos. 5 Meter weiter kassiert der nächste Zivilist. 5 Bolivos Straßenbenutzung für Yacuiba, der bolivianischen Grenzstadt, mit Straßen voller winterlicher Klamottenstände.

Eine vernünftige Straßenkarte finden wir nicht. Ein Exemplar von 2003 sieht zwar wie ein Straßenatlas aus, das Format des schwarz-weißen Druckes und unsere Führer unterschieden sich aber nicht.

Die Polizeikontrolle außerhalb der Stadt will das Autoeinreisedokument sehen, das einen weiteren Stempel bekommt, und wenige Meter weiter die Mautstation ähnlich wie in Europa, aber 12 Bolivos bis Villa Monte, was einiger Diskussionen bedarf, steht doch auf dem Verkehrsblatt unser ursprüngliches viel weiter entferntes Zwischenziel, Santa Cruz.

So viele Schweine, Esel, Pferde und Ziegen neben und auf dem breiten Asphaltband nach Villa Monte, kennen wir noch nicht.

Bolivien Chaco villa Monte6_6_06 039 (5)

Am Ortseingang von Villa Monte führt alleine eine lange Eisenbahnbrücke über den Fluß in den Ort. Die müssen auch wir benutzen. Unsere armen Reifen, sind doch links die Eisenbahnschienen mit kleinen Dreieckenden verbunden und rechts eine schöne hohe Bordsteinkante. Ich wage nicht den Schienenstrang zwischen die Räder zu nehmen, sind doch die Fahrspuren lediglich mit Brettern, die die Sicht nach unten ermöglichen, ausgelegt. Runter von der Bahndammrampe grüßt ein Band über die Straße. Es folgen drei Stationen. 1. Polizei, 2. entwerten der bisherigen Wertmarken durch 2 x lochen, 3. kauf einer neuen Straßenbenutzungswertmarke für 10 Bolivos und dann geht es erst auf Teer weiter Richtung Ibibobo.

An der Straße wird gebaut. Nach einem erschlossenen Gasfeld folgt Schotterstraße mit Umleitungen und dann nach 25 km nur noch Piste durch den Chaco. Schöne Sandwellen lösen sich ab und stauben heftig. Außer 2 Autos kommt uns aber in den nächsten mit Richtungs GPS geführten Kilometern durch Teis dürre

Bolivien,Paraguay Chaco Grenzladen 7_6_06 032 (1)

Buschlandschaft niemand auf dem schmalen Weg entgegen, den wir gut aber nicht so schnell schaffen. Unsichtbare Höfe lassen sich an freilaufendem Viehzeug erahnen.

Bolivien, Chaco Ibibobo 7_6_06 003 (1)Die nächste Schranke erwartet uns vor Ibibobo: Militärkontrolle. Der extra gerufene Leutnant erfasst in der Schar der Seinen die Daten der Passkopie einschließlich Autonummer, die ein Soldat rennend aufschreibt. Nach freundlichem Gruß öffnet sich die Schranke und 50 m weiter sitzt wieder jemand draußen vor einer Hütte überdacht an einem Tisch vor einem großen Buch. Er ist aber nicht die Amtsperson, die aus dem Schlaf gerufen wird und im dunklen Kämmerchen den grünen Einreisezettel einzieht und den Ausreisestempel setzt. Wir übernachteten gleich an Ort und Stelle im stockdunklen Dorf, in dem Strom noch nicht angekommen ist.

Eine Nebelwand begrüßt uns, als wir gegen 7 Uhr in der Morgendämmerung den Riemen auf die Orgel werfen. Auf einer Schotterpiste erreichen wir den letzten bolivianischen Militärposten, den eine Schranke und ein burgähnliches Gebäude mit 4 Türmen ankündigen. Das Datenerfassen auf einem Schmierzettel erledigt der „Boss“ barfuß in Turnhose und Militärjacke, nachdem ihm ein Soldat den verzweifelt gesuchten Kugelschreiber bringt. Draußen spielt der Rest der Truppe mit einer Eule.

Grenze Bolivien,Paraguay Chaco 7_6_06 040

Nach ca. 10 km holpriger Schotterpiste erreichen wir die eigentliche Grenze Bolivien-Paraguay, die einen Grenzpfahl, 2 neue Hütten und eine Kette markieren. Wir werden gleich von 3 Männern begrüßt, die sich als bolivianischer bzw. paraguayischer Zöllner vorstellen. Der bolivianische Grenzer kennt im Gegensatz zu uns viele deutsche Fußballer und die deutsche Mannschaftsaufstellung im Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft gegen Costa Rica. Er kassiertdas Autodokument während der Paraguayer uns lediglich in ein Buch schreibt. Weiter geht es auf einer ausgefahrenen Sandpiste.

Zwei entgegenkommende LKWs mit Hänger stimmen uns weiter optimistisch. Der folgende paraguayische Militärposten sitzen Gott verlassen in einem einsamen großen Haus nach weiteren 10 km. Er will Orginalpapiere, Internationale Zulassung und das bolivianische Womodokument, als ob er nicht wüsste, dass wir das gerade abgegeben haben.

Ein deutsch sprechender Toyota Fahrer macht uns zwischenzeitlich Mut und zeigt uns auf der Karte, dass die Sandpiste nur 90 km lang sei und nicht die 164 km laut unserem Führer.

Sandpiste Paraguay Chaco Festgefahren 7_6_06 069 (11) ,Paraguay Chaco Sandpiste 7_6_06 043 (4)

Teilweise neben, über und auf einer zukünftigen!! Straßentrasse, an der auch zwischendurch tatsächlich gearbeitet wird geht unsere teilweise sehr ausgefahrene und weiche Sandpiste. Einmal hat es uns dann doch erwischt. Ein tiefes langes aufgeweichtes Loch will nicht an der breiten Seite umfahren werden und schon sitzen wir fest. Schippe raus, Seilwinde ausgepackt, Mückenspray verspritzt. Bei über 30 Grad läuft uns das Wasser nur so runter. Da naht ein rettender LKW, der weiß schon was zu tun ist. Unser Abschleppseil hatte Premiere, ein kurzer Ruck und schon sind wir wieder rausgezogen und schaffen es mit Atem anhalten im 2. Anlauf.

Die Pistenspur und die GPS-Daten stimmen nicht mehr, wir sollen eigentlich weiter rechts, doch da war kein Weg, oder hatten wir etwas übersehen? Endlich landen wir auf dem angekündigten Asphalt mit einem wild aussehenden paraguayischen Soldaten, der uns nicht nur zeigt wo wir sind, sondern auch großes Interesse an uns und unserem Womo entwickelt. Das können wir aber entspannt abtun, haben wir doch das wildeste Chacostück geschafft.

1. Asphalt Paraguay Chaco 7_6_06 071

Mit Genuß geht es auf Asphalt kerzengerade in die schnell hereinbrechende Nacht (18 Uhr dunkel). Die erste Möglichkeit links, eine Bauarbeiterkomplex soll unsere erste Nacht in Paraguay werden. Hatten schon vorher die wenigen Motorradfahrer, die uns entgegen kamen, Gewehre geschultert, begrüßt uns jetzt wieder ein Gewehr, aber nett. Nicht auf dem offenen Gelände in der für uns freigemachten Fahrzeughalle verbringen wir eine heiße Nacht unter dem Moskitonetz. Draußen sei es viel zu gefährlich.

Im ersten paraguayischen Ort Mariscal schrecken wir Rauschgiftkontrolleure auf, die uns zu ihrem Amtsgebäude „bitten“, vor dem wir geduldig warten, bis wir unsere Papiere nach vielen Telefonaten wieder haben und in der nur einen Katzensprung entfernten Immigration den Einreisestempel bekommen. Der davor liegende neugierige Zoll läßt uns nach Diskussionen ziehen, brauchen wir doch in Paraguay keine Dokumente für das Womo.

ParaguayFiladelfia 13_11_6_06 003 ParaguayFiladelfia 8_9_6_06 003

Es folgten entspannende Tage in Filadelfia bei den Mennoniten,

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einer deutschen Sprachinsel, deren Wohlstand die Paraguayer und die Indianer unübersehbar auch entdeckt haben. Wir dürfen bei Liselotte &Jakob Siemens , der seine Qualitäten als Fremdenführer beweist, auf deren Grundstück stehen. Die Afrikafahrer Rita und Freddy schließen sich uns an und starten gleich ein neues (Erdnuss)Filmprojekt. ParaguayFiladelfia Erdnussverarbeitung 10_11_6_06 010

Erntedank, Ziegengrillen bei Ute und Achim Steffen, die sehr warmen (Winter) Tage verlaufen in Filadelfia wie im Flug.

Die zwei Niederlagen von Paraguay bei der Fußball-WM lassen uns über Conception nach Brasilien fahren, wo alle genauso fußballverrückt sind. Jetzt wehen nicht mehr rot-weiß-blaue Paraguayfahnen, alles ist in grün-gelb, sogar die Fingernägel. Jedes Brasilienspiel erinnert an Sylvester.

Bis wir in der Freihandelszone wieder die notwendigen Stempel an ganz unterschiedlichen Stellen bekommen, vergeht fast ein Tag, trennt doch nur ein grüner viel befahrener Streifen beide Staaten.

Fehlende Schilder machen eine Orientierung in Brasilien schwer. Natürlich dürfen wir Bonito nicht auslassen von dem alle wegen der umliegenden Natur schwärmen. Jetzt wissen wir auch was Schweizer Käsestraßen sind. Brasilien n. b.Jesus do lapa 14_8_2006 042 (5)Zwischendurch tiefe Löcher auf dem endloslangen Asphaltband über Campo Grande nach Cuiabá und weiter nach Chapada dos Guimaraes (Mittelpunkt von Südamerika), wo uns schon Rosi und Klaus auf dem kleinen Campingplatz für viele

schöne gemeinsame Stunden erwarten. Die Toreinfahrt passt gerade noch für uns.

Seit Wochen regnete es erstmals wieder richtig. Das Ausscheiden Brasiliens bei der Fußball WM in Deutschland löst nicht nur Tränen aus, auch der Wettergott trauert und schickte zum Trost den lang erwarteten Regen.