6 Brasilien

 

Brasilien  Bonito WM gg Japan 23_6_06 005 (1)

6.1 Elfter Reisebericht 2006_07

Pantanal –Caceres – Nationalpark Chapada dos Guimaraes

Der Mittelpunkt Südamerikas zieht an und hält uns fest Die brasilianischen Fußballtränen trocknen schnell. Alle freuen sich auf dem Campingplatz OASIS –eine wahre Oase- beim Fernsehen in Feisals (Campingplatzbetreiber) Schlafzimmer mit uns über den deutschen 3. Platz bei der Fußballweltmeisterschaft, obwohl man eigentlich Portugal favorisiert. Auch beim Endspiel-Elfmeterschießen herrschte spannende Erwartung und ein wenig Schadenfreude. Brasilien Chapada Caming 5_7_06 035

 Mit Rosi und Klaus, sowie unseren Womos bilden wir eine große Familie nachdem 2 unserer Töchter, Britta und Katja, planmäßig in Cuiaba landen. Was für eine Aufregung vorher: Unser Womo springt nicht mehr an als wir mit Rosi und Klaus zu den nahen Wasserfällen wollen. Alles nicht so schlimm, denken wir. Klaus kann uns überbrücken, klappt aber genauso wenig wie anschleppen. Hilfe naht von quasi gegenüber, wo die Autobatterie professionell aufgeladen wird. Bei der großen Fehlersuche mit Hilfe von Klaus, der das notwendige Messgerät dabei hat, alarmieren wir auch unseren Womohersteller Robel in Emsbüren, der sofort schreibt was zu tun ist. Ein dickes Lob für Herrn Richter, der uns die Diagnosewege im Dialog per Mail zuschickt und ein neues Elektroversorgungsteil (EVS) unseren in Deutschland startbereiten Töchtern mitgibt.

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Wir wissen immer noch nicht, warum wir nicht bemerkten, dass sich das Gerät verabschiedete und die Autobatterie allein die Womostromversorgung übernahm, obwohl wir am Strom des Campingplatzes hängen und volle Batterien angezeigt sind. Vorzeichen deuten wir nicht richtig. Unser Laptop verabschiedet sich vorher nämlich immer wieder und das Kühlschranklicht brennt kaum noch. Wir glauben, dass die 110 Volt Campingplatzversorgung schwankt und unser Solar erst wieder aufladen müsste.

Brasilien 3_Pantanal_16_7_06 001 (112) Brasilien 3_Pantanal_16_7_06 001 (86) Brasilien 3_Pantanal_16_7_06 001 (66) Brasilien 3_Pantanal_16_7_06 001 (57) Brasilien 3_Pantanal_16_7_06 001 (26)Mit Britta und Katja, die vom deutschen Sommer in den brasilianischen „Winter“ mit über 30 Grad kommen geht es auf dem Weg ins Pantanal erst in die Nachbarstadt Caceres, die „nur“ ca. 200 km östlich von Chapada Richtung bolivianischer Grenze liegt ,zur Missionsstation von Markus, wo schon 60 sozialschwache Kinder in seiner Kita darauf warteten von Britta in den Mund geschaut zu bekommen. Eine beispielhafte super Disziplin der unterschiedlich alten Kleinen, die von morgens bis abends voll versorgt und verpflegt werden. Sie freuen sich riesig, wir auch und geniessen die Gastfreundschaft der Großfamilie von Markus Koschmieder (mgkhwh@terra.com.br).

 

Unser Gasproblem, im ganzen Bundesstaat Mato Grosso gibt es kein Propangas, hoffen wir durch Markus Hilfe gelöst zu bekommen. Unser amerikanischer Adapter passt nicht. Er kennt in Caceres scheinbar jeden und umgekehrt auch. Den uns fehlende Anschluss an unsere Gasflasche für den Gasschlauch müssen wir uns drehen lassen um von der brasilianischen Butanflasche umzufüllen. Jetzt können wir unsere Propan-Gasflasche mit landestypischem Butangas füllen.

 Für die 4 stündige Bootsfahrt auf dem Rio Paraguay organisiert Markus den notwendigen Sprit. Einen Vorgeschmack auf das Pantanal erleben wir in der tierreichen Uferlandschaft. Kaimane jeder Größe, der größte Storch –Tuiuius – , Reiher, Kormorane, Papageien und immer wieder Angler, die mit Flipflops neben den Kaimanen angeln. Keine Moskitos, der angenehme Fahrtwind, ein Erlebnis das sich dann im Pantanal auf der Tanspantaneira nach Porto Jofre fortsetzt.

Über 100 Brücken, die offensichtlich für uns alle gerade neu gebaut worden sind und trotzdem schon wieder für Schweißperlen und Umfahrungen sorgen begleiten uns in diesem riesigen Freilichtzoo. Eine unvorstellbare Fläche, fast so groß wie Frankreich, steht die Hälfte des Jahres unter Wasser. Wir erleben das zurückgehende Wasser, riesige Sumpfflächen, Wassertümpel, in denen sich die  Brasilien Pantanal_6_ 22_7_06 135 Brasilien Pantanal_Bootstour 12_7_06 006Brasilien Pantanal_4_ 17_7_06 017 Brasilien 3_Pantanal_16_7_06 001 (112) Kaimane zu Dutzenden tummeln, bzw. in der Sonne aalen. Wasserschweine, Wasserkühe, Hirsche die buntesten Vögel, die man sich vorstellen kann ein Tierstimmenorchester und das alles vor der Haustür. Nachts wird es angenehm kühl, gut dass wir noch Schlafsäcke für unsere Beiden dabei haben. Brasilien Pantanal_6_ 22_7_06 135 Brasilien Pantanal_6_ 22_7_06 113

Das Leben auf einer Poseida – Farm mit Hotel und Camping- genießen wir in großer Familienharmonie. Ob Ausritt zu Pferd, Bootsfahrt zu den Affen und Angeln von Piranhas, die hinterher den Kaimanen verfüttert werden, entspannen am Swimmingpool mit Savannenblick, Urlaub pur bei strahlend blauem „Winter“ Himmel. Zurück in Chapada sorgen Klaus und Rosi, denen wir durch Zufall auch im Pantanal begegnen und die aus Caceres zurückkamen, für die nächsten Höhepunkte. Gemeinsam fahren wir zur Diamantenmine, wo man noch wie in Vorzeiten gräbt, siebt und auch lebt, genießen frisch gepresster Zuckerrohrsaft und baden nicht nur im Fluß, sondern auch in den Wasserfällen. Bei strahlendem Wetter wandern wir entlang der Beckenbbruchkante mit breiten Schluchten, Inselbergen und Felsgebilden (Cidade de Petra),mit herrlichem Weitblick und beobachten blaue Papageien mit rotem Hals, wie sie sich durch das Tal schrauben.

Dass auch ein 4×4 Womo im tiefen Sand stecken bleiben kann, sorgt mehr für Gelächter. Viel zu schnell enden die 3 Wochen mit unseren 2 Töchtern, die wir bei 36 Grad in Cuiaba voll bepackt mit einem Teil Ballast von uns, wieder auf die Heimreise bringen. Danach lernt unser Womo eine brasilianische Mercedesinspektion kennen. Alle Filter und das Öl sind gewechselt. Auch ohne Laptop können die (notwendigen?) Servicearbeiten ausgeführt, die sich aus dem deutschen Mercedeswartungsheft für diese große Werkstatt mit extra Sprinterausweis, nur schwer erklären lassen. Eine brasilianische Wartungsabfolge gibt es hier nicht. Von dem Preis kann jeder deutsche Mercedesfahrer träumen.

Und jetzt erleben wir doch noch den „Winter“ in Chapada. Der lang angekündigte Wetterumschwung kommt mit Macht. Endlich können die Mützen, Handschuhe und dicken Jacken ausgeführt werden. Von jetzt auf sofort sitzt Chapada in den dicken Wolken die jede Sicht unmöglich machen. Es wird immer kälter die Temperatur halbierte sich auf 16 Grad und windgepeitschter Regen zwingt uns ins Womo.

 

Am nächsten Morgen ist der für 2 Tage angekündigte Spuk schon wieder vorbei, es ist durch den Südwind zwar kühler, aber wir sitzen immer noch ohne dicke Kleidung bei blauem Himmel draußen.

 

Jetzt geht es gemeinsam mit Rosi und Klaus Richtung Brasilia auf Nebenstraßen weiter, die teilweise durch Indianergebiet führen. Zwei Womos sollen für die notwendige Sicherheit ausreichen.

 

 

6.2 Zwölfter Reisebericht 2006_08

Brasilia 8_8_2006 064

Thermen, Brasilia, Traumschiffstrand, Salvador

Warum uns alle vor der Fahrt durch das Indianergebiet –ein riesiges Waldgebiet- warnen, wissen wir nicht. Indianer erkennen wir (lediglich) an ihrer Frisur und einem zigarettenähnlichen Stift durchs Ohrläppchen. In Barro de Garcas trennt sich unser gemeinsamer Weg mit Rosi und Klaus. Dafür begleiten uns ab da für eine Woche neue Reisegefährten, ein brasilianisches Ehepaar deutscher Abstammung, Marlene und Heytto. Von ihrem vorzüglichen leckeren Eis werden wir noch lange träumen, wie sie von einer eigenen Womo-Europa-Reise. Sie schließen sich uns mit ihrem großen Ford Pickup und üppigen Wohnwagen spontan an, als wir ihren Vorschlag den „Umweg“ über die Thermen von Caldas Novas nach Brasilia zu fahren gut finden. Aber bevor wir in der Warmwasserbar den „Chopp“ Ruf (Bier) hören, Churraco grillen, im Thermalbad schwimmen, den Mückenkampf verlieren, kaufen wir in einem der großen Einkaufsparadiese von Goiania (1,2 Mill Einwohner) – die Stadt ist für Kleidung bekannt- gemeinsam mit der Eisfabrikantentochter Michele, die uns mit dem Motorrad lotst, ein.

Preisreduzierte Klamotten von dem einfachsten bis zum teuersten Label sind ein großer Magnet. Heyttos Wohnanhänger ab und in den Ford, mit dem Womo wären wir erst gar nicht durch die Höhenbegrenzungen der Einkaufszentren gekommen und nach dem Einkaufen „Chopp“. Auf festmontierten Tischen und

Stühlen drängen sich Hunderte vor den verschiedensten Essmöglichkeiten, von „A“ wie „arabisch“ angefangen. Das Toilettenfinden??, aber auch suchen muss man können.

Brasilia, eine Stadt der Superlative, seit 1956 in 5 Jahren aus dem Nichts der Steppe erbaut, ist nichts für Fußgänger, aber für Pferdefuhrwerke. Man spürt die Autoeuphorie der 50iger Jahre und sieht das riesige Flugzeug, dass die Stadtplaner vor Augen hatten. Wir suchen gemeinsam in einer vorab Stadtrundfahrt mit dem mageren Stadtplan aus dem Reiseführer (in den Straßenkarten sind keine Stadtpläne) im Konvoi bei Großstadtverkehr bis wir den ruhigen stadtnahen Jugendherbergscamping – inclusiv Frühstück- endlich finden.

Brasilia 8_8_2006 060 Brasilia  9_8_2006 016 (3)Brasilia 8_8_2006 001Mit einer Führerin und Heyttos Fahrkünsten harken wir das Wesentliche Punkt für Punkt ab: Ministerien, Gerichte, Kirchen, Museen, Aussichtspunkte. Jedes nummerierte Viertel hat eine eigene Infra- und Sozialstruktur. Den größten Goldklumpen dieser Erde – über 60kg und unscheinbar- in der Nationalbank, konnten wir natürlich nicht auslassen. Welch Unterschied, als wir wieder alleine und per Bus Brasilia weiter erkunden und nicht mehr im klimatisierten 6 m Ford-Pickup chauffiert werden. Dafür gibt es aber in der Jugendherberge einen hilfreichen Stadtplan und die Bushaltestelle ist quasi gegenüber. Allein im riesigen Busbahnhof den richtigen Bus zu finden stellt sich als Herausforderung dar.

Über 1400km nach Salvador verheißt endlich ein Schild an der gesuchten Ausfallstraße in Brasilia. Auch GPS hilft im unbeschilderten Kreuzungsgewirr wenig.

Von nun an übernachteten wir wieder auf Postos, große Tankstellen mit Supermarkt, sanitären Anlagen, Restaurants, Werkstätten. Die gute asphaltiert Hauptverkehrsstraße, die von LKWs und auffällig wenig PKWs genutzt wird, führt teilweise bergauf und bergab, vorbei an Nationalparks (Posso, Chapada de Diamantina), die wir teilweise besuchen.

Auch unser Nebenstraßenabzweig begrüßt uns die ersten 200km mit besten Asphalt, aber dann folgt Loch an Loch, eins tiefer als das andere. Löcher flicken mit Erde, ob das lange hält?

Wir fahren durch die ersten großen Bananenplantagen, soweit das Auge reicht, und immer wieder saubere Kolonialstädtchen an reizenden Flusslandschaften mit Wäsche waschen und gleichzeitigem Baden, Pferdefuhrwerken und Karren mit Rädern aus vollem Holz. Sonntags morgens spielt man schon mit dem Hellwerden auf dem Staubplatz richtig mit Pfeifen Fußball (barfuß). Verständlich, brennt doch der Lorenz mittags mit über 35 °.

Auffällig, manchmal suchen wir vergeblich Obst, was es 100 km weiter wieder in Hülle und Fülle gibt. Man sieht keine großen PKWs, viele Reiter zu Pferd oder Esel und die einachsigen Pferdekarren. Das klassische Zeichen „Daumen hoch“ ist all gegenwärtig. Auch unsere Gas Frage ist beantwortet. Die bras. 13.3kg Butanflasche passt in unsere 11kg Flasche, wenn man sie beim Umfüllen entlüftet, d.h. den Füllschlauch einfach in die Luft hält.

Den Campingplatz am Meer in Salvador in der Nähe des Flughafens nutzen wir als Ausgangspunkt für Stadtbesichtigungen. Mit 1x umsteigen geht es mit dem Bus ins Zentrum der Oberstadt. Die hüglige, sehenswerte Riesenstadt bietet für jeden Tag im Jahr mindestens eine eigene Kirche. Vom Frühbarock an glänzen sie in kolonialer Vielfalt mit Gold, großen Kachelbildern, bemalten Holzdecken, teilweise nagt aber auch der Zahn der Zeit.

Brasilien_Salvador_2007_02_23 (11)Die Straßen sind voller bunter Bilder. Überall will jemand etwas verkaufen, selbsternannte Parkwächter winken mit ihren Putztüchern und verschieben die Autos für jeden Millimeter Parkfläche .Zwischen Hochhausstadtvierteln ziehen sich einfachste Häuserviertel an steilen Hängen der verschiedenen Küstenhügel. Ein Fahrstuhl verbindet Ober- und Unterstadt. Alles geht ein wenig langsamer und gelassener. Auch in der Fußgängerzone kommt keine Hektik auf. Am schönsten ist es, wenn man beim Shoppen Anprobe und Kasse gefunden hat. Dann heißt es sich in eine Warteschlange einreihen.

Geduldiges Warten gehört einfach dazu. Nummern ziehen, sitzen und sich aufrufen lassen, da benötigen wir für die in Salvador fälligen 90 Tage Aufenthaltsverlängerung fast einen Tag, obwohl alles wie am Schnürchen läuft. Man muss nur die richtigen Stellen (Polizei, Zoll, Bank für die Gebühreneinzahlung) finden, Geduld mitbringen und nicht wie wir im Einbahnstraßensystem der Unterstadt kreisen, um den richtigen (Hafen)Zoll zu finden. Der vollzieht die notwendigen Stempel so schnell, dass wir es gar nicht glauben wollen.

In der angenehmen See Brise mit Meeresrauschen und lautstarker Musik erholen wir uns auf dem Campingplatz wo sich auch große Leguane wohlfühlen und viele Äffchen zeigen, die sich geschickt an den Stromleitungen entlang hangeln, vom Großstadtstress Salvadors. Den Strand können wir leider nicht so richtig genießen .Er ist gefährlich. Wir hören immer wieder von Diebstählen und Überfällen auf Badegäste.

Ohne eine Bitte nördlich von Salvador nach einem Meergrundstück zu schauen, hätten wir die vom ZDF-Traumschiff angelaufenen (Traum) Strände nie erlebt und auch nicht den Schwaben Kurt Vetter kennen gelernt, der uns spontan in sein Haus in einem Kondominium in Praia de Forte einlud. Jetzt wissen wir, was ein Kondominium ist: Alles Private ist großräumig umzäunt und schwer bewacht. Von dem noch urtümlichen Porto Sauipe an, scheint die Ferienlandschaft Richtung Salvador Fuß zu fassen. Große Hotelkomplexe und natürlich Kondominien reihen sich an der palmenumsäumten Atlantikküste, die seit Anfang der 90iger Jahre durch eine hervorragende Küstenstraße erschlossen ist.

Wir wollen die Küste über eine Nebenstraße erreichen. So etwas soll man aber in Brasilien tunlichst vermeiden. Auch in der Karte rot gezeichnete Straßen halten nicht immer was sie versprechen: Asphaltstraße. Zwei Tage fahren wir mehr oder weniger im ersten Gang, teilweise durch Ölfelder, um an die unerwarteten Traumstränden zu kommen.

Unser nächstes konkretes Ziel ist durch den Besuch unserer Kinder im Januar 2007 festgelegt, Foz de Iguacu, die riesigen Wasserfälle im 3 Ländereck Argentinien, Brasilien, Paraguay. Brasilien steht uns jetzt bis Anfang Dezember offen. Für dieses riesige Land viel zu kurz. Als Tourist darf man aber nur insgesamt 180 Tage im Jahr bleiben. Da verfliegen die Tage und wir müssen uns immer wieder sputen und weiterfahren.

6.3 Dreizehnter Reisebericht 2006_09

 

Entlang der Atlantikküste über Ilheus nach Rio de Janeiro

 

Der Wettergott spielt Kapriolen. Unsere Strandaufenthalte unterwegs werden immer wieder durch Regen sogar heftigen Sturm geprägt. Wir müssen bei den Palmen auf Kokosnüsse achten, die sich zu Wurfgeschossen entwickeln. Unsere Hängematten können aber bei T-Shirt Wetter immer wieder genutzt werden.

 

In Ilheus treffen wir wieder Rosi und Klaus, die es sich schon länger -wie wir dann anschließend- auf dem wunderschönen Palmenstrandcamping bei Ronni (spricht deutsch) gut gehen lassen. Lange Strandspaziergänge vorbei am Schiffswrack, das bei Ebbe fast fußläufig in dem weißen feinen Sand erreichbar ist und bei Flut nur noch erahnt werden kann. Die Hühnerschar und 3 Hähne sorgen nicht nur für frische Eier sondern auch für viele Küken. Richtige Scharrhühner lassen keinen Abfall verkommen. Echte Glucken kümmern sich aufmerksam um den frisch geschlüpften Nachwuchs, während 2 Hühner beschattet in extra Nestern brüten

 

Die Natur und das Küstenlandschaftsbild mit Küstenregenwald besitzen einen eigenen Reiz. Bäume treiben gleichzeitig aus, werfen die Blätter ab bzw blühen in den unterschiedlichsten Farben (blau, rot, gelb u.a.). Kakao wächst unter dem Schutz hoher Bäume. Leider erinnert uns eine Pilzerkrankung der Kakaobäume an das Ende unseres häuslichen Sauerkirschbaums, an dem auch die Spitzen verdorrten. Noch haben wir tragende Kakaobäume mit den essbaren Früchten sehen können, obwohl der frühere auf Kakao beruhende Wohlstand dieser Gegend erkennbar verblasst.

 

In Canavieras besuchen wir die Pfälzer Ralf und Andrea mit Laura, die jetzt hier in die Schule geht und früher mit dabei war als sie mit ihrem Unimog die Welt erkundeten. Zwischen Umzugskartons und Handwerkern, die das Seegrundstück auf Vordermann bringen, testen wir Ralfs Standhaftigkeit bei seinem Abmagerungsstart mit Kohlsuppe und Rotwein.

 

Eine spezielle Trampmethode zeigen uns uniformierte schwer bewaffnete Polizisten. Sie verfrachten ihre 7 Tarnlook -Kameraden ins Wochenende, indem sie nicht besetzte PKWs mit MP im Anschlag von der Straße winken. Innerhalb von 10 Min.ist der Spuk beendet und alle Kameraden sitzen im „richtigen „Fahrzeug.

 

Brasil Porto Seguro  15_9_2006 023 (11)In Porto Seguro, einem berühmten Seebad, wo erstmals die Portugiesen vor über 500 Jahren anlandeten, lernen wir unseren ADAC-Ausweis schätzen. Er eröffnet uns den Zutritt zum Campingplatz „Do Brasil“, der eigentlich nur Mitgliedern vorbehalten ist.

 

Kurz vor der Grenze zwischen Bahia und Espiranta Spiritus erwischt uns ein tiefes Schlagloch, das unsere Frontscheibe auf der unteren Beifahrerseite aus dem Rahmen sprengt So viel Frischluft auf einmal wollen wir auch wieder nicht!! Nach einigem Versuchen gelingt es uns mit einem kleinen Löffel die Gummidichtung wieder anzupassen und die Scheibe einzusetzen, die Haarrisse wie die Verästelung eines Baumes zeigt. Der notwendige Scheibenaustausch bestimmt unsere weitere Reiseroute, die eigentlich in die Berge zu den Barockstädten aus der Gold- und Diamantenzeit geplant war.

 

In der nächsten Großstadt Vitoria bekommen wir bei Autoglass –so heißt die moderne große spezialisierte Werkstatt- auf Anhieb eine neue Scheibe eingesetzt. Die kam diesmal nicht aus Frankreich, sondern aus Australien. Das größte Problem ist die Vorauskasse. Das Lesegerät im Kassenhäuschen kann mit unserer Kreditkarte nichts anfangen. Bargeld muss her.

 

Die riesige Brücke der Hafeneinfahrt von Vitoria kennen wir noch vom unten durch mit dem Schiff, jetzt oben drüber eröffnet sich das imposante Hochhausstadtpanorama mit Übergang zur (ebenfalls mautpflichtigen) Strandautobahn entlang der Küste, die uns vor Rio de Janeiro wiederum berühmte Strände z.B.um Buzios beschert.

 

Natürlich wollten wir die vor Rio liegende Nehrung mit den großen Salzbecken nicht auslassen. Zunehmender Verkehr, mehrspurige Straßen, Busse quasi hintereinander, wieder geht es 14km auf Stelzen übers Meer unmittelbar ins Zentrum von Rio, wo uns strömender Regen bei Sonntagsruhe empfängt.

 

Am Parkplatz gegenüber vom Hotel Gloria standen schon 7 Womos einer deutschen Reisegruppe, die wir bisher nur aus dem Internet kennen. Von hier können wir die Innenstadt bequem zu Fuß erlaufen, uns mit den Menschenmassen treiben lassen und die im Reiseführer beschriebene Tour abklappern

 

Giselas Bikinineuerstehung verdient es erwähnt zu werden. Eine Anschrift aus dem Reiseführer, die auf unserem Weg liegt, macht uns neugierig. Davor liegt unsere Internetsuche, die sich später als Nachbarhaus, ebenfalls 1. Stock, entpuppt. Nach der steilen Altbautreppe sitzt in einem großen Raum mit bis unter die Decke vollgepackten Pappkartons eine gelangweilte ältere dunkelhäutige Matrone, die nicht erkennen läßt, ob wir willkommen und richtig sind. Die andere (dekorierte) Wandseite zeigte Bademodenmuster, aus denen man sein Interesse wählt, das flugs in der richtigen Größe in großer Farbauswahl aus einem der unteren Kartons präsentiert wird. Anprobe: Klar, hinten im nächsten größeren Raum mit langem aber leerem Zuschneidetisch und großen in Plastiksäcken verpackten Stoffen(?). gibt es Toiletten.

 

Der hinter dem Zuschneidetisch sitzende taschenrechende Schwarze räumt das Feld, der Raum und die Toiletten mit langem Spiegel gehören uns. Natürlich ist in einer Großstadt eine Toilette immer willkommen, die sogar nach Geschlechtern trennt. Inzwischen wird auch vorne weiter geräumt und andere Bikinis zur Anprobe gebracht, die wohl mehr vom Schnitt und der Farbe altersgerecht erscheinen. Aber wie immer, wer die Wahl hat, hat die Qual. Zwei neue Bikinis landen in einer kleinen Einkaufstüte, die in die leere Hosentasche passt. Auf der Straße bedankt sich dann eine der vielen „Schlepperinnen“ nett bei uns für den Einkauf, die wir vorher aber gar nicht wahrgenommen haben.

 

Überall versucht jemand Passanten in ein Geschäft zu locken, Flyer zu geben, Platz anzubieten, wenn man sich nicht wie in der Mittagszeit bei nach Gewicht anbietenden Eßlokalen anstellen muss. Dazwischen stehen wie überall im Land viele fahnenschwenkende Wahlhelfer und Wahlplakathalter.für die anstehenden Bundes- und Landeswahlen Es fehlen nur die sonst allgegenwärtigen Lautsprecheransagen, die vom Zweirad bis zum riesigen LKW aus dröhnende Musik und Nummernsalat für Wahlkandidaten verkünden bzw, in den kleineren Ortschaften alle mit Musik und Werbung von fest installierten Lautsprechern berieseln. Wie viel Menschen an jeder Ecke Plakate halten und Fahnen für Kandidaten und Listen schwenken kann man nicht beschreiben, so etwas sieht man bei uns nicht.

 

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Leider hüllt sich die Umgebung von Rio unverändert in tiefe Wolken, die alles verstecken. Mit einem Ausflug in die Bergwelt nach Pedropolis auf über 800m Höhe besichtigen wir die Sommerresidenz des früheren Kaisers Pedro II.und erfahren dass hier der Schriftsteller Stefan Zweig beerdigt ist. Das Schloss zeigt als Nationalmuseum die vollständig erhaltene Einrichtung, durch das man mit Filzpantoffeln läuft. Höhepunkte sind u.a. die mit Diamanten und Perlen besetzte Kaiserkrone und ein großer Porzellankoffer mit Segelschiffmotiven an jeder Seite, den der französische Kaiser schenkte

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Den Zuckerhut erleben wir in der Abenddämmerung eines blauen Himmeltages, mit dem einzigartigen Rio Panorama. Die Nacht schlafen wir unter dem Zuckerhut, um morgens zu erleben, wie die Verkehrsströme stadteinwärts gelenkt werden. Gegenfahrbahnen gibt es entlang der Küste nicht mehr. Stadtauswärts führen verschlungene Wege mit dichtem Busverkehr und langen Tunneln mit Luftanhalten (keinerlei Sicherheit). Da ist es oft sehr eng auf den mehrspurigen Straßen und erst jetzt fallen uns die kleinen Außenspiegel der Stadtbusse auf, vor denen auch noch ein geformtes Schutzblech montiert ist. Wir benötigen mehr als 2 Stunden Stau lose flotte Fahrt vom Zuckerhut (nicht im Zentrum) bis an die Stadtgrenze, an die sich wieder wunderbare Buchten und Strände anschließen, die wir auf dem Weg nach Süden kennen lernen wollen

 

6.4 Vierzehnter Reisebericht 2006_10

 

Von Rio de Janairo nach Uruguay

In einem Fischerdorf wundern wir uns sonntags morgens gegen 6.30 Uhr über die vielen Menschen, die neben unserem Womo schnattern. Wahltag und wir haben ohne es zu ahnen unmittelbar neben der großen offenen Halle, die jetzt Wahllokal ist, übernachtet. Da stehen sie mit ihren Personalausweisen brav in einer immer länger werdenden Schlange geduldig und fröhlich in der frühen Morgenstunde. In Brasilien muss man wählen gehen. Von Wahlkampf ist nichts mehr zu sehen, der hatte sich am Vortag u.a. mit auffälligen Autokorsos ausgetobt.

Natürlich haben wir schnell mitbekommen, dass es der nun doch wiedergewählte Präsident Lula, die 13 war nie zu überhören, im ersten Wahlgang nicht zur absoluten Mehrheit schafft. In der Stichwahl am 29.10. heißt der Gegenkandidaten Geraldo Alckmin (Nr. 15), den wir bis dahin nicht wahrgenommen haben. Das ändert sich im Laufe des Monats. Die Fahnen, Aufkleber, Handzettel mit der 15 sind genauso wie die 13 nicht mehr zu übersehen. An jedem Kreisel einer Ortseinfahrt stehen viele Fahnenschwinger friedlich neben einander. Auch unser Wohnmobil soll mit Aufklebern und Fahnen geschmückt werden, was wir aber nicht wollen.

Die Strände, die neben der Fernstraße BR 101 mit teilweise größerem Abstand aufgereiht liegen, erinnern immer mehr an Südeuropa. Eine zauberhafte Bucht nach der anderen, teilweise bereits touristisch erschlossen und wie in Europa zugebaut.

Wenn nur der Wettergott mehr Erbarmen mit uns gehabt hätte. Anders als im Reiseführer für diese Jahreszeit angekündigt, regnet es immer wieder. Auch das Thermometer macht so der ein oder andere Sprung, ohne dass es aber richtig kalt wird.

Die Küstenorte befinden sich noch im tiefsten Winterschlaf, obwohl wir es als klassisches Strandwetter a la Nordsee im Hochsommer empfinden.

In Parati erleben wir Kolonialgeschichte pur. Die früher blühende Stadt war bis ins 19. Jahrhundert der wichtigste Ausfuhrhafen für das Gold aus dem Hinterland (Minas Gerais), dazu kamen andere Edelmetalle aber auch Schnaps, Zucker, Brasilholz und Rohkaffee nach Portugal. Bei der Herfahrt brachten die Schiffe portugiesische Fertigwaren und Sklaven aus Afrika mit.

Erst in jüngster Zeit ist die im Dornröschenschlaf verfallene Stadt durch den Bau der Küstenstraße als Touristenattraktion wieder entdeckt worden. Das koloniale Zentrum von Parati hat die Jahrhunderte unverändert überdauert und steht als „Centro historico“ unter Denkmalschutz der UNESCO. Palmen und Regenwald der umgrenzenden 1600m hohe Serra do Mar bilden eine perfekte Kulisse für dieses historische Kleinod mit gewöhnungsbedürftigem altem Pflaster. Im Schachbrettmuster angelegt überrascht das nur Fußgängern offene Zentrum mit den alten zweigeschossigen Häuser, die liebevoll restauriert, Galerien, Kneipen, kleine Geschäften beherbergen.

Dahinter liegen neben Fischerbooten auch viele Schoner, die zu einer Schiffstour durch die Bucht von Parati mit weit über 100 Inseln einladen. Uns begleiteten dabei viele Thunfische, die immer wieder in voller Länge (ca. 5m) aus dem Meerwasser springen.

Mit Bananen gelockte Affen, wollen sich an einem der angelaufenen Strände nicht zeigen. Der Regen zieht dafür andere Bananenfresser an, die wir aber nicht kennen. Mit unserem Womo stehen wir unbeachtet direkt am Fluß gegenüber einer der vielen im 18. Jahrhundert erbauten Kirchen und freuen uns darüber, dass sich wieder eine richtige Wäscherei neben dem Busbahnhof unseres Wäschesackes annimmt. Parati hat uns besonders gutgefallen.

Weiter Richtung Santos kommt uns die hochhausbebaute Uferpromenade dieser Stadt von unserer Schiffspassage bekannt vor. Auch von der Fähre wirkt das ein oder andere Hochhaus windschief.

Nach langen Stränden kündigen große Bananenplantagen an, dass die Straße ins Inland führt. Die sich an Santos anschließende geschlossene Küstenbebauung endete abrupt und es geht vierspurig in die Berge und damit wieder auf über 1000m und über 100km ohne erkennbare Ortschaften. Fahrradfahrer, Fußgänger, Reiter, unbefestigte Zuwegungen, unerwartete Einengungen und Querungen von Personen auf einer Autobahn kommen uns bekannt vor.

Bei Dunkelheit wollen wir auf dieser vielbefahrenen Berg- und Talstrecke, die ihre guten Zeiten hinter sich hat, nicht fahren.

Im sonntäglichen Curitiba erinnern wir uns an Norbert und Linda, die uns weit vor Rio ansprachen und die Telefonnummern gaben mit dem Hinweis auf jeden Fall anzurufen, wenn wir in ihrer Heimatstadt vorbeikommen. Leichter gesagt als getan. Bei dem Anruf reagiert eine für uns unverständliche brasilianische Telefonstimme, die ein Passant für uns entschlüsselt. Unser Handy war mal wieder leer, obwohl wir es gerade vorher aufgeladen haben. Er telefoniert spontan mit seinem Handy und schon sind wir zum Mittagessen eingeladen, dass quasi auf uns wartet.

Die große deutschstämmige Familie nimmt uns in ihrer „Festung“ liebevoll und gastfreundlich auf, obwohl wir doch in den sonntäglichen Alltag mit den im Nachbarhaus wohnenden Eltern reinplatzen. Curitiba, auf fast 1000m genießt den Ruf sauberste Großstadt Brasiliens zu sein. Davon konnten wir uns bei einer Stadtrundfahrt mit Norbert, der uns natürlich auch in die innerstädtischen Parks dieser 1,5 Mio Vorzeigestadt führt, überzeugen. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen im Januar in Itapoa, wo uns Linda in der Sommerresidenz am Meer erwartet.

Florianopolis ist eigentlich nur die Eingangspforte zur Insel Santa Catarina. Vorher bewegen wir uns auf den Spuren deutscher Einwanderer in Joinville (am Meer), ins Inland nach Pomerode, mit einer wenige Jahre alten Nachbildung des Stettiner Stadttores und Blumenau. Während uns in Pomerode mit seiner blühenden modernen Textil- und Porzellanindustrie, die an längst vergangene Zeiten von Giselas Heimatstadt Münchberg erinnert– in den großen Textilfabriken wird rund um die Uhr in 4 Schichten gearbeitet- überall deutsch begegnet, konnten die Oktoberfestler im schwarz-rot-gold geschmückten Blumenau in ihrem bayrischen Trachtenlook immerhin noch „Prosit“ sagen.

Es ist schon irre, dass ein nach 2 zerstörerischen Überschwemmungen (1983/84) in Blumenau zur Stadtrettung erfundenes 3wöchiges Bierfest, mit dem längsten Fahrradzug der Welt im Festzug, das 2.größte brasilianische Fest und nach München größtes Bierfest der Welt ist. Davon schwärmen auch „alte“ Reisebekannte Melanie und Mathias, die mit Freunden aus Aschaffenburg „voll dabei waren“, während wir vorher mehr Zaungäste mit der Gruppe „Essenwagen“ bleiben. Sie holen uns an der Praia Canasvieires nach ihrer Rückkehr vom Oktoberfest ab, wo wir unseren Platz am Strand mit einem kleinen Eulenpaar, das in einer Erdhöhle brütet, teilen. An einer anderen Inselseite (Barra da Lagua) haben sie eine Ferienwohnung gemietet, vor der wir in einer Sackgasse zum Meer gut stehen können. Immerhin hatte da die Polizei ein Auge auf unser Womo. Als wir uns abends zurückziehen, klopft es gleich heftig und wir starren in die Mündung von 2 Pistolen und einem Gewehr der im Halbkreis schussbereit aufgestellten 3 Polizisten. Eine komische Situation, die sich aber schnell mit dem typischen Signal „Daumen hoch“ entspannt, als man uns den deutschen Freunden zuordnet.

In Garopaba erwartet uns wieder einer der noch tief schlafenden Ferienorte. Von den angekündigten Walen und den Beobachtungsbooten sehen wir vor dem geschlossenen Campingplatz nichts. Das änderte sich schlagartig wenige Kilometer weiter in der Bucht von Rosas, als wir uns beim Frühstücken über „Felsen“ in der Bucht wundern, die sich nicht nur bewegen, immer wieder verschwinden und sich riesige Flossen nahe am Strand zeigen . Sofort holen wir unsere Ferngläser und trauen unseren Augen nicht: Wale!! Stundenlang können wir Wale bis zu 18 m lang und 50 t schwer unmittelbar vor unseren Füßen auftauchen sehen. Dabei beobachten wir unterschiedliche Wale und Mütter mit

ihren Kälbern, die schon 4 t bei der Geburt wiegen sollen, die sich in der überschaubaren leeren Bucht, an deren Rand sich lediglich einige Surfer aufhalten, tummeln.

Im Nationalpark Aparados da Serra mit seinen gewaltigen Schluchten und herrlichen Panoramaaussichten fahren wir durch Araukarienwälder, die zu den letzten dieser Erde gehören sollen, sowie riesigen Nalcas (Rharbarberblätter sind eine Miniausgabe).

Vor uns liegt die letzte Brasilienwoche, die weiter entlang der Küste über Rio Grande nach Chuy-Chui (Uruguay/Brasilien), eine Grenzstadt mit 2 Namen führt.

7 Brasilien und Uruguay

 

7.1 Fünfzehnter Reisebericht 2006_11

 

Atlantikküste, Montevideo und Thermen in Uruguay

 

Die letzte Strecke in Brasilien hat es noch einmal in sich. Ihr Name „Estrada do Inferno“ (Straße der Hölle) sagt alles. Dieser „Ehrenname“ für die BR 101 gilt für eine 300km lange schmale Landzunge zwischen Osorio und Rio Grande, die in ihrem Mittelstück fast 40 km Erdpiste und einen Nationalpark zum Schutz eines der größten Überwinterungsgebiete für Zugvögel in Südamerika hat.

 

Nachdem wir Fischotter, Wasserschweine, Kaimane, Störche, Enten, Möwen, Gänse, Schildkröten usw. sehen konnten, fahren wir uns erst einmal fest. Entgegen der Straßenkarte endet die schon sehr schlechte Asphaltstraße plötzlich und für uns zu früh im Sand, den wir noch als langsam zu durchfahrendes schlechtes Wegstück sehen, so dass uns. der für Sand notwendige Schwung fehlt. Schon geht nichts mehr. Unser Womo rutscht aus der Spur und sitzt mit der Schnauze fest. Das Abschleppseil ist noch nicht verankert, da nahte schon ein rettender LKW, der uns ruck- zuck rückwärts wieder auf festen Boden zieht. Mit dem nötigen Anlauf und Schwung schaffen wir dann dieses Anfangshindernis,

 

Führsorglich lässt uns der ortskundige LKW-Fahrer nicht mehr auf der tiefen und holprigen Sandpiste mit seinem Rückspiegel aus dem Auge, bevor er sich selbst nach einer „heftigen“ Sandpistenumleitung in einer Baustelle eingräbt. Wir sehen aus der Entfernung, wie er mit Raupenhilfe aus einem frisch aufgeschütteten Sandstück frei kommt. Inzwischen reihen sich Sand beladene Baustellen-LKWs um uns, die vor uns von der Raupe zur Abkippstelle auf die Piste gezogen werden. Die Frage, wie wir wohl da durchkommen oder alles zurückfahren müssen, beantworten uns die hilfsbereiten LKW-Fahrer. Unser Abschleppseil, was wir noch nicht wieder weggeräumt haben, muss erneut her. Erst die Raupe, dann ein voller Sand-Lkw und als dritte wir, geht es ca. 1 km in immer tiefer werdenden Spur durch den losen Sand bis wir wieder festen Boden unter den Rädern haben. Unser (armes) Womo! Das Innere ist wieder einmal – auch der Gläserschrank, die Tasse und der Badschrank- „aufgeräumt“ und das Ersatzrad aus der Verankerung gehoben.

 

Die abendliche Fähre nach Rio Grande ist schon beim Ablegen, als wir um die Ecke biegen. Sie kommt zurück und nimmt uns noch mit. Auf der Überfahrt sprechen uns Pick-up-Fahrer in Deutsch an, die diese Strecke direkt am Meer entlang fahren und auch weiter nach Süden am Strand entlang wollen, eine Strecke, die nur mit 4×4 und nicht alleine gemeistert werden sollte.

 

Vor dem Oceanografic Museum in Rio Grande bietet sich nicht nur ein hervorragender Übernachtungsplatz neben einem großen Walskelett an, sondern auch im Inneren eine schöne Ausstellung von Weichtieren aus dem Südatlantik.

 

Ohne die GPS-Daten von Klaus und Rosi hätten wir die brasilianische Migration und den Zoll für die Ausreise aus Brasilien vermutlich nicht so schnell gefunden. Beide sind nicht an der Grenze, geschweige denn in einem Gebäude.

 

Die Grenzstadt Chui/y lässt die Grenze nur erahnen. Eine 2x doppelspurige Hauptstraße, die durch einen Grünstreifen geteilt ist, trennt die beiden Länder. die eine Seite Brasilien mit Geschäften im Sonntagsschlaf, die andere Uruguay mit vielen offenen Läden, Peso und Dollarpreisen.

 

Die uruguayische Grenzstation liegt ein Stück im Landesinneren. Teure Artikel, insbesondere Elektrogeräte und weiße Ware sowie Fotoartikel sind in Uruguay US-Dollar bepreist. Auch am Geldautomaten kann man US-Dollar ziehen. Tankstellen zeigen keine Preise, die landeseinheitlich bei den verschiedenen Anbietern sind. An den Straßen wird regelmäßig Maut erhoben, unabhängig ob vier -oder zweispurig.

 

Brasilien verabschiedet sich mit Regen. Auch an der Atlantikküste ist anfangs noch kein Strandwetter. Die Küstenorte schlafen noch.

 

In Punta del Diabulo liegen wir geschützt in den Dünen, vorher erkunden wir die Festung Santa Teresa. In dem Küstenort Salinas kurz vor den Toren Montevideos warten bereits Rosi und Klaus auf uns, die auch auf dem Weg an die Südspitze Südamerikas nach Ushaia sind.

 Montevideo 16_11_06 (5)

Die Woche in Montevideo stehen wir am Placa de Pesca, direkt am Wasser in der Innenstadt auf einer Wiese frei. Abends bewacht uns ein Parkwächter, der sich um die PKWs von Clubgästen sorgt. Frisches Wasser bekommen wir von den Lebensrettern, deren Saison (bis 31.3. 07) geht gerade beginnt.

 

Montevideo ist eine gemütliche Großstadt, man findet Parkplätze, die Banken machen vorsichtshalber erst nachmittags auf. Überall gibt es einen Artigas-Platz/Straße, meist mit Denkmal, das den Nationalhelden- zu Lebzeiten meist geschmäht- hoch zu Ross zeigt. Ab Samstagmittag 12 Uhr gibt es im Zentrum vielleicht auch einen offenen Laden, die langen Ladenpassagen, in denen sich ein kleines Geschäft an das andere reiht, sind geschlossen. Dafür locken der Mercado del Puerto mit großen Fleischportionen vom offenen Grill und einige große Einkaufszentren, die 7 Tage die Woche bis spät abends geöffnet sind und jetzt bereits Weihnachtsdekoration zeigen, wie bei uns Weihnachtslieder spielen und das bei hochsommerlichen Temperaturen in klimatisierten Räumen.

 

An jeder Ecke findet man Tante Emma-Läden, die Brot, Obst und den täglichen Bedarf ohne Ladenschlusszeiten führen. Sonntags Internet, was sonst an jeder Ecke ist, muss man suchen. Dafür gibt es in der Innenstadt einen Sonntags-Trödelmarkt über mehrere Straßenzüge. Von Vögeln, Hunden, Spinnen, Schildkröten, Fischen, Mäusen, Echsen, Hühnern bis zum letzten Schrott, aber auch Obst und Gemüse, es gibt fast alles, für uns endlich auch eine blaue Tonne, die wir als „indische Waschmaschine“ schon länger gesucht haben. Im großen Supermarkt „Geant“ der seine französische Mutter widerspiegelt, gibt es alles, natürlich auch den wohlschmeckenden Käse.

 

Als einzig anerkanntes Weltkulturerbe dieses Landes weckt Colonia de Sacramento – die Hafenstadt gegenüber Buenos Aires- hohen Erwartungen, die sich nicht erfüllten, obwohl wir unmittelbar am Stadttor am Rio de la Plata stehen. Auch sonst finden sich an den Flussufern wunderschöne Standplätze, wobei die dazugehörigen Städte mit ihren Schachbrettstraßen gesichtslos erscheinen, wenn nicht große Kirchen wären. An vielem nagt der Zahn der Zeit. Das gilt auch für unsere erste (offene) Therme Guaviyu mit großem Campingplatz, Motel und Ladenpassage. Die verschiedenen 40 ° warmen Becken, die nur teilweise wegen Bauarbeiten benutzt werden können, gehören uns fast alleine.

 

Die Getreideernte ist im vollen Gang. Es gibt frische Erdbeeren und Pfirsiche. Auf den sprießenden Weiden tummeln sich große Rinderherden. Auch das Wetter ist wie bei uns zu Hause in warmen langen Junitagen mit Gewittern und zwischendurch Regen bei einem Zeitunterschied zu Deutschland mit (lediglich) 3 Stunden

 

7.2 Sechzehnter Reisebericht 2006_12

 

Uruguay, Thermen, Pannen, Hitze

Die uruguayische Therme Guaviyu hat es uns angetan. Die Empfehlung Therme San Nicolor 13 km neben der Straße vor Salto erweist sich leider als Flop. Sie ist zwar sehr schön, liegt aber einsam neben einem Fluß in der Landschaft und befindet sich bei unserer Ankunft im tiefsten Schlaf. Die von uns als Sanitäreinrichtung angesehenen Häuschen entpuppen sich als Pferdeställe bzw. Sattelkammern für die frei herumlaufenden Pferde. Der Wirt des auf Gäste wartenden Restaurants mit einem leeren Minimercado glaubt in uns ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk zu sehen. Er nennt den Preis für Camping -und Thermenbenutzung erst in Dollar, dann im gleichen Atemzug in Pesos. Die genuschelten Zahlen verstehen wir, können sie aber nicht auf einen Nenner bringen. Sie ergeben weder einen realistischen Umrechnungskurs geschweige denn einen akzeptablen Preis.

Uru. Therme Guaviyu Weihnachten 2006 (11)

Die etwa 10 km vor Salto neben der Hauptstraße liegende Therme Dyman sieht da schon ganz anders aus. Mehrere Hotels umgeben den 8 Schwimmbäder umfassenden Thermenkomplex am Rio Dyman Die Nähe der 2.größten Stadt Uruguays mit über 100 000 Einwohnern merken wir gleich. Das 46 Grad heiße Wasser zieht viel Menschen an, was wir an den Bussen und PKWs sehen.

Der Reiseführer hat mit den als schönsten Thermalbädern Uruguays bezeichnetzen Arapey nicht zu viel versprochen. 90 km nördlich von Salto führt eine schmale Straße zu diesen Thermen, nachdem man vorher den Rio Arapey, der wie ein See wirkt, wird er doch auch durch den Staudamm bei Salto zurück gestaut, überqueren Die Straße führte am Ortsausgang von Salto noch an vereinzelten Tomaten- Paprika -, und Zirtusplantagen vorbei, die aber schnell von riesigen Weideflächen abgelöst wurden. Pferde und Rinder aber auch Nandus, und ab und zu eine Schafherde bestimmen jetzt das Landschaftsbild bis zum Thermalbad oberhalb des Rio Arapey, das in einem gepflegten Landschaftspark inmitten von Nichts liegt.

Schwer vorzustellen, dass diese sehr schöne und gut ausgebaute riesige Thermenanlage mit Hotels und Ferienwohnungen mit verschiedenen Freiluft und überdachten Schwimmbädern mit 41 Grad heißem Wasser in der Hauptsaison (Weihnachten- Januar) überfüllt sein soll, wo uns das sehr große Campingareal mit nummerierten Stellplätzen, die jeweils über Strom, Wasser und Grillstelle verfügen, fast alleine gehörte. Die Holländer Fons und Annemarie, die nach einem Motorschaden am Womo in Guaviyu fest sitzen, erzählten uns nicht zu Unrecht, dass wir hier auch die schönste Toilettenanlage Südamerikas finden. Die Temperaturen in Arapey scheinen im Wasser und in der Luft Tag und Nacht mehr oder weniger gleich. Wir setzen das erste Mal unseren Lüfter (vielen Dank den beiden Herren Bö… für das Beschaffen, bzw. Montieren) im Dauerbetrieb ein, um wenigstens ein wenig Luft und keine Mücken zu haben.

Eine unserer Gasflasche ist mal wieder leer. An einer großen Gasstation vor Salto erklärt man uns freundlich, wo wir Gas bekommen können. Man annonciert uns telefonisch. Das ist gut, sonst hätten wir den kleinen Laden, der von außen nicht als Gasstation erkennbar ist, nicht gefunden. Man winkt uns schon, als wir suchend die Ortsstraße entlang fahren. Das Gas (Propan) auffüllen geht das 1. Mal in Südamerika ohne Adapter. Leider entgeht uns das angekündigte abendliche Gauchofest. Wir finden es trotz Stadtplan und genauer Ortsbeschreibung nicht. Vermutlich sind wir zu früh, obwohl am Flussufer die abendliche Autopromenade schon in vollem Gang ist.

Nach einer gewittrigen Nacht in Salto und morgendlichem Einkaufen überholt uns beim Stadtauswärts fahren ein PKW, wobei der Fahrer auf unseren Hinterreifen zeigt und uns Anhalten läßt. Gisela denkt schon an einen Trick, den fast platten Hinterreifen haben wir bisher nicht bemerkt. Der PKW Fahrer bringt uns zu einem nahen gut ausgestatteten Reifenflicker (Gomeria), der uns sofort bedient und einen 1cm langen Längsriß in der Lauffläche via Badewanne erkennt und flickt. Das ganze kostete 150 Peso = 5 €, ein Preis der aber wenige Tage später sonntags in der Therme von Arapey erheblich unterboten wird, als ein weiteres Loch am selben Reifen zu einem erneuten Plattfuß führt. Für 100 Peso – 3,25 € nimmt sich ein junger Mann in der Mittagshitze vor der auf dem Thermengelände befindlichen Miniwerkstatt unseres Reifens an, den er mit unserem eigenen Wagenheber ab- und aufmontiert. Jetzt wissen wir wenigstens, wie wir unseren Wagenheber einsetzen können. Vorsichtshalber haben wir unseren 2. Ersatzreifen anstelle des 2-mal geflickten Reifens montieren lassen.

Vorher fällt uns ein Druckabfall bei der Niveauregulierung des Womos auf der Fahrerseite auf, der durch gelegentliches Nachpumpen auszugleichen ist. Beim abmontierten Reifen sehen wir mit Schrecken, dass sich die Niveauregulierung, die auf der Plattfeder montiert ist, erheblich verschoben hat und nur noch halb auf der Plattfeder steht. Der Kontakt mit dem deutschen Hersteller (Fa. Goldschmitt) via Internet läuft vorbildlich. Unser Ansprechpartner reagiert prompt auf unsere Fragen, mailt eine entsprechende Zeichnung für einen notwenigen Werkstattbesuch und bietet sofort die Ersatzteile an.

Die uns von unserem Campingnachbar empfohlene Werkstatt Lopez y Balti in Salto erreichen wir in der Mittagspause. Mit Werkstattzeiten morgens von 8 -12 Uhr nachmittags von 15 – 18 Uhr haben wir nicht gerechnet. Beim Warten vor der Werkstatt macht das Womo auf einmal einen kleinen Satz, es zischt, der Gummibalg der verschobenen Niveauregulierung hat seinen Geist aufgegeben. Als Folge arbeitet der Kompressor der Niveauregulierung konstant sobald man den Motor startet, um den notwendigen Mindestdruck zur Schonung der Bälge, den wir aber nie unterschritten haben, aufzubauen, der aber Lochbedingt ins Leere geht.

Mit Hilfe von Frau Widmaier, einer Deutschkoordinatorin in Salto, können wir unser Problem in der Werkstatt darstellen, die sich für uns am nächsten Morgen Zeit nehmen will. Die Nacht verbringen wir vor der Werkstatt. Morgens fehlt aber der uns als zuständig genannte ältere weißhaarige Monteur, dafür nimmt sich der Werkstattleiter persönlich unseres Womos an und demontiert den Balg im Freien. Später findet sich der Monteur ein, der sich dazu gesellte und mitschraubt. Wir erahnen, dass eine Dichtungskappe für den Kompressionsschlauch gedreht werden muss. Es fängt heftig zu regnen an, als kurz nach 12 Uhr alles wieder in der zwischenzeitlich Mittag machenden Werkstatt zusammen gebaut ist. Um 15 Uhr, – wir denken zum Bezahlen – soll es weiter gehen. Inzwischen gießt es wie aus Kübeln, die Straßen verwandeln sich teilweise in Flüsse und dann beginnt in der Werkstatt das Ganze noch einmal von vorne, diesmal innen, auf bzw. vor der Grube, bis wir gegen 16.30 Uhr endlich wieder starten können. Ein neuer Balg ist in Deutschland auf den Weg zu unserer Tochter gebracht worden.

Nach so viel Stress ist wieder die Therme Guaviyu unser Ziel. In Arapey ist es einfach nachts zu heiß.

Unterwegs kauten wir frische Erdbeeren vom Feld, auf die sich schon Fons und Annemarie, sowie 2 Münchnerinnen (Heide und Marion mit MAN-LKW) freuen, die ebenfalls den Winter Europas seit Jahren in Südamerika verbringen.

Action gibt es jetzt in Guaviyu ganz anderer Art. In der Morgendämmerung entladen sich alle 3 Tage heftige Gewitter, von denen abends noch nichts zu erahnen ist. Bei den Holländern fetzt der damit verbundene Sturm dann auch noch die Markise neben uns fällt ein Baum um ohne uns zu Schaden. Zwei Mal müsten wir das Womo versetzen, einmal um dem Hochwasser des Flusses auszuweichen, das in kurzer Zeit den Fluß zu einem großen See werden läßt, das andere Mal um einen angekündigten Sturm, der sich aber wo anders austobt, auszuweichen.

Von Weihnachten merken wir so gut wie nichts. Nach dem morgendlichen Gewitter klart es bis Mittag vollständig auf, so dass wir den gemeinsamen Kaffee mit Fons und Annemarie sowie das Asado , das mehr als nur ein gegrilltes Stück Fleisch ist, in Bikini und Badehose genießen können. Gegrillt wird nicht auf Holzkohle, stattdessen wird Holz in einer Grillecke verbrannt, die dabei entstandene Glut unter einen Rost gezogen und darauf gegrillt. Auf die typischen gewürzten Bratwürste und Innereien verzichten wir vorsichtshalber. Ein großes Stück Rindfleichrippe, Rinderkoteletts, Folienkartoffeln, Maiskolben und eine große Salatschüssel bilden unser gemeinsames Weihnachtsessen am Heiligen Abend. Um Mitternacht gibt es ein kleines Feuerwerk mit viel Krachern von den wenigen Mitcampern, die sich tagsüber durch ein lautstarkes Rockkonzert von einer CD berieseln lassen. Weihnachtliche Klänge hören wir nicht. Der 25. Dez ist hier Weihnachten.

Die nächste Therme Chajari liegt bereits in Argentinien. Hinter dem Staudamm bei Salto ist die gemeinsame Grenzabfertigung. Das alte Einreiseformular dient der Zöllnerin nach sorgfältiger Prüfung als Abschreibgrundlage. Die junge Dame, die uns dann auch am Grenzübergang kontrollieren will, steckt nur den

Kopf in das Womo, nachdem Gisela sie barfüßig auf Schuhe ausziehen hinweist.

Bei er 1. argentinischen Tankstelle, die Visa akzeptiert verkauft man uns lediglich für 25 Pesos ca. 7 € 13 l Diesel .Mehr gehe mit Visa nicht. Die nächste Tankstelle (Esso) füllt dann den Tank und akzeptiert unsere Visakarte.

Beim großen Supermarkt Norte erleben wir die nächste Überraschung. Wir stehen fast 1 Stunde in langer Schlange vor den nicht funktionierenden elektronischen Kassen, ohne dass jemand meckert.

Die Therme Chajari empfiehtl sich mit Sprudeln, Wasserfall, sauberen Duschen und Toiletten (sogar mit Klopapier und abschließbar). Unsere brasilianischen Womonachbarn wolten uns zu Silvester zu einer zurückliegenden Therme mitnehmen, weil sich in Chajari Hochbetrieb abzeichnet.

Uns lockt aber eine im Reiseführer empfohlenen Hazienda mit Restaurant und Ausflugsmöglichkeiten in das riesige Sumpfgebiet Ibera .

Daraus wird aber nichts. Die ein gutes Stück von der Hauptstraße entfernt liegende sehr gepflegte Hazienda, die einen Hotelbetrieb erahnen läßt, muss Ruhetag oder so etwas Ähnliches haben. Wir sehen außer vielen Vögeln unter schattigen Bäumen sitzend niemanden. Allein auf fremdem Gelände mit Kühen und Pferden wollen wir dann doch nicht sein. Im nahen Loreto erwartet uns ein Badesee, den wir bereits vorher mit einem Schild Camping erahnen.Mit Hilfe eines noch ein paar Brocken deutsch sprechenden Argentiniers werden wir auf eine große zementierte Bodenplatte vorbei an tief liegenden Bäumen und einigen Zelten dirigiert. Dabei achten wir sorgfältig darauf, dass wir so wenig wie möglich von der Spätnachmittagssonne abbekommen, die das Thermometer über die 40 Grad hinaus treibt. Da bringt auch der gut besuchte Badesee wenig Abkühlung.

Wir feierten 3 x Neues Jahr. Um 21 Uhr Deutsch und wundern uns um 24 Uhr, dass auf dem angenehm ruhigen Platz ohne lautstarke Musik nichts passiert. Dafür kracht es 1 Stunde später bei über 30 Grad ein paar Mal, es folgt ein kurzes Händeschütteln und Umarmen bei den Nachbarn. Das also war Silvester. Nicht nur bei uns läuft der Ventilator auf Hochtouren, auch in den Zelten drehen sich große Ventilatoren gegen die allgegenwärtige Hitze, die auf dem Weg nach Foz de Iguazu anhalten wird.

8 Argentinien, Brasilien, Paraguay

8.1 Siebzehnter Reisebericht 2007_01

Nach der ruhigen Silvesternacht, schlafen wir am Neujahrsmorgen total zerstochen aus, bevor wir im See herrlich baden. Der Aufbau einer Großen PC gesteuerten Musikanlage macht uns das Weiterfahren durch die Sümpfe von Ibera leicht. Dieses Sumpfgebiet ist eine Stellenweise unberührte Wildnis ohne Wege, mit zahlreichen Pflanzen und Tieren, die sich aber leider selten zeigen.

Am Rio Parana tummeln sich die Menschen am Sandstrand. Wir merken erstmals den Ferienmonat- viele Autos mit nicht einheimischen Nummernschildern.

Die breiten roten Reflektoren am Heck der Kastenwagen erinnern uns an die Warnung von Rosi und Klaus. Wir sind in Misiones, wo die Polizei angeblich nur auf Touristen als Geldquelle wartet, glücklicherweise nicht auf uns! In Posadas können wir das auf der Suche nach den Reflektoren sofort bemerken. Wir klappern mehrere Geschäfte ab, alle kennen unser „Problem“, und sagen gelassen „ah Policia!!“. Erst in einer Eisenwarenhandlung finden wir endlich unsere Streifen, die von einer Rolle als Meterware abgeschnitten werden. Der freundliche Verkäufer zeigt uns gleich an welcher Stelle sie angebracht werden müssen.

IMG_9648Das leicht hügelige Misiones war lange ein unberührter Urwald mit dem noch heute geworben wird. Leider sind nur noch Urwaldreste übrig. Viel Urwald ist gerodet, um Anbauflächen für Matetee, Rinderzucht, Soja, aber auch Pinien- und Eukalyptuswälder zu schaffen. Man trifft immer wieder deutsch sprechende Menschen, die über Brasilien hierhergekommen sind.

Die ersten Europäer die in Misiones siedelten waren Jesuiten Missionare, die Anfang des 17. Jahrhunderts Ansiedlungen für Indianer außerhalb des unmittelbaren spanischen Einflusses mit Sonderrechten aus Madrid gründeten – Reduktionen.

Die Ruinenfelder der Jesuiten- Reduktionen “Santa Ana“ und „Loreto“ sind anders als „San Ignacio Mini“, nicht restauriert. Die Museen am Eingang zeigen das Ausmaß dieser großflächigen Buntsandsteinanlagen, die sich wehrhaft um einen großen, offenen Platz mit Kirche, Werkstätten und Wohngebäuden grup

pieren. Alle Reduktionen sind nach einem vergleichbaren Muster gebaut. In „San Ignacio Mini“ lassen die Ruinenfelder noch vieles erahnen, während der Urwald die beiden anderen Reduktionen überwuchert. Bäume lehnen sich an die zerbröckelnden Mauern, Wurzeln sprengen die Mauersteine. Man benötigt schon einige Phantasie um sich vorzustellen, wie hier wenige Mönche mit tausenden Indianern weitab von spanischen Siedlungen gelebt haben und es zu Wohlstand brachten.

Die zweihundert jährige Geschichte dieser Ansiedlungen endete abrupt, nachdem die Jesuiten 1767 von der spanischen Krone vertrieben wurden. Wir sind von den Reduktionen so begeistert, dass wir sie mit unseren Kindern auch in Paraguay, wo sie deutlich besser erhalten sind, besuchen wollen. Kaum zu glauben, dass diese Ansiedlungen mit 100 000 Guarani Mitte des 19. Jahrhunderts endgültig aufgelöst und zerstört wurden.

Am Rio Parana vertrödeln wir die letzten Tage bis zur Ankunft unserer Kinder. Wir stehen direkt am Fluss, der die Grenze zu Paraguay bildet. Es ist hier neben einer Polizeitruppe, die in Zelten wochenweise als Selbstversorger leben, nicht gefährlich. Der deutsch sprechende Anführer erzählt uns von früher und wie sicher das Gebiet alleine durch ihre Anwesenheit ist. Wir bleiben ohne Bedenken mehrere Tage, denn wir können erst kurzfristig nach Brasilien einreisen, weil sonst unsere Aufenthaltstage nicht reichen.

Weil wir unsere Zeit bis zur Ankunft unserer Kinder „sinnvoll“ nutzen wollten, gingen wir in der Mittagshitze in ein klimatisiertes Internetcafe. Als wir unsere Mails durchschauten, lesen wir sehr traurig, dass Britta kurzfristig ihren Urlaub absagen musste, weil sich ihr Chef die Hand gebrochen habe.

Am Grenzübergang von Argentinien nach Brasilien in Puerto Iguazu geht es noch auf der argentinischen Seite mit dem Ausstempeln von dem Womo wie immer bürokratisch zu. In der 4km entfernt liegenden brasilianischen Grenzstation weist uns ein freundlicher Polizist einen Parkplatz zu. Wir reihen uns in die Menschenschlange für den Einreisestempel bei der Policia Federal. Hier müssen wir zum 1. Mal alleine das Einreiseformular ausfüllen. Beim Blick in unsere Reisepässe stutzt der Beamte, zieht seine Augenbrauen hoch und gibt uns zu verstehen, dass wir schon länger als 180 Tage seit unserer ersten Einreise in Brasilien verbracht hätten. Wir hatten als wir Anfang November ausgereist sind,

aber extra über 30 Tage aufgehoben, um keine Diskussionen an der Grenze auszulösen. Er kannte sich mit den Stempeln zwar aus, kann aber nicht rechnen! Er fragt in Richtung der anstehenden, ob jemand Deutsch spreche. Mit Hilfe einer deutschen Praktikantin können wir das Stempelgewirr im Pass erläutern.

Ohne weitere Beanstandungen drückt uns der Beamte einen Einreisestempel in den Pass und trägt per Hand 30 Tage Aufenthaltsgenehmigung ein. Beim netten Zöllner in der „Receite Federal“, gibt es für unsere Womo völlig überraschend 6 Monate, warum?!

Am neuen Flughafen in der Nähe der Grenze, schaffen wir erst mal Platz für unseren Besuch. Das Schlafproblem hatte sich entspannt. Fünf Personen können gut im Womo schlafen, ohne dass man bei der Hitze „erstickt“.

Die Nacht wird jedoch kurz! Um 24h wird die Maschine noch auf der Anzeigetafel normal zur eigentlichen Landezeit um 0:30h angekündigt. Auch die Taxis fahren vor. Fünf Minuten später… voraussichtliche Landezeit 1h! Die Taxifahrer legen sich schon mal schlafen. Ob das Flugzeug überhaupt kommt, war nicht so sicher. Die Landezeit verschiebt sich erst auf 2h, dann auf 3h, bis dann endlich 3:45h als tatsächliche Landezeit angekündigt wird. Mittlerweilen gesellen sich viele Abholer, auch mit Namensschildern, um uns. Vom Flughafenbalkon sehen wir unsere Kinder aus dem Flieger aussteigen und über das Rollfeld gehen. Schon bevor sie ihr Gepäck abholen, begrüßen wir uns

Die erste Nacht verbringen wir nach einem kühlem „Choop“ (Bier) direkt am Flughafen neben den Taxiständen, wo dann gar kein Taxi mehr stehen.

8.2 Sonderreisebericht von Katja, 2007_01/02 (14.01- 02.02.07)

 

Der Urlaub steht vor der Tür…drei Wochen Südamerika! Die Nacht vor dem Flug lohnt es sich nicht schlafen zu legen, da ich um 4h schon in Düsseldorf auf dem Flughafen sein muss. Beim Einchecken ruft mich Jutta aus München an. Sie steht auch am Schalter und fliegt mit Andreas nach Amsterdam, wo wir uns treffen und gemeinsam nach Foz do Iguacu fliegen. Wir reichen beide unsere Handys an die Damen beim Einchecken. Sie sprechen sich ab, so dass wir auf unseren gemeinsamen Flügen zusammen sitzen.

In Sao Paulo verläuft die Einreise problemlos. Unser Gepäck ist da, der Zoll will nichts von uns wissen…Wir müssen nur unser Gepäck neu einchecken. Bis zum Abflug nach Foz do Iguacu haben wir noch bis 22.30h Zeit. Jetzt stellt sich nur die Frage, von welchem Gate wir fliegen? Auf der Boardingkarte steht etwas anderes als auf den Anzeigetafeln. Wir fragen nach…doch keiner kann Englisch, sie versuchen uns trotzdem zu helfen und geben uns zu verstehen, dass wir kurz vor Abflug noch mal auf den Anzeigetafeln beachten sollen. Wir warten auf das Boarding, es wird 22.30 es tut sich nichts. Mittlerweile ist der Bereich um unser Gate übervoll mit wartenden Menschen. Jutta und ich sind so müde, dass wir auf den Bänken kauernd einschlafen. Alle Flüge der TAM starten nicht. Gegen 1h kommt eine Lautsprecherdurchsage: „We are lucky to find an Airplane!“ Naja auf einem Großen Flughafen sehen wir es für selbstverständlich an, dass dort Flugzeuge sind und man einen Linienflugzeug nicht erst suchen muss. Jetzt geht es endlich weiter! Aber an den anderen Gates tut sich auch was. Als wir in den Bus zum Flugzeug einsteigen, stellen wir uns schon die Frage, ob es überhaupt der richtige ist. Es ist ziemlich chaotisch! Wir kurven in dem Bus über den Flugplatz. Von wegen, we are lucky to find an Airplane! Hätten sie uns mal zum Suchen geschickt…hier stehen mindestens 10 TAM Maschinen! Am letzten Flugzeug halten wir an, die ersten steigen die Treppen zum Flugzeug hoch. Wir bequemen uns auch langsam aus dem Bus. Auf einmal stockt der ganze Tross, wildes Gerede. Wir sind am falschen Flugzeug! Also alles zurück in den Bus und wir kreisen noch einmal. Als ich in den Flieger steige, frage ich noch einmal nach, ob wir wirklich nach Foz fliegen. Der Stuart nickt mit breitem Grinsen.

Um 3:30h landen wir endlich. Wir sehen schon von weitem unsere Eltern wild winkend.

In Foz do Iguazu verbringen wir den ersten Tag auf dem Camping International (Mathilde). Es ist für uns knallig warm und schwül. Unsere Eltern kennen ja seit Monaten nichts anderes. Eben Hochsommer im Januar! Ganz brasilianisch flötzen wir in der Hängematte.

Auf dem Campingplatz schauen uns alle an, als ich mit unsere Mutter zum Abkühlen in den typisch brasilianischen Pool steige- man kann nicht schwimmen, sondern nur im Wasser sitzen. Brasilianer können selten schwimmen. Im Land

der knappen Bikinis sehe ich mit meinem Modell wie eine Großmutter aus. Selbst meine Mutter trägt inzwischen brasilianisch nur einen Hauch von Stoff. Das lässt sich schnell ändern. Vor dem nächsten Baden wird aus dem Womo ein winziger Bikini gezaubert. Ich komme mir ziemlich komisch vor und habe Schwierigkeiten mir vorzustellen in diesem knappen Ding jemals gut auszuschauen…

Abends grillen wir unsere riesigen Rinderkoteletts auf dem Grill unserer Campingplatz Nachbarn, die Geburtstag feiern. Hätten wir mal lieber selbst gegrillt…für das Grillen wird das Fleisch mit groben Salz eingerieben, quasi gepökelt. Ich hatte mich so auf Grillen gefreut, aber das war nicht mein Geschmack.

Wasserkraftwerk Itaipu BinationalBrasilien_01_Mami_Geb_IMG_8806 (71)

Das größte Wasserkraftwerk der Welt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Paraguay und Brasilien. Es wird vom 1400 qkm großen Lago de Itaipu gespeist. Es erzeugt 90 % des paraguayischen Energiebedarfs und ein Viertel des gesamten brasilianischen. Alles hier ist gigantisch. Bei der Anmeldung bekommen wir alle einen Aufkleber, der uns zu unserem Bus führt. In einem Tross von Bussen besichtigen wir den gesamten Komplex. Eine hohe Dunstwolke lässt den Überlauf schon von weitem erkennen. Am Überlaufbecken schießen riesige Wassermassen aus der Staumauer. Wir steigen wie die Lemminge aus den Bussen aus, fotografieren und schon geht es weiter auf die Staumauer. Von dort kann man noch mal den Überlauf von einer anderen Perspektive betrachten. Gigantische Wassermassen werden abgeleitet. Insgesamt können 3 Überläufe geöffnet werden.

Zum Schluss der Besichtigung wird man in ein modernes Besucherzentrum geführt. Ein 30minütiger Dokumentarfilm zeigt die Geschichte und die Technik des umstrittenen Energieriesen. Im Reiseführer haben wir gelesen, dass 7 Wasserfälle dem Stausee zum Opfer gefallen sind. Davon wird nichts berichtet.

Zum Abschluss des Tages fahren wir zum Marco des Tres Fronteiras (Dreiländereck Argentinien/ Paraguay/ Brasilien). Der Rio Iguacu fließt dort in den Rio Parana. Man kann auf alle drei Länder blicken.

ehege. Endlich kann ich hautnah einen Tukan betrachten. Im Pantanal haben wir siDusche unterm Wasserfall

Brasilien_01_Mami_Geb_IMG_8806 (262)Wir besichtigen die Iguacuwasserfälle. Nirgendwo auf der Welt stürzt mehr Wasser in die Tiefe als über die Iguacu- Fälle im Grenzgebiet zu Argentinien. Über 40 einzelne Wasserfälle rauschen durch den Wald und sprühen Wasserperlen in die heiße Luft. Dazu tanzen Schmetterlinge in den Farben der Saison- sie tragen lila Punkte, Zebramuster oder sind uni gelb, orange und blau. Es scheint gerade so als ob nicht nur die Brasilianer in ihre Schönheit verliebt sind. Durch die Flussmitte verläuft die Landesgrenze zu Argentinien. Einen Übergang gibt es nicht.

Unser Reiseplan sieht vor, dass wir zuerst die Brasilianische Seite, also die Wasserfälle im Panaramablick und später die Argentinische Seite- über den Wasserfällen gehend von oben betrachten.

Auf der brasilianischen Seite laufen wir an kleinen und mittelgroßen Wasserfällen bis zur Teufelsschlucht vor. Der 1,5km lange Fußweg führt direkt am Felsabbruch über dem Rio Iguacu entlang. Wir können auf die Wasserfälle auf argentinischer Seite blicken. Das Naturschauspiel ist gigantisch. Auf einer Breite von 2700m lässt der Rio Iguacu seine Wassermassen über Felsstufen und in zahllosen Haupt- und Nebenfällen in eine 100m breite Schlucht donnern. Die Fallhöhen sind unterschiedlich. Ein gewaltiges Schauspiel, schäumendes Gebrodel. Im Wasserdampf schimmern Regenbögen. Auf einer Plattform endet der Fußweg. Von dort kann man bis zur Garganta do Diobo (Teufelsschlund) blicken. Hier bricht das Wasser von drei Seiten in einen riesigen Felsschlund herunter. Den Boden kann man nicht erkennen- eine Wolke aus Wasser und Nebel versperrt die Sicht.

Am nächsten Tag besuchen wir den Parque des Aves. Die als erstes erschreckend klein wirkende Anlage, werden je weiter wir hineingehen immer größer und großzügiger. Zuerst sitzen Papageien- Vögel in kleinen Volieren, dann führt der Weg direkt in die Gehege. Endlich kann ich hautnah einen Tukan betrachten. Im Pantanal haben wir siDusche unterm Wasserfall

e zwar wild gesehen, sie waren aber so scheu, dass man nie ein Foto schießen konnte. Wir sind alle begeistert von der sich zeigenden Tierwelt. Der absolute Höhepunkt- Schlangen! Nicht hinter Gitter oder Glas. Nein ich fasse zum ersten und letzten Male zwar wild gesehen, sie waren aber so scheu, dass man nie ein Foto schießen konnte. Wir sind alle begeistert von der sich zeigenden Tierwelt. Der absolute Höhepunkt- Schlangen! Nicht hinter Gitter oder Glas. Nein ich fasse zum ersten und letzten Mal eine Schlange an. Sie ist ganz lieb und bewegt sich nicht, aber das Gefühl in den Händen ist einfach ekelhaft. Mein Gesichtsausdruck ist auf allen Fotos sehr skeptisch.

Wir wollen ca. 300 km in Paraguay am Rio Parana entlang fahren und die Misiones besichtigen. Auf der Argentinischen Seite des Rio Parana geht es dann wieder zurück nach Puerto Iguazu.

Ciudad del Este.IMG_9879IMG_9887

Die paraguayische Grenzstadt ist mit Foz do Iguacu durch die Freundschaftsbrücke über den Rio Parana verbunden. Unmengen von Menschen, Horden von Motorradtaxis und Autoschlangen schlängeln sich durch den Grenzübergang. Da die Grenzstation gerade neu gebaut wird, verpassen wir auf der brasilianischen Seite die Grenzformalitäten. Wir können keine Grenzhäuschen erkennen. Wir fahren über die Freundschaftsbrücke ohne Passkontrolle und bleiben auf der paraguayischen Seite stehen. Zu viert laufen wir noch mal bei brütender Hitze über die Brücke zurück auf die brasilianische Seite. Im Menschenstrom werden wir plötzlich von Kistenträgern überholt, die vorher in Brückennischen warteten…sie haben es eilig! Wir müssen uns im Pass einen Ausreisestempel besorgen und beim Zoll das Womo austragen lassen. Den Ausreisestempel bekommen wir ziemlich schnell. Es ist auch kein Problem, dass unsere Mutter im Auto „in Paraguay“ sitzt und wir nur ihren Pass dabei haben. Es wird noch nicht einmal nachgefragt. Eine größere Anstrengung zeigt sich bei den Formalitäten für das Womo. Wir gehen als erstes in eine falsche Wartehalle, werden aber sofort zu einem Häuschen geschickt. In der Baustelle ist es aber nicht so einfach das richtige Häuschen zu finden. Wir werden von einem Grenzpolizisten zu einem dickeren Herrn in Trainingshose und schluf T- Shirt geführt. Er hat eine Weste an, auf dem Rücken steht „Receite Federal“ (Zoll). Ich bin ziemlich überrascht- ich habe den Mann nämlich nur von vorne gesehen und da stand nichts von „Receite Federal“. In einem kleinen Häuschen, die Klimaanlage ist fast größer, versucht er an verschiedenen PC´s ein Formular auszufüllen. Sein Kollege sitzt Buch lesend mit Flip Flops neben ihm. Mit der Klimaanlage ist es sehr gut auszuhalten. Unser Vater bringt den Zöllner trotzdem zum Schwitzen. Oft hat er diese Formalitäten noch nicht erledigt.

In Ciudad del Este werden Name, Vorname, Passnummer, Nationalität und Geburtsdatum in ein großes Buch eingetragen. Unsere Mutter sitzt immer noch im Womo. Als wir wieder kommen erzählt sie uns was sie schon alles hätte kaufen können. Verkauft wird hier nämlich alles. Überall laufen verkaufstüchtige Paraguayer und Brasilianer herum und preisen ihre Ware an. Ciudad del Este ist Boomtown, die am schnellsten wachsende Stadt des Landes und Schmuggelstadt. Wir stellen unser Womo ab und gehen abwechselnd durch die mit Verkaufsständen zugepflasterten Straßen. Man kann hier alles kaufen, wobei Ramsch überwiegt.

Dann fahren wir aus Ciudad del Este raus an der paraguayisch/ argentinische Grenze entlang Richtung Posadas. Auf der Ruta 6 kurz nach der Stadt Hohenau stellen wir uns für ein paar Tage auf den Campingplatz „Parque Manantial“. Ruben und Carla Pretzel sprechen sehr gut deutsch. Als wir ankommen fängt es an zu regnen, Gewitter lösen sich ab und es hört den ganzen Abend auch nicht mehr auf. Ruben ist so nett und gibt uns den Schlüssel für seine riesige Festhalle auf dem Gelände. Es ist selbstverständlich, dass wir dort sitzen dürfen. Dort können wir im Trockenen gemütlich essen. Am nächsten Tag ist das Wetter aber wieder wunderschön. Wir gehen in den herrlich „kalten“ Swimmingpool, in Südamerika eine Seltenheit. Die Sanitäranlagen sind sehr sauber, fast wie in Deutschland. Alle Toiletten und Duschen besitzen Wasserkräne und Duschköpfe. Man kann auch das Wasser zum Duschen heiß stellen. Auf dem Campingplatz, wir sind mit Klauspeter und Esther, zwei Schweizern, die einzigen die dort campen, grillen wir und sitzen gemütlich zusammen.

22.01.2007: Der Tag der Tage ist gekommen! Unsere Mutter erfüllt sich einen schon lang gehegten Traum. Wir feiern ihren 60. Geburtstag bei weit über 30°C mit herrlichem Sommerwetter im Bikini bzw. Badehose. Schon vor dem Frühstücken kühlen wir uns im Swimmingpool ab. Mit Klauspeter und Esther besichtigen wir eine Mateteefabrik. Uns wird gezeigt wie aufwendig das Herstellungsverfahren von Matetee ist. Seitdem trinke ich Matetee wie die Brasilianer!! Mit meiner Kalebasse („Matepott“) sitze ich am Rechner und schlurfe mit der Bombilla die Flüssigkeit heraus und schreibe diesen Bericht. Immer wieder fülle ich heißes Wasser nach.

Am Nachmittag überraschen wir unsere Mutter mit einer selbst gemachten Eistorte.

So langsam müssen wir weiter fahren. Wir verlassen nur ungern den schön gepflegten Campingplatz in Hohenau. Aber wir haben noch viel vor und die Tage rennen nur so dahin. Es geht weiter zu den Misiones. Brasilien_01_Mami_Geb_IMG_8806 (24) IMG_9648 IMG_9615Wir besichtigen Jesus und Trinidad, die schönsten restaurierten Jesuiten- Reduktionen. Die alten Anlagen sind wunderschön, nicht übertrieben restauriert. Es lassen sich an den Gebäuderesten gut die Struktur der Jesuitensiedlungen erkennen. In der Blütezeit um 1727 lebten mehr als 4000 Guarani- Indianer in solchen Siedlungen. Die Jesuiten gründeten um 1600 die ersten Siedlungen, Reduktionen genannt,

da ihre Wandermissionen wenig erfolg hatten. In diesen Reduktionen lebten die Indianer mit einigen Padres, man betrieb Landwirtschaft zu Selbstversorgung. So versuchte man Frieden zwischen den einzelnen Indianerstämmen zu schaffen. Von den Spaniern wurden die Reduktionen toleriert, da sie so leichter und ungestört ihre Ausbeutungen verwirklichen konnten.

In Encarnacion verlassen wir Paraguay. Wir sind überrascht, dass wir so selten von der Polizei gestoppt worden sind. Wahrscheinlich war das Wetter zu schlecht. Lediglich einmal hat uns ein Polizist bei einer Kontrolle angehalten. Er wollte den Führerschein und irgendwelche Formulare sehen. Unser Vater nahm ganz Profi seine blaue Mappe, sortierte seine Ausweise und gab dem Polizisten seinen Pass. Andreas, er saß auf dem Beifahrersitz, machte immer größere Augen und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Der Polizist hatte mit großem Interesse den Pass von unserem Vater von hinten nach vorne durchgeblättert, aber falsch herum. Ohne weiteres können wir weiter fahren. In Paraguay sind in wenigen Kilometerabständen Kontrollpunkte der Polizei.

In Argentinien kaufen wir leckeres Rindfleisch. Wir essen hier zwar jeden Abend Rindfleisch, aber das Argentinische ist besonders zart und lecker. Von BSE konnten wir bei unseren Eltern wenig merken…

In Puerto Iguazu übernachten wir auf dem Camping Viaje Americanos. Der Swimmingpool ist zwar gut besucht aber nicht so erfrischend kühl. Am nächsten Morgen geht es schon sehr früh zu den Wasserfällen. Mit einer Bahn fahren wir als erstes zum Teufelsschlund. Dieses Mal stehen wir quasi neben dem Wasserfall. IMG_9731Es tobt, gischtet und brodelt, sprudelnd, brausend und rauschend stürzt der Rio Iguazu hinab, feiner Nebel bildet sich. Die letzten Tage hat es viel geregnet. Die weiß- rotbraunen Wassermassen scheinen noch gigantischer als von der brasilianischen Seite. Der Rio Iguazu hat Hochwasser, so dass wir nicht mit dem Schiff auf die Isla San Martin übersetzen können…Schade! Wir wandern den ganzen Tag durch Regenwald auf Rundwegen in unseren Flip Flops auf den Metallstegen an den Wasserfällen entlang. Nasenbären, Leguane und Schmetterlinge begleiten uns. Es ist drückend schwül und heiß. Jeder einzelne Wasserfall hat seinen eigenen Charme. An dem Teufelsschlund treffen wir auch wieder auf die beiden deutschen Weltreisenden David und Antje, die wir am Vortag im Internetcafe kennen gelernt haben. David hebt Antje auf seine Schulter für ein Familienfoto mit Teufelsschlund im Hintergrund und macht damit den auf Stehleitern stehenden Berufsfotografen Konkurrenz, die dies lachend akzeptieren.

Am Abend fahren wir über die Grenze nach Brasilien. Überraschend bekommen wir alle 90 Tage Aufenthalt. Dies wirft den weiteren Reiseplan unserer Eltern durcheinander. Eigentlich hätten sie nur 30 Tage bekommen dürfen, weil man ja innerhalb eines Jahres nur 180 Tage als Tourist in Brasilien bleiben darf. Die Grenzpolizistin hat aber überhaupt nicht im Pass die Tage gezählt, sie war begeistert von meinem Vornamen und wollte wissen wie man ihn ausspricht.

Naja unsere Eltern sind flexibel und planen sofort eine weitere große Brasilienrunde die sie in das nördliche brasilianische Ende und zurück auf dem Amazonas mit einer weiteren 90 Tage Verlängerung vor Augen haben

So fahren wir am nächsten Tag noch mal nach Ciudad del Este um in Paraguay für das Womo neue Schuhe zu kaufen. Mal sehen ob die 80$ teuren Argentinischen Range Runner genauso lange halten, wie die Continental Reifen aus Südafrika. Es ist gar nicht so einfach die passenden Reifen mit dem gewünschten Profil zu bekommen, da wir auch keine chinesischen Billigreifen nehmen wollen. Die alten Reifen verkaufen wir noch mit ein bisschen Verhandlungsgeschick an die Reifenwerkstatt, in der auch ein gerufener Mechanico den defekten Gummibalg der Niveauregulierung austauscht, den die Firma Goldschmidt mir in Deutschland zu geschickt hat.

Die Preisverhandlungen sind haarsträubend. Nicht die Landeswährung Guarani, sondern 20 Dollars verlangt der Mechanico. Als wir ihm 5€ geben, kann er zwar erst mit der Währung nichts anfangen, doch als ein anderer ihm sagt, dass 5€=33000 Guaranis sind, ist dieser hoch zufrieden. Euros sind scheinbar mehr wert als Dollars?!

Mit neuen Reifen, die vorsichtshalber abgeflammt und von uns mit Dreck beschmiert wurden, geht es zurück nach Brasilien. Wir sind nicht offiziell eingereist, sondern nur ohne Stempel über die Grenze gefahren. Über zwei Stunden brauchen wir um die Grenze zu passieren.

Wir sind schon fast 2 Wochen in Südamerika. Bis nach Florianapolis unserem Abflughafen sind es fast 1300km. Auf der Karte sieht es gar nicht so weit aus. Man muss aber auch bedenken, dass auf der Straßenkarte ganz Brasilien abgebildet ist, und ganz Deutschland 24mal in Brasilien hereinpasst. Brasilianische Straßen sind nicht mit den Straßenverhältnissen in Europa zu vergleichen!!

Brasilien_01_Mami_Geb_IMG_8806 (339)Die Routa 277 ist mautpflichtig, aber mit einer Autobahn hat das nichts zu tun. Man kann die mautpflichtige Strasse auch nicht umgehen. Es gibt keine anderen Strassen an die Küste. Wir werden alle 70 bis 100km zur Kasse gebeten. Kurz nach Palmeira verlassen wir die Routa 277 und fahren über kleinere Straßen nach Pomerode. Am Stettiner Stadttor übernachten wir auf einem Posto. Leider fängt es an zu Regnen. Es ist aber trotzdem drückend warm. Wir sitzen unter der Markise und genießen Rindfleisch mit gebratenem Maniok. Über Blumenau geht es weiter an die Küste. In Blumenau sind 40% der 240 000 Einwohner deutschstämmig. Fachwerkhäuser säumen die Innenstadt. Ich habe es mir viel gemütlicher und deutscher vorgestellt. Im eigentlichen Stadtzentrum stehen typische brasilianische Hochhäuser. Unsere Mutter kauft sich ihre „Friseurhaarfarbe“, die es sogar in Deutschland nicht überall zu kaufen gibt.

Brasilien_2007_03_23BR_304_n_Mossoro (5)Hinter Itajai fahren wir an den Strand Costa Brava. Herrlicher Sandstrand, doch es ist bewölkt. Im Bikini machen wir einen Strandspaziergang. Abends wollen wir auf einen Posto (Tankstelle) fahren. In ganz Südamerika stehen nachts keine Autos auf den Strassen. Am Strand wäre es viel zu gefährlich stehen zu bleiben. Da unsere Eltern schon viele Erfahrungen gesammelt haben, fragen sie eine Polizeistreife, wo man sicher übernachten kann. Sie überlegen, wollen uns den Weg aufzeichnen, ändern jedoch kurzfristig ihr Vorhaben und fahren vorweg zu unserem Schlafplatz. Wir fahren durch halb Itajai. Wo wollen die uns denn hinbringen? Wir sind schon an vielen Posto vorbeigefahren, einige sahen auch „ruhig“ zum Schlafen aus. Endlich sind wir am Ziel…Posto Santa Rosa. Das haben wir noch nie gesehen. Stolz verabschieden sich die Polizisten und wir erkunden den Posto. LKW´s über LKW´s. Der Posto ist mindestens viermal so groß wie der größte deutsche Autohof Geiselwind. Wir sind fasziniert und setzen uns gemütlich zum Essen nach draußen.

Am nächsten Tag brennt die Sonne. Der Strand ist voller Brasilianer. Ein Fernseh- Team interviewt uns zum Thema „Sommer in Brasilien“. Sie sind völlig begeistert als sie merken, dass wir von „ganz weit weg“ mit dem Auto hier sind. Die Fragestellung wird einfach geändert und unsere Mutter erzählt in einem

deutsch- brasilianisch- englisch Gemisch von ihrer Reiseroute durch Südamerika und wie schön Brasilien ist.

Strandtage…mein knapper Bikini scheint mit einem Mal nicht mehr so knapp wie vorher, man muss sich anpassen. Keiner trägt Großmutterhosen, außer… Meinen Modellwechsel kann man unschwer am rot verbrannten Po erkennen…

Leider sind die 3 Wochen viel zu schnell vergangen. Wir sitzen direkt am Meer…traumhaft! Und das im Januar. Meinen letzten Tag werden wir am Meer geniesen. Am Freitag geht es nach Florianapolis. Ich fliege über Sao Paulo, Amsterdam nach Düsseldorf, wo mich Ellen -hoffentlich mit meiner Winterjacke und dickem Schal- abholt!!!

9 Brasilien

 

9.1 Achtzehnter Reisebericht 2007_02

Von Florianopolis, Curitiba, Sao Paulo, Barockstädte Minas Gerais, Salvador entlang der Küste nach Norden (Bahia, Sergipa, Alagoas)

Wir entdecken mit Jutta und Andreas, die uns noch eine weitere Woche begleiten die wunderschöne Ferieninsel Florianopolis in einer Rundfahrt über traumhafte Buchten und noblen Villenvierteln. Canasvieiras, wo wir beide schon im Oktober waren, scheint besondere Anziehungskräfte zu haben. Die letzten Tage bis zum Abflug der Kinder stehen wir vor Luis schönem Haus mit seinem Wasseranschluss am Uferstrand. Für neue Mieter räumt er es gerne kurzfristig. Noch ist Hochsaison, wer weiß, wie lange noch Gäste kommen, die bereit sind über 120,-€ täglich zu zahlen.

Noch funktioniert der neue mit argentinischem Benzin gefüllte Benzinkocher, der sich auch beim Mango-Marmeladekochen (Maracuia, Mangos,Limette) bewährt. Brasilianisches Benzin schmeckt ihm wegen des hohen Alkoholgehaltes dann nicht mehr, die Flamme geht sofort wieder aus.

Abschiedstränen am Flughafen mischen sich mit einem kräftigen Gewitter. Alle sind traurig, dass die wunderschöne Zeit mit unseren Kindern (Katja, Jutta und Andreas) so schnell vorübergeht. Trotz der Enge des Wohnmobils, Hitze, alle sind immer gut drauf, erlebnishungrig und geniessen die familiäre Runde.

In Curitiba besuchen wir wieder Linda und Norbert, mit denen wir die unterschiedlichen Fahrrouten in den Norden auf großen Straßenkarten diskutieren.

Nach Sao Paulo geht es über viele Kaffeeplantagen, die zwischen 600/ 800m Höhe besonders stark ausgeprägt sind. Vor den Stadttoren dieser Megastadt (20 Mio. Einwohner) endet die vierspurige Autostraße in einem Vorort, um sich dann wie ein Tausendfüßler zu verteilen. Anfangs schaffen wir die Beschilderung nach Straßennamen und Einkaufszentren, die zwischendurch auch Rio de Janeiro, Belo Horizonte- unsere Zielrichtung- nennen. Im dichten teilweise 8- spurig neben einander laufenden teilweise stockenden Verkehr haben wir trotz GPS Orientierungspropleme. Den richtigen Abzweig haben wir dann doch irgendwie zu guter Letzt bei den uneinheitlichen Schilderanzeigen verpasst. Anstelle von Straßennummern bzw. Städten stehen Eigennamen, mit denen wir anfangs nichts anfangen können, halten wir sie doch für Vororte, bis wir merkten, dass sie für Durchgangs- bzw. Ausfallstraßen stehen.

Brasilien_Ouro_Preto_2007_02_18Die Barockstädte Sao Joao del Rei, Tiradentes, Ouro Preto in Minas Gerais (allgemeine Mienen) haben es uns angetan. Barocke Kirchen und Herrenhäusern zeugen noch heute von der Entdeckung außergewöhnlicher Gold-Silber sowie Edel -und Halbedelsteinvorkommen Ende des 17. Jahrhunderts und einer wirtschaftlichen und kulturell großartigen Epoche. Ungeheure Summen flossen damals in den Bau stolzer Herrenhäuser und prächtiger Kirchen. Die Barockkunst entwickelte sich hier zur höchsten Blüte. Europäische Baumeister und brasilianische Künstler ergänzten sich hervorragend. Noch heute konzentriert sich Brasiliens Schwerindustrie in diesem Bundesstaat, wo große Vorkommen an Eisenerz, Bauxit, Gold und Silber abgebaut werden. Wir kommen an großen Eisenverhüttungen, Gießereien und Stahlwerken vorbei und sehen einen großen Erzzug, neben historischen Eisenbahnen.

Die Vorzeichen von Karneval machen sich bemerkbar. Innerstädtischen Prachtstraßen verwandeln sich. Es werden Tribünen aufgebaut, Schaufensterscheiben vernagelt. In Ouro Preto füllen anreisende feiernde Jugendliche steile Gassen und Balkone. Zelte und Musikpavillions lassen eine heiße Nacht erwarten. Nichts für uns, wir fahren weiter. Wir wollen Karneval in Salvador erleben. Aber die Strecke zieht sich über Berg und Tal mit vielen LKWs.

Auf unserer Straßenkarte ist 1 cm 29 km, was von uns immer wieder unterschätzt wird. Die vollen großen Tankstellen und die geschlossenen Läden in den kleinen Ortsdurchfahrten lassen uns erahnen, dass das öffentliche Leben in den nächsten Tagen vom Karneval bestimmt ist. Natürlich findet man offene Supermärkte

Vom bekannten Campingplatz in Salvador starten wir dann in den berühmten Karneval. Vorsichtshalber lassen wir alle „Wertsachen“ im Womo, auch den Foto (leider). Bereits im Bus begegnen uns Kostümierte als Vorboten des größten Straßenkarnevals der Welt.

Es gibt keine Sambaarena wie in Rio, alles spielt sich in den Straßen ab, von Donnerstag bis zum Nachmittag des Aschermittwochs bevölkern fast 2 Mio. Menschen die Straßen, um das Spektakel langer Paraden der knapp 200 Karnevalsgruppen und sich selbst zu erleben. Trios Electricos, riesige Sattelschlepper mit Musikbands heizen die Menge an, Seilträger –Cordeiros- halten die verzückte Menschenmasse zurück.

Wir bewegen uns durch afrikanische Kostüme, Frauen in Bahianischen Gewändern, Trommlertruppen- wir zählen 110 Trommler in einer Gruppe- Sambaformationen (Musik und Tänzer) und in makellos weißer Kleidung und mit Turbanen angezogene Männer- Filhos de Gandhi (Söhne Gandhis), die in 4000 Mann Stärke in der Parade auftreten.

Brasilien_Salvador_2007_02_23 (9)Brasilien_Salvador_2007_02_23 (19)Die vielen afro-brasilianischen Gruppen zeugen von der Rückbesinnung der Afrikastämmigen auf ihre Wurzeln und sind Bestandteil der aktiven Schwarzenbewegung Dazwischen Verkäufer aller Art mit Essen und insbesondere kühlen Getränken, wie Dosenbier, Cola und Wasserflaschen. Leere Dosen verschwinden gleich wieder in großen Säcken, sind sie doch geldwert aber Pfand los. Am kostenlosen Aufzug von der Unter- in die Oberstadt bilden sich lange disziplinierte Schlangen. Auf kleinen Tribünen drohnt immer wieder behelmte groß nummerierte Polizei und in roten Overalls gekleidete Helfer. Das Bild ist überwältigend. Brasilien_Salvador_2007_02_23 (26)Von der Gefährlichkeit dieses riesigen Spektakels haben wir nichts bemerkt. Auch auf dem Heimweg müssen wir noch einmal durch eine unübersehbare und swingende Menschenmenge vor einer Musiktribüne um unseren Anschlussbus zu erreichen.

Der Aschermittwoch fällt leider ins Wasser. Es schüttet. Unsere eingeweichte Wäsche will nicht trocken werden, auf und abhängen hält uns in Schwung.

Gas, das wir wegen des Karnevals nirgends finden bzw. uns keiner umfüllen will, schaffen wir gerade noch zeitgerecht. Die neu gefüllte Flasche muss schon in der folgenden Nacht einspringen. Ein warmer Kühlschrank bei unverändert rund 30 ° auch bei Regen wäre schlimm.

Auf der Estrada do Coco – die Straßenmaut wird am Wochenende verdoppelt- verlassen wir Salvador um noch einmal in Porto de Sauipe den Bast-Flechterinnen bei Ihrer Arbeit zuzusehen. Man merkt noch dass diese eine früher brachliegende Küstenregion ist, die inzwischen touristisch erschlossen wird.

Dass es bereits um 18 Uhr dunkel wird- wir sind wieder 4 Stunden zurück- verkürzt den Tag bei der Weiterfahrt in den Norden. Wir sind mittlerweile beim 10. Breitengrad, der Äquator kommt immer näher. Abwechslungsreiches Wetter, es regnet zwischen durch immer wieder, bringt aber keine Abkühlung.

Unberührte Landschaften mit Stränden, Dünen, Flüssen und Lagunen lassen uns immer wieder zu kleinen Fischerdörfern an kilometerlangen Stränden abzweigen.

Warum jetzt auch unsere 2. Windschutzscheibe einen Riss oben in der Mitte wie ein liegendes L aufweist, können wir uns nicht erklären. Wir sehen ihn aus heiterem Himmel kommen.

Mittlerweilen haben wir den Rio Sao Francisco mit der Fähre überquert, alte Kolonialstädte, die wie Freilichtmuseen wirken, liegen am Weg. Unser nächstes Ziel ist Maceio , das wir auf der Fahrt Brasilien_2007_03_25_Canao (25) Brasilien_2007_03_25_Canao (13)entlang der Küste erreichen wollen. Wir besuchen paradiesische palmbesäumte feinsandige einsame Strände, die von der Straße mit unserem Womo erreicht werden können

9.2 Neunzehnter Reisebericht 2007_03

 

Die wunderschönen Strände im Nordosten Brasiliens, von Maceio nach Fortalezza

Einen Reisebericht ins Internet zu bringen, ist nicht immer leicht. Die Hitze im Wohnmobil lässt trotz Ventilatoren den Schweiß in Strömen fließen. Zwar hat jedes Dorf ein Internet, aber das muss man erstens finden und zweitens muss man auch noch viel Geduld mitbringen. Wir haben es aber bisher immer geschafft.

Unser erneuter Frontscheibenriß wächst langsam aber stetig, ohne dass er stört. Tesafilm hält den immer wieder kurz aufkommenden Regenschauern nicht stand.

Durch riesige Palmenhaine und Zuckerrohrfelder in hügliger Landschaft erreichen wir Coruipe, wo uns ein entgegenkommender Pickup anhält. Ein Wiener fragt uns begeistert, wie wir es denn gemacht hätten mit einem Womo nach Brasilien zu kommen. Werners Essenseinladung nehmen wir gerne an, nachdem wir in dem 10 km entfernten Miai de Cima vor seinem noch im Bau befindlichen großen Haus im Stil einer toskanischen Villa unser Womo auf sandiger Piste und großen Wasserlachen sicher wissen. In einer Churrascu essen wir lecker verschiedene Fleischsorten vom langen Spieß, der wie ein Schwert vor uns platziert wird. Der aufmerksame Kellner schneidet immer wieder kleine Fleischstücke herunter. Reis, verschiedene Bohnengerichte, Maniok und Salat runden das Ganze ab. Da hätten sich noch mehr Leute davon satt essen können. Werner pendelt dauernd wieder zwischen Wien und Brasilien – zu seiner jungen Ehefrau und Kind- hin und her. Mit seinem handwerklichen Geschick richtet er, der sich als einer der 10 besten Friseure Österreichs outet, unseren rausgerissenen Gaskastenboden mit Hilfe von Wagenheber und Seitenblech. Danke Werner! Hoffentlich hält die Konstruktion auch ohne Nieten.

Die ganze Gegend wird von wenigen Familien über die Zuckerrohrverarbeitung kontrolliert. Vereinbarungsgemäß werden keine Erntemaschinen eingesetzt. Alles geht in Handarbeit. Große Busse bringen und holen die Arbeiter von den Feldern.

Brasilien_2007_03_26_Morro_Branco_Jangadas (43)Die Traumstrände werden immer intensiver erschlossen, je näher wir uns Maceio nähern. Eine typische brasilianische Großstadt, die neben einem alten Zentrum eine völlig neue Hochhausbebauung aufweist.

Der riesige Altstadt-Mercado quillt vor Menschen und Waren über. Keinen stört es wirklich, dass es immer mal wieder kurz wie aus Gießkannen schüttet. Der Markt ist bestens sortiert. Neben einer langen Reihe von Bananenhändlern reihen sich Obsthändler mit Mango, Papaya und viele andere Früchte, die uns teilweise unbekannt sind. Die Gewürzstände mit gemahlenem, buntem, losen bzw. in Gläsern abgepackten Gewürzen und Kräutern lassen uns nur erahnen, was es hier alles gibt. Die vielen Fischstände mit Fischen jeder Größe, Shrimps und Krebsen, die wir schon bei Straßenhändlern auf Schnüren aufgezogen sahen, lachen uns an. Daneben liegen Rinderbeine, Leberberge und Lungen. Auf der

anderen Seite gibt es Kunsthandwerk und auf der Straße wird jedweder Trödel, der teilweise an einen Schrottplatz erinnert, angeboten.

Später am Strand stehen wir zwischen vielen Strandbuden mit wenigen Gästen. Schon gegen 16 Uhr wird alles eingeräumt und das am Samstagnachmittag, 1 ½ Stunden vor Sonnenuntergang. Ist es der immer wieder kurz aufkommende Regen? Wir wissen es nicht. Das viele genaschte Obst vom Markt macht sich bemerkbar und wir suchen einen Posto. Morgens staunen wir nicht schlecht, als ein Busfahrer neben uns seinen Bus mit dem Wasserschlauch innen ausspritzt. Das Wasser strömt nur so aus dem Riesengefährt, es ist ein neuer Bus mit Holzbänken.

Ein Strandort neben dem anderen lockt zum Verweilen. Morgens mit dem Hellwerden regnet es pünktlich kurz aber heftig, quasi aus blauem Himmel, den es den ganzen Tag bei Temperaturen von weit über 30° gibt.

An die unendliche Zuckerrohrhügellandschaft haben wir uns längst gewöhnt, auch an die vielen Polizeiposten, durch die wir regelmäßig durchgewinkt werden, wenn überhaupt kontrolliert wird. Als wir wieder einmal in eine Polizeikontrolle kommen, will es der Polizist offensichtlich wissen. Er ist weder mit Kopien noch Originalen zufrieden, er will mehr. Wir erahnen, dass ein „Schein“ in unseren Papieren fehlt Das haben wir lächelnd ausgesessen.

Hühnerskulpturen aus Palmenwurzeln stehen am Eingang vieler Häuser.

Brasilien_Porto_do_Galinhas_2007_03_07Der „Hafen der Hühner“ – Porto de Galinhas- verdankt seinen Namen dem Sklavenhandel. Wenn die Sklavenschiffe den Strand erreichten, wurden die Plantagenbesitzer benachrichtigt, dass neue Hühner aus Angola angekommen seien. Damit wollten die Portugiesen den verbotenen Sklavenhandel sprachlich tarnen.

Große Hotelkomplexe und viele Pousadas warten genauso wie Buggytaxis, Tauchausrüstungen und Touristenbötchen auf den Touristenrummel, den wir nicht erleben. Der von Rettungsschwimmern bewachte Strand gehört uns quasi alleine. Wegen der starken Strömung sollten wir aber nicht weiter als bis zum Bauch in den warmen Atlantik.

Wieder können wir uns auf den Reiseführer (Reise know-how) nicht verlassen. Den 400 Jahre alten Baoba-Baum (Affenbrotbaum) in Nossa Senhora do O gibt es genauso wenig wie den Camping in Olinda, einer Stadt mit bedeutenden Kulturdenkmälern Brasiliens.

Aber der Reihe nach: In Recife, der 5. größten Stadt Brasiliens mit seinen 1,5 Mio. Einwohnern im Mündungsgebiet von 4 Flüssen, die von vielen Brücken überspannt werden und die Stadt als „brasilianisches Venedig“ bezeichnet, hält uns nichts. Die anschließende Barockstadt Olinda , ein Vorort, ist unser Ziel. Kirchen, Klöster, koloniale Häuser und Paläste, die heute zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt sind, rauschen aber nur an uns vorbei. Überall stehen Guias (Führer) die auf ständiger Kundensuche nervig sind und uns letztendlich vertreiben. Die Polizei, nach dem Campingplatz befragt, weiß nichts. Aber irgendwann ist unsere Fragerei erfolgreich, ein Mann bietet sich als Führer an und zeigt uns den Platz, der aber schon lange kein Campingplatz mehr ist. Eine Alternative ist wie immer eine Tankstelle (Posto) , die wir abends auch beim 2. Anlauf finden. Der Nachtwächter sichert abends um 9 Uhr den Tankstellenkomplex mit Seilabsperrungen. Wir waren drin, d.h. bewacht und konnten ungestört im Seilkreis draußen sitzen.

Die BR 101, die von Uruguay bis an die Nordostecke Brasiliens führt, wird von Recife aus über hunderte Kilometer 4-spurig ausgebaut. Erst wundern uns die großen Baumaschinen mit Tarnflecken, bis wir erkennen, dass das Militär in der Arbeitsgemeinschaft beim Straßenbau eine führende Rolle einnimmt.

Wir erleben die Schönheit der Südküste des Bundeslandes Paraibas in Jacuma, 35 km südlich von Joao Pessoa, wo die Strände mit feinen Sand, Palmen, hohen Klippen aus Tongestein in der Sonne schimmern. Die vorgelagerten Riffe bilden bei Ebbe Meerwasserbecken, in dem man prima baden kann, was in den Meereswellen nicht möglich ist. Peter aus Nürnberg hat hier einen Turm gebaut, der mit den Flaggen von Brasilien, Österreich, Deutschland und Italien ins Auge sticht. Wir verbringen einen netten Sonntag mit ihm in seinem Haus, wo uns auch nach einem langen Strandspaziergang leckeres Gegrilltes erwartet. Mouse von Maracuja rundet diesen schönen Nachmittag, – wir grüßen Nürnberg- ab.

Einer der schönsten Barockkirchen mit portugiesischen Kacheln an den Wänden und Gold überzogenen Holzarbeiten, die Igreja Sao Francisco müssen wir in Joao Pessoa suchen. Die Sakristei im Rokkokostil erinnert uns an Salvador. In dem Museum hätten wir ein wenig mehr indianisches erwartet. Die vielen Fotos geben einen guten Eindruck früherer Tage. Die Stadt mit angeblich den meisten Grünanlagen weltweit beginnt mit Hochhäusern und am Ende schließt sich die hüglige, quirlige Altstadt mit vielen Kirchen an.

Praia de Pipa ist ein sehr bekannter Badeort und touristisch voll erschlossen. Dünen bestimmen das Landschaftsbild. Die schmale Hauptstraße, die in Pipa einem Steilküstenort endet, ist für uns mit unserem großen Womo viel zu eng. Auch der ausgeschilderte Camping kann uns nicht reizen. Wir genießen die Landschaft, bevor wir in die nächste typische brasilianische Großstadt Natal, mit großen Supermärkten und Shoppingcentern abbiegen.

Cajunüsse (Cashewnüsse) werden am Straßenrand geröstet und in unterschiedlicher Verpackungsgröße verkauft. Lecker. Wir können nicht nachvollziehen, wie der Reiseführer auf „ Armenhaus“ von Brasilien kommt.

Ein großes Mercedesstern am Straßenrand erinnert uns an die dauernden Klingelgeräusche beim Anfahren, die wir dem Auspuff zuordnen. Wir wollen unserem Womo etwas Gutes tun und 25 000km nach der letzten Inspektion in Cuiaba die uns notwendige erscheinende Wartung durchführen lassen. Es ist Mittagspause. Ein englisch sprechender Brasilianer hilft uns. Letztendlich wird in der supersauberen grau gestrichenen Halle ohne Grube ein Ölwechsel mit Ölfilteraustausch gemacht. Alle anderen Teile werden nicht beachtet. Erst auf mein ausdrückliches Drängen wird wenigstens nach den Bremsen und dem Auspuffrohr geschaut, dass hinter dem Topf kaputt ist. Diese Ursache fürs Klingeln kann aber nicht repariert werden. Ein Auspuffrohr gebe es erst bei Mercedes in Fortaleza. Dafür verfügen wir jetzt über ein Buch mit allen Südamerikanischen Mercedeswerkstädten, aber fragen uns, warum auf Sprinterspezialisierte Mercedeswerkstätten nicht standardisiert arbeiten und unser deutsches Wartungsheft hier „ein Buch mit sieben Siegeln“ ist.

Die riesige Brücke in Natal steht kurz vor ihrer Fertigstellung. Wir müssen noch außen rum fahren, um auf einem Posto, der neu gebaut ist, zu übernachten. Der mit einem Gewehr bewaffnete Nachtwächter überrascht uns ein wenig.

Genipabu 25 km nördlich von Natal liegt traumhaft schön. Die Sanddünen schieben sich bis an das türkisfarbene Meer und Jangadas warten genauso auf Fahrgäste wie unzählige Buggys. Wir stehen auf dem Parkplatz einer Pousada mit Strom, Schwimmbad, direkt hinter einer Düne am Meer. Die windgeschützte Lage bringt uns seit langem wieder einmal richtige widerliche Mückenstiche.

Wir beobachten wie Jangadas, das sind traditionelle Segelflöße der Fischer. Die langen leicht gebogenen Holzmasten bestehen aus zusammengetäuten Holzstäben, an denen ein großes Dreieckssegel befestigt ist. Sie sehen wie überdimensionierte Surfbretter aus und werden nicht nur zum Fischen sondern auch für Touristen eingesetzt.

Wir tingeln durch riesige Cajuplantagen und Ananasfelder der Küste entlang. Die Straße ist teilweise Schnurgerade und verschwindet am Horizont.

In Canoa Quebreda holt uns wieder der Tourismus ein. Der frühere Fischerort war in den 70iger Jahren von den Hippies entdeckt, die hier ohne Strom und nur beschwerlich über Sanddünen erreichbar ein einfaches Strandleben führten. Canoa liegt hinter einer hohen Düne und ist erst seit 1982 ans Straßennetz angeschlossen. Ab da war es mit der Abgeschiedenheit vorbei. Das halbe Dorf ist mit weißen Halbmonden die 5zackige Sterne umrahmen gepflastert. An Brasilien_2007_03_25_Canao (25) Brasilien_2007_03_25_Canao (13)den roten Klippen segeln Gleitschirme, die zum Tandemflug – ohne uns- einladen. Ernsto, vor dessen Haus wir stehen, bringt uns freundlicherweise nach Aricati zum Zahnarzt, wo Jörg-Erich sich die Stummel eines abgebrochenen Zahnes verschließen lässt. Erst wird der Preis verhandelt und dann wirkt die kleine Zahnärztin in sauberem Ambiente. Wir treffen hier wieder Lampiao und Mariabonito, die mit ihrem offenen voll ausgeschmücktem Fahrgestell auf 3 Rädern, für einen kleinen Volksauflauf sorgen und uns herzlich begrüßen. Beide erinnern an einen gefürchteten Räuberhäuptling mit seiner Braut, der trotz seiner Grausamkeit gern als Robin Hood Brasiliens bezeichnet wird.

Wir stehen jetzt unmittelbar vor einer Baracca am Strand in Morro Branco, wo Winderosionen eine bizarre Landschaft gebildet haben. In die hoch aufragenden Klippen sind lange Gänge in unterschiedlichen Farben gefräst, die wir mit Begeisterung durchwandern. Der Strand ist für seine bunten Sandflaschen berühmt. Mit den 12 Farbtönen des Klippensandes werden Sandschichten so gekonnt gefüllt, dass Detail genaue Sandbilder entstehen. Es sind wahre Kunstwerke. Leider können wir so etwas auf unserer Weiterreise nicht mitnehmen.

Den 3. Platten, diesmal am Vorderrad sehen wir erst nach dem Frühstück am Strand. Wir müssen uns abends auf dem Sandweg eine Krampe „gefangen“ ha

ben. Aber man ist ja nicht alleine. Nach dem Reifenwechsel spricht uns ein Schwede, der hier seit 3 Jahren wohnt an und fährt Jörg-Erich samt Reifen zu dem ca. 10 km entfernten Reifenflicker, der das Loch für 5 RS gleich 1,80 € flickt. Jetzt wissen wir wenigstens wie man das Ersatzrad montiert.