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bei unserer Panamericareise 2006 bis 2013 Monat für Monat dabei

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

1 Vor dem Start des großen Abenteuers „Panamericana“

 

2 Unsere Route 2006-2013

 

3 Über den Atlantik

 

3.1 Erster Reisebericht_2006_02

 

3.2 Zweiter Reisebericht 2006_02

 

3.3 Dritter Reisebericht 2006_02

 

3.4 Noch dritter Reisebericht aus Banjul Gambia 2006_02

 

3.5 Vierter Reisebericht aus Banjul/Gambia 2006_02

 

3.6 Fünfter Reisebericht 2006_03

 

3.7  Spezialbericht – Seereise – Hamburg –Buenos Aires

 

4 Argentinien

 

4.1 Siebter Reisebericht von Buenos Aires 2006_03

 

4.2 Achter Reisebericht 2006_04

 

4.3 Neunter Reisebericht 2006_05

 

5 Von Argentinien über Bolivien –Paraguay nach Brasilien

 

5.1Zehnter Reisebericht 2006_06

6  Brasilien

 

6.1 Elfter Reisebericht 2006_07

 

6.2 Zwölfter Reisebericht 2006_08

 

6.3 Dreizehnter Reisebericht 2006_09

 

6.4  Vierzehnter Reisebericht 2006_10

 

Brasilien und Uruguay

 

7.1  Fünfzehnter Reisebericht 2006_11

 

7.2  Sechzehnter Reisebericht 2006_12

 

Argentinien, Brasilien, Paraguay

 

8.1 Siebzehnter Reisebericht 2007_01

 

8.2 Sonderreisebericht von Katja, 2007_01/02

 

9 Brasilien

 

9.1 Achtzehnter Reisebericht 2007_02

 

9.2 Neunzehnter Reisebericht 2007_03

 

9.3 Zwanzigster Reisebericht 2007_04

 

9.4 Einundzwanzigster Reisebericht 2007_05

 

9.5 Zweiundzwanzigster Reisebericht_2007_06

 

10 Brasilien, Paraguay und Argentinien

 

10.1 Dreiundzwanzigster Reisebericht 2007_07

 

11 Deutschlandurlaub

 

11.1 Vierundzwanzigster Reisebericht 2007_08

 

12 Rückkehr nach Buenos Aires

 

12.1 Fünfundzwanzigster Reisebericht 2007_09

 

13 Argentinien, Uruguay und wieder Argentinien

 

13.1 Sechsundzwanzigster Reisebericht 2007_10

 

14 Argentinien

 

14.1 Siebenundzwanzigster Reisebericht 2007_11

 

14.2 Achtundzwanzigster Reisebericht 2007_12

 

15 Argentinien und Chile

 

15.1 Neunundzwanzigster Reisebericht 2008_01

 

16 Chile, Argentinien und wieder Chile

 

16.1 Sonderreisebericht 2008_03 von Katja

 

16.2 Einunddreizigster Reisebericht 2008_03

 

17 Chile 

 

17.1 Dreiunddreißigster Reisebericht 2008_04 

 

18 Chile und Bolivien 

 

18.1 Vierunddreizigster Reisebericht 2008_05  

 

19 Bolivien und Peru 

 

19.1 Fünfunddreißigster Reisebericht 2008_06 

 

20 Peru

 

20.1 Sechsunddreißigster Reisebericht 2008_07 

 

20.2 Siebenunddreißigster Reisebericht 2008_08 

 

21 Von Deutschland zurück nach Ecuador – Galapagosinseln 

 

21.1 Achtunddreißigster Reisebericht 2008_11 

 

22 Ecuador und Kolumbien 

 

22.1 Neununddreißigster Reisebericht 2008_12

 

22.2 Vierzigster Reisebericht 2009_01

 

23 Kolumbien und Costa Rica 

 

23.1 Einundvierzigster Reisebericht 2009_02 

 

24 Costa Rica und Panama 

 

24.1 Zweiundvierzigster Reisebericht 2009_03

 

24.2 Dreiundvierzigste Reisebericht 2009_04 

 

25 Costa Rica, Nicaragua, Honduras 

 

25.1 Vierundvierzigster Reisebericht 2009_05 

 

26 Honduras und Guatemala 

 

26.1 Fünfundvierzigster Reisebericht 2009_06 

 

27 Guatemala 

 

27.1  Sechsundvierzigster Reisebericht 2009_07 

 

28 Guatemala, Belize, Mexiko 

 

28.1 Siebenundvierzigster Reisebericht 2009_08/09

 

29 Deutschland, Mexiko 

 

29.1 Achtundvierzigster Reisebericht 2009_10 

 

30 Kuba

 

30.1 Neunundvierzigster Reisebericht 2009_11 

 

31 Mexiko 

 

31.1 Fünfzigster Reisebericht 2009_12

 

31.2 Einundfünfzigster Reisebericht 2010_01 

 

31.3 Zweiundfünfzigster Reisebericht 2010_02 

 

31.4 Dreiundfünfzigster Reisebericht 2010_03 

 

32 Guatemala, Mexiko 

 

32.1 Vierundfünfzigster Reisebericht 2010_04

 

33 Mexiko 

 

33.1  Fünfundfünfzigster Reisebericht 2010_05

 

33.2 Sechsundfünfzigster Reisebericht 2010_06 

 

34 Deutschland 

 

34.1 Siebenundfünfzigster Reisebericht_2010_07 

 

34.2  Achtundfünfzigster Reisebericht_2010_08  

 

35 Mexiko 

 

35.1 Neunundfünfzigster Reisebericht_2010_10 

 

35.2 Sechzigster Reisebericht 2010_11

 

35.3 Einundsechzigster Reisebericht_2010_12 

 

35.4 Zweiundsechzigster Reisebericht 2011_01 

 

35.5 Dreiundsechzigster Reisebericht 2011_02 

 

35.6 Vierundsechzigster Reisebericht 2011_03 

 

36 Mexiko und Westküste USA 

 

36.1 Fünfundsechzigster Reisebericht 2011_04 

 

37 Westküste USA 

 

37.1 Sechsundsechzigster Reisebericht 2011_05 

 

38 Westküste USA und Kanada

 

38.1  Siebenundsechzigster Reisebericht 2011_06 

 

38.2 Achtundsechzigster Reisebericht_ 2011_07 

 

38.3  Reisebericht 2011_08

 

38.4  Siebzigster Reisebericht 2011_09 

 

39 Mittlerer Westen der USA 

 

39.1 Einundsiebzigster Reisebericht 2011_10 

 

40 USA, Deutschland 

 

40.1 Zweiundsiebzigster Reisebericht 2011_11 

 

41 Deutschland und USA 

 

41.1 Dreiundsiebzigster Reisebericht 2012_02 

 

42 USA und Mexiko 

 

42.1 Vierundsiebzigster Reisebericht_2012_03              

 

42.2 Fünfundsiebzigster Reisebericht_2012_04 

 

43 Ostküste USA 

 

43.1 Sechsundsiebzigster Reisebericht 2012_05 

 

43.2 Siebenundsiebzig Reisebericht_2012_06 

 

43.3 Achtundsiebzigster Reisebericht 2012_07

 

44 Ostküste USA und Kanada 

 

44.1 Neunundsiebzigster Reisebericht 2012_08

 

45 USA parallel zur Ostküste im Landesinneren

 

45.1 Achtzigster Reisebericht 2012_09  

 

46 USA und Mexiko 

 

46.1 Einundachtzigster Reisebericht 2012_10 

 

47 Mexiko 

 

47.1 Zweiundachtzigster Reisebericht 2012_11

 

47.2 Dreiundachtzigster Reisebericht_2012_12 

 

47.3 Vierundachtzigster Reisebericht 2013_01 

 

47.4 Fünfundachtzigster Reisebericht 2013-02 

 

47.5 Sechsundachtzigster Reisebericht 2013_03 

 

48 Zurück nach Deutschland 

 

48.1 Siebenundachtzigster Reisebericht 2013_04

 

49 Ein erfüllter Traum 

 

49.1  Achtundachtzigster und letzter Reisebericht_2013_05

 

50    7 Jahren, 3 Monaten, 6 Tagen… 

 

3 Über den Atlantik

3.1 Erster Reisebericht_2006_02

Zur Verschiffung auf die „Grande Buenes Aires“

 

Zur Verschiffung auf die „Grande Buenes Aires“

Das gepackte – zwischenzeitlich heißt unser Womo dank unser Töchter „Joegi“ (das stumme westfälische e!) wartet auf die letzten Kleinigkeiten, die Garage und Flur immer noch wie ein „Schlachtfeld“ aussehen lassen. 43 867 km zeigt der Tacho an als wir mit dem letzten Müll zum Wiegetest auf unserer Müllkaute in den nahen Rieselfeldern kurz vor 15 Uhr starteten. Stramme 3980 kg, was hatten wir wohl alles (zu viel?) eingepackt. Sind es etwa die Getränke für die

Schiffsreise die wir bereits in im Herbst vorausschauend, man will ja kein Pfand verschenken, in Griechenland und Österreich bunkerten.

Unser neues 5 Tagekennzeichen MS 04531, herzlichen Dank Peugeot Hornung, benötigt 50 Min Wartezeit bei der Zulassungsstelle, bei der wir gleichzeitig unseren 10 Jahre alten treuen Volvo 850 tdi, der uns 330 000 km ohne großes Murren begleitete, abmelden. Die nette Sachbearbeiterin verweist uns auf die (notwendige) internationale Zulassung, als sie beim Abmelden von „Joegi“ von unseren Reiseplänen hört. Sie wäre, so glauben wir, am liebsten mitgefahren.

Die Autobahn begrüßt uns nach wenigen Metern gleich mit nicht angesagtem langem Stau, wären wir doch in Münster-Ost und nicht in Nord aufgefahren.

Den Weg durch Hamburg leitet uns Franz (unser Garmin/Quest) die uns partout durch das Elbtunnel und nicht über die von uns geplanten Elbbrücken franzen will.

Der herzliche Willkommensgruß von Buck-Gramckos und das üppige warme Abendessen versüßen uns bei leckerem Bier unseren Abschiedsabend. Beim opulenten Frühstück in dem herrlich gelegenen Haus mit riesigem Mammutbaum gekröntem Garten klingeln nochmals unsere Kinder durch. Offensichtlich wollen sie nochmals checken, wie wir drauf sind.

Der rattenkalte graue Hamburger Himmel um 0 Grad lässt uns morgens eher schauern als an Abschiedstränen denken als wir gegen Mittag völlig problemlos an der Schranke vor Schuppen 48 stoppen. Ein Gang ins Wachbüro, Reisepässe, noch geholt, schon steht ein „Fahrtfinder“ mit einem PKW bereit, der vor uns herfährt, und uns durch das Gewirr der zu ladenden PKW`s bringt.

Noch über 300 Fahrzeuge signalisiert der Schauermann, der die plastikverpackten PKW`s scannt bevor sie im Schiffsbauch verschwinden. Der dick vermummte Deckoffizier will gleich unsere Pässe, bevor wir wie auf einer Fähre auf dem Weg zu Deck 6 etwas hilflos mit Joegi rumstehen.

Silbergraue (neu aufgelegte) VW-Bullis aus Brasilien, große Straßenbaumaschinen, 3 LKWs und dann so weit das Auge reicht übereinander gestaffelte PKWs. Wir gucken ganz dumm, als an uns dauernd Sprinter Kastenwagen 313 cdi, – ist Joegi nicht auch so einer- an uns vorbei rauschen. Brasilienimport, sagt ein netter Schauermann, der die Rennfahrertruppe zu beaufsichtigen scheint. Er zeigt uns den Platz, wo immer Womos stehen würden. Das bestätigt der nächste tief vermummte Grimaldi-Mann, der uns noch einmal einweist.

Noch haben wir viel Platz auf dem Deck 6, die alten Nummernschilder finden wieder ihren üblichen Platz, bevor es mit dem Fahrstuhl auf Deck 12 ging, wo uns der Steward in unser neues Reich einweist.

Grande Buenos Aires Start PA 025

Unser Schiff mit dem wir von Hamburg nach Buenos Aires gefahren sind

Die Schiffsbesichtigung fällt kältebedingt kurz aus. Um 16.30 war Landgang Ende, ein Termin der uns nicht interessiert, müssen wir uns doch erst mal pendelnd zwischen Deck 6 und 12 häuslich einrichten, was völlig unkompliziert mit dem nahe liegenden Fahrstuhl funktioniert.

Jetzt warten wir, unterbrochen von Telefonanrufen von unseren Lieben bei Radiomusik und schon 2 Gold Medaillen, die unser Olympiakind – Katja arbeitet bei den Winterspielen in den 2 Autostunden von Turin entferntem Sestriere und wohnt in der Nähe des Deutschen Hauses gleich bestätigt.

Das für 19 Uhr annoncierte Auslaufen klappte planmäßig Die freundlichen Elblotsen erklären das Panorama, das wir von der Brücke, auf die wir immer dürfen, bis Cuxhaven verfolgen.

Beim ersten Kontakt in der Offiziersmesse um 18.00, gibt es Abendessen lernen wir die Mitreisenden kennen. Bei uns am Tisch sitzen erfahrene ältere Frachtschiffreisende, die erneut nach Chile wollen. Ein englisches Ehepaar aus der Nähe von London, die von Tilburry einmal rund fahren und ein Venezianer, der das bereits in Le Havre hinter sich hat. Eine bunte Gesellschaft, die sich noch finden muss. Das gilt auch für die Schiffsoffiziere. Der Kapitän übergibt dem bereits mitfahrenden Nachfolger in Le Havre.

12.02.06 Schneebedeckte Strände in Cadzand haben wir uns schon in der Sonne geaalt- begleiten uns bei teilweise Schneeregen bis vor die Scheldeschleuse, die wie eine schmale Sackgasse höchste Konzentration von Lotse und Brückenmannschaft fordert. Das wirkt alles gekonnt, obwohl höchste Anspannung auf der technisch auf dem neustem Stand – so der Lotse – stehenden Brücke zu spüren ist. Auf einmal qualmen bei kaltnassem Wetter die eigentlich verbotenen Zigaretten. Jetzt grüßt uns weit nach Mitternacht wieder eine Armada von in Reih und Glied abgestellten schneebedeckten PKWs. In 24 Stunden wissen wir, ob wir dieses Feld mit brasilianischen VW-Bullis umwälzen.

 

3.3 Dritter Reisebericht 2006_02

Von Le Havre, auf überlangem stürmischen Weg nach Bilbao 15. bis 20. 2. 06

Bei heftigem Seegang erleben wir hautnah die Unbilden des Meeres im Ärmelkanal. Windstärke 10 und heftige Wellen, man kommt sich wie auf einer Achterbahn mit Unwuchten vor. Verstärkt wird alles durch die Geräuschkulisse. Als ob wir auf dem letzten Loch pfeifen und jemand andauernd Wurfgeschosse unterschiedlicher Größe und Menge auf uns schmettert. Gisela streckt alle viere von sich und ist besorgt. Bei mir dagegen wirkt die medikamentöse Vorbeugung. Ich darf an den Laptop.

Zusammen mit dem englischen Ehepaar geht es in Le Havre, dem 4.größten europäischen Hafen mit dem Taxi in die Stadt. Unser Schiff, das mit seinen 3500 Autostellplätzen auf seine 214m Länge im Autohafen wieder Nachschub von Fiat und Peugeots lädt und u.a. brasilianische Baumaschinen, die anstelle der Gummibereifung auf Holzlatten ummantelten Felgen fuhren, ausspuckt, soll gegen Mitternacht -zwischenzeitlich in den Containerhafen verlegt- auslaufen.

Das mitternächtliche Schauspiel unserer engen Hafenschleusenpassage wollen wir uns nicht entgehen lassen, nachdem wir die mehr im Zuckerbäckerstil wieder aufgebaute im Krieg völlig zerstörte Hafenstadt, in der zwischen 8/1944 und 8/1946 3.750.000 US-Soldaten angelandet wurden, in Augenschein genommen haben. Sonst typische Nachkriegshafenstadt mit Englandfähre, Jachthafen, aber alles noch im Winterschlaf. In den Geschäften „tote Hose“.

Der annoncierte Auslaufzeitpunkt verzögert sich um fast 2 Stunden, obwohl Lotse und Schlepper mehr als pünktlich auftauchen.

2 Container beschäftigten die Schauerleute mehr als intensiv. Es ist ein hin und herfahren, Kran vorwärts und rückwärts, hoch und wieder runter, bis die Dinger endlich unter den Augen des neuen kettenrauchenden Kapitäns verstaut sind. Die Vermutung kommt auf: So macht man eine 2. Schicht.

Fast den ganzen Tag verbringen wir heute auf der Brücke, beobachten die wechselnden Regenschauer und die unterschiedlichen Frachter, die wie wir bei Windstärke 6/7 durch die Gicht schaukeln.

Beim Nachtisch des Abendessens gegen 21.30 Uhr nimmt das Ganze einen unerwarteten Lauf, nachdem vorher schon vorsichtshalber die unbenutzten Suppenteller wieder abgedeckt sind und der Kapitän für später Windstärke 10 ankündigt. Ein ansatzloser plötzlicher kräftiger Ruck, flimmerndes Licht -Polterabend- nichts liegt mehr so wie vorher, alles ist auf dem Boden zerstreut.

Mein englischer Tischnachbar fliegt auf seinem Stuhl in die fast 3m entfernte Türöffnung an der er sich gerade noch festhalten kann. Man versucht zu halten, was noch steht. Ich greife instinktiv das vor mit stehende Rotweinglas und eine Glasschüssel mit Bananen, während die große Yuccapalme, Teller, Tassen, Essig, Öl, Zucker Parmesankäse, Flaschen egal ob voll oder leer wie auch die noch gefüllten Rotweinkaraffen auf den Boden landen und einen rutschigen Müllsee bilden. Der Kapitän rennt mit seinen Offizieren, die gerade einen Kognak aus dem Pappbecher angeboten bekamen, los und weg. Gisela kann sich in einer Speiseölpfütze grade noch festhalten, sonst wäre sie auf dem mit Scherben, Essensresten, halt allem was fliegen kann, gelandet. Auch unsere Kabine ist völlig „aufgeräumt“, alles liegt verstreut auf dem Boden aber ohne erkennbaren Schaden. Der Koch streut Salz zur Abstumpfung. Uns schickt er zurück in die Kabine, in der wir bleiben sollen. Hoffentlich ist unserem Womo nichts passiert. Morgen früh kann ich das sicher prüfen.

Den unversehrt gebliebenen Laptop, der mit allem vom Schreibtisch geflogen ist, halte ich zwischenzeitlich fest, so stark schaukelt und ruckt das ächzende Schiff. Die peitschende lautstarke und krächzende Geräuschskulisse gefällt gar nicht. Gisela (fühlt sich gar nicht wohl) wundert sich das ich überhaupt auf dem schwankenden Schreibtischsessel sitzen und nach Mitternacht noch Schreiben kann. Ablenkung kann sie auf dem Sofa liegend noch kommentieren. Bett ist noch nicht angesagt, wir warten auf eine Wetterberuhigung. Das immer wieder aufkommende plötzliche Rucken in den andauernden heftigen, stampfenden Schiffsbewegungen, die sich auf Stuhl und Schreibtisch scheinbar unterschiedlich auswirken und auch in den Schränken die Sachen hörbar hin und her schieben, nervt. Obwohl wir uns an den einen oder anderen Sturm auf See noch gut erinnern, machen wir eine neue Erfahrung, auf die ich jetzt ein Bier aus unseren heil gebliebenen Gläsern trinke. Prosit! Ich hoffe es bekommt.

Das Bier hat nicht geschadet und für die notwendige Bettschwere gesorgt, die sich bei Gisela nicht einstellen will. Sie besteht auf Licht.

Nach kurzer, unruhiger Nacht zeigt sich bei Helligkeit und weiterem heftigen Wellengang die nächtliche Bescherung auf dem jetzt langsam fahrenden Schiff (5 Knoten statt der üblichen 17), das den Kurs ändert um dem für weitere 2 Tage angekündigten Sturm auszuweichen.

4. auf dem stürmischen Weg nach Bilbao 007

Auf dem Oberdeck sind mehrere Containertürme, d.h. 9, umgekippt. Sie füllen jetzt den bisher freien Innenraum. Anstelle des gesperrten Aufzugs geht es via Treppenhaus zum Womo, das -so der Bootsmann- auf dem sichersten Platz stehe. Nicht weit entfernt liegt ein großer Container im Raum, der wegen gerissener Schweißnähte der LKW-Halterung abgestürzt war. Die an der Bordwand auf der Seite liegenden 2 neuen Toyota-Landcruiser, die der querliegende Container einklemmte, wirkten wie unwirkliche Pakete und lassen auch hier die Sturmgewalt spüren.

4. auf dem stürmischen Weg nach Bilbao 017

 

3.5 Vierter Reisebericht aus Banjul/Gambia 2006_02

 

Soll noch ein weiterer Hafen in Westafrika angelaufen werden? Wir wissen es noch nicht. Dafür warnt uns der Kapitän wegen der allgemeinen „Großwetterlage“ (nach veröffentlichten Mohammedbildern) vor dem Landgang in Casablanca/Marokko (24.2.06)

1_3_06 Banjul Gambia 003 1_3_06 Banjul Gambia 005   Strassenszene in Banjul

Das freitägliche Casablanca – das ist „Sonntag“ – unsere erste Stadt in Afrika, begrüßt uns mit Frühlingswetter und vielen Menschen auf der Straße, die um 13Uhr auch als Gebetsstätte dient. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Erdbeeren – die ganz großen – will man uns nicht verkaufen, das Internet akzeptierte € und $. Die größte Moschee mit ihrem 240 m hohen Turm grüßt auch noch beim Auslaufen.

Der Kapitän erahnt frühzeitig „marokkanische“ Zeit. Statt 18 Uhr rollen die Container bis nach Mitternacht und wir danach um am deutschen Karnevalssonntag 2006 erstmals einen puren Sonnentag mit sommerlichen Temperaturen wie auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Liegestuhl zu erleben. Abends gibt es gleich

Barbecue und wir können erstmals wie bei uns im Hochsommer bis Mitternacht draußen sitzen. (26.2.06). übermorgen steht Dakar/Senegal (28.2.06) – ihr kennt doch die Rallye Paris-Dakar- auf dem Programm. Für uns gibt es leider nur ein einstündiges Kurzprogramm.

Wenig Ladung entpuppt sich beim Zusehen als doch mehr. Müssen wir bereits wieder um 10.00 d.h. kurz nach dem Frühstück an Bord sein, dauern die zügigen Containerbeladungen bis fast 14.00. Bis sich dann der Lotse bequemt und die Leinen los sind kommt noch eine Stunde dazu.

Wie gerne hätten wir die Zeit in dieser afrikanischen Westküstenstadt besser genutzt. Wir gesellen uns mit unseren Mitreisenden quasi zu den vielen Gaffern –auch an Bord-, die den wenigen wirklichen Arbeitern zuschauen, wenn sie nicht gleich auf den Containern anscheinend lärmresistent ihr Nickerchen machen.

Nicht mehr Berber in ihren Kaftanen, jetzt bevölkern groß gewachsene schlanke rabenschwarze Menschen in abenteuerlichen Klamotten, die genauso exotisch aussehenden schmalen Strassen, auf denen sich das Leben abspielt. Unter Zelten vor den Häusern wird in Bolleröfen gegrillt und an Art Bierbänken gefrühstückt. Die morgendliche Markthalle quillt mit Tomaten, Auberginen, Gurken, rote Rüben und weißen Rettichen über. Die Erdbeeren lachen weniger wie auch das bei uns mittlerweile typische Obst. Dafür strahlt ein Blumenmeer (Gisela schwärmt von Bauernblumen).

1_3_06 Banjul Gambia 011

Seit 2 Tagen können wir Winter ade, Hochsommer juchhe singen.

 

Überraschung! Afrika wir bleiben dir erhalten!

 

Weiter geht es nach Banjul/Gambia, noch nie gehört(!), aber im Laptop bei Encarta gibt es Aufklärung. Für was doch Enzyklopädien alles gut sind! Im Gegensatz zu unserem Kapitän (dreckigste Stadt) positiv zu beschreiben sollen noch Conakry/Guinea und Freetown/Sierra Leone folgen, bevor wir den großen Teich überqueren.

1_3_06 Banjul Gambia 025